Seereise mit der Grande Francia

 

Nach 9 Tagen immer wieder verschieben und warten und nicht wissen wanns losgeht, freuen wir uns umso mehr, dass es heute definitiv und unwiederruflich endlich aufs Schiff geht. Mit unseren vier Fahrzeugen brechen wir also um 9.00 Uhr vom Stellplatz auf in Richtung Schuppen 48. Wir kommen flott vorwärts und finden den O’Swaldkai auf anhieb. Wir bummeln zum Schalter wo man uns bereits erkennt und erwartet - sind ja im Ganzen nur sechs Fahrzeuge. Nach der Passkontrolle und ein paar Infos ist bereits alles erledigt. Wir warten noch auf zwei weitere Fahrzeuge und als die kommen sind auch sie rasch kontrolliert. Wir werden um 11.00 Uhr mit einem Begleitfahrzeug zur Grande Francia gefahren. Frisch gestrichen und riesig steht sie da. Wir stellen unsere Fahrzeuge ab und da wir und ein weiteres Auto bereits eine Versicherung für die Seereise abgeschlossen haben, werden kurz Schäden aufgenommen und fotografiert. Wir können mit unserem Gepäck zur Kabine und werden vom dritten Stock wo das Parkdeck ist von einem Matrosen, zu unserem zu Hause für einen Monat, begleitet. Im 12. Stock ist also unsere „Eignerkabine“. Schlafzimmer, grosses Bad, Stube kombiniert mit Büro im zweiten Zimmer. Tip top. Grösser als erwartet, weniger heruntergekommen als erwartet. Sogar eigentlich richtig nett. Wir richten unsere Kabine ein wenig ein, als uns schon Kollegen zum Essen abholen. In der Offiziersmesse sind die anderen Reisenden bereits eingetrudelt und der Kapitän mit seinen Offizieren begrüssen uns nett. Nach Pasta, gratiniertem Lachs, Steak und Salat und Orange gibts noch einen Kaffe, dann machen wir uns auf den Weg das Deck zu erkunden. Da es bereits seit einigen Stunden in Strömen regnet ist das ganze Deck ca. 3 cm unter Wasser. Wir werden uns bei trockener Witterung auf dem Helikopterdeck ausbreiten können. Da gibt es massig Platz für Jogging (wers mag), für Kombatan, für Spanischlektionen, für Morgenübungen etc.

 

Wir haben in der Gruppe einen Profi in Sachen Fotographie, der für National Geografics Fotos bearbeitet und Layouts und Multivisionsshows macht. Er arbeitet für bekannte Fotografen macht deren Vorträge und arbeitet fürs ZDF und diverse TV-Serien. Er hat sich bereits angeboten, uns zu zeigen wie man Videos schneidet, Fotos bearbeitet, Filme macht etc. Also werden wir diese Lektionen buchen :-) und bestimmt viel von ihm profitieren können.

 

Mittlerweile haben wir auch die Fahrzeuge in Deck 6 unterbringen können. Sie stehen gut abgesichert in einem Zwischendeck, welches erst in Südamerika wieder geöffnet wird. Alle Autos und Maschinen die ihren Zielhafen in Senegal haben, werden auf einem anderen Deck untergebracht. Nur in Freetown werden einige wenige Maschinen von unserem Deck gefahren, dort werden wir sicher vor Ort sein müssen. Aber ansonsten scheint die Gefahr des Aufbrechens minimiert. Wir schleppen also noch den ganzen Rest in die Kabine und richten uns häuslich ein. 

 

Gemäss Crew werden wir die Nacht noch im Hafen verbringen und sobald morgen alles geladen ist, was am späteren Vormittag der Fall sein soll, werden wir auslaufen. Auch schön, wenn wir die Elbe und die einfahrenden Schiffe bei Tageslicht sehen können. 

15.9.2015

 

Erster Tag auf See…oder doch nicht?

 

Bereits im Hafen haben wir von einem Deutschen Mitarbeiter gehört, dass unsere Grande Francia bestimmt nicht vor 10.00 Uhr des nächsten Tages, also Dienstag auslaufen wird. Das kann ja vieles heissen. Aber vor allem auch, dass es gut und gerne 15.00 Uhr oder auch irgendwann am Abend sein kann, auf jeden Fall nicht mehr am Montag. Wir sind gespannt aber rechnen eigentlich alle nicht damit, bereits am Morgen aus zu laufen. Also geniessen wir den sonnigen Vormittag an Deck, machen Übungen, einige joggen oder walken und einige fassen sogar den Plan, mit Spanisch Lektionen zu beginnen. Meistens bleibt es aber beim Plan.

 

Beim Mittagessen, immer noch vertäut im Hafen, gibt uns ein Filipino von der Crew die Auskunft, dass es wohl 15.30 Uhr sein wird. Uns auch recht, wir haben ja eh nichts anderes vor. Jedenfalls war das Wetter nach dem Mittagessen auf einmal  kühl und diesig daher war man draussen ziemlich schnell durchgefroren. Somit entschlossen wir uns erst wieder zum Ablegen auf Deck zu gehen. Wir haben den Tischtennistisch und das Laufband getestet und unsere Kabine genossen, haben noch ein wenig „rumgenüschelet“ und uns noch für ein Kurznickerchen hingelegt. Es war so kuschlig warm und gemütlich, und von den Motoren war wie immer nur ein ganz leises Schnurren zu hören, also hatten wir keine Eile. Irgendwann so  um 16.00 Uhr ein kurzes Strecken und Räkeln, dann haben wir beschlossen, doch mal zu schauen was läuft und ob die neuen Mercedes und BMWs nun endlich verladen sind. Tinu öffnet unseren Vorhang und kann es nicht fassen. WIR SCHWIMMEN BEREITS! So ein Mist! Zuerst 14 Tage rumgehangen und dann die Abreise verpennt. Sowas. Auf jeden Fall waren wir ziemlich schnell mit unseren vier Schichten Klamotten auf Deck, wo die anderen bereits alle versammelt waren und wild gestikulierend, winkend und fotografierend Hamburg verabschiedeten. Es war immer noch diesig und stark bewölkt. Dann und wann ein Wolkenbruch und kalt. Auf einmal, in Höhe Blankenese, reissen die Wolken auf und Hamburg zeigt sich uns nochmal bei allerschönstem Wetter und blauem Himmel. Ein doppelter Regenbogen spannt sich über die Stadt. Es war toll hier. Danke Hamburg, du warst gastfreundlich und abwechslungsreich und die Cruise Days haben uns begeistert.

 

Wir sind natürlich alle hin und weg von der Fahrt über die Elbe. Der tolle Ausblick über die Stadt, die Airbuswerke, die Mega-Supervillen der Gutbetuchten, die entgegenkommenden Schiffe und dann auf einmal wird das Land unbewohnt und grün, und nur noch Schafe schmücken das Bild. Toll. Wir sehen den Platz an dem wir vor gut einer Woche am Nord-Ostseekanal gestanden haben, und auch heute sehen wir Frachter die in die Schleuse wollen. Just um 18.00 Uhr beginnt es wieder zu regnen, aber egal, ist eh Essenszeit. Also gehen wir alle gut gelaunt in die Messe und geniessen bei einem Glas Wein (im Hafen durfte kein Alkohol ausgeschenkt werden) und einem feinen Znacht unseren ersten Abend auf dem Wasser. Wir sind eine super Truppe und alle sind überzeugt, dass die Zeit auf der Grande Francia viel zu schnell vorübergehen wird, aber dass es genau die richtige Entscheidung war, nicht zu fliegen….

 

Wir lassen den Abend gemütlich ausklingen, bummeln nochmal ein wenig über Deck, lesen und lassen uns das ersten mal auf See in den Schlaf schaukeln. 

