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Usbekistan    

     

Einwohnerzahl    

38 Mio.         

 

Hauptstadt 

Taschkent, 3 Mio.

Grössenvergleich                 

11 x grösser als die Schweiz 

 

Visum                         

30 Tage visumfrei für Schweizer    

                                                          

Währung                    

Usbekischer So'm

 

Grenzübertritt Kosten            

10 Chf

 

Carnet de Passage nötig

Nein

Dieselpreis

ca. 1 Chf pro Liter

 

Regierungsform                

An der Spitze des Staates steht der Präsident, der als Staatsoberhaupt sehr weitreichende     

Machtbefugnisse besitzt. Abdulla Aripow ist seit 2016 im Amt.

 

 

Religion                

Usbekistan ist ein stark geprägtes muslimisches Land. Etwa 90% der Bevölkerung sind muslimisch die anderen 10% sind Christen.

 

 

Sprachen                    

Etwa 80% der Einwohner sprechen Usbekisch. Die anderen Russisch. In der autonomen Republik Karakalpakistan ist zudem Karakalpakisch. Aber das können wir leider nicht 🤪

 

Haupteinnahmequellen            

Die Hauptstützen der usbekischen Wirtschaft sind im Rohstoffsektor und in der Agrarwirtschaft zu finden. Gold, Kupfer, Uran, Erdgas und Baumwolle haben den grössten Anteil.               

 

Interessantes & Skurriles

         

U-Bahnhöfe als Paläste: Die Metro Taschkent ist eine der am strengsten bewachten und gleichzeitig prunkvollsten U-Bahnen der Welt

 

Der Schiffsfriedhof in der Wüste: Einst war der Aralsee ein riesiges Binnenmeer. Durch exzessiven Baumwollanbau ist er dramatisch geschrumpft. In der Nähe der einstigen Fischerstadt Muynak rosten heute gestrandete Fischkutter mitten im Wüstensand vor sich hin

 

Taschkents "Venedig": Mitten in der Hauptstadt gibt es den Kalkauskanal, an dem sich die Häuser direkt am Wasser drängen

 

Der Louvre in der Wüste: Das Savitsky-Museum in Nukus in der autonomen Republik Karakalpakistan beherbergt eine der weltbesten Sammlungen russischer Avantgarde-Kunst. Der Gründer sammelte regimekritische Werke, die in Moskau vernichtet worden wären, und versteckte sie mitten im Nirgendwo. 

 

Das weiße Gold: Usbekistan gehört zu den weltgrößten Baumwollproduzenten. Die Ernte, die lokal als "weißes Gold" bezeichnet wird, prägt das ländliche Bild massiv

 

Kulinarisches Nationalheiligtum: Plow (oder Plov) ist das Nationalgericht. Es besteht aus Reis, Fleisch (meist Lamm), Karotten, Kichererbsen und Gewürzen und wird traditionell in riesigen gusseisernen Pfannen (Kazan) über offenem Feuer zubereitet. Es gehört zur UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes

 

Trotz der muslimisch geprägten Kultur ist das Land das wichtigste Weinanbaugebiet Zentralasiens und produziert trockene, halbtrockene und süße Rot- und Weißweine. Die Weinherstellung geht bis in das 6. Jahrhundert vor Chr. zurück.

 

Polo mit einer toten Ziege: Das traditionelle Reiterspiel Kupkari ist der Nationalsport. Ähnlich wie beim Polo kämpfen hier hunderte Reiter wild auf dem Feld gegeneinander – allerdings nicht um einen Ball, sondern um einen enthaupteten Ziegen- oder Kälberkadaver.

 

Doppelter Binnenstaat-Status: Usbekistan ist eines von nur zwei Ländern weltweit (neben Liechtenstein), das vollständig von anderen Binnenstaaten umgeben ist. Man muss also mindestens zwei Landesgrenzen überqueren, um das nächste Meer zu erreichen

 

Die absolute Herrschaft des Brotes: Das Fladenbrot (Non) ist heilig. Es darf niemals auf den Kopf gedreht, auf den Boden gelegt oder mit dem Messer geschnitten werden. Traditionell wird es immer mit den Händen gebrochen. 

 

Tee ist Pflicht: Der sogenannte Tschai (grüner Tee) ist das Nationalgetränk. Wer bei einem Gastgeber zu Besuch ist, bekommt den Tee traditionell von der Frau des Hauses eingeschenkt. Je weniger Tee in der Tasse ist, desto größer ist die Ehre: Eine volle Tasse bedeutet, dass der Gast bald wieder gehen soll

Usbekistan
Seidenstrasse

18.7. Border Run Kasachstan - Usbekistan

 

Da eine Grenze nach Usbekistan wegen Umbauten geschlossen ist und eine vor allem von Lastern frequentiert wird, entscheiden wir uns für die dritte Option, die uns auch von anderen Travelbuddies empfohlen wurde. 

