Vorbereitungen TransAfrika 

 

Verrückt. Mir kommt es vor, als wären wir gerade erst von Südamerika zurückgekommen, schon sind wir wieder mitten in den Vorbereitungen für die nächste grosse Tour. Die Covid Zeit war anstrengend und irgendwie zieht es uns wieder in die Ferne. Mein Rücken wird ja auch nicht besser, und "mein" Professor meinte, da müsste wohl mal was chirurgisch geregelt werden. Also hau ich lieber gleich ab, bevor er mich noch erwischt. Tinu ist sowieso immer ready und Afrika sein Ding. Hat sich früher noch die Frage nach dem Fahrzeug gestellt, weil ich die Vibration im Ländy nicht mehr vertragen habe, ist die nun vom Tisch, weil wir seit 2020 mit unserem Indy, einem Mercedes Sprinter 4x4 unterwegs sind. Unser Ländy war mit seinen 25 Jahren reif für ein bisschen Wellness und gemütlichere Touren. 

 

Und nun DAS! 

 

TRANSAFRIKA

 

Für uns ist Afrika immer ein Traum gewesen. Der Kontinent mit seinen vielen Gegensätzen, wo es Mittelmass oder Durchschnitt so nicht gibt. Entweder ist es unglaublich grossartig, unbeschreiblich schön oder so absolut nervig, deprimierend und dreckig. Wir haben schon einige Monate im südlichen Afrika verbracht. So von 2000 bis etwa 2006 waren wir ein bisschen angefressen und haben mehrmals Namibia, Botswana, Südafrika und Tansania bereist. Die Tierwelt hat es uns angetan, die einsamen Ecken der Namib und die grossartigen Landschaften mit ihren endlosen Weiten sind für uns zwei Schweizer, die wir aus einem komplett zugebauten und engen Land kommen, wahnsinnig eindrücklich.

 

Es heisst also wieder planen. Afrika, das haben wir schnell gemerkt, ist eine andere Nummer als die Panamericana. Nach Südamerika waren wir einfach auf dem gleichen Frachter wie das Fahrzeug. Also Terminplanungen mit Abgabe im Hafen, Flügen, Hotels, Entgegennahme im Hafen etc. sind schon mal weggefallen. Die Visen für uns sind ein vielfaches begrenzter als in Südamerika, sie geben somit grösstenteils den Reisetakt vor. Wir arbeiten also wieder täglich unsere drei to do Listen ab, und immer wenn wieder was durchgestrichen werden kann, kommen drei neue Punkte die uns einfallen dazu. Gut sind wir schon nicht mehr im Arbeitsprozess. Ich glaube das wäre fast nicht zu schaffen.

 

Wir haben also bereits neue Mieter, ein cooles junges Paar mit ultramegasüssem Hund, die sich bereits im Vorfeld sehr auf unsere Wohnung freuen. Was heisst, wir räumen. Ich betreibe gefühlt einen Online-Shop, und wir merken wieder mal wie unsinnig viele Dinge wir haben. Sind die wichtig? Nein. Im Auto leben wir mit so viel weniger und brauchen trotzdem nie alles. Das wird dann später verschenkt. Wir machen also wieder mal Bündel: Geht in die Brocki, kommt mit im Indy, kommt in den Keller und kommt mit auf die vierwöchige Reise bis nach Südafrika. Unser Auto ist vier Wochen auf dem Frachter. 

Wir könnten  irgendwo vier Wochen Zeit verdödeln und Blümchen pflücken - wir haben uns aber für Mauritius entschieden  😎. Da waren wir noch nie und wenns ja am Weg liegt...

 

Aber zuerst rotieren wir jetzt noch ein wenig. Ziel wäre am 16. Mai die Wohnung abzugeben und am 17. loszudüsen. Mittlerweile wird aber wieder Frachter-Domino gespielt. Hat es zuerst noch Bremerhaven - Durban geheissen, war zwischenzeitlich schon mal Antwerpen - Port Elizabeth aktuell, neuerdings wieder Antwerpen - Durban. Wir bleiben also geschmeidig, organisieren unsere Reiseapotheke, ein bisschen was für die Foodbox (Trockenhefe, Ferment, Natron, Backpulver etc.), treffen uns fast jeden Abend mit Freunden, machen Arzt und Zahnarztbesuche, buchen Hotels in Dubai, Port Louis, Mauritius am Strand und Port Elizabeth, verkaufen Zeug, planen unser Abschiedsumtrunk mit den Freunden, bringen den Indy immer wieder in andere Garagen (mal für die Heizung, dann für den Dieselpartikelfilter, dann für die Gasflaschen, dann für den Service und neue Reifen, dann für eine Wasserfilteranlage, eine Ersatzteilkiste und so weiter - die Liste ist beliebig verlängerbar). 

