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Kirgistan    

     

Einwohnerzahl    

7,5 Mio.         

 

Hauptstadt 

Bischkek, 1 Mio.

 

Grössenvergleich                 

5 x grösser als die Schweiz 

 

Visum                         

30 Tage visumfrei für Schweizer    

                                                          

Währung                    

Kirgisischer Som

 

Grenzübertritt Kosten            

Keine

 

Carnet de Passage nötig

Nein

 

Dieselpreis

1 CHF

 

Regierungsform                

Kirgisistan ist eine Republik und seit 1991 von der Sowjetunion unabhängig. Mit der Annahme der neuen Verfassung der Kirgisischen Republik am 5. Mai 2021 veränderte sich das politische System Kirgisistans erheblich. Der Präsident wurde durch die Rückkehr zum präsidentiellen Regierungssystem gestärkt, während die in den 2010er-Jahren ausgebauten Kompetenzen des kirgisischen Parlaments in Teilen eingeschränkt wurden. Präsident Sadyr Dschaparow regiert seit 2021.

 

Religion                

75% der Einwohner sind heute sunnitische Muslime. Kirgistan sieht sich in letzter Zeit zunehmend mit dem Wirken von muslimischen Fundamentalisten konfrontiert. Zweitstärkste Gruppe ist das Christentum, 20 Prozent der Bevölkerung sind russisch-orthodox.

 

Sprachen                    

Die kirgisische Sprache gehört der Familie türkischer Sprachen an, doch sie wird in kyrillischem Alphabet geschrieben, das drei zusätzliche Buchstaben beinhaltet. Es handelt sich dabei um Laute, die nur im Kirgisischen vorkommen und im Russischen nicht vorhanden sind. Diese Buchstaben sind Ң, Ө und Ү

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Haupteinnahmequellen            

Die Landwirtschaft war lange der dominante Wirtschaftszweig, inzwischen wurde sie teilweise von dem Dienstleistungssektor abgelöst. Das Land hatte nach der Loslösung von der Sowjetunion erhebliche finanzielle Probleme konnte sich aber teilweise davon lösen. Dennoch ist Kirgisistan ein armes Land: etwa 25 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Wie in Tatschikistan werden etwa 25 % des BIP von im Ausland arbeitenden Kirgisen nach Hause geschickt.

                

Interessantes & Skurriles

 

Kirgisistan gehört neben Bhutan, Nepal und Bolivien zu den höchstgelegenen Ländern der Welt. Mehr als die Hälfte seines Territoriums liegt zwischen 1,000 und 3,000 Metern über dem Meeresspiegel, ein Drittel erreicht 3,000 bis 4,000 Meter. 

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Drei Viertel der Fläche der Republik sind von Bergen bedeckt.

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Der höchste Punkt Kirgisistans und des Tian Shan-Gebirges, der Victory Peak, ist fast 7,500 Meter hoch. Die Besteigung dieses beeindruckenden Berges ist ebenso anspruchsvoll wie die Besteigung des Everest. Bergsteiger halten ihn für den unzugänglichsten der Siebentausender.

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Kirgisistan verfügt über mehr als 2,000 Seen, von denen der Issyk-Kul der berühmteste ist. Er ist nach dem Kaspischen Meer der zweitgrößte Salzwassersee der Welt und nach dem Baikalsee eines der klarsten Gewässer der Erde.

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Im Osten Kirgisistans, nahe der chinesischen Grenze, liegt der rätselhafte Mertsbacher Gletschersee auf über 3,000 Metern Höhe. Er verschwindet auf mysteriöse Weise zweimal im Jahr, im Winter und im Sommer, und fließt in den Inylchek-Fluss, bevor er wieder auftaucht. Wissenschaftler haben noch keine umfassende Erklärung dafür gefunden.