Ländy.jpg

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Grande Francia Rettungsring.jpg

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Endlich gehts los.jpg

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Leinen los in Hamburg.jpg

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Hafenkräne_in_Hamburg.jpg

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Regenbogen_über_Hamburg.jpg

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Regenborgen_über_Hamburg_2.jpg

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Blankenese.jpg

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Hafen Blankenese.jpg

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Frachter_in_Übergrösse.jpg

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Frachter in Übergrösse 2.jpg

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An der Elbe.jpg

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16.9.2015

 

Zweiter Tag auf See…

 

Wir hatten uns ja gedacht an Bord nicht zu frühstücken, sondern zuerst ein wenig Sport zu machen und Spanisch zu lernen und dann erst zum Mittagessen zu erscheinen. Nur blöd, dass die Küche direkt auf unserem Deck ist, und es ab 7.00 Uhr bereits verführerisch nach Kaffee riecht. Aber gerade Sport lässt sich ja super verschieben und nochmal verschieben und so weiter, also gehen wir doch zum Frühstück und lümmeln uns dann ein wenig an Deck. Heute war aber das Wetter so garstig, dass wir nicht lange draussen waren. So haben wir uns gedacht, wir nehmen mal die ersten Lektionen Spanisch in Angriff und tun mal zumindest so, als würden wir was tun für die Kommunikation in Südamerika. 

 

Kaum begonnen, kommt der Safety Second Officer Michael zu unserer Kabine, ein total netter Filipino mit vielen Jahren Seeerfahrung, und bittet uns in die Messe für einige Safety Instructions. Er erklärt uns Reisenden wie das Vorgehen bei Man over Board, Feuer an Bord oder Rauch  ist. Wie die Westen zu tragen sind, wann wir wo sein müssen bei Feueralarm, wann wir auf die Brücke kommen dürfen und wer bei welchen Fragen unsere Ansprechpartner sind. Der Kapitän schaltet sich ein, erklärt uns wie lange wir bis zum nächsten Hafen unterwegs sein werden, welche Häfen wir anlaufen und dass er von der Reederei noch erfahren wird, ob in zusätzlichen Häfen in Westafrika Fracht oder leere Container zu laden sind. Er bittet uns, wenn möglich in Afrika auf Landgang zu verzichten, da die Lage dort unübersichtlich und gefährlich ist. Ebola, blinde Passagiere, Diebstahl und Piraterie sind immer noch Themen die die Crew beschäftigen. Vor allem auch die Piraterie scheint die Crew in Anspannung zu versetzen. Um möglichst ein kleines Ziel zu bieten, will der Kapitän am morgen früh in Dakar einlaufen, sofort die Ladung löschen und am gleichen Tag wieder abrauschen. Die Nacht im Hafen zu verbringen scheint ihm Unbehagen zu bereiten und uns soll es recht sein. Auch meinte er, dass wir eventuell noch von ihm hören werden, wenn’s darum geht unsere Fahrzeuge im Frachtraum zu bewachen. Die Crew sei eventuell stark damit beschäftigt, zu kontrollieren, dass die richtige Fracht von Bord geht (und nur die), aber dass auch nichts an Bord kommt was nicht soll. Viele Augen seien besser als wenige. Machen wir, no Problem.

 

Nach dem Mittagessen nutzen wir die Chance die Brücke zu besichtigen. Michael, der Safety vom Morgen, hat zufälligerweise gerade Schicht und bittet uns herein. Er erklärt uns geduldig die vorhandene Technik. Den grossen und kleinen Radar, auf denen er alle anderen Bewegungen auf dem Meer in einem grossen Umkreis sehen kann. Er hat die Möglichkeit, diese Schiffe an zu klicken, und bekommt dann Auskünfte wie Schiffstyp, Destination, Geschwindigkeit und ob er unsere Route kreuzt oder nicht, und wenn ja wie viel Zeit bleibt um auszuweichen. Wenn man auf der Brücke steht, sind die Buglichter 120 Meter entfernt. Michael erklärt uns, dass man während den Winterstürmen nicht mal den ersten Container direkt vor den Brückenfenstern sehen kann - so dicht ist der Nebel. Also nur mit den Überwachungssystemen navigiert wird. Er meint, dann hebt er während einer Schicht von vier Stunden die Augen nie weg vom Radarschirm. Schon sehr viel Verantwortung. Vor allem während seiner Nachtschicht, wenn alle anderen schlafen, muss er sehr aufmerksam sein. Sobald wir in afrikanische Gewässer kommen werden, sollen die Schichten verstärkt werden, da Holzboote nicht vom Radar erfasst werden und nur über die Ferngläser gesichtet werden können. Wir verabschieden uns von der Brücke und machen uns auf den Weg zum Fitnessraum (grosses Wort - kleiner Raum 😁). Wir schmeissen uns aufs Laufband, spielen Tischtennis und machen ein paar Übungen. 

 

Zwischendurch gehen wir immer wieder mal an Deck und sichten die Schiffe die um uns rum sind. Kurz vor dem Abendessen kommen wir zur Meerenge Dover - Calais und sehen die Fähren die England und Frankreich verbinden. Das Wetter ist weniger garstig als am Nachmittag aber der Wind fegt einem fast von Deck. Umso erstaunlicher, dass unser Schiff sich nicht mehr bewegt, als die Quietschente zu Hause in der Badewanne. Gemäss Michael, werden wir auf dieser Reise nirgends schwere See haben, da Stürme vor allem im Winter ein Problem sind. I’am happy! 

Wir hatten vorsorglich bereits am ersten Abend, alles was in unserer Kabine rumfliegen kann, verstaut. Wäre offenbar nicht nötig gewesen. 

 

Nach einem sehr feinen Abendessen, wartet auf uns alle heute ein Filmabend. Helmut, einer der Mitreisenden, hat von einem befreundeten Paar, welches ebenfalls während 18 Monaten Südamerika bereist hat, einen Film mitbekommen den sie selber gemacht haben. Wir sind gespannt. Es dauert nur eine gute Stunde, bis fünf Männer plus Schiffsingenieur den DVD Player im Aufenthaltsraum zum Laufen bringen😜. Dies war eine gute Übung von gruppendynamischen Arbeiten. Haha, das Vorprogramm war schon mal Spitze!

 

Der Film war dann aber wirklich auch toll. Sehr schöne Landschaftsaufnahmen und Städte, Menschen und Tiere, dazu tolle Musik. Wir haben beschlossen, dass wir da auch hinwollen. Yes! 

Es ist spät, wir sind alle müde und trollen uns in Richtung Bett. Die Tage fliegen auf der Grande Francia. Es gefällt uns sehr!

Gruppenfoto

Gruppenfoto

Brütende Hitze im Lifeboat

Brütende Hitze im Lifeboat

Ruhige See

Ruhige See

Workshop mit Peter

Workshop mit Peter

Lernen, lesen, dösen....

Lernen, lesen, dösen....

Immer wider schön-Sonnenuntergang

Immer wider schön-Sonnenuntergang

Sundowner mit Helga und Helmut

Sundowner mit Helga und Helmut

Filmabend auf der Grande Francia

Filmabend auf der Grande Francia

Vollmond über dem Atlantik

Vollmond über dem Atlantik

17.- 21.9. 2015

 

Dritter bis sechster Tag auf See…

 

Eine Seefahrt die ist lustig…😎! So isses. Wir können das nur unterschreiben. Wir sind vollends beschäftigt mit Essen, Übungen an Deck, lesen, Blog schreiben, aufs Wasser gucken und unseren „Workshops“. Peter, unser Crack an Bord in Sachen Fotographie, Bildbearbeitung, Computerprogramme für Videos usw. hat sich ja bereit erklärt (und ich glaube ganz gerne, da es sein Job und seine Leidenschaft ist) uns ins kleine oder später dann ins grosse 1x1 der Fotographie einzuweihen. Im ersten Teil ging es um fotospezifische Fragen auf die er eingegangen ist und um Basistheorie. Da jeder einen anderen Wissenstand und eine andere Ausrüstung hat, ist er ganz schön gefordert. Toll ist natürlich, dass in so einer kleinen Gruppe jeder von jedem lernen kann, und alle freuen sich natürlich wenn sie später tolle Bilder von ihrer Reise haben. 

