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  Marokko

 

 

   Einwohnerzahl        : 39 Mio.

 

   Hauptstadt              : Rabat, 700 000 Einwohner

 

   Grössenvergleich  : 10x grösser als die CH

 

  • Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie, welche Elemente der parlamentarischen Demokratie mit einer starken Rolle des Königs kombiniert. Ähnlich der Regierungen von Jordanien, Schweden, Spanien oder Monaco. Die Monarchie von Marokko ist nach Japan die zweitälteste Monarchie der Welt. 

 

  • Die Staatsreligion ist der Islam und prägt das öffentliche Leben, wobei 99% der Bevölkerung Muslime sind.

 

  • In Marokko wird vor allem Arabisch und Berberisch gesprochen. Französisch ist darüber hinaus eine wichtige und weit verbreitete Bildungs- und Geschäftssprache, die von fast allen Marokkanern verstanden wird.

 

  • Die Haupteinnahmequellen Marokkos sind der Abbau und die Verarbeitung von Phosphat, der Tourismus und die Landwirtschaft. Arganöl und Datteln sind wichtige Exportartikel.

 

  • In der Universität von Fes steht die älteste Bibliothek der Welt. Sie wurde 859 n. Chr. gegründet.

 

  • Mit 4167 Metern Höhe ist der Toubkal der höchste Berg Nordafrikas. Tinu hat den Berg übrigens bereits vor vielen Jahren bestiegen :-)

 

  • Tee ist in Marokko eine Kunstform. Er wird immer von Hoch oben eingeschenkt, um Schaum zu erzeugen. Sie sagen, umso mehr Schaum, desto besser der Tee. Und natürlich ist der Tee vorzugsweise aus Nana Minze.

 

  • Marokkanische Zitronen sind kein Obst. Man nennt sie Salzzitronen und sie sind eine typische Zutat der marokkanischen Küche. Sie werden monatelang fermentiert, und schmecken intensiv würzig statt sauer. 

 

  • In der Region Sousse klettern die Ziegen auf Arganbäume, um die Früchte zu fressen. Der Kern der Aganfrüchte wird (nach natürlicher Verarbeitung...) für Arganöl genutzt. Dies ist eines der teuersten Öle der Welt. Es wird zu kosmetischen Zwecken und auch für Kulinarisches benutzt. 

 

  • Der Film "Lawrence von Arabien" wurde zum grossen Teil in Marokko gedreht. Das Land hat ausserhalb Hollywoods die grössten Filmsets und ist ein Hollywood-Liebling.

 

  • Marokko ist ein grosser Produzent von Safran, welcher im Land auch als rotes Gold bezeichnet wird. 

 

  • Mit 18 Mio. Touristen ist Marokko das meistbesuchte Land auf dem afrikanischen Kontinent.

 

 

Für uns ist es bereits der fünfte Besuch in dem grossartigen Land mit den bunten Märkten und den feinen Gerüchen. Das letzte mal waren wir vor 15 Jahren dort, damals noch mit unserem Landy. Wir sind gespannt, wie wir das Land und die Menschen in den nächsten Monaten erleben werden, denn bestimmt hat sich sehr viel verändert. 

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5.11.25 Algeciras (Spanien) - Tanger Med (Marokko)

 

Nach fast drei wirklich erlebnis- und genussreichen, wenn auch schreibfaulen Monaten in Spanien und Portugal, geht es für uns endlich wieder mal nach Marokko. Wir kaufen also für 170 € ein Einwegticket für die Autofähre von Algeciras in Spanien nach Tanger Med in Marokko. Die Fähre braucht für die etwa

40 km zwei Stunden, und bei bestem Wetter und ruhiger See, können wir die vielen grossen Containerschiffe und Frachter vor und um Gibraltar beobachten und sehen sogar ab und zu ein paar Delphine. 

 

Früher haben die Schiffe jeweils von Genua her kommend, im alten Hafen von Tanger angelegt und man ist quasi direkt in der Altstadt angekommen. Da war dann immer heilloses Gewusel mitten im Zentrum, viel Verkehr, Gehupe und Gedränge. Jetzt, mit dem neuen Hafen ca. 50 km von der Stadt entfernt, geordnet, gross und aufgeräumt. Wir fahren nach knapp zwei Stunden als drittes Privatfahrzeug vom Schiff. Vor uns nur LKWs mit Fracht, somit kommen wir ratzfatz von der Fähre und sind bereits nach zehn Minuten mit dem Grenzprozedere durch. Die netten Beamten haben nur kurz unsere Pässe angeschaut, die wurden jedoch bereits auf dem Schiff von der Einwanderungsbehörde abgestempelt. Ein Blick noch in den Kofferraum aber nicht wirklich interessiert. Wir wechseln kurz die ersten Dirhams und auf geht's etwa 80 km auf allerbester Autobahn in Richtung Küste. Wir haben jede unserer Reisen mit dem Auto in Asilah begonnen und das wollen wir auch diesmal nicht ändern. 

 

Asilah ist ein kleiner Küstenort am Atlantik der vor über dreissig Jahren einmal wegen eines grossen Musikfestivals Berühmtheit erlangt hat. Damals wurden viele Mauern in den engen Gassen von Künstlern mit grossen Malereien bemalt, welche aber bei unserem letzten Besuch schon ziemlich verwittert waren. Wir staunen nicht schlecht, als bereits bei der Autobahnausfahrt grosse, recht neue Wohnblöcke und Einfamilienhaus-Quartiere entstanden sind. Die Altstadt ist nämlich noch ein paar Kilometer weiter. Asilah ist also ganz schön gross geworden. Auf einer breiten, sauberen Strandpromenade flanieren Einheimische und Touristen, Hunde liegen kreuz und quer in der Gegend und lassen sich die Nachmittagssonne auf den Bauch scheinen.

 

Direkt an den Mauern der Altstadt fragen wir was es kostet, über Nacht zu Parken. Der "Guard" meint 80 Dirham, was ungefähr 8€ entspricht. Finden wir in Ordnung und bleiben mal für zumindest eine Nacht. Nachdem wir uns kurz eingerichtet haben, machen wir uns auf den Weg in die Altstadt, wie immer zuerst auf der Suche nach einer SIM Karte. Im Orange Shop werden wir bereits fündig, unlimitiertes Internet für 20 Euro im Monat. 

 

Endlich geht es in die Gassen. Viel wurde renoviert, es ist sehr sauber, riecht nach marokkanischem Essen, es wird hier und da geplaudert, die blaue Stunde rückt die maurischen Bauten in schönstes Licht.