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Die einzigartig schöne Aigul-Blume, die nur in den Bergen Kirgisistans vorkommt, wurde 1978 in das Rote Buch aufgenommen. Als endemische Art wächst sie ausschließlich auf dem Aigultash-Berg, 15-18 km von Batken entfernt. Der Legende nach bringt der Anblick dieser Blume grenzenloses Glück, obwohl ihre Blütezeit nur zwei Wochen dauert.

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Wie in der Mongolei gibt es auch in Kirgisistan noch echte Nomaden, die in Jurten leben und mit ihren Herden umherziehen.

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Kirgisistan ist berühmt für sein traditionelles alkoholisches Getränk namens Kumis. Kumis wird aus fermentierter Stutenmilch hergestellt und ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der kirgisischen Kultur.

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Eines der bekanntesten Gerichte Kirgisistans ist Beschbarmak , ein herzhafter Eintopf mit gekochtem Fleisch und Kartoffeln. Ob Feinschmecker oder einfach nur auf der Suche nach einer leckeren Mahlzeit – die kirgisische Küche soll offenbar begeistern

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Und das Verrückte ist, dass die meisten Leute Kirgisistan nicht einmal auf einer Karte finden können …ihr gehört nicht dazu!

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Übrigens gibt es hier bereits eine ganze Menge grossartiger Videos von Tinu... 

15.8. Border Run Tadschikistan - Kirgistan

 

Wir fahren am Morgen noch einige Kilometer bis wir an die leere Grenze Tadschikistans kommen. Diese Grenze "Border Run" zu nennen, wäre die Übertreibung des Jahres, ich glaube wir hatten noch selten eine so nette, entspannte Ausreise aus einem Land. Zehn Minuten vielleicht? Allerdings nur weil der Grenzbeamte ein bisschen plaudern wollte, eine der Grenzbeamtinnen, durchs offenen Fenster gesprungen ist, anstatt die Tür zu nehmen, nur damit sie ein bisschen schnacken konnte. Die Kleine hat sofort gesehen, dass die Tadschikische Flagge noch nicht am Heck von Indy angebracht wurde (ja das haben wir verschlampt). Sie reklamiert, Tinu geht hinein und holt den entsprechenden Sticker. Sie besteht, darauf "Ihre" Flagge selbst anzubringen und macht das toll. Viel Lachen, viele nette Gesten - ansonsten wären wir in fünf Minuten durch gewesen. 

 

Wir dürfen also weiterfahren und nur nach wenigen Metern guter Strasse (zwischen den Grenzen sind sie eigentlich nie gut! Denn keiner fühlt sich zuständig), erreichen wir den ebenfalls fast leeren Grenzübergang von Kirgistan. Pässe abstempeln, Indy erfassen, Kontrolle des Zolls im Innern des Autos ( der nette Malinois darf liegen bleiben), ein kurzes Stündchen hat das komplette Grenzprodzedere gedauert. Wunderbar. 

 

Nur ein paar Meter weiter gibt es eine Werkstatt in der man auch die Versicherung für einen Monat abschliessen kann. Was soll ich sagen? Das ganze hat ebenfalls eine Stunde gedauert! Allerdings nur, weil wir keine lokale Währung hatten (es hatte an dieser einsamen Grenze weder Geldwechsler noch SIM Kartenverkäufer gehabt), es war dann ein echtes Hin und Her, wie das gelöst werden konnte, aber am Ende hatten wir von dem netten Kirgisen eine Versicherung und eine SIM Karte für einen Monat. Zudem hat er uns noch die übrigen Tadschikischen Som abgekauft. Sehr nett. 

Weil wir gerade so einen Lauf haben, beschliessen wir noch einen Auto Elektriker zu suchen. Seit Tagen fühlt sich unsere Wasserpumpe nicht gut. Sie macht seit zehn Jahren ihren Job und scheint in Rente zu wollen. Wir haben das Gefühl, dass es sich um einen Kabelbruch in der Quetschklemme handeln könnte, denn wenn man die Kabel zusammendrückt läuft sie wieder. Ohne manuelle Unterstützung - Stille. Tinu hat eine kleine Bude irgendwo im Nirgendwo von Irgendwo gefunden, und die Rezensionen klingen  vertrauenswürdig. Wir fahren also dahin, wo sich einer der Arbeiter gerade um den Einbau von Boxen in ein Auto kümmert. 