 

Wir sind früh dran. Um fünf klingelt der Wecker, danach Kaffee und zusammenpacken, so erreichen wir die Grenze um halb sieben - es hat schon 36 Grad. Mann o Mann! Das haben wir ja noch gar nie gesehen. Hunderte, vielleicht nein bestimmt tausende Fussgänger, die von Überlandbussen ausgespuckt werden, stehen wie auf dem Viehmarkt in abgesperrten Gattern an, damit Gepäck und Pass später kontrolliert werden können. Wir verbringen viel Zeit mit Warten vor irgendwelchen geschlossenen Toren. Während der Wartezeit, wechseln wir schon mal 50 U$ in Usbekische Som. Es werden immer nur ein paar Fahrzeuge eingelassen, dann werden die Papiere des Autos kontrolliert, Grenzer prüfen das Innere und Äussere, allerdings nicht sehr genau und der aufmerksame Drogenhund kommt gar nicht zum Einsatz. Zum Glück können Passagiere mit eigenen Autos an anderen Schaltern ihre Pässe stempeln lassen, dann ist die Warteschlange nur kurz. Allerdings steht man auf irgendeinem asphaltierten Platz bei 46 Grad in der Sonne, dann sind auch 20 Minuten lang😅.

 

Für die Ausreise aus Kasachstan brauchen wir etwa eineinhalb Stunden. Keine Maut wie oft gesagt wurde musste bezahlt werden, keiner wollte Uhren oder sonst was von uns, alles war korrekt und freundlich, man muss halt immer wieder warten. ABER es ist ja nicht Konstanz.

 

Der ganze Tross verschiebt sich langsam gemeinsam in Richtung usbekischer Grenze. Die beiden Grenzposten liegen nur eine kurze Brücke auseinander. Es stehen immer noch unglaublich viele Menschen an der brütenden Sonne in der Schlange, einigen geht langsam die Luft aus. Grenzer bringen ein Bidon mit Wasser und ein paar Becher, damit einige nicht aus den Latschen kippen. Es ist unfassbar heiss, und erst morgens halb neun. Wir sind in der schönen gekühlten AirCon Welt, auch wenn wir lange warten müssen, ist das schon eine feine Sache. Später folgt die Autokontrolle. Der Soldat fragt bestimmt dreimal ob wir Gewehre dabei haben, oder Canabis oder andere Drogen oder Waffen. Nein und nochmal nein. Er steigt ins Auto, öffnet sämtliche Fächer, fragt nach Medis, aber eigentlich ist alles gut. Der Hund darf am Schatten liegen bleiben, wir werden wohl als seriös eingestuft. Wir arbeiten also unser kleines Zettelchen, den Gatepass ab, dann dürfen wir auch schon los.

 

Nach gut drei Stunden, ein paar netten Begegnungen und absolut korrekter freundlicher Kontrolle, sind wir angekommen. Im Land unserer Sehnsucht. USBEKISTAN!

 

Direkt nach dem Gate, wird es chaotisch. Oha, anderes Land, andere Sitten. Wir werden von allen Seiten wegen Autoversicherung und SIM Karten belagert. Aber Tinu weiss schon, zu welchem Laden er will, offenbar eine Empfehlung von Freunden. Dort sitzt ein flinker junger Typ, ein Kasache wie wir später von ihm erfahren, und verkauft in erster Linie SIM Karten, aber bei Bedarf auch Versicherungen. Zeigt uns Preise die voll in Ordnung sind, für die Versicherung für zwei Monate sind 22 CHF fällig. Die unbegrenzte SIM Karte für einen Monat bekommen wir für 8 CHF. Er nimmt sogar noch das restliche Kasachische Geld, sehr praktisch. Im kleinen Lebensmittelladen neben seinem, werden von einem Mädel unsere Daten erfasst und die Versicherungspolice gedruckt. In dieser Zeit richtet er schon unsere SIM Karte ein. Der Typ ist super. Mega schnell, ehrlich, versucht uns nicht abzuzocken, und zack sind wir mit allem was wir brauchen ausgerüstet. 

 

Ah nein! Wir haben nämlich einen dieser wahnsinnigen Brotstände gesehen. Unsere Freunde Gaby und Albi von Niederglatt, die selber eine Bäckerei betreiben, haben uns im Vorfeld schon davon vorgeschwärmt. Und wirklich! Die Brote sehen super aus, jedes anders gemustert, und irgendwie unterschiedlich auch im Geschmack? In Usbekistan werden diese Eisenstempel gebraucht, um dem Brot ein schönes Aussehen zu verleihen oder um die Sorten zu kennzeichnen? Wir wissen es nicht, werden es aber herausfinden. Jedenfalls möchten wir eines kaufen und der nette Mann packt extra ein ganz frisch ausgeladenes aus dem Auto aus. Boah, das ist noch heiss und soooo knusprig...und megalecker! 

Der Tag ist noch jung als wir den Grenzbereich verlassen und schon auf den ersten Metern den total anderen Fahrstil der Usbeken kennen lernen. Die Kasachen haben wenig gedrängelt, wenig gehupt und sich an Verkehrsregeln gehalten - es war ja auch alles kameraüberwacht. Hier sind Regeln wohl eher Empfehlungen, es wird gedrängelt, die Hupe ersetzt die Bremse, gefährliche Überholmanöver sind wohl an der Tagesordnung - aber hey: Tinu fuhr schon mal quer durch Teheran. Ganz anderes Level!