 

Zum Glück müssen wir uns nicht mehr mit 36er Fotofilmen abmühen, an diesem ersten Abend in Marokko hätten wir bereits ein paar verbraten. Es ist sooo schön wieder hier zu sein. Asilah hat viel Charme, bunte Geschäfte und eine gechillte, gemütliche Art. Hier gibt es keine Hektik, man trinkt Tee und plaudert, sitzt auf kleinen Fässern und isst auf dem Feuer gebratene Kartoffelscheiben, feilscht in kleinen Läden um ein paar Dirham, Frauen sind bunt angezogen die einen mit Kopftuch die anderen ohne, Kinder spielen und dazwischen hört man die Wellen des Atlantiks. Wir sind angekommen - wie immer in Asilah - und lieben es!

Natürlich bleiben wir noch einen weiteren Tag am gleichen Platz. Es ist warm, wir sitzen bei offenem Auto tun dies und das und bekommen immer wieder Besuch. Renate, die Schweizerin die nach Marokko der Liebe wegen auswandert und die wir auf der Fähre kennengelernt haben, andere Reisegefährten und Offroadlovers die sich auf die Wüste freuen, einige deren letzte Station Asilah ist und die bald auf die Fähre zurück in die Heimat fahren aber voller Eindrücke sind, alle kommen sie vorbei für einen gemütlichen Plausch - schön mal wieder interessante neue Menschen kennenzulernen. 

 

Ziemlich erstaunt sind wir über die vielen Reisebusse, die für ein Stündchen ihre Fracht aus China, den USA oder sonst wo ausladen. Zudem hat es viele Spanier die für ein verlängertes Wochenende über die kurze Wasserstrasse kommen. Unglaublich wie viele Touristen mittlerweile in Asilah halt machen. Ausserdem liegt heute in Tanger auch ein grosser Kreuzer der Celebrity Cruise, welches natürlich für Landgänge ein paar hundert Menschen in unsere Richtung schickt ...Wir freuen uns für Marokko.

7.-10. Casa Latifa Moulay Bousselham

 

Von Asilah aus geht es für uns mit einem kurzen Abstecher über einen Marjane (das sind die grossen, lokalen Supermärkte), in Richtung Moulay Bousselham. Das kleine Örtchen hat für uns nicht viel zu bieten, liegt aber an einer grossen Lagune in einem Naturschutzgebiet, berühmt für ihre Vogelwelt. Mit etwas Glück kann man sogar Flamingos sehen, lesen wir...

 

Wir fahren also durch allergrünstes Marokko wie wir es so nicht kennen, durch grosse Treibhausplantagen, frisch angepflanzte Felder, Olivenhaine und Avocadobäume voller Früchte. Auch Orangenbäume aus deren Kronen Orangen leuchten, offenbar eine andere Sorte als in Spanien, wo sie wegen ihren Bitterstoffe nicht geerntet werden, hat es hier unzählige. Die Mautstrassen in Marokko sind sehr gut und nicht teuer - dafür rückenschonend und heute, da Sonntag zudem fast leer. 

 

Wir erreichen das Casa Latifa am Nachmittag und werden direkt vom Chef im Anzug begrüßt. Er ist bestimmt 70 jährig, sehr nett und zeigt uns mit stolz seinen Betrieb. Es ist sauber, aufgeräumt, das offene Restaurant ist wie wir später noch merken, gut besucht und nebst einem deutschen und einem holländischen Wohnmobil ist es hier leer. Später gesellen sich noch Sarah und Sebastian mit ihrer kleinen Luana dazu. Die beiden haben einen deutsch-schwedisch-philippinischen Hintergrund, leben aber schon seit Jahren in Zürich. Die Holländer schwirren bald ab und auch die Deutschen fahren an den Hafen nach Tanger, somit wird es richtig schön gemütlich. Wir geniessen mit der kleinen Familie die Ruhe an der wirklich magischen Lagune, plaudern bei Kaffee und Kuchen, sehen Eisvögel, Kormorane  und Reiher - leider aber keine Flamingos. Für uns ist klar: Ein Plätzchen an dem wir ein paar Nächte bleiben wollen.

10. - 11.12. Hacienda les Cigognes

 

Bei strömendem Regen verlassen wir das Casa Latifa und die wunderschöne Lagune. Unser heutiges Ziel ist eines der 13 Weingüter Marokkos; die Hazienda des Cigognes, ein Weingut aus dem Jahr 1951. Etwa 50km im Landesinnern, wo sich Plantage an Plantage und Olivenhaine an Treibhäuser mit Tomaten reiht, finden wir die Hacienda. Komplet konträr zu den oft mondänen Weingütern in Spanien, ist es hier rustikal und einfach, aber nicht weniger sympathisch. Der ganze Platz wo man sich mit einem WoMo hinstellen kann, hat sich in einen matschigen Sumpf verwandelt, aber die Aussicht ist wunderschön und gibt den Blick über 350 Hektar Trauben frei. Degustation gibt es heute keine wie wir später erfahren, aber der Besitzer zeigt uns gerne seine Kellerei. Das ist allerdings sehr überblickbar. Er zeigt uns die Betontanks, die etwa 12 Fässer Barrique die im Moment im Keller reifen und die eigentlich sehr moderne Abfüllanlage. Die Ernte ist im August abgeschlossen, somit steht die Anlage im Dezember schon eine Weile still. Aber alles ist supersauber, einige wenige Kisten abgefüllte Flaschen stehen noch auf Paletten und etliche Flaschen sind günstiger zu haben, da sie nicht etikettiert sind. 

 

Hier werden Sauvignon Blanc angebaut, zudem ein roter Wein der ein Blend zwischen Carignon, Syrah und Cabernet Sauvignon ist. 100 000 Flaschen pro Jahr ist das Maximum. Auf meine Frage, ob sie auch bereits die Auswirkungen des Klimawandels spüren meint er; ja deutlich. Im Jahr 2023 hätten sie kurz vor Beginn der Ernte innert zweier Tage alle Trauben verloren, weil ein dermassen heisser Wind aus der Wüste, die ganzen Beeren ausgetrocknet habe. Auch hier ist Weinanbau offenbar ein grosses Risiko.

 

Wir kommen jedenfalls am Abend in den Genuss eines hausgemachten Tajins mit Salat zur Vorspeise und Fruchtsalat zum Dessert. Dazu natürlich ein roter Wein direkt von vor der Haustür. Wir geniessen das feine Abendessen der Mama in Gesellschaft der Kanadier Mimi und Guy und verbringen einen vergnüglichen Abend. Die beiden Kanadier aus Quebec haben in Frankreich ein WoMo gekauft und wollen die nächsten paar Jahre jeweils ein paar Monate Europa und die Umgebung erkunden. Auch sie sind für drei Monate in Marokko - wir werden uns also vielleicht irgendwo wieder sehen. Wäre schön!