 

So geht der Morgen vorbei und es ist direkt wieder Essenszeit. Wir bekommen die Aufforderung vom Kapitän um 16.30 Uhr bereit zu sein für einen Safety Drill gemeinsam mit der Crew. Somit ist der halbe Nachmittag auch schon wieder verplant. Wir lernen also nach dem Essen noch ein wenig Spanisch, lesen und laufen ein paar Runden auf Deck. Auf der Elbe und in der Biscaya haben wir noch viele Schiffe gesehen, seit wir südlich von den Kanaren sind werden die seltener. Die Kanarischen Inseln waren sehr gut sichtbar, und selbst wenn nicht, hätten wir gemerkt dass wir in „Landnähe“ sind. Denn auf einmal war praktisch jedes Crewmitglied mit seinem Natel auf Deck und hat seine Lieben angerufen, weil wir endlich wieder mal im Bereich eines Netzes waren. Die Zeit auf See ist für die Crew bestimmt manchmal lange. Die Filipinos arbeiten mit 6-8 Monats-verträgen und die Italiener mit vier. 

 

Wir sehen die ersten Wale und Delfine und so rennt die Zeit davon. Immer wieder mal ein Schwätzchen mit einem Mitreisenden und schon wieder in die Kabine. Schwimmwesten und Helme fassen, Taucheranzug (oder so was ähnliches) einpacken, gute Schuhe, Jacke und Sonnenbrille. Schlag 16.30 Uhr werden wir von einem Filipino abgeholt und auf die Muster Station gebracht. Die Crew übt sich schon mal im Feuer löschen, dann im Bergen eines Verletzten und zum Schluss werden die Rettungsboote bestiegen. Auch durch uns. Michael erklärt uns wie die Rettungsboote funktionieren, wo wie viel Nahrung und Süsswasser gebunkert ist, welche Ration jeder Person zusteht und wie das Boot navigiert wird. Interessant. Eigentlich war auch noch ein Video zum Thema geplant, aber sie bekommen den DVD nicht zum Laufen (gleiches Problem wie bei unserem Filmabend). Aber der Kapitän sagt, dass sei bis morgen behoben und neuer Zeitpunkt für den Film sei Sonntag um 10.00 Uhr. Entscheidet er einfach so. Will er uns veräppeln? Dabei haben wir doch alle genau dann den nächsten Fotoworkshop! Denkt der wir sind zum Vergnügen hier und haben bloss freie Zeit. So ist es nicht! Murrend verschieben wir den Workshop auf Montag, den geplanten Qi-Kung Workshop vom Montag auf Dienstag und so weiter. Gar nicht einfach 😜alles unter einen Hut zu bringen.

 

Auf jeden Fall erleben wir hier alle eine unglaublich tolle Zeit. Nach dem Abendessen sind wir jeweils noch zusammen mit einem Gläschen Wein auf Deck, plaudern, planen noch mehr Workshops zum Thema Buschmechanik und Seemannsknoten, es wird viel gelacht und bereits so gegen 22.00 Uhr fallen wir alle müde in die Betten. 

 

Am Montag bereits der nächste Fotokurs diesmal zum Thema Bildbearbeitung. Schärfe, Kontraste, Belichtung und vieles mehr wird besprochen. Für mich ist besonders das komprimieren von Fotos für die Website interessant. Es dauerte bisher, wenn wir mal W-Lan hatten, unendlich lange bis 10-12 Fotos hochgeladen waren. Wie ich jetzt weiss, waren die alle unnötigerweise viel zu gross. Das werde ich jetzt ändern, dann sind die Bilder auch leichter zu öffnen 😏.

 

Die Crew informiert uns, dass wir neu zusätzlich den Hafen von Banjul (Gambia) anlaufen werden. Wegen Malaria in den Westafrikanischen Ländern bekommen wir Moskitospray und werden gebeten uns mit langer Kleidung vor den Viechern zu schützen. So wie es aussieht, werden wir am 22igsten abends in Dakar einlaufen (was der Kapitän doch eigentlich nicht wollte?!). Aber wir werden sehen. Mich machen irgendwie die Piraten ein wenig nervös. Zuviel Captain Phillips gelesen, schätz ich mal. Aber die Crew hat versichert, die Wachen auf dem Schiff, sobald wir in afrikanische Gewässer einlaufen, zu verstärken. Gut so. 

Qi-Kung mit Tinu

Qi-Kung mit Tinu

Qi-Kung 1

Qi-Kung 1

Relax!

Relax!

22.- 24.9. 2015

 

Siebter bis neunter Tag auf See…

 

Wie Michael uns bereis angekündigt hatte, wurde die Einfahrt in den Hafen von Dakar für den 

22igsten abends erwartet. Der Lotse wollte um 21.00 Uhr zu uns an Bord kommen. Wir sehen bereits nach dem Abendessen afrikanische Küstenlichter, dunkle Wolken ziehen auf, es blitzt in alle Richtungen und die Luft ist schwülwarm - tropisch. Die Grande Francia macht immer noch flott Fahrt (in der Regel so um 30 km/h), und wir fragen uns wo der Hafen wohl liegen mag, ob wir in der Nacht noch entladen werden oder bis zum Morgen auf Reede bleiben, wie lange es wohl dauern wird bis wir wieder auslaufen …viel Raum für Spekulationen also. Wir sehen bereits von Weitem, dass viele andere Frachter auf Rede sind. Ob die wohl Vorrang haben, weil eher da? Oder doch nicht weil keinen Liegeplatz? Wir wissen es nicht, und die Crew ist in diesen Momenten stark gefordert. Wir halten uns also zurück, obwohl wir sie immer gerne mal mit Fragen löchern. 

 

So gegen 21.30 Uhr kommt auf einmal ein ganz kleines Lotsenboot und bringt uns den Mann mit der Lizenz zur Hafeneinfahrt. Sie gehen längsseits und mit einem kurzen Sprung ist er bereits bei uns an Bord. Er wird direkt auf die Brücke gebracht, wo schon seit einigen Stunden ein richtiges Gedränge herrscht. Es sind etwa vier Offiziere, der Steuermann und natürlich der Comandante von uns auf der Brücke und neu auch der Lotse. Im Normalfall sind es nur zweier Teams. Also ganz schön was los. Der Steuermann bekommt vom Lotsen die Anweisungen die er zur Navigation in den Hafen braucht. Es geht alles im Schritttempo und die Grande Francia schiebt sich langsam rückwärts auf ihren zugeteilten Liegeplatz. Wir staunen alle gebannt wie sie die enge Einfahrt in den Hafen schafft, und vorbei an anderen Frachtern ihren Pier ansteuert. Ein Buggser, der sie wenn nötig noch schieben könnte, schwimmt auch bereits neben uns und hat uns unter Kontrolle. Endlich vertäut, öffnet sich die grosse Laderampe, und unsere Crew versucht in dem Tohuwabohu von Entlade- und Ladematerial, unzähligen Hafenarbeitern die auf die Rampe strömen um Fahrzeuge vom Schiff in den Hafen zu fahren, Containern die für unser Schiff gebracht werden und Containern die von unserem Schiff auf das Hafengelände abgeladen werden, den Überblick zu behalten. Während fast 24 Stunden herrscht um unseren Frachter emsiges Treiben. Gleichzeitig werden auf dem Oberdeck und in den Innendecks Container verladen, Hafenarbeiter verzurren die Stapel und machen alles fest. Es werden sogar alte Fischerboote, Landmaschinen und Strassenmaschinen verladen. Wir gehen irgendwann in der Nacht mal schlafen und als wir am Morgen aufstehen, sieht es im Hafengelände ums Schiff immer noch genau gleich aus. Hafenarbeiter die Material verladen, Container um Container die gebracht und verladen werden und auf den Gesichtern unserer Crew, sieht man die Spuren der langen, anstrengenden Nacht. 

 

Gegen 21.00 Uhr sollten wir gemäss Michael wieder ablegen. Tatsächlich wird es gegen 20.00 Uhr leer und ruhig um unser Schiff und die Hafenarbeiter ziehen langsam von dannen. Akribisch werden die Stapler wieder weggeräumt, die letzten Papiere vom Hafenagenten übergeben , die Rampe nach blinden Passagieren abgesucht und sofort hochgezogen, die Taue gelöst und der Lotse kommt wieder an Bord. Die Schrauben beginnen sich zu drehen, und langsam bewegt sich die Grande Francia weg vom Pier. Der Comandante ist selber auf der Brücke und manövriert das Schiff durch die nicht allzu grosse Hafeneinfahrt. Wir nehmen wieder flott Fahrt auf und alle sind froh, wieder eine Brise zu spüren. Es ist so toll auf See, dass wir alle gerne den Hafen hinter uns lassen und wieder aufs offene Meer zusteuern. Wie wir vom Comandante erfahren, haben wir nun soviel geladen, dass wir den Hafen von Banjul doch nicht anlaufen werden. Bei absolut ruhiger See und tollem Wetter gehts weiter. Wir sehen ab und zu Delfine, silberne fliegende Fische die uns der Flügel wegen an Elfen 😍 erinnern und das Sonnen-Wolken-Spiel ist einfach grandios. Wir sind begeistert.