 

Tinu erklärt das Problem mit Google Translate, und zeigt ihm unser Problem im Indy. Mohamed kann nämlich ausser "Automatik On" und "Automatik off" nur Kirgisisch, ist aber hilfsbereit und lässt alles stehen und liegen. Er verbindet die Kabel neu, und das ist ja in unserem Auto immer so ein Gefummel, weil man nirgends Platz hat, und die 38 Grad helfen auch nicht. Wir denken schon es ist geschafft, aber er gibt beim Testen keine frohen Laute von sich. Er denkt, dass Problem liegt im Innern der Pumpe.

 

ABER in die unterste Ecke unserer Ersatzteilkiste hat ein vorausschauender Tinu eine neue Wasserpumpe eingepackt. Et voilà. Mohamed baut also unsere neue Pumpe ein und das Wasser sprudelt wie aus einem Bergquell! Wunderbar. Nach etwa eineinhalb Stunden ist die Arbeit getan, und wir wollen bezahlen. Das will er aber auf gar keinen Fall. Er lehnt das Geld ab - wieder so nett. Wir schenken ihm eines unserer wenigen Viktorinox Messer und eine Postkarte von Zürich mit unserem Dank. Wir sind froh, dass ers flicken konnte, und es ist gut zu wissen, dass es unterwegs immer wieder Fachleute gibt, die das richtige Know How und Werkzeug  haben um zu helfen. Offenbar auch in Kirgistan.

Eine gute Werkstatt!

16. - 18.8. Osch 

 

Die zweitgrösste Stadt Kirgistans, nach der Hauptstadt Bischkek, hat fast 400 000 Einwohner und ist unser nächstes Ziel. Durch fruchtbare Täler, immer wieder entlang der Grenzegebiete Usbekistans, erreichen wir die Stadt am Sonntag. Beim Tes Hotel kann man mit dem Fahrzeug stehen, und was uns vor allem interessiert, man kann Wäsche waschen. Wir erreichen das Stadtzentrum am Nachmittag und werden bei der Einfahrt zum Hotel direkt von Roland und Anja, einem Deutschen Paar mit einem grossen Laster abgefangen. Die zwei sind am Morgen angekommen und haben schon mal ein bisschen Osch entdeckt. 

 

Wir erwarten allerdings nicht zu viel. Es ist eine grosse moderne Stadt, ohne historische Gebäude, ohne alten Markt, denn der wurde im letzten Jahr abgerissen, obwohl er der grösste Markt Zentralasiens war, musste er weichen. 

 

Wir haben allerdings nicht damit gerechnet soviel gemütliche und unterhaltsame Stunden mit anderen Reisenden zu verbringen, denn die waren ja in letzter Zeit etwa rar. Jedenfalls parken wir direkt neben dem LKW von Roland und Anja, die gerade aus der Mongolei kommen, und lernen nebenbei noch Jenni und Schmidti, ein Deutsches Paar welches soeben ziemlich geschlaucht vom Pamir Highway eingetroffen ist, kennen. Wir verbringen also zwei interessante Abende mit den vieren, viele unterschiedliche Reise- und Lebensmodelle und faszinierende Reiseerlebnisse machen die Runde. Es war also sehr gemütlich, danke euch allen. Macht's gut und allzeit gute Reise!

 

Wir schauen uns dazwischen etwas in der Stadt um, und besuchen den neuen Markt der Stadt. Absolut kein Touristenmarkt, es gibt einfach alles was man zum Leben braucht. Vom Baumarkt über Lebensmittel, von Klamotten über Haushaltsartikel - aber wir mögen das. Allerdings ist das wohl kein allzu guter Standort. Der alte Markt lag mitten in der Stadt für jedermann fussläufig erreichbar. Der neue Markt liegt mit dem Auto mindestens eine Viertelstunde ausserhalb, und war entsprechend schlecht besucht. Schade. 