11.12. Auf nach Rabat

 

Wir wollten die Hauptstadt eigentlich auslassen. Es gibt so viele schöne Städte in Marokko. Dann erreicht uns aber von Sebastian eine Whats App, dass es in Rabat einen tollen Stellplatz genau vor dem Eingang der Medina gäbe, und ihnen die Stadt supergut gefallen habe. Kurz entschlossen nehmen wir also Kurs an die Küste, es sind vom Weingut nur etwa 60km bis in die Stadt. 

Der Stellplatz ist wirklich mega! Direkte Sicht auf den Fischerhafen, also direkt am Wasser des Flusses Bouregreg kurz bevor er in den Atlantik fliesst, ausserdem in Spukdistanz zur Medina. Perfekt. In Rabat leben eine halbe Million Einwohner, die Boulevards sind breit und gepflegt, es fahren Strassenbahnen, es gibt direkt beim Königspalast eine Pferderennbahn, grosse moderne Viertel, Glaspaläste direkt am Wasser im krassen Gegensatz zu den einfachen Fischerbooten. Eine neue Uferpromenade lädt viele Einheimische zu einem Bummel ein, Touristen sehen wir nicht viele. Auf dem grossen Platz stehen ein paar Wohnmobile, sogar einige Schweizer, ansonsten macht die Stadt einen ruhigen und aufgeräumten Eindruck. Wir bummeln als erstes zum "Musée National de la Photographie". In dem alten Fort aus dem 14. Jahrhundert wird eine Wander-Ausstellung von National Geographic zum Thema Story Telling gezeigt. Viele schöne Fotos von Menschen und deren Gesichtern aus der ganzen Welt, aber vor allem aus Marokko.

 

Später beim Spaziergang durch die Altstadt, erkennen wir wieder was uns an Marokko so gefällt. Es ist wuselig, bunt, feine Küchengerüche wabern durch die Gassen, überall brutzelt oder köchelt etwas auf einem Feuer. In vielen kleinen und kleinsten Werkstätten wird geschliffen, geschweisst, gehämmert und geklopft - Holzmöbel, Mosaiktischchen, Töpferware und Schmuck - alles wird direkt vor Ort hergestellt. Aber Rabat ist auch im Umbruch - wie übrigens das ganze Land. Im 2030 wird nebst Spanien und Portugal, ein Teil der Spiele der Fussballweltmeisterschaft in Marokko ausgetragen. Natürlich will sich das Land von der besten Seite präsentieren. Grosse alte Viertel mit günstigem Wohnraum, müssen also Glas- und Metallpalästen weichen, es werden unzählige edle Hotels hochgezogen, Strassen verbessert, Boulevards angelegt und natürlich Stadien gebaut. 

12.12.25 Casablanca

 

Eigentlich wollten wir auch an der 4 Millionen Einwohner zählenden Stadt Casablanca vorbeifahren. Aber die Strecke von Rabat direkt nach Marrakech ist uns zu weit.  Schliesslich hat uns auch die Hauptstadt super gefallen, somit steuern wir die Mautautobahn an um die gut 90km unter die Räder zu nehmen. Die Landschaft immer noch grün, Olivenhaine und kleine Weiler wechseln sich ab, Reben und Avocadobäume sind über das ganze Land angepflanzt. Aber um es zusammenzufassen, Casablanca an sich braucht man als Camper vielleicht nicht unbedingt zu sehen. Viele andere Städte haben mehr, vom von uns so geliebten Charme aus 1001 Nacht. Casa ist eher eine Hafen- und Businessstadt mit einer grossen Ausnahme. Der Moschee von Hassan ll, dem 1999 verstorbenen König, die ihm zum 60 Geburtstag "geschenkt" wurde. Mit 210 Metern hat sie das höchste Minarett der Welt und ist ein Traum aus Marmor aus dem Süden Marokkos. Sie ist die fünftgrösste Moschee der Welt, mit Platz für 25'000 Personen. Mit Fussbodenheizung und einem hydraulisch zu öffnendem Dach liefen die Kosten damals total aus dem Ruder. Steuern mussten erhöht werden, was zu Verärgerung im Volk führte ... kein Wunder. Wir allerdings, haben einen wunderbaren Parkplatz direkt an der Moschee, und beleuchtet im Abendlicht ist sie einfach irre schön! 

Wir verlassen Casa am Samstag morgen bei fast menschenleeren Strassen. 

Immer wieder begegnen uns Strassenschilder in arabischer und berberischer Sprache - sie heisst in Marokko Tifinagh und stammt aus dem Altlybischen. Etwa 36 Millionen Menschen sprechen in Nordafrika und der Region um Ägypten diese Sprache, die aus einer Konsonantenschrift besteht.

Für uns aus der Schweiz keine Chance auch nur ein Teil davon zu verstehen!

Genau dieser Text ist, zumindest gemäss Google Translate, auf dem Foto in Tifinagh 🧐!

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Die Welt um uns verändert sich langsam, je näher wir dem Atlas, dem grossen Gebirge Marokkos kommen. Die Erde wird rot, steinig und karg. Die Weiler von Häuschen werden einfacher, aber die Autos auf der Autobahn sind immer noch modern, teuer und von Marken die wir bei uns auch kennen. Allerdings fast keine Elektro- oder Hybridmodelle - wir haben übrigens auch noch keine Stromladesäulen gesehen. 

 

Wir erreichen den Vorort von Marrakech, in dem sich unser Campingplatz "Le Relais" befindet, also bereits kurz nach Mittag. Mann oh mann, hat es hier viele Fahrzeuge. Eine grosse Gruppe deutscher Miet-LKWs besetzt mindestens einen Drittel des Platzes - sie gehen wohl geführt in die Dünen des Südens von Marokko. Viele grosse Weisse, also sehr grosse - mit Anhänger, Quad, Motorrädern mit dabei alles was der neue Camper so braucht. Wir finden dennoch einen guten Platz, sehen bereits ein paar bekannte Fahrzeuge von Schweizern die wir in Rabat getroffen haben, und richten uns ein. Der Campingplatz ist schön gemacht. Gefällt uns. Wir müssen mal wieder Tanks leeren und füllen, denn wir wollen in Marrakech natürlich an den gleichen Platz wie jedesmal. Direkt bei der Koutoubia und da gibts keine Versorgung.