 

Der nächste Tag ist wieder ein Tag auf See. Bis Conakry (Guinea) sind es gut 500 km, also bei unserer Geschwindigkeit etwas über 20 Stunden. Häfen werden nicht in der Nacht angefahren, daher rechnet die Crew mit der Ankunft so gegen 7.00 Uhr in der Früh. Wir haben also wieder Musse uns dem für uns schon so bewährten Rhythmus hinzugeben. Frühstück, Qi-Kung mit Tinu, Fotoworkshop mit Peter, Mittagessen, Blog schreiben, Spanisch lernen, lesen, Quatschen, dösen, Abendessen, dann noch ein wenig Gedankenaustausch an Deck im lauen Abendwind. Es ist toll so in den Tag hineinzuleben. Immer wieder Neues zu sehen und zu erleben. 

 

 

 

 

 

 

Hafen von Dakar by night

Hafen von Dakar by night

Verladen der Container

Verladen der Container

Löschen der Ladung

Löschen der Ladung

Hafenarbeiter in Dakar

Hafenarbeiter in Dakar

Qi-Kung vor der Kulisse von Dakar

Qi-Kung vor der Kulisse von Dakar

Inseln vor dem Hafen von Dakar

Inseln vor dem Hafen von Dakar

Dakar

Dakar

Fischer vor Dakar

Fischer vor Dakar

Fregattvogel

Fregattvogel

25.- 27.9. 2015

 

Zehnter bis zwölfter Tag auf See.

 

Wie geplant treffen wir am Morgen früh in Conakry (Guinea) ein. Ein Pilot kommt an Bord und wir werden am Pier in eine absolute Miniparklücke bugsiert. Genaue Büetz ist von unserem Comandante gefordert. Gibt ihm ganz schön schlechte Laune, so ein Stress noch vor dem Frühstück. Der Hafen macht einen ganz geordneten Eindruck, aber als wir vertäut sind und die Rampe offen ist, dauert es noch eeewig bis der Papierkram für Zoll und Hafenarbeiter erledigt ist. C’est l’afrique! Irgendwann beginnt dann doch das Abladen der Fahrzeuge. Wir hatten zu Beginn mal 4500 geladen, und wie es scheint bleiben die meisten in Conakry. Vor allem arg havarierte PWs gehen von Bord, ab und zu auch eine Strassenmaschine oder ein Lastwagen, dann und wann auch ein sehr schöner PW. Die Autos deren Batterie den Geist aufgegeben haben, werden kurzerhand von unten mit dem Stapler aufgeladen und auf den vorgesehenen Platz gebracht. Oje, wie viel dabei wohl beschädigt wird? Gemäss Crew bleiben wir 24 Stunden. Wir haben also den ganzen Abend Zeit dem Treiben im Hafen zu zusehen. 

 

Am Abend beobachten wir, wie sich ein kleiner, unbeleuchteter Einbaum mit zwei Personen an Bord, unserem Schiff nähert und am Heck längsseits geht. Das kommt uns nicht koscher vor. Wir sehen, wie Hafenarbeiter die eigentlich die Fahrzeuge von Deck fahren sollten, den zweien ein riesiges, langes Tau der Grande Francia über die Reling nach unten hieven. Wir versuchen noch unsere Crew auf das Ganze aufmerksam zu machen, aber unsere Rufe gehen im Lärm des Hafens unter. In Windeseile verstauen die zwei im Boot das grosse Tau und düsen weg. Tja, in Guinea wurde wohl irgendwo ein grosses Tau gebraucht! Stört uns eigentlich nicht weiter, aber es hinterlässt bei allen ein wenig ein mulmiges Gefühl wegen unseren Fahrzeugen. Der Comandante 

befand es nicht für nötig, dass wir die Fahrzeuge bewachen. Aber nun sind wir da nicht mehr so sicher. Die PW’s die abgeladen wurden standen alle auf dem gleichen Deck wie unsere. Vielleicht wird ja in Guinea auch irgendwo ein Aussenspiegel oder ein Auspuff gebraucht? Tinu, Hans und Georg wollen runter auf Deck 6, und sich vom Gesundheitszustand der Fahrzeuge überzeugen. Wie kleine Jungs schleichen sie sich in den Korridoren vorbei an den Crewmitgliedern, und als die Luft rein ist, verschwinden sie im Lift nach unten. Alles bestens. 

 

Bereits frühmorgens verlassen wir den Hafen und nehmen Kurs auf Freetown (Sierra Leone). Nach etwa 6 Stunden ruhiger Fahrt, kommen wir gegen Mittag in die Gewässer des Westafrikanischen Staates. Von weitem sieht die Stadt hügelig aus und hat in den ersten Buchten für afrikanische Verhältnisse ziemlich schöne Häuser. Aber es folgen halt noch weitere Buchten und hier die Behausungen der Armen, grosse Slums, mehrheitlich aus Wellblech oder Holz zusammengebastelt. Der Hafen liegt sehr gut, wir bekommen einen sehr praktischen Liegeplatz. Kein Gedränge oder zu wenig Platz. Der Hafen sieht sehr geordnet aus, es ist auch nicht ein Riesengewusel. Wieder das gleiche Prozedere wie schon in den anderen Häfen. Papierkram, endlose Autokolonnen raus, endlose Containerkolonnen rein, Landmaschinen, Lastwagen, ausgemusterte deutsche Feuerwehrautos und nagelnagelneue 4x4 für die Hilfsorganisationen…Da sich der Hafen direkt beim Stadtzentrum befindet, gibt es wahnsinnig viel zu sehen. Es ist Markttag, viele Menschen sind unterwegs zu den Moscheen, ein Fussballspiel ist im Gange, hoch erhobenen Hauptes tragen die Frauen Körbe mit Früchten, Hunde und Schweine sind am Strand unterwegs, in der Bucht ist Waschtag und die Wäsche ist überall zum Trocknen ausgebreitet, Sittiche fliegen durch die Bäume und über uns kreisen die Geier. Fischerboote kommen rein, und andere verlassen die Bucht. Bei einigen würde man glauben es sei die letzte Fahrt. Sie sind in einem erbärmlichen Zustand aber immerhin schwimmen sie noch. 

 

Auch nach dem Abendessen bleiben wir noch lange an der Reling. Die Hauptstadt verschwindet fast in der Nacht, so wenige Lichter brennen, Strassenlampen gibt es fast keine und auch in den Gassen ist es sehr ruhig geworden. Morgen beginnt die Überfahrt über den Atlantik. Alle freuen sich auf die Zeit auf See. Vor allem die Crew. Die hatten ganz schön viel zu tun die letzten Tage in den Häfen. So gehen wir zu Bett und sind gespannt auf das was noch vor uns liegt. 