 

Wir fahren zum Weingut Uzumfermer. Unter Overlandern ein bekannter Spot um gut zu Essen, usbekische Weine zu kosten und auf dem Weingut ein paar Tage zu verweilen. Wir stehen also zwischen den Reben und dem Hof unter einem grossen schattigen Baum und können uns wieder mal sortieren. Es gibt immer einiges zu tun, aber abends lassen wir uns die gute Küche schmecken. Schade nur, dass die eigentlich guten Weine total lauwarm sind. Das versaut die ganze Arbeit die vorher geleistet wurde, bis der Tropfen in der Flasche war. Schade. Leider sind auch die Dosen des "Sektes" den sie herstellen, nicht richtig kalt, aber der schmeckt mir ausgezeichnet. Und die Dose!! So ein schönes Design. Auf das Tasting werden wir in diesem Fall verzichten - lauwarm mögen wir nicht. Aber ein paar Dosen werden den Weg in unseren Indy bestimmt finden. 

20. bis 23. Tashkent, Hauptstadt des Landes, mit 3.5 Mio Einwohnern

 

Vom Weingut ins Stadtzentrum sind es nur etwa 22 km. Es herrscht ziemlich viel Verkehr, wir kommen aber gut durch, denn die Strassen sind vielspurig und breit. Das schöne in den grossen Städten in Zentralasien: es hat riesige Parkplätze bis in den Stadtkern, oftmals sogar mit schattenspendenden Bäumen. Der Platz beim Vergnügungspark Magic City ist wohl schon älter, denn die Bäume sind riesig. Alles was das Herz in diesen heissen Tagen begehrt. Wir stellen uns hin, und auch für die Alte Urschel, den riesigen Laster von Attila & Anke gibt es Platz in Hülle und Fülle. Toll, dass wir die beiden nochmal treffen. Sie hatten wohl einen ruppigen Grenzübertritt beim LKW Übergang, und waren abends spät ziemlich geschafft. Sie haben dann erstmal am Stadtrand übernachtet, bevor sie sich ins Gewusel der Stadt stürzen, um auch an diesen Platz zu kommen.

 

Eigentlich hatten wir gedacht, dass ein Tag in Tashkent völlig ausreicht. Aber es werden drei oder fast vier daraus. Es gibt in dieser grossen Stadt viele total unterschiedliche Viertel zu entdecken. Die Lebensmittel Markthallen des grossen Bazaars sind sehr authentisch, entlang der umliegenden Gassen sind viele Schreinerwerkstätten, Nähateliers, viele Stoffgeschäfte, Essstände und Haushaltwarengeschäfte. Restaurants mit komplett unbekanntem Food - überhaupt haben wir das Gefühl in eine ziemlich neue Welt einzutauchen. Wir bummeln also bei 40 Grad total über 30 km durch Gassen, über Märkte und besichtigen den grossen Islam Komplex mit seinen alten und neuen Moscheen. Da ein grosser Teil der Stadt beim riesigen Erdbeben 1966 zerstört wurde, gibt es nicht mehr viel historisches zu besichtigen. Allerdings sind die Moscheen, die in den letzten 30 Jahren erbaut wurden, ebenfalls eindrücklich. 

 

Im Museum für angewandte Kunst erfahren wir viel über die Seidengewinnung, die ganz speziellen Muster Usbekistans, sehen unbekannte Instrumente mit Intarsien aus Perlmutt, die Kunst des Teppichknüpfens und der Suzanis. Suzanis sind grossformatige, mit Seiden- oder Wollstickereien verzierte Baumwollstoffe in leuchtenden Farben, oft mit grossen floralen Mustern. Suzani ist der Persische Name von Nadel, daher kommt auch die Bezeichnung. Die grossformatigen Stickereien dienen als Raumteiler oder Wandbehänge, oder zur Ausschmückung von Jurten und werden oft auch für eine bevorstehende Hochzeit für die Braut hergestellt. Sie dienen als traditioneller Teil der Mitgift. 

 

Wir besuchen abends die Magic City, einen kleinen Vergnügungspark direkt bei unserem Parkplatz, und gehen immer wieder mit Anke & Attila fein essen. Nach gemütlichen Abenden, stürzen wir uns dann am Morgen wieder ins Getümmel. Heute besuchen wir die berühmten Metrostationen von Tashkent. Die Metro wurde 1977 eröffnet, und war die erste U-Bahn Zentralasiens. Sie weisst viele Besonderheiten auf und gilt als eine der schönsten U-Bahnen der Welt. Es sind nur vier Linien, es ist also ganz einfach sich zurecht zu finden, und einmal mit Apple Pay ein Ticket gekauft, kann man quasi alle berühmten Stationen anfahren. Lange Zeit war es verboten in der Metro zu fotografieren, da dies für die nationale Sicherheit von Bedeutung war. Heute ist es völlig in Ordnung zu filmen oder Fotos zu machen, die Wachen sind sehr freundlich. Die Metro ist ausser zu den Stosszeiten nicht sehr überfüllt, daher kann man sie auch gut besichtigen. Alle Haltestellen sind extrem sauber, man könnte vom Boden essen - was überhaupt für fast ganz Usbekistan gilt.

 

Die Stationen sind einem jeweiligen Thema gewidmet. So der Raumfahrt und der Kosmonauten, der Geschichte des Landes, den Baumwollpflückern, dem Dichter Alisher Navoi, einige sind aus Buntglas, farbiger Keramik oder mit Kristallleuchtern, jedenfalls ein ziemlich cooler Ort. 