13.-15. Le Relais

 

Auf dem Camping gefällt es uns. Wir bezahlen für eine Nacht, verbringen einen unterhaltsamen Tag mit anderen Reisenden und entscheiden uns kurzerhand noch eine Nacht anzuhängen. Mit Gaby & Erich und Moni & Richi, alles Sprinter 4x4 Fahrer, plaudern wir stundenlang über vergangen Reisen, geplante Ziele, Wunschdestinationen und freuen uns einfach, dass wir das Privileg haben unterwegs zu sein. Wir lernen sogar ein Koreanisches Paar kennen, welches leider hier in Marrakech liegen geblieben ist, und auf Teile für seinen Hyundai warten muss. Sie haben im Sand ihr Automatik Getriebe vermurkst. Sie freuen sich aber über Kontakt und erzählen uns viel über Korea und ihren Tripp im PW rund um den Globus.

 

Es ist also schön wieder mal gleichgesinnte kennenzulernen und sich auszutauschen. 

 

Für uns geht es dann doch mal in die City. Ein echtes Verkehrsgewusel - verglichen mit Teheran, unserer Messlatte verrückten Verkehrs - allerdings ganz in Ordnung. Tinu braucht aber ob den vielen schnellen und frechen Zweirädern schon die ganze Aufmerksamkeit um keinen der Jungs aufzuladen. Wir fahren zur Koutoubia, der grossen Moschee in Marrakech. Hier gibt es für 15 Stutz einen super Übernachtungsplatz mitten im Zentrum, gut bewacht steht unser Auto wenn wir unterwegs sind. Leider ist es wirklich kalt und ab und zu regnet es sogar. Beim letzten Besuch Marrakechs kämpften wir mit einer Affenhitze - nur nie normal. Jedenfalls tropft es uns sogar im Souk immer wieder in den Kragen, und nach einem feinen Tee mit Gaby & Erich, die wir zufällig treffen, trollen wir uns nach Hause. So macht es nicht wirklich Spass. Wir verziehen uns also in unser warmes Häuschen, heizen und kochen uns was Feines. Wir kommen einfach nochmal wieder, wenn das Wetter weniger garstig ist...

16.12. Kasbah Tamadot

 

Das Wetter zeigt sich an diesem Morgen von der garstigsten Seite. Es Schüttet immer wieder wie aus Kübeln, hat riesige Pfützen auf der Strasse, kleine Holzbrücklis die normalerweise über ein Rinnsal führen, wurden von den schlammigen, überquellenden Wassermassen weggerissen. Kleine Felsstürze, manchmal auch grössere Brocken, liegen auf der Strasse und werden von den einheimischen Autofahrern weggeräumt. Alle helfen mit, damit für die Räumungsteams vor allem noch die Schlammmassen und grossen Brocken wegzuräumen sind. 

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Wir kommen dennoch heil in der Kasbah an, und Tinu wird am Empfang fast zum Ritter geschlagen als sie erfahren, dass wir hierhin keinen einheimischen Fahrer gebucht hatten (wenn die wüsten, wo Tinu schon alles unterwegs war!)...Als sie herausfinden, dass wir bereits das fünfte mal in Marokko sind, erklären sie uns zu Einheimischen und nennen uns Fatima und Mohammed. So herzig, das ganze Team.  

 

Als eine Kasbah bezeichnet man im Nordafrikanischen Raum eine Festung oder ein Fort. In diesem Fall ist es ein luxuriöses Boutique Hotel, im Besitz vom Engländer und Milliardär  Sir Richard Branson, gelegen auf 1320 M.ü.M. im Atlas. Gebaut für den französischen Gouverneur anfangs des 20. Jahrhunderts, wurde die Kasbah von Mama Branson Eve 1998 auf einer Reise durch das Land entdeckt. Ab 2000 wurde umgebaut und bereits 2005 wurde sie als Boutique-Hotel eröffnet. Allerdings wurde sie beim Erdbeben 2023 schwer beschädigt, schloss dann für ein Jahr die Türen und hat vor Kurzem frisch renoviert ihre Tore wieder geöffnet. 

 

Sie bietet eine Mischung aus traditionellem marokkanischem Design und modernem Komfort. Wunderschön individuell gestaltete Zimmer, edle Berberzelte und Riads alle mit einem Blick ins grossartige Atlasgebirge und auf den Mount Toubkal. Der Name bedeutet "Sanfte Brise", und auf dieser Höhe ist es bestimmt oft ein Zufluchtsort für reiche Marrakechis, wenn im Tal 40° und mehr herrschen. Hammams, Infinity-Pools, Tennisplätze und ein wunderschöner Garten, in dem man immer wieder neue kleine Ecken zum Verweilen findet. Das Hotel wurde bereits viele male ausgezeichnet. Mehrmals als das Beste in Nordafrika, mehrmals unter den fünf besten ganz Afrikas und so weiter. Wirklich ein toller Ort. 

 

Wir haben es vor Jahren zufällig entdeckt, als wir aus dem Süden kommend über den Atlas gefahren sind. Damals war heller Sonnenschein, Menschen lümmelten sich am Pool oder auf den schönen Liegewiesen, wir hielten an für einen Drink auf der wunderschönen Aussichtsterrasse mit Blick auf den Fluss im Tal.

 

Zu unserem 40jährigen Jubiläum wollen wir es ein bisschen Krachen lassen. Haben also ein Zimmer reserviert und lassen uns für 24 Stunden so richtig verwöhnen. Bei Schneeregen ist natürlich der Garten nicht ganz so verlockend, dafür umso mehr die diversen brennenden Kamine und der geheizte Indoorpool. Ein bisschen verfroren geniessen wir den Willkommens-Champagner an der Feuerstelle in der Bar, lernen dort schon zwei coole Frauen aus Texas kennen. Die eine 78 - ein richtiges Reisefüdli - und die Enkelin, etwa 25, die mit Granny immer wieder um die Welt gondelt.  

 

Das Essen im grossen Berberzelt am Ende des Parks schmeckt fantastisch, dazu gibt es schon die ersten Schneeflocken. Später am Abend bekommen wir Besuch von der wirklich stilgerechten Katze des Hauses, sie mauzt laut vor unserer Zimmertür und erobert sich unser riesiges Bett im Handumdrehen. Selten eine so passende Mieze zu ihrem Zuhause gesehen. Edel, gepflegt, ein bisschen eingebildet und mit einwandfreien Manieren, gesellt sie sich zu uns und schnurrt zufrieden. Später dann, ruft sie ihr Personal (Tinu) und begehrt Auslass aus unserem Gemach - und weg ist sie...