 

...und dann der ganze Papierkram 🙈! Impfausweise, Pässe, internationale Krankenkasse, Schweizer Krankenkasse sistieren und nur die Zusatzversicherungen laufen lassen, Einwohnergemeinde abmelden, Steuern bezahlen, Freizügigkeitskonto transferieren, Carnet de Passage für das Auto, e-post (Klara) einrichten, Geld in US$ wechseln, bereits die Camps für den Kruger National Park reservieren weil der offenbar an den Wochenenden über ein Jahr im Voraus ausgebucht ist, x-fach Kopien von den wichtigsten Papieren, Pässe und Fahrzeugausweise laminieren, damit bei Polizeikontrollen nicht das Original verschwindet, und ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht, aber Antwerpen hat nur lausige Campingplätze! Dabei sollten wir einen Guten haben, damit wir am Tag vor der Autoabgabe gemütlich umladen können, den Indy herrichten, alles möglichst wegschliessen und leeren können. Das wollen wir nicht mitten in der Stadt auf einem Parkplatz machen. He nu, dann muss ein schlechter halt reichen - das wird nicht der letzte auf dieser Reise sein...egal. Also weitermachen, wir brauchen einen der möglichst nah am Hafen ist und am besten sogar noch eine gute Waschanlage in der Nähe hat. Erfahrungsgemäss sind die Hafenbehörden immer ein bisschen kleinlich. Also es geht einfach immer so weiter, und irgendwann wird die Wohnung leer, der Indy bereit und die Freunde verabschiedet sein...🥺

Bis 18. Mai

 

Phuu!

 

Wir fallen momentan von einem Extrem ins andere. Schöne Momente mit Freunden, aber auch immer wieder Abschied, Kram verpacken, Kram ausschreiben und verkaufen, sich ärgern über die Unverbindlichkeit von Menschen, in die Entsorgung düsen, in die Brocki düsen, versuchen die ganze Administration auf die Reihe zu kriegen, den Ämtern den Krieg erklären (zumindest ab und zu) und und und...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Latest News von der Reederei: Unser Indy-Taxi fährt nun doch von Bremerhaven allerdings nicht mehr nach Durban sondern nach East London. Uns soll's recht sein, den Flug ab Hamburg können wir also so lassen, und Antwerpen ist auch vom Tisch. Anpassen des Hotels wegen der Reisedaten ist rasch gemacht, neu sind wir nun im Ibis an der Reeperbahn. Hamburg ist bereits wahnsinnig gut gebucht im Mai.

 

Nachdem die Wohnung endlich leer und gereinigt ist, unsere sympathischen Mieter die Schlüssel übernommen haben, schlussendlich alles was mit muss, im Indy verstaut ist, fahren wir am Montag Abend den 16.Mai unserem neuen Abenteuer entgegen. Total unreal und seltsam ist der Moment auf den wir uns so lange gefreut haben. Aber das war im 2015 genauso. Es muss wohl so sein, dass man ein Teil von sich und seinem Herzen bei den Freunden/ Familie lässt, aber die Neugier auf Neues gross ist und die Vorfreude sowieso.

 

Wir übernachten kurz nach der Grenze und nach einem feinen und gemütlichen Znacht beim Griechen sind wir offenbar am Morgen schon ziemlich entschleunigt. Ich steh mal so um 9.30 auf und geniess meinen ersten Kaffee gemeinsam mit Tinu der schon einen Vorsprung hat, und wir merken gerade, dass so unser neues Leben aussieht. Oftmals nur das machen worauf wir Lust haben. Wenig planen, sich dem Moment hingeben, kurzfristig Pläne ändern und einfach los. 

 

Bevor es für uns also südwärts geht, führt die Strasse zuerst mal noch in Richtung Norden. Wir besuchen auf dem Weg Heidy und Mike in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Mit beiden habe ich früher zusammen gearbeitet. Wir verbringen einen weinseligen Abend, die beiden bekochen uns lecker und es gibt viel zu Lachen. Sooo lange nicht gesehen. Herzlichen Dank ihr zwei. Für das spontane Date - und den netten Abend!

 

Nach einer ruhigen Nacht am Rhein geht es weiter nach Heidelberg. Knappe 200 km bestes Asphaltband (solche werden wir uns in Zukunft wohl manchmal wünschen). Wir finden einen guten Stellplatz, verbinden das erste mal unseren Indy mit Landstrom, Tinu macht ein paar Checks wie Luftdruck messen etc. ist ja jetzt irgendwie alles fast neu, oder von uns zumindest bis jetzt entweder noch nicht gebraucht oder nicht getestet. Aber das wird sich in der nächsten Zeit wohl ändern...Die Wasserfilter funktionieren schon mal einwandfrei!

Das muss mit...
Das muss rein...
Voilà
Voilà
O.G. unser neuer Mieter
Chaos überall
Endlich gehts los...
Am Rhein
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