Durch spektakuläre Landschaft fahren wir immer weiter in Richtung Berge. Die Felder sind abgeerntet, Melonen und Kürbisse säumen den Strassenrand. Die Ortschaften sind überraschend modern, es gibt überall Supermärkte, Werkstätten und Tankstellen - sogar mit Euro5 Diesel. Unser Indy ist also auch zufrieden, und die Strassen sind sehr gut. Es läuft also ziemlich rund. Wir übernachten an einem fantastisch schönen Canyon mit Blick auf eine Pferdeherde und einen wunderschönen Sonnenuntergang.

18.-21.8. Auf dem Weg zum Sonkul

 

Der Sonkul ist ein wunderschöner alpiner Hochgebirgssee, auf 3016 Metern gelegen, den wir unbedingt besuchen wollen. Er ist der grösste Süßwassersee des Landes und eines der wenigen Zentren für den nomadischen Tourismus.

 

Die Hauptstrassen in den Tälern sind alle super ausgebaut, entsprechend gut kommen wir durch die spektakuläre Landschaften vorwärts. Karg, wild und einsam ist die Region, wir übernachten ein paar mal an schönen Plätzen, wo wir keine Menschenseele begegnen. 

54 km vor dem See, zweigt die Strasse auf eine unbefestigte Schotterstrasse ab. Die ist ab und zu ganz gut, und je höher wir klettern wird sie steiniger und kurviger. Wir schrauben uns nach und nach in Richtung Kalmak-Ashuu Pass. Die Passhöhe ist auf 3477 Metern gelegen, das Thermometer zeigt noch 13 Grad an. 

 

Was für eine Aussicht auf dieser Fahrt. Riesige Pferde- und Rinderherden und das tolle: die Tiere sehen wunderbar aus. Gut genährt, glänzendes Fell, keine Blessuren von Zaumzeug oder ähnlichem, grasen sie mit den Jungen in diesen riesigen Weiten. Und dann das Highlight! Die ersten Yaks. Wunderschöne grosse Tiere, die in Kirgistan erst ab 3000 Metern Höhe gehalten werden, weil es ihnen sonst im Sommer zu warm ist. Sie haben unglaublich schönes Fell, sind gut genährt obwohl die Weiden kaum was hergeben. Wir fragen uns wie das geht. Aber sie sehen toll aus an diesen hohen Bergflanken, wir freuen uns!

 

Auf einem leicht erhöhten Plateau geniessen wir die Aussicht auf den grossen See, und lassen das erste Gewitter über uns ergehen. Die Landschaft sieht total dramatisch aus, wie sich grosse schwarze Wolken auftürmen und die ersten Regenschleier näher kommen.

Ein erster Regenguss geht über uns nieder, allerdings nicht sehr dramatisch. Auf den trockenen Weiden bleiben nicht mal Pfützen zurück. Einige Sprinter bringen noch kleine Gruppen Touris zu den Yurten, ansonsten ist es hier still. Ausser in der Nacht. Ich erwache irgendwann, und bin mir erst nicht sicher, ob die Erde gebebt hat. Ich hatte das Gefühl, dass unser Indy schaukelt, aber gerade als ich mich wieder meinem Schlaf hingeben will, schaukelt es beträchtlich. Ich weck Tinu, er hüpft auf und schaut sich draussen um. Die Übeltäter sind schnell ausgemacht. Mangels Bäumen haben diverse Kühe und Pferde unser Auto als Kratzbaum ausgemacht und schrubben ihr Fell an der Kühlerhaube. Halllooo! Tinu macht Lärm und zündet mit der Taschenlampe in die finstere Nacht. Eine richtig grosse Herde ist um unser Auto versammelt, mussten sich wohl anstellen und warten bis die Kühlerhaube frei wird. Sie trollen sich etwas widerwillig und verschwinden in der dunklen Nacht. 