 

Alles ist in diesem Hotel vom Besten. Wunderschöne Materialien, tolle Antiquitäten, nie gesehene Berberkunst, die Mitarbeiter dienstbeflissene Wesen, die einem jeden Wunsch von den Augen ablesen - MEGA. Am nächsten Morgen hat wohl der viele Schnee die Stromleitung zur Kasbah lahmgelegt, wir waren jedenfalls ziemlich lange mit Kerzenlicht unterwegs. Aber egal, das Duschwasser war noch aufgeheizt von der Nacht und das Frühstücksbuffet war so gross, das hätte man auch im Dunkeln nicht verpassen können.

Wir hatten einen supertollen Aufenthalt!

Übrigens haben wir uns kurz überlegt, ob wir jetzt gerne eine Woche oder so in dem Luxustempel Ferien machen wollen würden. Aber eigentlich nein. Es war mega, ja. Aber wir lieben das Nomadenleben, sind gerne in unserem warmen Häuschen, kochen gerne und lieben es ein bisschen weniger aufgebrezelt - obwohl es im Hotel total casual zu und her gegangen ist. Aber auf jeden Fall gerne wieder einmal - irgendwo, irgendwann, so als Ausnahme.

Wir verlassen gegen Mittag das wunderschöne Hotel, der Regen hat sich etwas beruhigt, Schnee ist nur auf den höheren Bergen liegengeblieben. Zurück ausserhalb von Marrakech scheint schon wieder etwas die Sonne und es wird wärmer. Wir bleiben einen Tag auf dem netten Camping Schatz, und einen bei der Villa Coriandre. Beides gut gepflegte Plätze wo man zwar bleiben könnte, aber irgendwie zieht es uns weiter. Wir wollen nach Essaouira. Schliesslich brauche ich wieder Schuhe von meinem Lieblingsschuhmacher. Für bunte Ausgehschuhe ist er meine Adresse, und ich hoffe, dass mein viertes Paar da auf mich wartet. Die anderen sind nämlich alle bereits hinüber.

19.12. Essaouira

 

Auch Essaouira hat sich im Laufe der Jahre ziemlich verändert. Eine breite Strandpromenade führt um die grosse Bucht, wo früher nur der Strand war. Leider darf man nicht mehr direkt dort mit dem WoMo stehen. Aber etwas entfernt gibt es Parkplätze und der Bummel um die Bucht ist superschön. Die Sonne scheint, viele Menschen spielen am Strand Fussball oder Beach Volley, Kamele schaukeln Touris durch die Dünen und Familien bauen mit ihren Kindern Sandburgen. Einige Wagemutige trauen sich sogar in die wilden Wellen des etwa 15° kalten Atlantiks. Bekannt als "Stadt des Windes" zieht Essaouira jedes Jahr hunderte von Surfern an, die hier die perfekte Welle suchen. In der Innenstadt sind die hübschen Gassen und Marktstände bunt wie immer, aber es hat jetzt viel mehr Geschäfte mit Souvenirs mit schönen Erzeugnissen aus Marokko.

 

Wunderbar bunte Teppiche, Tücher aus Kaktusseide, Holz- und Lederwaren, Gewürze und die allgegenwärtigen Stände mit Säften aus Orangen und frisch gepflückten riesigen Granatäpfeln. Der Duft von frisch gepressten Orangen und frischer Minze - für mich eine immerwährende Erinnerung verbunden mit Marokko. Eine grosse Enttäuschung habe ich dann doch zu beklagen. Mein Schuhmacher ist weg. Nicht mehr da. Vielleicht hat er sich zur Ruhe gesetzt, viellicht konnte er sich irgendwo eine Insel kaufen - ich würde es ihm von Herzen gönnen - jedenfalls hab ich vergebens im Indy Platz gemacht um meine neuen Babouches unterzubringen. Heisst im Umkehrschluss aber, dass ich durchaus noch ein Plätzchen für ein anderes hübsches Paar habe.

 

Wir übernachten beim nahen Carrefour auf dem riesigen Parkplatz, wo bestimmt noch 10 andere WoMo's stehen. Schon am Vortag als wir zum Einkaufen dort geparkt haben, waren viele ausländische Camper und LKS's abgestellt, einige sogar mehrere Nächte.Leider kam dann ein Polizist morgens um eins, und meinte, Nachbarn hätten sich beschwert über die vielen Wohnmobile und LKW's, wir müssten leider hinter das Einkaufszentrum fahren. Gesagt getan. Wir fahren also im Konvoi ums Haus - Problem gelöst. Keine grosse Sache, bis am Morgen dann die Camions für die Anlieferung vorfuhren. Palafer, Geplauder, Lärm aber auch wieder Ruhe.

20.12.25 Sidi Kaouki

 

Es ist Zeit für einen Timbila-Platz. Raus aus dem Gewusel ans Meer. Wir kaufen also für ein paar Tage ein, haben noch genug Wasser von der Villa Coriandre und fahren entlang der Küste in Richtung Sidi Kaouki. Ein Surferspot den es schon immer gab, eigentlich ein abgefucktes Kaff, aber der Strand und die Sonnenuntergänge können was! Auf dem Weg kommen wir durch grosse Olivenhaine und Eichenwälder, aber alles ist leider zugemüllt, vor allem natürlich der Strasse entlang, weil viele ihre Petflaschen und Ähnliches einfach aus dem fahrenden Auto schmeissen. Wir biegen in die Rumpelpiste zum Strand ab, und werden ordentlich durchgeschüttelt. Aber es lohnt sich. Fast menschenleer und sogar ziemlich sauber präsentiert sich der etwa 1 km lange Strand, bevor wieder ein paar kleine Hotels in Sicht kommen. Das riesige Feuerwehrauto von Markus und Manuela aus dem Aargau ist wirklich sogar an der langen Bucht nicht zu übersehen, und drei Landys aus dem Wadtland die auf dem Weg nach Südafrika sind teilen sich den Platz bisher. 

 

 

Wir stellen uns also dem grossen Feuerwehrauto in die Aussicht 😜und verbringen mit den beiden zwei nette, plauderige und unterhaltsame Tage. Was für ein wunderbarer Platz. Irgendwann bummeln wir nach Sidi Kaouki und sind froh, dem Ort später wieder den Rücken kehren zu können. Ungepflegt wie eh, kann man dort zwar für 30 Rappen am Tag stehen, aber wir möchten wirklich nicht tauschen, und bummeln somit wieder zu unserem schönen Strandabschnitt mit den wunderschönen Steinen, den frechen Eseln und den süßen Hundewelpen. Und Sonnenuntergänge - MEGA!