 

Bereits in der Nacht erwachen wir ab dem Geplätscher weil es so stark regnet. Monsun in Afrika! Auch der Tag startet ziemlich grau aber immerhin trocken. Nach dem Frühstück machen wir wieder alle zusammen Qi-Kung, und darüber amüsiert man sich sichtlich auf der Brücke. Das haben die Jungs wohl noch nie gesehen. Eine ganze Gruppe Reisender, die sich vor ein paar Tagen noch nicht mal gekannt haben, machen gemeinsam Frühsport. Doch fast wie auf einem Kreuzfahrtschiff 😜! Kurz vor dem Mittagessen beginnt es wieder zu giessen. Wir verziehen uns dementsprechend alle in die Kabinen, spielen Tischtennis, machen ein paar Kilometer auf dem Laufband, bearbeiten Fotos und schreiben Blogs. Es gibt ja immer was zu tun. Nach dem Mittagessen spendiert uns der Comandante zwei Falschen Spumante aus seinem Duty Free Vorrat. Da sie nicht gekühlt sind, geben wir sie in die Küche in den Kühlschrank. Wir haben beschlossen, an diesem Regentag einen Kinoabend mit dem Film „Evita“ zu organisieren, da passt doch Spumante wie sonst was. Nach einem wunderbaren Abendessen mit Schoggimousse als Nachspeise (an dieser Stelle muss sowieso mal Leonardo unser Guter Geist in der Küche gelobt werden. Er macht seinen Job wirklich ausgezeichnet. Es gibt immer Suppe, Vorspeise, Fleisch oder Fisch und zum Dessert eine Frucht. Alles frisch zubereitet. Er macht auch die Brötchen fürs Frühstück selber und fast jeden Tag ein anderes Güetzi. Hammer. Würde man ja nie und nimmer auf einem Frachter erwarten. Jeden Donnerstag (Seemanns-Sonntag) und Sonntag gibt es immer ein tolles Dessert. Tiramisu (soviel man will) oder eben Schoggimousse). Wir haben die Küche auch schon gegenüber dem Comandante gelobt. Er meinte die sei viel besser als auf den anderen Frachtern und nicht der normale Standard der Grimaldi-Schiffe. Bin mit nicht sicher ob er den Koch jeweils mitnimmt wenn er auf einem neuen Frachter eingeteilt ist. Anhand seiner zierlichen Sumoringer Figur sieht man nämlich, dass er ein gutes Essen zu schätzen weiss. Nun denn, es wird auf jeden Fall ein sehr gemütlicher Abend mit Evita und Spumante.

Freetown (Sierra Leone)

Freetown (Sierra Leone)

Freetown 2

Freetown 2

Freetown 3

Freetown 3

Fussball am Strand

Fussball am Strand

Freetown

Freetown

Dingi vor Freetown

Dingi vor Freetown

Sonnenuntergang vor Westafrika

Sonnenuntergang vor Westafrika

28.- 29.9. 2015

 

Dreizehnter Tag auf See, oder ists der vierzehnte? Egal.

 

 

Wie Tinu und ich am Morgen zum Frühstück gehen, sehen wir vor der Brücke den ersten Offizier Paolo, den Steuermann und einen der jungen Offizier zusammen mit zwei Schwarzen Jungs. Hee? Wo kommen die den auf einmal her? Unsere Crew besteht definitiv nur aus Filipinos und Italienern. Da aber alle einen entspannten Eindruck machen, denken wir nicht weiter darüber nach und gehen zum Essen. Auf einmal kommt über die Lautsprecher die Durchsage, dass die ganze Crew sofort auf der Brücke zu erscheinen hat ?? Nun denn, vielleicht Übung oder so? Nach dem Frühstück gehen wir mit den anderen Reisenden aufs Oberdeck und da herrscht rege Aktivität. Alle von der Crew machen einen geschäftigen Eindruck, öffnen Luken und Türen, schauen in alle Ecken, und wenn sie einen Raum kontrolliert haben, wird der mit Kabelbindern verschlossen. Oje, denken wir, kann das was mit den schwarzen Jungs zu tun haben? Die sind nämlich von der Bildfläche verschwunden. Der Comandante beschwichtig: nur ne Übung. Alles klar. Wir beschliessen uns dem nächsten Fotoworkshop mit Peter zu widmen und gehen wie vereinbart wieder in die Messe. Nach einer Weile kommt einer der jungen Offiziere und sagt „unsere“ Männer sollten mit auf die Brücke kommen, der Comandante wolle sie sprechen. Ups!

 

Alle nehmen ihre Autoschlüssel mit, denn wir vermuten, dass es was mit den Fahrzeugen zu tun hat. Der Kapitän macht einen ziemlich angesäuerten Eindruck und bittet sie, die Fahrzeuge zu kontrollieren, es würden zwei blinde Passagiere gesucht. Also doch! Bei unseren Fahrzeugen ist dann aber alles ok, nichts beschädigt und auch niemand in der Gegend. Gut.

 

Wir gehen also weiter in unserem Workshop und lassen die Crew ihre Arbeit machen. Wieder ein paar Momente später kommt der gleiche junge Offizier und fragt, ob jemand Französisch spricht. Naja, ähm ich?! Mitkommen auf die Brücke zum Kapitän😳. Zum Glück begleitet mich Tinu.

 

Die Hütte ist bereits arg voll, und irgendwo sitzen die zwei schlaksigen jungen, schwarzen Männer.

Sie schauen ganz betreten in die Gegend, der Kapitän ist richtig auf Touren und die Crew steht rum und schaut auf die Schuhspitzen. Der Kapitän bittet mich, von den beiden Geburtsdatum, Name und Vorname, und den Hafen wo sie an Bord gekommen sind, heraus zu finden. Die zwei finden das wohl ein bisschen blöd, dass jetzt einer Französisch kann, denn mit „nixverstehn“ ist jetzt Essig. Aber die hätten, wie ich später herausfand auch ganz gut Englisch verstanden. Aber ein Versuch wars wohl wert. Schreiben ist nicht ihre Stärke, also dauert das seine Zeit. Der Kapitän will wissen wie sie an Bord gekommen sind, und wann genau. Wo sie sich seit dem versteckt haben und so weiter. Auf jeden Fall, erzählen sie verschiedene Versionen, wie es ihnen grad gefällt und das verbessert die Laune des Kapitäns auch nicht gerade. Nur eines wissen sie genau, es war 3.37 Uhr als sie an Bord kamen…Eines ist sicher, sie sind aus Conakry (Guinea) und nicht etwa aus dem letzten Hafen Freetown (Sierra Leone). Sie sind also schon den dritten Tag an Bord. 

 

Die Jungs erzählen viel, reden auf mich ein, ziemlich wirr und hin und her, jammern über Afrika und keine Arbeit, und dass ihnen von der Reederei eine Arbeit versprochen wurde und sie die nie bekamen und dass sie sowieso krank seien. Dies macht den Kapitän noch ärgerlicher, er schätzt es nicht wenn Märchen erzählt werden. Ich erkläre ihnen, dass ich hier nichts zu sagen habe und ihnen nicht helfen kann, sondern nur übersetze. Der Kapitän hat sich in der Zwischenzeit wieder beruhigt, ich nehme an er war einfach froh, dass sie wieder gefunden wurden. Ist ja schon blöd, wenn man sie eigentlich schon hatte, sie nicht gut genug bewachte, so dass sie wieder abhauen konnten. Bei den beiden wird die Temperatur gemessen, die ist vollkommen in Ordnung und krank sind die auch sonst nicht. Auf jeden Fall, ist der Kapitän in einer Zwickmühle. Wir sind bereits 600 Kilometer von der Westafrikanischen Küste weg, auf dem Atlantik. Er kann also die Jungs über Bord schmeissen, geht nicht weil Touris an Bord sind (soll im Übrigen auf einigen Frachtern so gehandhabt werden). Er kann sie mitnehmen nach Brasilien und auf der Heimfahrt wieder in Conakry abladen (wird wohl nicht in Frage kommen, weil er die Verantwortung für sie trägt. Er müsste sie ja dann fast einen Monat beherbergen, bewachen und dafür sorgen, dass ihnen nichts passiert), oder er kann wenden und sie wieder nach Hause bringen. Tja, es ist nicht immer einfach Kapitän zu sein. Wir sprechen ihn darauf an, als die Jungs ihre Angaben zu Papier bringen. Er sagt, er würde am liebsten wenden und sie zurück bringen, aber er müsse das mit der Reederei noch klären (die Grande Francia braucht pro Tag 65’000 Liter Schweröl, was ganz schön teuer ist!!). Dann kommen halt zu den 10 Tagen Verspätung die wir sowieso schon seit Hamburg eingefahren haben, nochmal mindestens drei Tage dazu. Er sagt dann auch, dass der eine der beiden Schwarzen, bereits das dritte mal bei ihm erwischt wurde. Er hatte schon eine Akte von ihm vorliegen. Mit Foto und allem drum und dran!! Später stellt sich heraus, dass er auf anderen Schiffen der gleichen Reederei auch schon erwischt wurde. Vielleicht ist er einfach nicht so geschickt.

 

Wir sind also wieder entlassen und sehen noch wie sie die beiden in ein Kabäuschen bringen welches als Arrestzelle dient und mit drei fetten Schlössern verriegelt wird. 