 

Wir finden in Tashkent auch sehr moderne Viertel, mit grossen Hotels, der Tashkent City Mall wo man die üblichen Geschäfte vorfindet, aber auch gute Restaurants. UND auch ein schönes Sushi Restaurants. Wunderbar dass sich Anke &  Attila auch für Sushi begeistern können, somit ist die Menüwahl für den Abend schon durch, und wir bekommen Begleitung in Person von Pius, der mit seinem Monster-LKW nun auch auf dem Platz bei uns im Park steht. Für ihn ist es eine Sushi Premiere - und hey, das wird auch Zeit. Er fährt mit seiner Frau nämlich auch ostwärts, und wird wohl noch das eine oder andere mal Gelegenheit haben Sushi zu kosten. Seine Frau ist aber momentan in Deutschland und kommt am Wochenende wieder zurück, somit ist er mit seinem kleinen Dackel alleine in der Stadt.

22.7. Und dann ist da noch Werkstatttag

 

 

Wir haben in der letzten Zeit immer einen seltsamen Geruch im Auto festgestellt, ihn aber nicht lokalisieren können. Es riecht irgendwie nach geschmolzenem Plastik, oder nach Schweisserarbeiten, oder nach verbranntem Abfall - wir schnuppern uns durchs ganze Auto und wissen nie, ob es doch von Draussen kommt oder irgendwo von drinnen. Bis Tinu bemerkt, dass unser Booster (für alle die der Technik nicht so mächtig sind: Das ist ein Teil, welches während der Fahrt unsere Kabinenbatterie zusätzlich zum Solar lädt). Wir haben den beim Indy nachgerüstet, weil wir im Landy manchmal knapp an Strom waren, wenn es sehr heiss war.    

Bei den hiesigen Temperaturen läuft der Kühlschrank fast ununterbrochen, zudem haben wir den Starlink der Strom braucht, laden unsere Computer und Telefone, die Wasserpumpe braucht auch etc., wenn es dann zusätzlich noch diesig oder ein bisschen wolkig ist, kommt der Solar schnell an seine Grenzen. Deshalb haben wir eben diesen Booster. Da sich das Gerät bei grosser Leistung rasch sehr stark erhitzt, wird es in der Regel an einer gut durchlüfteten Stelle im Kofferraum verbaut. Bei uns sitzt es genau zwischen Matratze und Lavabo. Es glüht, und als Tinu das Gerät freilegt merken wir, dass die Kabel schon komplett geschmolzen sind 😳. Grosses Glück, dass es bei uns nicht gebrannt hat, denn die ganze Stauhitze hat sich gesammelt, und direkt darüber liegt die Matratze...

Anyways wir brauchen einen Auto Elektriker und finden auf iOverlander einen, der richtig gelobt wird, und nur gerade gegenüber vom Park seine Werkstatt betreibt. Wir verabschieden uns von den anderen uns starten Abenteuer Werkstatt. Die Jungs öffnen für uns die Schrank und lassen uns rein. Etwa 20 meist junge Männer liegen unter Autos, hängen in Motorhauben, waschen Autos oder flicken irgendwas, jedenfalls eine sehr saubere Garage und sehr nette Jungs. Sie holen den Finanzer, dass ist nämlich der mit Englischkenntnissen. Wahnsinnig höflich, bittet er uns mal in den Schatten und hört sich unser Problem an. Er ruft den Elektriker und das ganz nicht seinen Lauf. Er meint, das würde etwa drei Stunden dauern, ob das in Ordnung sei? Ja natürlich, wir finden es super, dass sie sich direkt kümmern.

 

Es wird also gefachsimpelt, Gerät angeschaut (ausgebaut hat es nämlich Attila schon - seines Zeichens Elektroingenieur), dann verschwindet der Typ mit dem Booster. Ich frag in der Zwischenzeit den Finanzer, ob sie auch jemand hätten, der Glasschäden repariert. Er meint. nein, sie hätten das Zubehör nicht, aber er könne kurz bei einem Spezialisten durchrufen, und vielleicht habe der Zeit herzukommen. Das ist ja perfekt! Eine Stunde später, während am Booster noch gewerkelt wird, kommt ein Typ und flickt unseren Glasschaden. 20 CHF wechseln die Hand und weg ist er - gibt uns auf den geflickten Glasschaden 2 Jahre Garantie 😜. Gut zu wissen. 

 

Mittlerweile hat sich um unseren Indy eine grosse Traube Menschen eingefunden, wir wissen gar nicht mehr, wer zur Werkstatt gehört und wer herbeigerufener Kollege ist. Alle sind super nett und interessiert. Dann kommt der Chef! So ein netter Typ, heisst uns willkommen in seinem Land, fragt ob wir alles hätten, schickt einen weg um uns Getränke zu holen und fragt ob er ein Youtube Film drehen dürfe. Später kommt einer dazu der ihn dabei filmt, wie er unser Auto und uns vorstellt, von unserer Reise berichtet und so weiter. Er zeigt uns dann seinen Post und wir bemerken nebenbei, dass seine Werkstatt eine halbe Million Follower auf YouTube hat, und auf Insta 300 000🤣. Ein bisschen ein verrückter Kerl. Jedenfalls wird irgendwann das Gerät wieder bei uns eingebaut, Tinu startet den Motor, und wir beobachten ob es die Batterie lädt, ob es heiss wird oder gar wieder kokelt.