22.12. Essaouira

 

Für die Weihnachtstage ist nochmal ein Einkauf nötig, und wenn wir wieder ein paar Tage an unserem Strandabschnitt stehen wollen, brauchen wir auch noch Wasser. In 11km, fast direkt an der Route nach Essaouira gibt es einen guten Brunnen. Wir können sogar den Schlauch montieren und nur ein paar Minuten später sind die beiden Tanks voll. Das Wasser in meeresnähe ist nicht ganz so gut, immer ein bisschen flach und salzig, aber dennoch mit dem Filter gut nutzbar. 

 

In Essaouira bringen wir erst unsere Wäsche in eine Wäscherei, im Moment kann man auf den Campingplätzen zwar waschen aber die Wäsche wird nicht trocken, daher bemühen ein paar Profis. Da die Klamotten erst am nächsten morgen früh abgeholt werden können, bleiben wir noch einen Abend in Essaouira. Wollten wir sowieso, denn abends bei Beleuchtung haben solche Städte und Örtchen einen ganz anderen Groove. Nach dem Besuch beim Carrefour parken wir in einem Viertel einfach in einer Seitenstrasse. Haben keine Lust mitten in der Nacht wieder umzuziehen. 

 

Über die lange Seepromenade erreichen wir die Stadttore und betreten 1001 Nacht. Schöne Lampen verteilen warmes Licht in den engen Gassen, auf den Dächern geniessen die Menschen die wunderbare Aussicht und den goldenen Abendhimmel bei einem Drink. Ab und an spielt ein Strassenkünstler Musik, die Marktstände sind immer noch geöffnet, es wird geplaudert und eingekauft, gegessen, getrunken. Viele kleine Strassenrestaurants bieten lokale Gerichte an, überall gibt es Tee und Orangensaft. 

 

UND: Wir finden "meinen" Schuhmacher. Er hat ein komplett renoviertes Lädeli, deshalb wurde er bei der ersten Sichtung von uns glatt übersehen. Er freut sich, dass ich willig bin, bereits mein viertes Paar bei ihm zu erstehen, und zeigt mir seine Modelle. Er verschwindet sogar in der Decke seines Lädelis (eine Öffnung von etwa 80x80cm), und kommt mit diversen Plastiktüten zurück. Alle Farben, alle Muster - frei zur Wahl. Bekanntlich hat der die Qual, der die Wahl hat, aber seine Babouches sind bequem, bunt und einzig - deshalb werde ich doch rasch fündig. Als "Stammkundin" gibt er mir noch ein bisschen Rabatt und der Handel ist gemacht. Wir freuen uns beide, und vielleicht sehen wir uns ja sogar mal wieder. Wer weiss das schon. 

 

Nachdem wir unsere Bäuche gefüllt haben, ein bisschen Musik und Abendstimmung auf uns haben wirken lassen, bummeln wir zufrieden mit frischen Pistazien, Baumnüssen und Kräutern nach Hause. UND natürlich Schuhen :-)

 

Die Nacht in der Seitenstrasse ist ruhig, am Morgen fahren wir zur Wäscherei und wieder zurück an den Strand. Es ist einfach sooo schön hier. Ein guter Ort und die Weihnachtstage zu verbringen. Ab und zu bummeln wir in den nahen Ort, treffen bekannte und unbekannte Reisende. Eine Argentinische Familie, die mit ihren 4 (!) Kindern seit acht Jahren um die Welt reist und die wohl alle unterwegs zur Welt gekommen sind. Sie haben uns in Marrakech angesprochen, weil sie auf unserem Heck die Argentinische Flagge gesehen haben. Total nett und entspannt die Eltern, gondeln mit einer uralten Kiste einfach immer weiter. Die Kanadier Guy und Mimi, mit denen wir auf dem Weingut waren sind mittlerweile auch hier, und viele andere vor allem grosse, weisse haben sich auf den beiden komplett vollen Campingplätzen verschanzt. Die Surfer stehen mit ihren kleinen Büsslis direkt am Strand und sind erstaunlicherweise gefühlt den ganzen Tag im Wasser. Keine Ahnung wie die sich später wieder aufwärmen, denn der Atlantik hat bestimmt nicht mehr als 15°.

28.12. Sidi Kaouki

 

Für den 27.12. werden an der ganze Atlantikküste heftigste Regenfälle (bis 80 mm) vorhergesagt, und dies in Kombi mit üblen Windböen. Erscheint uns nicht der richtige Tag um weiter zu fahren. Bei uns läuft das Wasser gut ab, wir stehen auf solidem Untergrund und Bäume sind auch keine in der Nähe des Autos. Wir machen es uns also gemütlich, es schüttet wie aus Kübeln, manchmal sehen wir kaum bis zum Ende des Fahrzeugs, hat was von gemeinsam durch die Waschanlage fahren. Am Nachmittag zeigt sich aber dann doch die Sonne, und es reicht gerade für einen ausgedehnten Spaziergang, bevor der Himmel wieder die Schleusen öffnet. Wir haben auf den Foren schon gelesen, dass auf der Strecke nach Agadir die N1 irgendwo unterbrochen ist, weil ein über die Ufer getretener Fluss eine Brücke weggeschwemmt hat. Am Morgen wagen wir es dennoch. Schlimmstenfalls übernachten wir einfach irgendwo in der Pampa. Wir fahren also los, tanken an einem Brunnen Wasser und machen uns auf den Weg südwärts. Erst wollten wir die Küstenstrasse nehmen, die ist ähnlich wie die an der Côte d'Azur. Aber nach etwa 5km war Ende im Gelände, Strasse gesperrt wegen Überschwemmung. Sind also umgedreht, wie viele andere auch, und nehmen die Strasse im Inland. Die ist nigelnagelneu und faltenfrei, hat noch nicht mal Markierungen. Führt uns durch grossartige Arganbaumtäler, und hügelige Landschaft mit vielen tausend Arganbäumen.

Tatsächlich, als wir die überschwemmte Stelle erreichen, heisst es für uns und viele andere, mindestens eine Stunde Wartezeit. Eine Umleitung wurde eingerichtet, die aber streckenweise nur einspurig gefahren werden kann. Somit muss der Gegenverkehr abgewartet werden - no Problem. Wir machen ein Päuschen, Essen etwas und hauen uns aufs Ohr. Wir werden es schon hören sobald es weitergeht...

 

Irgendwann ist auch eine marokkanische Stunde vorbei, es geht weiter. Es ist ein wenig wie fahren im Irak. Konvoi von Wohnmobilen. An der Spitze ein englischer Landrover dann viele andere. Egal. Wir kommen gut vorwärts, die Landschaft gefällt uns super und irgendwann verlassen wir die Berge und haben freie Sicht aufs Meer. Es ist total kabbelig, nichts mehr von türkisblau, nur noch aufgewühlt und braun. Auf dem Atlantik haben wohl ziemliche Stürme getobt. 