 

Wir drehen seit ein paar Sunden nur noch langsame Kreise mit dem Frachter und machen fast keine Fahrt mehr. Auf einmal spüren wir, dass die Maschinen wieder laufen, holen unsere Navis hervor und merken, dass wir wieder gegen Nord-Osten fahren. Also alles zurück auf Anfang nach Conakry. Seis drum, von allen Beteiligten, kommen wir ja am besten weg. Halt noch drei zusätzliche Tage auf See. 

 

Am Nachmittag als ich dem Kapitän über den Weg laufe, bedankt er sich, und fragt ob ich ihm dann auch zu Verfügung stehe, wenn die Offiziellen vom Hafen Conakry an Bord kommen. Na klar, hab ja sowieso nichts anderes vor. Grrrr, aber eigentlich gefällt mir das gar nicht! 

 

Am frühen Nachmittag des nächsten Tages kommen wir wieder in die Nähe von Guinea. Wir werden aber nicht in den Hafen einfahren, sondern ausserhalb vor Anker gehen. Nach etwa zwei Stunden kommt ein kleiner verrosteter Kahn mit ein paar Offiziellen an Bord. Wir sehen sechs Mann an Bord kommen und ich halte mich bereit. Aber ich habe Glück und einer der Offiziellen konnte wohl Englisch. Auf jeden Fall dauert die Angelegenheit nur etwa eine Viertelstunde, die zwei Schwarzen werden in Gewahrsam genommen und auf den kleinen Kahn umgeladen. Alle anderen steigen auch um und düsen mit den Festgenommenen davon. An Bord werden nochmal die Verstecke kontrolliert und bald machen wir wieder Fahrt. Ein neuer Versuch, den Atlantik Richtung Brasilien zu überqueren, beginnt…und die zwei sind wohl schon wieder unterwegs in den Strassen von Conakry und warten auf die nächste Mitfahrgelegenheit nach Südamerika. Diesmal hat es nicht geklappt. Glück oder Pech, wer weiss das schon?!

30.9. - 1.10. 2015

 

Fünfzehnter und sechszehnter Tag auf See

 

Nachdem wir Conakry das Heck zugekehrt haben, geht es nun immer mit Kurs Süd-West über den Atlantik in Richtung Brasilien. Am Abend kommt der Comandante in die Messe und informiert uns über die weiteren Weisungen der Reederei. Die nächste Fracht werden wir in Viktoria löschen und laden. Leider werden wir aber nicht von Bord können, da die Zeit am Hafen zu kurz ist und der Hafen weit weg von der Stadt. Egal, es ist immer spannend das Treiben von der Reling aus zu beobachten. Wir werden uns bestimmt nicht langweilen. Voraussichtlich am 6. Oktober werden wir in Rio einlaufen, wo er über einen Agenten von Grimaldi für uns einen Bus für eine lange Stadtrundfahrt organisiert hat. Wir haben dann ungefähr von 16.00 bis 23.00 Uhr Zeit einen ersten Eindruck von Rio zu bekommen. Ganz neu ist, dass wir als zweitletzten Hafen Montevideo anlaufen werden, und dann bereits mit den Fahrzeugen von Bord rollen können. Normalerweise wird zuerst der ganze Rio de la Plata hinaufgeschippert, in Zarate (Argentinien) Fracht gelöscht und dann Montevideo angesteuert. Was in der Regel mindesten drei Tage in Anspruch nimmt. Uns allen wird nach einigem Staunen klar, dass wir nur noch 9 Tage auf dem Schiff sein werden, und mit einer Überquerung von 26 Tagen, wohl einen neuen Rekord vom Roll-on bis zum Roll-off machen werden - und dies trotz der Ehrenrunde in Conakry. Uns wird klar - jetzt wird's eng. Wir wollen eigentlich noch gar nicht von Bord. Wir finden den Tagesablauf toll; Frühstück, Qi-Kung, Spanisch lernen, lesen, Essen, Fotoworkshop usw. eigentlich genau richtig. Wann sollen wir all die geplanten Workshops noch machen?! Viele hatten eine To-Do Liste an Bord mitgenommen (Dinge wie Medikamentenbeschriebe ordnen und daraus ein gutes Apothekeninventar machen, Festplatte aufräumen, Fotos auf dem Compi gut strukturieren und so weiter). Nichts davon ist erledigt!

He nu, wir werden sehen, vielleicht fahren wir ja wieder irgendwo Verspätung ein.

 

 

Heute ist Äquatorüberquerung! Auf See ist das ein grosses Ereignis. Wir bemerken bereits am Vormittag wie die Crew emsig einen Grill aus einem Metallfass schweisst, Holz auf dem ganzen Schiff zusammenträgt, in der Küche emsig werkelt, zwei riesige Tische mit der Winde aufs Oberdeck hievt und allerlei sonstigen Aktivitäten nachgeht, die auf ein Barbecue schliessen lassen.

Vom Comandante erreicht uns die Einladung um 18.00 Uhr zum Apéro auf der Brücke zu erscheinen. Peter, unser Fotograf im Team, hat ein tolles Gruppenfoto von uns Reisenden geschossen (sich natürlich nachträglich eingefügt -tja, der Mann kann das!) und wir haben alle unterschrieben und uns für die tolle Zeit auf dem Frachter bedankt. Natürlich hat Peter auch verschiedene Drucker in seinem Fahrzeug und so haben wir ein sympathisches Geschenk für den Kapitän und die Crew. Peter, unser Held!

 

Bei einem grandiosen Sonnenuntergang geniessen wir auf der Brücke ein feines Gläschen Spumante und dazu tolle Tapas. Wir können die Instrumente wieder beobachten und mit der Crew ungezwungen plaudern, denn ausser denen die auf der Brück gerade Schicht haben, haben alle frei. Die Filipinos haben bereits ein schönes Grillfeuer entfacht und überall wird gepost, fotografiert und gelacht. Es läuft laute Musik (ja, auch Helene Fischer-die ersten wollen bereits über Bord😩), aber dann auch gute Disco- und Clubmusik. 

 

Michael, der Zweite, begrüsst uns verkleidet als Neptun in seinem Reich und tauft uns. Alle Passagiere und natürlich auch Crewmitglieder welche das erste Mal den Äquator überquert haben, bekommen einen Namen, werden mit einer Tunke aus der Küche und einem Backpinsel gesegnet und erhalten eine sehr schöne Tauf-Urkunde. Tinu hat den Namen „White Shark“ erhalten und ich

„Flying Fish“. Hatte ich nicht vor ein paar Seiten im Tagebuch gesagt, dass wir viele von denen sehen, und die mich wegen ihrem silbernen Schimmer und der Flügel an Elfen erinnern?

Elfe forever😚!

 

Wir bedanken uns beim Comandante und überreichen ihm das Foto von uns allen. Er scheint sogar ein bisschen gerührt zu sein und freut sich sehr darüber.

 

Es wurde viel asiatisches Essen serviert (von den Fipos gekocht), gut und viel gegessen und noch mehr getrunken, getanzt, gelacht und geplaudert. Zu später Stunde machen sich dann alle auf den Heimweg, der ja nicht allzu weit ist. Ein geselliger Abend, den Crew, Offiziere und Reisende alle gleichermassen genossen haben. 

 

 

 

Äquatorlinie 00.00.00

Äquatorlinie 00.00.00

Äquatorspumante auf der Brücke

Äquatorspumante auf der Brücke

Taufe spy

Taufe spy

Taufe mü

Taufe mü

White Shark

White Shark

Flying Fish

Flying Fish

El Comandante

El Comandante

Essen Äquatortaufe

Essen Äquatortaufe

Gruppenfoto mit Crew

Gruppenfoto mit Crew

02.10.- 03.10. 2015

 

Siebzehnter bis achtzehnter Tag auf See. Oder so.