 

Aber es ist alles im grünen Bereich. Übrigens kam irgendwann noch ein Typ dazu, der für die Werkstatt die IT betreut. Der konnte richtig gut Deutsch weil er am Göthe Institut studiert. Toll dass er uns noch geholfen hat beim Übersetzen. Nach nur etwa drei Stunden, geflicktem Glasschaden und gefixtem Booster wollen wir gerne bezahlen. Der Chef meint, das komme überhaupt nicht in Frage. Wir seien seine Gäste und Gäste bezahlen niemals. Wahnsinn. Wir denken uns, dass wir dann wenigstens den beteiligten Arbeitern ein Trinkgeld geben, aber die lehnen das ab. Sie hätten sich sehr gefreut, dass sie uns helfen konnten, und Tinu ist jetzt auf Insta mit etwa 20 Personen mehr befreundet. Was für ein Erlebnis!   

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Grossartige Werkstatt und sehr herzliche Menschen

26.7. SAMARKAND

Seit wir am 22. Juni in Russland eingereist sind, haben wir etwa 3500 km über mehr oder weniger schlechte Asphaltstrassen hinter uns gebracht. Durch Russland, die Kasachische Steppe und ein paar Grenzübergänge später, kommt es wie es kommen muss. Ganz nach dem Motto "Keep the cherry to the end" wird die Strasse zwischen Tashkent und Samarkand, auf etwas mehr als 300 km, miserabel. Manchmal hat sie den Namen Strasse nicht wirklich verdient.

 

Die Spurrillen der extrem schweren Laster, die den heissen, fast fliessenden Asphalt zusammenschieben, sind hoch wie Bahnschwellen. Ein Flickenteppich auf dem sich der Asphalt auftürmt und einem fortwährend umherschmeisst. Dazu wird munter überholt, auch wenn nur ein Blatt Papier dazwischen passt, reicht das locker aus. So ist die ganze üble Strecke. Attila erzählt später, dass er gewisse Streckenabschnitte nur mit 20 km/h fahren konnte, wir können etwas schneller, aber Mensch und Maschine sind ganz schön durchgerüttelt und durchgeschüttelt, wenn wir abends irgendwo ankommen. Mein Titan ist noch da wo's hingehört, aber Tinu macht jetzt auch mit im Team Rückenschmerzen... Es ist übelst.

Wir entscheiden uns, dreimal auf der Strecke zu übernachten, und finden auch nette Plätze an unterschiedlichen Gewässern. Nicht, dass es viel zu sehen gäbe, oder die Landschaft uns umgehauen hätte, aber man braucht vom Gerüttelt einfach eine Pause. Bereits nach Tashkent ist es ziemlich zersiedelt, wo keine Häuser stehen, wird Landwirtschaft betrieben. Baumwollfelder so weit das Auge reicht, Melonen über Melonen in allen Grössen, neuerdings sehen wir sogar wieder mal Sonnenblumenfelder und Mais - kein ungenutztes Stück Land auf der ganzen Fahrt.

Wir kommen also in der von viel Verkehr geplagten Stadt Samarkand am Sonntag Nachmittag an. Wie haben wir uns gefreut! Der Inbegriff von Bauten aus 1001 Nacht und der alten Seidenstrasse. Auch in dieser Stadt hat es viele grosse Parkplätze zur Auswahl und da die Pendler heute nicht parken, sind sehr viele davon frei. Wir finden beim Amt für Sicherheit (das müsste ja ein gutes Omen sein) bei einem kleinen Park einen fast komplett schattigen Platz. Zentral, nicht viel Verkehr, keine Mänöveriererei. Sogar einen sehr guter Wasserhahn, wo die ganzen Buschauffeure die ihre Touristen ausgeladen haben, ihr Wasser auffüllen, hat es in der Nähe, nur ein paar Meter vom berühmten Registon Platz weg - besser geht eigentlich gar nicht.

 

Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit bummeln, staunen über die wahnsinnig schönen Bauten aus vergangener Zeit, essen und trinken mit Anke und Attila (ja Abschied 4.0 😜) in einem schönen Restaurant, freuen uns über den bunten Bazaar, haben immer wieder Plaudereien mit Einheimischen die es toll finden, dass wir ihre Stadt so lieben, und sind einfach wahnsinnig froh, es mit dem eigenen Auto unbeschadet bis hierher geschafft zu haben. Wir sind dankbar! Am Sehnsuchtsort angekommen.

Wer immer noch Bock auf Fotos von traumhaften Moscheen und Mausoleen hat, ist hier richtig...

28.7. Südwärts Richtung Shahrisabz

Nach fantastischen Eindrücken, feinem Essen mit Reisefreunden, shoppen auf bunten Märkten ist heute Schluss mit Urlaubsmodus. Die To Do Liste ist lang und unerbittlich:

Wasser tanken

Gas tanken

Wäsche bringen

Apotheke aufstocken

Wieder mal richtig einkaufen

Besuch auf der Post

Manchmal braucht einer dieser Posten alleine Stunden, bevor man ihn erledigen kann, aber heute haben wir einen guten Lauf. Ganz nette Menschen auf der Post die uns behilflich sind, ein Gasmann der alle Adapter dieser Welt vorrätig hat, eine Apothekerin die einen richtig gut sortierten Laden hat, Wasser welches glasklar und mit Schmackes aus dem Wasserhahn sprudelt, superprofessionelle Jungs in einer Grosswäscherei und sogar einkaufen konnten wir wieder einmal ein paar Dinge die es schon lange nicht mehr gab. Eigentlich gibt es überall kleine Lebensmittelgeschäfte, die Versorgung ist also garantiert, aber möchte man mal Aceto Balsamico oder Dijon Senf dann ist schnell aus die Maus.