 

 

Das erste was wir am Morgen sehen ist Schnee! Über Nacht hat es deutlich abgekühlt und auf den Viertausendern reicht es für ein bisschen Puderzucker. An den hohen Bergflanken hängen Wolken, es ist windig und wild. Gefällt uns.

 

Ab und zu guckt die Sonne raus, man kann also trotzdem raus ohne weggeweht zu werden, grosse Pferdeherden kommen vorbei und ab und zu Spaziergänger und Wanderer. Der eine oder andere Plausch kommt zustande, wir werden oft gefragt, wie um alles in der Welt wir hier oben mit unserem Auto hingekommen sind. Tja, alles auf Rädern...

 

Später kommen Jenni und Schmidti vorbei, das deutsche Paar welches wir im Tes Hotel in  Osch, schon getroffen hatten. Mit ihren Motorrädern haben sie bereits den Pamir gefahren und sind jetzt ebenfalls auf dem Sonkul. Sie haben in einer der schönen Yurten übernachtet, aber natürlich ist das ziemlich frisch und am Tag kann man sich eigentlich nirgends aufhalten. Sie kommen also zu uns in Häuschen auf einen Kaffee, zu viert geht ja gerade so, wenn man nicht durch die Gegend tanzen will. Netter Besuch ist immer willkommen. 

 

Es gefällt uns hier richtig gut. Die Weite des riesigen Plateaus zwischen den steilen Hängen der hohen Berge und die unfassbar vielen Tiere auf den Weiden - toll! Auch die Höhe haben wir gut weggesteckt, Indy ist auf den Berg gekraxelt wie eine Bergziege und sogar die Heizung macht was sie soll. Ab und zu qualmt es ganz gewaltig, aber dann kriegt sie sich wieder ein und wärmt unsere Alphütte. 

23.8. Sonkul - Yssykkul

 

Wir verlassen den schöne See und rumpeln wieder über die schlechte Piste Richtung Tal. Die tolle Yakherde ist heute leider viel höher in den Bergen und wir sehen sie nur von ganz weit weg. Aber die Landschaft ist wiederum grandios und langsam wird es wieder wärmer. 

 

Eigentlich wollten wir unterwegs am Pass nochmal übernachten, aber wir kommen gut voran und erreichen Kotchgor, den Hauptort der Region der auf etwa 1600 m liegt, am Nachmittag. Am Fluss finden wir einen grossartigen Platz und bleiben da für eine Nacht, obwohl das durchaus einer wär für eine Woche (wie so oft...).

24.8. Yssykkul

 

Nach einer fantastischen Fahrt durch karge, rote Berge erreichen wir den See, der eher die Ausmasse eines Meeres hat. Er ist elf mal grösser als der Bodensee und nach dem südamerikanischen Titicacasee der zweitgrößte Gebirgssee der Erde. Er ist 

182 km lang, 60 km breit und bis 668 Meter tief. Da er leicht salzig ist, gefriert er auch im Winter bei  - 20° nie. Er hat zwar mehrere Zuflüsse aber keinen Abfluss ins Meer. Der See ist sowohl Naturschutzgebiet als auch Naherholungsgebiet für Einheimische und Touristen. Immer mehr Yurtencamps werden gebaut, Kirgistan erlebt gerade einen nie dagewesenen Tourismus Boom. 

 

Am Yssykkul darf man mit dem Wohnmobil an vielen schönen Plätzen stehen, immer mit 100 Meter Abstand zum See. Wir haben Wetterglück und da sich der See auf 1600 M.ü.M. befindet ist es auch nicht mehr so brütend heiss. Zum ersten mal sehen wir wirklich viele Mietautos mit ausländischen Reisenden, viele Fahrradfahrer und Touris Gruppen.

Im ersten grösseren Ort besuchen wir den lokalen kleinen Markt und können uns mit vielen Früchten und schönem Gemüse eindecken. 