 

Bereits am Morgen sind auf Deck keine Spuren von der Äquatorparty mehr zu sehen. Die Crew muss bereits früh alle Spuren beseitigt haben. Dies ist das Einzige, was uns hier allen richtig auf die Nerven geht. Abfall geht einfach über Bord. Am ersten Tag wurde uns eingebläut, Abfall fein säuberlich nach Plastik, Food Waste und Brennbarem zu teilen. Machen wir! An Bord hat es auch überall Schilder, die das Schmeissen von Abfall über die Reling strikte untersagen. Aber es geht einfach alles über Bord, und das Schlimmste, es wird vorher noch in Plastiksäcke verpackt. Wir hinterlassen also einen Weg aus nicht abbaubaren, rosa Bojen, Kisten und Fässern quer über den Atlantik. Wenn man bedenkt, dass das wohl alle Frachter in der Art handhaben, ist das doch sehr bedenklich. Mit einer kleinen Abfallpresse könnte man dem gut Abhilfe schaffen. Aber wer weiss, wo der Müll den wir dann in den Häfen abladen würden landen täte? Man weiss es nicht.

 

Heute morgen haben wir die Möglichkeit, mit einem der jungen Offiziere, das Herz der Grande Francia zu besichtigen. Wir dürfen also mit Helm und guten Schuhen ausgerüstet, in den Maschinenraum, die Werkstatt, das Kontrollzentrum und auf das Mooring Deck. Alles ist entweder gross oder laut. Wir erfahren, wie grosse Wassertanks im Rumpf des Schiffes zur Verteilung des Gewichts und daher der Stabilisation benutzt werden, wie viele Autos Platz in den Decks finden, wie lange es dauert so ein Deck abzuladen und vieles mehr. Sehr interessant also. 

 

Beim Essen sind die Reihen heute gelichtet. Vielen ist die Party vom Vorabend noch in den Knochen oder in der Leber, es geht daher geruhsam zu. Workshops werden abgesagt, und rumhängen auf Deck ist heute die Devise. Nur die Crew muss natürlich ans Werk, aber irgendwie sind die auch ein wenig verlangsamt. Aber Morgen ist ein neuer Tag, und natürlich bereits einer der letzten richtigen Tage auf See. 

 

 

Heute ist Samstag, und nachdem wir gestern die „Hangover“ auskuriert haben, ist volles Programm angesagt. Nach dem Frühstück wie immer Qi-Kung, dann Spanisch lernen, Mittagessen, dann wieder ein Workshop mit Peter. Heute geht es aus aktuellem Anlass um Datenaustausch. Es werden also Karten von GPS zu GPS verschoben, Musik auf Sticks gezogen und konvertiert, topographische Karten herumgereicht, Programme installiert und Streckenbeschreibungen und Tipps übernommen. Klasse, wenn soviel Info zusammenläuft.

 

Nach dem Abendessen zeigen uns Karin und Horst Bilder von ihrer letzten Reise nach Zentralasien. Aus aktuellem Anlass interessieren uns natürlich Bilder von Kasachstan, Usbekistan, der Mongolei usw. Wir wissen nicht gerade viel über diese Länder, da es nie eine von uns bevorzugte Reise-Destination war. Aber nun, da wir ja zwei verrückte Pédaleurs kennen, möchten wir ganz viel über diese Länder erfahren. Und wir sind nach den Fotos ziemlich begeistert. Erinnerungen an unglaublich karge, wunderbare Landschaften, total einsame Seen, sehr nette Menschen und unvergessliche Begegnungen, haben Karin und Horst zu Fans von Zentralasien gemacht. So freuen wir uns auf zukünftige Berichte der zwei Velölers, und sind sicher, sie werden ebenso begeistert sein.

 

Peppe (Kellner) und Leonardo (Koch), kommen während des Films mit zwei Flaschen Spumante zu uns und bedanken sich für unsere nette Idee des Fotos und des Tips welches wir ihnen überreicht haben. Ich glaube, es geht nicht mal in erster Linie ums Geld. Die zwei freuen sich auch über die Anerkennung, denn wir loben sie wirklich für ihre tolle Arbeit. Stimmt auch, wir geniessen die Küche und den sehr netten Service. Es war also ein ganz schöner Kinoabend, an diesem letzten Samstag auf hoher See.

Zentrale Leitstelle

Zentrale Leitstelle

Steuermann

Steuermann

Maschinenraum

Maschinenraum

Fischen vor Vitoria

Fischen vor Vitoria

Fang des Tages

Fang des Tages

Spy im Element

Spy im Element

05.10.- 06.10. 2015

 

Neunzehnter und zwanzigster Tag auf See. Oder so.

 

 

Heute war ein sehr geruhsamer Sonntag auf See. Das Wetter sonnig und warm. Wir genossen das Rumhängen und gehen den üblichen Dingen nach, oder auch nicht…

 

Am Abend zeigen uns Irene und Georg Bilder von ihrer dreimonatigen Islandreise. Eine tolle Landschaft und sehr einsame Gegenden. Wunderschöne Bilder von Eisformationen und Polarlichtern. Schön, aber für mich viel zu kalt. Am wärmsten Tag auf der ganzen Reise hatten sie lausige 12 Grad. Nee danke!

 

 

Als wir heute morgen erwachen, sind wir gespannt ob schon Küste von Brasilien sichtbar ist. Aber als wir den Vorhang öffnen, oje. Wir sehen kaum bis zur Reling so grau und nass empfängt uns Vitoria. Das haben wir uns aber ganz anders vorgestellt. Brasilien - Synonym für braungebrannte Luxuskörper, heisse Temperaturen und Schirmlidrinks…Unsere Aussicht erinnert uns eher an den Vortrag vom Vorabend. Auf jeden Fall erklärt uns die Crew später, der Hafen sei „busy“ und wir bleiben heute erst mal auf Rede, da andere Schiffe Vorrang haben. Auch gut. Wir können uns ja sehr gut beschäftigen.

 

Am Morgen bemerken wir schon zeitig, dass sich was tut. Die Schrauben drehen sich wieder schneller, der Comandante ist bereits auf der Brücke und auch der Steuermann ist bereit. Wir tuckern bei starker Bewölkung los in Richtung Hafen. Wir sind noch weit entfernt, sehen aber zwischen den vielen wartenden Schiffen schon die Skyline von Vitoria. Sonnenstrahlen brechen durch die Wolkendecke und blauer Himmel begleitet unsere Einfahrt in den Hafen. Die erste brasilianische Grossstadt. Ein heller, breiter Strand ist vor den Hochhäusern schon von weitem sichtbar. Hinter den Wohnsiedlungen ist es grün und hügelig. Irgendwie erinnert alles ein wenig an die Bilder von Rio. Das Lotsenboot kommt uns entgegen und bringt zwei Einheimische an Bord. Die Schleichfahrt beginnt. Wir sehen keinen Hafen, und können nur vermuten, dass der mehr im Innland hinter den Hügeln liegt. Da wird aber unser Comandante gar nicht „amused“ sein. Wieder so ein mühsamer Parkplatz. Wir fahren durch eine schmale „Einfahrt“, zwischen Hügeln vorbei an tollen Villen und bunten Favelas. Fast wie ein Fjord. Für uns Passagiere natürlich toll, da man das Leben an Land direkt mitverfolgen kann und sich mittendrin befindet. Am Ende dieser Hafeneinfahrt ist tatsächlich Schluss. Wir müssen wenden, und schaffen dies mit Hilfe der zwei Buggser. Der eine zieht, der andere schubst. So kommen wir heil in unsere Mini-Parklücke. Im Hafen ist schon alles bereit zum Löschen der Ladung. Es werden einige Container ausgeladen, aber in erster Linie die Neuwagen die wir an Bord haben. Es kommen im Laufe des Nachmittags unzählige, doppelstöckige Autolaster, die mit Audis, Porsches, Volvos und BMW’s beladen werden. Innerhalb von ca. drei Stunden, werden ungefähr 800 Autos umgeladen. Irre! Jedes Auto wird am Hafen auf Schäden kontrolliert, fotografiert, beschriftet und die Nummer gescannt, dann auf einen der Lastwagen gefahren, festgezurrt und weg. Das beschäftigt ganz schön viele Hafenarbeiter. Gemäss Comandante sollen wir ungefähr einen halben Tag in Vitoria bleiben und dann Kurs auf  Rio de Janeiro nehmen. Jupiii!

 

Gegen 20.00 Uhr Uhr kehrt nach und nach rund ums Schiff Ruhe ein. Die Autos sind ausgeladen, die neuen Container an Bord und unsere Riesenstapler wieder an ihrem Stammplatz auf Deck drei untergebracht. Wie immer wird zuerst die Rampe hochgefahren, die Taue gelöst und die Begleitschiffe nehmen uns ins Schlepptau. Bei Tagelicht ist uns die Einfahrt eng und untief vorgekommen, aber jetzt bei Dunkelheit scheint es noch schwieriger unseren Kahn sorgfältig durch die Felsen und Inseln hindurch zu manövrieren. Die Stadt verabschiedet sich mit vielen Lichtern und einem ersten guten Eindruck von Brasilien. 