Wir erledigen also all das innert etwa zweier Stunden, belohnen uns dafür mit richtig feinen Nudeln beim Koreaner (ja auch das gibts hier!). 

Später rollen wir durch mässigen Verkehr in Richtung südlicher Stadtgrenze. Wir wollen nach Shahrisabz, eine etwas weniger touristisch bekannte Stadt etwa 80 km von Samarkand entfernt. Um dorthin zu gelangen, queren wir eine Hügelkette mit wundervoller Aussicht und 32°. Wir finden einen fantastischen Platz auf 1700 m und beschliessen direkt, alles mal etwas abkühlen zu lassen. Es war ja unfassbar heiss in den letzten Wochen. Und nach ewiger Zeit immer über 44°, frieren wir zwei bei 28° am Abend und essen unser Znacht im Indy. Hühnerhautalarm mit Socken! Unfassbar.

Wieder mal in den Bergen
Vollmond!

29.7. Ausflug nach Shahrisabz

Die Stadt wurde im Altertum Kesch genannt, und wurde vermutlich im 3. Jahrhundert gegründet. Amir Timur, der spätere Herrscher Transoxaniens wurde hier 1336 geboren. Er plante, Kesch anstelle von Samarkand zur Hauptstadt seines Reichen auszubauen, und liess Bauwerke von teils monumentalem Abmessungen errichten. Die Stadt hat heute etwa 100 000 Einwohner, ist eine der wenigen Städte ohne Verkehrskreisel und die Monumente aus der Timuridenzeit wurden in die Liste der UNESCO Welterbe aufgenommen.

Im Zentrum parken wir so ziemlich unter dem einzigen, zur Verfügung stehenden Baum, auf einem grossen Parkplatz. Auch hier, über 40°, die Menschen sind in den Häusern und verlassen diese erst Abends wenn es kühler wird. 

Wir bummeln durch den zentralen Park, zum historischen Wahrzeichen der Stadt: dem Ak - Saray. Ein 50 Meter hoher Torbogen, damals Eingangspforte des Palastes von Timur. Auch in den Gassen findet man authentische Häuser, kleine Werkstätten und das wunderschöne Mausoleum. Auf Touristen treffen wir nicht, nur auf Elke und Hans Peter, die beiden haben wir schon mal an einem See getroffen. Sie sind unterwegs mit ihrem Sprinter zum Pamir Highway. Aber ihnen ist es in Shahrisabz zu heiss, wir empfehlen daher unseren Platz von der letzten Nacht.

Nachdem wir ebenfalls noch eine Nacht mit Hans Peter und Elke in den Bergen haben, fahren wir zurück nach Samarkand. Es gibt immer noch viel zu entdecken und wir wollen die Zeit, bis wir nach Buchara fahren nutzen. Wir parken auf unserem schattigen Parkplatz in der Innenstadt und machen viele Spaziergänge in andere Viertel der Stadt, lassen uns einfach treiben.

Allerdings gibt es für uns auch einiges zu tun und vor allem zu planen:

Es geht um unsere Weiterreise. Nächstens Land auf der Route ist definitiv Tadschikistan und dann Kirgistan. Am 8.September werden wir mit unserer Agentur China Roadtrip über die Grenze Kashgar nach China einreisen. Die Ausreise nach Laos ist auf Anfang November geplant. So weit so gut. 

 

 

Dann wird's knifflig:

Nach unzähligen Mails mit Hafenagenten, Travelbuddies, Autoclubs, Agenturen und Verschiffungsfirmen ist wohl eines klar: Unser Indy wird weder in Korea noch in Japan je auf eigenen Rädern durch die Strassen rollen. Durch eine verflixte, zwar unterschriebene aber von der Schweiz nie ratifizierte Genfer Konvention über Zollvereinbarungen von 1949 (!), ist es Schweizer (und Deutschen) Fahrzeugen nicht gestattet, in den beiden Ländern eingeführt zu werden. Punkt. Weil ein Beamter irgendwo geschlampt hat, hat sich das für uns erledigt. Sehr Schade. Wir dachten, vielleicht zumindest Korea, aber Korea war in seiner Antwort ganz klar. Sorry. Leider wurde auch die direkte Fähre von China Festland nach Japan eingestellt. Also es geht momentan einfach nicht. 

 

Was aber im Umkehrschluss heisst, eine andere Route muss her. Die Welt ist rund, es gibt viele Optionen, allerdings auch viele Einschränkungen bezüglich Visum, Carnet de Passage, Regenzeit, Verschiffung etc. die es zu bedenken gilt. 

 

Nach noch mehr Mails, Kontakt mit anderen Reisenden, noch mehr Hafenagenten, Agenturen und Freunden, sind im Moment diese Optionen die von uns favorisierten:

 

1. Wie geplant weiter nach Laos, Kambodscha und China. Verschiffen von China aus nach Australien. Während sich Indy über die Meere schaukeln lässt, mit Rucksack nach Korea und Japan. Problem: es gibt nicht viele Verbindungen (oder willige Reedereien die Camper verschiffen) von China nach Australien. Zudem scheint man in diesem Fall den Camper leerräumen zu müssen. Bääääh!