Interessantes vom Arganbaum: Es handelt sich um einen der ältesten Bäume der Welt. Seine Geschichte reicht 80 Mio.(!) Jahre zurück und er ist endemisch im westlichen Teil Marokkos. Zwischen Essaouira und Agadir leben ungefähr 2 Mio. Menschen von der Aufzucht und den Erzeugnissen des Baumes. Aus Arganöl, (die Nussschale ist etwa 14 mal härter als die einer Haselnuss), werden Kosmetika wie Shampoo, Cremes, Seifen etc. hergestellt, aber einen wirklich wichtigen Einsatz hat Arganöl in der marokkanischen Küche. Der Baum kann wachsen und blühen in der allergrössten Hitze, und auch einen ganzen Sommer ohne Wasser auskommen. Notfalls wachsen seine Wurzeln bis zu 30 Meter in die Tiefe. Grosse Erträge liefern Arganbäume erst mit 50-60 Jahren, und genau solche Exemplare sehen wir auf unserer Fahrt durch die wunderschöne hügelige Landschaft.

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29.12. Mercedes Agadir

 

Nach dem Schneegestöber im Atlasgebirge hatten wir auf einmal im Cockpit eine Fehlermeldung bezüglich Licht, welches sich normalerweise je nach gemessenem Tageslicht automatisch einschaltet. Jetzt musste es manuell eingeschaltet werden und zudem hörten wir dabei einen seltsamen Summton. Wir wälzten sämtliche Internetforen und Handbücher haben aber nichts Hilfreiches gefunden. Daniel Spycher, den wir seit längerem viral und seit Spanien auch wirklich kennen, seines Zeichens Elektroingenieur und Daniel Düsentriebig-schlau, hat sich auf Tinus Anfrage total ins Zeug gelegt, konnte sich aber auch keinen rechten Reim darauf machen. Sogar bei seiner Werkstatt hat er nachgefragt, aber keiner konnte wirklich schlüssig helfen. An dieser Stelle, lieber Daniel, allerherzlichsten Dank für deine spontane Hilfe.

 

Letzte Mercedes Werkstatt vor Kapstadt ist wohl die in Agadir, die wir somit am Morgen gegen 10 Uhr ansteuern. Blitzeblank und brandneu steht sie da, mit Wachmännern und fetten Schlitten vor der Hütte. Der nette Büromensch nimmt sich unserer sofort an, und Arbeiter aus der Werkstatt schauen sich zu dritt das Problem an. Sie lassen ihre Arbeit liegen, fahren den Indy in die Werkstatt und hängen die Diagnosegeräte an. Sie prüfen sämtliche Schaltkreise, Spottlampen und jede noch so kleine Stromquelle, aber alles scheint in Ordnung. Sie fahren das Auto ins Tageslicht, dann wieder in die Garage, immer hin und her, prüfen dies und das und zwar ziemlich genau vier Stunden. Zu dritt!

 

Dann finden sie den Erzfeind! Wasser auf einer Platine, welches bei der Dichtung der Aussenantenne eingedrungen ist. Ein klitzekleines Bisschen, eher ein Hauch. Bei genauerem Hinsehen, bemerkt man tatsächlich, dass die Dichtungsmasse nicht mehr im besten Zustand ist. Die wurde wohl auf der arabischen Halbinsel knusprig. Jedenfalls sieht man sogar als Leihe deutlich die Korrosion - somit ist die Platine natürlich hinüber. Sie haben leider kein entsprechendes Ersatzteil. Dies ist jetzt nicht ein Riesenproblem. Sie klemmen alle Kabel ab, damit kein Strom mehr fliesst, und Tinu muss halt das Licht jetzt manuell einschalten. Aber Zuhause muss das natürlich dann gerichtet werden.

 

Aber die Männer waren super kompetent, haben sich ins Zeug gelegt, sauber gearbeitet, es gab richtig gutes W-land und ein naher Mc Donalds hat uns am Mittag über Wasser gehalten. Also alles in allem ein guter Tag - für 53 CHF, und diese Werkstatt kann man absolut empfehlen.

In Agadir, der grössten Tourihochburg in Marokko, hat es direkt am Atlantik einen grossen Parkplatz wo man mit WoMos übernachten darf. Super gelegen, kostenlos, sicher und direkt an der Strandpromenade. Wir laufen entlang des Strandes, viele sind in Marokko T-Shirts unterwegs, ihre Fussballmannschaft spielt heute im Africa Nations Cup gegen Sambia. Grosse, kostenlose Public Viewings ziehen Interessierte an, allerdings nicht allzu viele am gleichen Ort, denn es gibt unzählige Möglichkeiten in der Stadt die Spiele zu verfolgen. Die vorderen Reihen direkt vor der Bühne mit dem grossen Screen für die Männer, dahinter auf grossen Paletten und Kissen Platz für die Familien.

 

Marokko liegt bereits nach drei Spielen gut im Rennen und gewinnt schlussendlich auch dieses. Es wird grosszügig und lange gehupt, mit Landesflaggen aus den Autos geweht und gejubelt. Das Land sieht die Durchführung des Africa Cups als Hauptprobe für die Weltmeisterschaft im 2030, die zu einem Teil ebenfalls in Marokko durchgeführt wird. Wir freuen uns mit den Einheimischen, allerdings sind wir auch nicht unglücklich, als so gegen 3 Uhr das Gehupe mal nachlässt. 

31.12. Agadir - Tarudant 

 

Eine Nacht bleiben wir im Landesinnern in Taroudant. Eine kleine Stadt, nicht sehr touristisch aber ganz nett. Für uns eigentlich nur ein Ort auf dem Weg. Denn das eigentliche Highlight folgt am nächsten Tag.

 

Auf uns wartet eine der spektakulären Strecken Marokkos, die durch die Berge ins Landesinnere führt. 160km gute Strasse erst durch die Ebene voller Argan- und Bananenbäume, die sich später bis auf 1600 M.ü.M. windet, um schlussendlich in Tafraoute auf 1160 M.ü.M. zu enden. Was sofort auffällt: die Dörfer sind sauberer, die Häuser besser und gepflegter, die Strassen intakt und die Menschen in den Dörfern winken. Berbergebiet. Bauern. Handwerker. Sehr sympathisch. Die Häuser schmiegen sich an die Felsen und leuchten in allen Erdfarben der Region. Es gibt kleine Märkte mit vielen frischen lokalen Früchten, was in den Wintermonaten vor allem Khakis, Bananen, Granatäpfel, Zitronen und Avocados sind.