 

Wir entdecken eine kleine Filzmanufaktur wo gezeigt wird, wie diese kirgisische Handwerkskunst zu so wunderbaren Ergebnissen führt. Der Filz am Ende des Prozesses ist feuchtigkeitsregulierend, extrem kälteisolierend, langlebig und satt in den Farben. Das Holzgerüst der Yurten wird seit ewigen Zeiten mit diesen Filzmatten umhüllt und hält die Bewohner warm, zudem wird der Boden mit vielen Schichten Filzteppichen ausgelegt. Es ist also auch weich und bequem. Diese Kunst symbolisiert für die Kirgisen das ganze Leben. Von der Geburt auf einer Filzmatte bis zum Lebensende. Die Kunst des Filzens wird traditionell von Frauen ausgeübt und von Generation zu Generation weitergegeben.

Wir tingeln noch ein paar Tage länger an den Ufern des Yssikuls weiter, finden immer wieder schöne Plätze und treffen immer wieder auf Travelbuddies die wir von irgendwoher kennen. So verbringen wir viele interessante und gemütliche Stunden, und geniessen die letzten Tage mit Bekannten und Freunden. Bald werden die Karten neu gemischt. Für die meisten Reisenden ist dies der östlichste Punkt ihrer Reise und sie machen sich schon bald auf den Rückweg. Es gilt rechtzeitig in Georgien zu sein, bevor die Pässe wieder für viele Wochen wegen Schnee geschlossen werden. Aber erst sind wir noch auf einem Parkplatz mit einigen anderen verabredet, das Highlight des Jahres in Kirgistan wird eröffnet.

 

Die Nomad Games 2026. Zum ersten mal wurden die Spiele im Jahr 2014 in Kirgistan abgehalten, denn das Land ist auch Initiant der Sportveranstaltung. Alle zwei Jahre nehmen mittlerweile 110 Nationen mit über 3000 Athleten teil. Übrigens gibt es sogar eine Schweizer Delegation. Also das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber wir haben tatsächlich zwei Teilnehmer und zwar zum einen in der Disziplin Bogenschiessen zu Pferd. Der Bündner Biobauer Andri Marugg hat im 2024 zum ersten mal an den Games teilgenommen, als sie in Kasachstan ausgetragen worden sind. Zum anderen nimmt Sara Bachmann in der Disziplin Toguz-Korgol teil. Seit 2016 startet sie bei den Games in ihrer Kategorie, einem asiatischen Denk- und Brettspiel.

 

Die Eröffnungsfeier in der Hauptstadt Bischkek soll ein voller Erfolg gewesen sein, wenn auch ein heilloses Chaos. Denn am Rande der Eröffnung fand ein Gipfel vieler asiatischer Staatsoberhäupter statt. Die Premierminister von Pakistan, Indien, von allen Zentralasiatischen Ländern, sogar der grosse Mann aus Moskau und sein Amtskollege aus China waren hier. Ein solches Ereignis hebelt natürlich sämtliche Normalität in einer Hauptstadt aus, wenn dann sogar zwei solche Ereignisse aufeinander prallen, bricht das Chaos komplett aus.

 

Aber wir finden 15 km vor dem ersten Austragungsort auf einem riesigen Parkplatz die anderen Overlander, und sind am Ende etwa 10 Fahrzeuge. Direkt bei uns ist dann auch der Shuttlebusservice - eigentlich perfekt. Wir bummeln also am Nachmittag zu den Bussen, können direkt einsteigen und lassen uns zum Hippodrom bringen, welches eigens für die Games gebaut wurde. In einer Halle finden Wrestling Kämpfe statt. Es gibt hier verschiedene Disziplinen, alle werden gleichzeitig ausgetragen , so hat man immer was zu gucken. Später ist die offizielle Eröffnung im Hippodrom mit viel Musik, geladenen Gästen, viel Show und das Land Kirgistan stellt sich vor. Alles in allem wirklich gut gemacht, allerdings finden wir keinen Bus mehr der uns am Abend die 15km wieder zurückbringt.