 

 

2. Wie geplant nach Laos, dann mit einer Gruppe Reisender mit eigenen Fahrzeugen, die am 2. Dezember die Grenze nach Thailand macht, ins Königreich einreisen. Eigentlich sind ausländische Camper in Thailand verboten, oder mit sehr hohen "Eintrittsgebühren" ( 3800 U$) belegt. Die Gruppe hat sich zwecks Kosteneinsparung zusammengeschlossen und macht nur das Grenzprozedere gemeinsam. Bisher sind es 8 individuelle Fahrzeuge, denen könnten wir uns anschliessen. Visumfrei könnten wir einen Monat im Land bleiben, um einen weiteren Monat zu verlängern kostet für das Fahrzeug wieder eine ganze Stange Geld, das würden wir überspringen. Dann weiter nach Malaysia, wo es möglich ist, sich 90 Tage visumfrei aufzuhalten. Südlich von Kuala Lumpur müsste die Verschiffung nach Australien gemacht werden. Vorteil hier: Schiffe fahren direkt nach Australien. Das Risiko für Auf- und Einbrüche in das Fahrzeug lassen sich so minimieren. In Malaysia sind professionelle Firmen gewohnt Fahrzeuge für Australien zu reinigen, und dies zu einem unschlagbaren Preis. Es gibt verlässliche Agenten, die wir von Reisefreunden empfohlen bekommen haben, und die Verschiffung sollte kein Problem sein. Und wir lieben ja Thailand und Strände sowieso.

 

 

3. Wie geplant weiter nach Laos, die gleiche Variante Thailand und Malaysia, dann auf                          

dem "Landweg" durch Indonesien - was heisst, von Insel zu Insel und x mal Fähre       oder Verschiffen. Zudem müsste man durch Singapur auf dem Tieflader, da Camper in  Singapur nicht erlaubt sind. Das ist also eher keine Option, da Verschiffungen möglichst zu umgehen sind, und Tieflader unheimliche Kosten mit sich ziehen. Allerdings könnte man rein theoretisch auch von Malaysia nach Sumatra (Indonesien) verschiffen und so Singapur umgehen.

 

 

Der Möglichkeiten gibt es also viele, zudem gilt es die Biosecurity- und die Fahrzeugkontrolle in Australien zu bestehen. Da hätte man in Malaysia bestimmt mit kleineren Kosten zu rechnen als zum Beispiel in Deutschland oder der Schweiz. Wie gesagt, es gibt Möglichkeiten, irgendwie sind alle gut, allerdings leider nicht die von uns gewünschte Route. Wir brauchen also ein Wunder, einen Präzedenzfall der vom Japanischen Kaiser abgesegnet wird, oder ein Bundesrat, der das Abkommen noch ratifiziert. Bin mir nicht sicher, was das einfachste ist. 

 

Aber es gibt einen Lichtblick, denn wie alles hat auch diese Absage zwei Seiten. Wenn man das Auto von Japan weiter verschifft, muss es bis auf Autozubehör (also Reserverad und Ersatzteile) komplett geräumt werden. Was ehrlich gesagt, keine gute Option ist. In Malaysia ist das nicht der Fall, was ein riesiger Vorteil ist. Allerdings wird in Malaysia nicht RoRo verschifft, wo wir also unser Auto selber aufs Schiff fahren, sondern nur Flat Rack angeboten. Das haben wir bei all unseren bisherigen Verschiffungen immer erfolgreich umgehen können. 

 

Unter "Flat Rack" kann man sich eine grosse Palette vorstellen, zu der das Auto per Tieflader nach der Reinigung gefahren wird, dann per Kran auf die Palette gehoben wird, und auf dieser dann festgezurrt wird. Die Palette wird an Gurten mit einem Kran aufs Oberdeck des Schiffes gehievt. Nein, nicht was wir uns wünschen. Zu viele Kräne, zuviele Gurten, zuviele fremde Hände. Aber hey: was muss das muss. Wir werden sehen. Auf jeden Fall ist uns ein bisschen schwindlig, ob all der Optionen und dafür und dagegen und wir müssen es erst mal sacken lassen. Vielleicht ist es am Ende dann etwas komplett anderes 🙈.

 

Und schliesslich sind wir ja in Samarkand! Hallo! Gedanklich waren wir gerade beim Mango Tree in Bangkok...

Im Moment ist es noch ein ganz schönes Durcheinander...aber das wird schon!

Viele losen Enden - es gilt sie aufzudröseln

5.-9.8. Buchara

Wir parken unseren Indy auf einen bewachten Parkplatz ganz im Zentrum von Samarkand, und nehmen für einmal den Zug für die nächste Destination. Der  Hochgeschwindigkeitszug "Afrosiyob" nach Buchara braucht für die 300 km etwa 90 Minuten. Wir fahren durch eine grosse Ebene mit Baumwoll- und Maisfelder, an kleinen und größeren Städten vorbei und erreichen nach kurzer Zeit schon Buchara. Eine der wichtigsten alten Städte auf der Seidenstrasse. Wir lassen uns mit einem der supergünstigen Taxis in die Stadt fahren und beziehen unser Zimmer im siebten Stock des Hotel Wyndham. Toller Pool, schöne Aussicht und sogar Balkon - riesig und mit einer grossen Dusche - und unbegrenzter Menge Wasser. Das ist im Camper ja immer etwas eingeschränkt aber hier nicht. Juhuuu!