 

Bereits bei der Einfahrt in den kleinen Ort, sehen wir überall Wohnmobile stehen. Es hat drei nicht sehr gut bewertete Campingplätze, aber da wo man frei stehen kann ist die Landschaft und der Ausblick spektakulär. Wir fühlen uns nach Namibia gebeamt. Es sieht genau so aus, wie die Brandbergregion im Afrikanischen Land, welches wir so lieben. Entsprechend gefällt es uns hier, und natürlich wollen wir für ein paar Tage bleiben. 

4.1.26 Tafraoute - Tiznit

 

Wir verbringen den Jahreswechsel mit einigen anderen WoMos in den wunderschönen Bergen, auf dem grossen erlaubten Platz zwischen den Felsen. Das Wetter verhindert eine Weiterreise am 2. Tag des neuen Jahres. Es schüttet wie aus Kübeln, die Wolken hängen tief, die Temperatur sinkt. Wir kuscheln uns im Auto ein, es prasselt auf unser Dach, haben gutes Internet, kochen, schreiben, machen ein paar liegengebliebene Büroarbeiten, sortieren Fotos und so geht der Tag dahin. Wir stehen hier sehr gut, das Wasser läuft rund um uns herum ab, Windböen hauen immer wieder ans Auto - aber alles gut. 

 

Am nächsten Morgen ist das Wetter immerhin gut genug für einen Besuch bei den Blauen Felsen. Auch bekannt als "Paintet Rocks" ist das surreal wirkende Kunstobjekt des Belgischen Künstlers Jean Vérame von 1984. Grosse Granitfelsen wurden damals in verschiedenen Farben von ihm, mit Hilfe der ortsansässigen Feuerwehr mit 18 Tonnen Farbe bemalt. Kunst liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters, das Ganze sieht aber schon irgendwie cool aus.

Als wir dann am 4.Tag weiterfahren, sind überall grosse Pfützen entstanden. An vielen Orten liegt oder fliesst Wasser immer noch über die Strassen, kleine Wasserrinnsale sind zu reissenden Flüssen geworden. Auch bei den Einheimischen ist das Wetter Thema Nummer eins. Aber alle sind sehr froh, dass Marokko wieder mal richtig gut Wasser bekommen hat, sich das Grundwasser und die Wasserreservoirs auffüllen. Seit 2014 habe es hier immer viel zu wenig geregnet, sagen sie. Na denn, für uns als Touristen vielleicht nicht optimal, aber wir sind in diesem Kontext total unwichtig.

 

Wir erreichen Tiznit, was wohl der ultimative Hotspot der Snowbirds aus Frankreich ist. Gefühlt seit Wochen werden in den Sozialen Medien Plätze, egal ob Camping oder Stellplatz in Tiznit gesucht, die normale Antwort ist in der Regel: "Das weiss man doch, dass in dieser Jahreszeit dort alles voll ist. Ist ja Kleinfrankreich". Wir können uns nicht vorstellen, dass dem so ist, und sind eigentlich nur in Tiznit weil es gut auf unserer Route liegt - und ja, es ist die Silberhauptstadt Marokkos. Auf dem komplett vollen Camping Municipale, gibt es nur noch zwei freie Plätze, eigentlich mitten in grossen Matschpfützen - (es stehen etwa 200 Mobile in Reih und Glied) - also eher nicht. Wir fahren auf den Camping Tinbar, der direkt an der Stadtmauer liegt, und sehen schon von weitem das "Complet-Schild". Ich steig trotzdem aus, und frag den jungen Typen ob er für ein kleines WoMo noch irgendeine Ecke frei habe. Er lacht und meint, hm eigentlich nicht, aber wir könnten direkt am Tor stehen und alles nutzen, für 3 CHF die Nacht - für den Nachtwächter. Na also. Perfekt. Wir stehen also in den Hibiskusbüschen direkt am Tor, können Duschen etc. alles nutzen und haben es zwei Minuten zu Fuss, um in die Altstadt zu gelangen. 

 

Es erschliesst sich uns nicht, warum die Franzosen hier alle für drei oder vier Monate überwintern, denn es ist einer der ersten Orte, wo es nicht mal ein paar nette Restis gibt. Allerdings gute Patisserien, gute Gemüse- und Fruchtstände und um die Ecke Fladenbrot direkt aus dem Holzofen. Und ja es hat tolle Silberschmieden. Viel Schmuck, der wie wir mittlerweile wissen aus Indien kommen, aber auch die mit dem Löwenkopfpunzierung aus Marokko. Im Indy sind Einkäufe klar eingeschränkt. Bistrotischli, Porzellan, Messingwaren, Gartenlampen etc. alles zu gross, zu schwer und zu sperrig. Schmuck kann das alles. Ist leicht, braucht super wenig Platz und kann überallhin mitgenommen werden. Ich würde sagen perfekt. Dann kauf ich halt Silber - und freu mich darüber. 

 

Eigentlich wollten wir bereits nach einer Nacht weiter, aber die Strassen in Richtung Küste sind gesperrt. Also bleiben wir auch hier noch einen weiteren Tag und verbummeln den in der Stadt. Am Morgen geht es dann definitiv weiter. Die Sonne lacht, es weht nur noch eine steife Brise, aber der haben wir wohl das gute Wetter zu verdanken. Nach nur etwa 20km erreichen wir die Küste. Bleiben zwei Nächte auf dem wirklich tollen Stellplatz  Ecounterpark. Ein Marokkaner der lange in Dänemark gelebt hat, eröffnete den Platz vor wenigen Jahren und weiss daher auch, was sich europäische Camper so wünschen. Im kleinen Restaurant isst man wirklich gute lokale Küche, aus einer Chimbali Kaffeemaschine tröpfelt Kaffee sogar mit Schaum, die Waschmaschinen sind sauber und die Duschen heiss. Wir bleiben zwei Nächte und sind geschrubbt und mit Schränken voller sauberer Wäsche wieder abfahrbereit.

 

Eigentlich wollten wir noch nach Sidi Ifni, einem weiteren berühmten Surfer Hotspot an der Küste. Aber schon beim Einfahren ins kleine Städtchen sehen wir den aus allen Nähten platzende Stellplatz. Das muss jetzt nicht mehr sein, denn wir waren lange an der Küste. So nehmen wir Kurs auf Guelmim, der letzten grösseren Stadt in dieser Region, kaufen nochmal richtig ein und übernachten direkt auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums. 

 

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