 

Ein heilloses Durcheinander, denn die Strasse ist gemäss Angaben der Polizei gesperrt, allerdings fahren wirklich viele Autos immer noch in beide Richtungen. Wir durchschauen den ganzen Prozess nicht wirklich und versuchen einen Yandex (das Pendant zu Uber) zu bestellen, aber vergebens. Irgendwann hält ein Taxi mit einem Englischen Paar und wir glauben, dass die aussteigen wollen, und fragen den Fahrer ob er uns mitnehmen würde. Er nickt, nennt uns den Preis und wir steigen ein, aber die Engländer nicht aus. So witzig, wir haben einfach deren Taxi gekapert. Aber die nehmen es mit Humor und sagen, dass sie uns gerne mitnehmen. Wir unterhalten uns mit den beiden sehr gut, und nach ein paar Kilometern steigen sie aus. Das Taxi bring uns tatsächlich bis vor die Haustür - aber das war ein Ritt. Vielleicht sind wir einfach nicht ÖV?

 

Am nächsten Morgen wollen wir ins 70 km entfernte Nomad Village und müssen erst mal über eine Stunde für den Bus anstehen. Wir lernen unter den Gleichgesinnten in der Schlange sehr nette Menschen kennen und so vergeht die Zeit recht schnell. Im Canyon auf 2200 M.ü.M. sind original Yurten aus Filz aufgebaut in denen Gruppen verpflegt werden, in einem Village wird wunderschönes Kunsthandwerk aus den umliegenden Ländern angeboten, man kann Tanzvorführungen beiwohnen, Musik hören, schauen wie die Künstler ihrem Handwerk nachgehen, den Bogenschützen zuschauen, Adler und Falken bestaunen, Reiter mit ihren Pferden beobachten und staunen über die vielen Menschen in ihren wunderschönen Trachten, die sie hier mit viel Stolz präsentieren. Sie freuen sich, wenn man ihre Kleidung bewundert und stehen noch so gerne für eine Foto bereit. Wenn jemand von ihnen ein wenig Englisch spricht, erzählen sie mit Stolz von den Nomad Games und heissen uns als Besucher sehr herzlich willkommen. Es ist eine total andere Welt und wirklich unglaublich eindrücklich. Nie wird bei uns in Europa über diesen Grossanlass berichtet, obwohl er zwischen FCZ und GC mal einen Platz im Sportpanorama verdient hätte. Wir sind auf jeden Fall begeistert, und lassen uns die Freude nicht verderben, obwohl wir für den Rückweg das reine Chaos erleben und für die 70 km drei Stunden brauchen.

Am See 

Beim Hippodrom

Impressionen aus dem Nomad Village

Hiess dieser nette Typ jetzt Musa? Wir wissen es nicht mehr ganz genau. Jedenfalls wollte er uns unbedingt zum Essen einladen, aber da wir bereits gegessen hatten und er mit seiner Familie zurück nach Bischkek musste, hat er uns im nahen Laden mit allerlei Süsskram eingedeckt. Er hat sich spontan gefreut, uns in seinem Land begrüssen zu dürfen. So herzig und nett!! Vielen Dank für die Gastfreundschaft in Kirgistan. 

So ein netter Typ!

Fazit Kirgistan:  3 Wochen/ 2000 Kilometer

 

Kirgistans Landschaft ist schlicht faszinierend. Die hohen und farbigen Berge, die kargen Felswände und sogar auf 3000 Metern riesige Ebenen mit unfassbar grossen Tierherden. Es ist sehr einfach sich als Camper zu versorgen. Man findet üppige Märkte, gute Geschäfte in denen man alles kaufen kann was man so braucht - und das Brot ist genial. Die Menschen sind eher verschlossen, sprechen wenig Englisch, sind aber nett und mit Google Translate gehts immer. Es ist ein Land für Besucher mit Freude an der Natur, es ist toll um zu wandern, zu reiten oder an einem der vielen Seen zu verweilen.

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