Wir bummeln die nächsten Tage also durch 1001 Nacht in der fantastischen Innenstadt, wo Mauern immer noch aus Lehm-Stroh-Gemisch hergestellt werden, besuchen tolle Gebäude wo früher alte Koranschulen untergebracht waren, führen viele interessante Gespräche mit Einheimischen und anderen Reisenden, lassen uns in die Geschichte und den Wandel der Teppichherstellung erklären, essen immer fein in schönen Lokalen und geniessen diese wunderbare Stadt. Im Gegensatz zu Samarkand ist hier ein richtig schöner alter Stadtkern, verkehrsfrei und abends absolut magisch beleuchtet. In manchen Ecken wird schöne Livemusik gespielt, und wir haben das Gefühl, dass es hier echt ist. Kunsthandwerk ist von hier, wird oft direkt in einem der kleinen Werkstätten hergestellt, gemalt, gewoben, geschliffen oder genäht, man kann überall direkt zusehen. Chinesische Ware sehen wir hier nicht. Fantastisch. 

Im alten, fantastisch schönen Gebäude des Teppichbasars lernen wir Abdullah kennen. Gebürtiger Türke aus Denizli, hat er sein ganzes Leben den Orientteppichen gewidmet und weiss so unfassbar viel darüber. Wir sagen ihm bald, dass wir keinen Teppich kaufen können, weil wir momentan gar kein Zuhause haben, aber er meint, wenn sich jemand dafür interessiert, dann gibt er gerne Auskunft, sagts und holt Tee für uns drei.

 

Er spricht schon fast fliessend Deutsch,  denn et hat während dreissig Jahren Möbel Pfister mit Orientteppichen beliefert. Wir schicken unserem Nachbarn Markus, der ebenfalls für viele Jahre im Pfister für Orientteppiche zuständig war, die Foto von Abdullah, aber sie sind sich beide nicht schlüssig ob sie sich kennen).

 

Abdullah zeigt uns die riesigen Unterschiede zwischen alten und neuen Teppichen, während er mit Stolz auf sein neustes Projekt, die Renovation des alten Teppichbasars von Buchara zeigt. Aber er ist auch ein wenig unglücklich. Heute könne er entlang der Seidenstrasse leider keine Wolle mehr kaufen, die die geforderte Qualität von früher aufweise. Die Tiere seien  nicht mehr die ganze Zeit in den Bergen, seien im Tal in Ställen untergebracht und werden nicht mehr mit den frischen Kräutern der Berge aufgezogen. Heute fressen sie getrocknetes Gras in ihren Ställen und hätten kaum die gleiche Bewegung wie früher. Für die geforderte Qualität, sei dies das Todesurteil. Zudem sei es enorm schwierig gute Knüpferinnen zu finden, und Naturfarbhersteller sowieso.

Jedenfalls ist er mit Neuseeland in Kontakt, und von dort wird er in den nächsten Tagen diverse Wollproben zugeschickt bekommen. Diese leitet er dann weiter in ein Labor nach Lausanne, und wenn die Tests zufriedenstellend sind, wird er 300 Tonnen (!!) von Neuseeland beziehen. Verrückt. Wir können uns die Menge gar nicht vorstellen. Dann gehts an die Farbenlehre: Wallnuss für braune Töne, mit zunehmender Zeit in der die Wolle gefärbt wird, wird der Farbton immer dunkler bis schwarz, dunkelrot von Granatapfel oder Rosenwurzeln je nach gewünschter Intensität, Safran für gelb, Indigo für blau, beides gemischt für grün, und so weiter. Er weiss auf jede Frage eine Antwort. Seine Kollektion ist unfassbar gross, er zeigt uns Seidenteppiche die über hundert Jahre alt sind, und immer noch unfassbar intensive Farben aufweisen. Als wären gestern erst die letzten Knoten geknüpft worden...Es ist so spannend. Wir werden auf dieser Reise keinen kaufen (sind wir doch schon in Marokko und im Irak schwach geworden), aber diese Kette von Menschen die ihr Handwerk perfekt beherrschen müssen, verdient mehr Würdigung. Es ist eine grosse Kunst und ein Privileg so einen bei sich Zuhause zu haben. Danke Abdullah, für einen Abstecher in deine fantastische Welt der Orientteppiche!

Fazit Usbekistan: 3 Wochen/ 710 km mit Indy, 600 km mit dem Hochgeschwindigkeitszug

 

Usbekistan ist ein fantastisches Reiseland, egal mit welchem Fortbewegungsmittel. Aber mit dem Camper kann man überall stehen und ist willkommen, es ist sehr sicher, sauber und man kann sich überall mit dem Nötigen versorgen. Die Menschen sind offen und interessiert, aber niemals anhänglich oder übereifrig. Die Städte der Seidenstrasse sind ein Traum aus 1001 Nacht, und wir finden, dass man nicht das Zeitliche segnen sollte, ohne sie gesehen zu haben. Schliesslich ist es einfach hierhin zu gelangen, sei es auf Strasse oder per Flugzeug. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug sind die Hauptdestinationen sehr einfach zu erreichen und man wird deutlich weniger durchgeschüttelt als auf den wirklich teils miserablen Strassen. Also los! Packen.

Route von Usbekistan
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