Einfahrt Vitoria

Einfahrt Vitoria

Skyline von Vitoria

Skyline von Vitoria

Fischerinsel vor Vitoria

Fischerinsel vor Vitoria

Die Reisenden staunen

Die Reisenden staunen

Bunte Häuser in Vitoria

Bunte Häuser in Vitoria

Einfahrt Vitoria II

Einfahrt Vitoria II

Vitoria Löschung

Vitoria Löschung

Vitoria Ausfahrt

Vitoria Ausfahrt

07.10.2015

 

23igster Tag auf See

 

Heute werden wir also in Rio de Janeiro eintreffen und Gelegenheit haben, die Stadt zu besichtigen. So zumindest der Plan. Wir sollten eigentlich bereits am sechsten um 15.00 Uhr ankommen, aber wir haben wegen des Tages auf Rede in Vitoria natürlich Verspätung eingefahren. So ist es bereits Nachmittag, als wir bei schönstem Wetter in der Ferne die felsigen Hügel dieser 20 Millionen-Stadt und den weissen langen Strand der Copacabana im Dunst erblicken. Wir nehmen den Lotsen an Bord und die letzten ca. 90 Minuten der Hafeneinfahrt in Angriff. Wir sind begeistert. Schöne grosse Buchten, lange Strände gesäumt mit Hochhäusern, dazwischen Bauten aus der Kolonialzeit, Kathedralen zwischen Nobelhotels, viel Grün und natürlich Palmen, den nationalen Airport mit schwierigstem Anflug zwischen den Hügeln und Landebahn direkt im Meer (und für meinen Geschmack auch ziemlich kurz), die Marineakademie wo Flugzeugträger und U-Boote gewartet werden, ein neuer, ultramoderner Kreuzfahrtpier der sich im Bau befindet und der riesige Hafen - wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die Grande Francia wird wieder ins Schlepp genommen und in eine gut gelegene Parklücke bugsiert. Um 17.30 Uhr sind wir alle sowas von bereit und warten nur noch auf das OK vom Comandante das Schiff zu verlassen und zum ersten mal südamerikanischen Boden zu betreten. Ein junger Offizier kommt, und sagt der Bus sei nun bei der Rampe bereit. Er schaut uns an und sagt, der Agent bestehe auf geschlossenen Schuhe und Helm. Hmm? Also zurück in die Kabine, Helme schnappen und geschlossene Schuhe anziehen. Sicherheitshaber nehmen wir alle unseren Passagier Ausweis der Grimaldi Line mit und abgeht es. Ein sehr netter Guide wartet mit einem Mini-Bus auf uns und glücklicherweise spricht er ausgezeichnet Englisch. Beim Check-Point der Hafenausfahrt müssen wir uns alle in eine Liste eintragen und los gehts. 

 

Es ist mittlerweile etwa 18.00 Uhr und Rushhour in Rio. Wir haben daher genügend Zeit uns umzusehen. Die Stadt macht einen wirklich sicheren Eindruck. Überall sind Polizisten postiert, an den Stränden gibt es Dank grossen Scheinwerfern keine finsteren Ecken mehr, Menschen gehen unbeschwert durch die Strassen, Frauen joggen sogar alleine am Strand - alles ganz relaxed. Für die Fussball-Weltmeisterschaft hat man in jeder Beziehung aufgeräumt und für das nächste Großereignis Olympia 2016 werden Tramlinien verlängert oder neu gebaut, Strassen verbreitert, ganze neue Stadtteile erschlossen und die Infrastruktur für die vielen Besucher angepasst. Wir besuchen den Zuckerhut und sehen auf das Lichtermeer der riesigen Stadt, die Landebahn des internationalen Flughafens, die vielen Buchten mit den grossen und kleinen Häfen und natürlich die Christo Statue auf dem Corcovado - heute in blau.

 

Das erste brasilianische Bier, das große Sambastadion für den Carneval, Caipi bei Carlos an der Copacabana, das quirlige Ausgehquartier Lapa und für unsere deutschen Freunde im Bus das ehemals grösste Fussballstadion der Welt - Soccer Stadion Maracana - in dem die deutsche Nationalelf 2014 Weltmeister wurde. Eine bunte Mischung und ein rundum gelungener Ausflug in eine Weltstadt die uns alle in ihren Bann gezogen hat. Wir alle hatten es uns chaotischer und heruntergekommener vorgestellt. Leider geht aber auch dieser erlebnisreiche Abend mal zu Ende und unser Guide bringt uns wieder zum Check-Point vom Hafengelände. Ein junger Offizier mit wichtiger Miene, umrundet unser Auto und schreibt die Kfz Nummer auf. Er will die Pässe sehen. Ähhm, haben wir nicht dabei, die sind beim Kapitän bis Montevideo. Wir zeigen ihm unsere Passagierausweise. Interessiert ihn nicht. Pässe! Oje, er gibt uns und dem Guide klar zu verstehen, dass er nicht daran denkt, uns aufs Hafengelände zu lassen, solange wir uns nicht ausweisen können. Also lässt uns unser Guide beim Check-Point stehen, fährt zur Grande Francia und ist nach einer Dreiviertelstunde wieder mit Passkopien zurück. Der Zöllner schaut sie nicht mal richtig an und winkt uns durch. Lööli! Fast pünktlich um Mitternacht treffen wir wieder bei unserem Frachter ein, wo immer noch Autos rauf und runter gefahren werden und sich die Parkplätze des Hafengeländes langsam füllen. Ein letzter Schlumi auf Deck und dann mit vielen neuen Eindrücken ab in die Federn.

 

Einfahrt Rio 5

Einfahrt Rio 5

Einfahrt Rio

Einfahrt Rio

Einfahrt Rio

Einfahrt Rio

Christo

Christo

Militäbasis

Militäbasis

Flugzeugträger

Flugzeugträger

Rio Favelas

Rio Favelas

Südamerikanischer Boden in Rio

Südamerikanischer Boden in Rio

Container Rio

Container Rio

Autos der Grande Francia

Autos der Grande Francia

mü am Strand der Copa

mü am Strand der Copa

Estes Bierchen in Rio

Estes Bierchen in Rio

Rio by night

Rio by night

Pao de asucar

Pao de asucar

Caipi an der Copa

Caipi an der Copa

08.10.2015

 

24igster Tag auf See. 

 

 

Bereits nach dem Frühstück legen wir im Hafen von Rio ab. Die Ausfahrt aus dem Hafen ist eindrücklich wie die Einfahrt am Abend zuvor. Ein wenig wehmütig schauen wir auf die Skyline von Rio de Janeiro und sind uns fast sicher; wir kommen wieder. 

 

Wir nehmen Kurs in Richtung Santos, dem grössten Hafen Südamerikas, in Sao Paolo. Gemäss Comandante werden wir ungefähr um Mitternacht eintreffen und gegen 13.00 Uhr den Hafen wieder verlassen. Einmal nachts und einmal am Tag eine Hafenein- oder -ausfahrt zu sehen ist optimal. Nur leider können wir nicht an Land, da die Zeit zu kurz ist. Neuer Ankunftstag in Montevideo ist nun der Sonntag. Da im Hafen nicht gearbeitet wird, können wir am Montag mit unseren Fahrzeugen von Bord. Jetzt freuen wir uns auch langsam auf neue Erlebnisse, aber ein gedrängtes Programm liegt nun für die verbleibenden drei Tag noch vor uns. Wäsche waschen, Daten und Fotos austauschen, Pläne schmieden und Routen planen.

 

Spät am Abend merken wir schon, dass wir niemals um Mitternacht in Santos sein werden (wir konsultieren ab und zu unser GPS). Hat eigentlich schon mal eine Zeitangabe des Kapitäns gepasst? Ab und zu spüren wir in der Nacht einen Ruck durchs Schiff gehen, denken dann jeweils wir hätten unseren Redeplatz verlassen, aber wir sind immer noch ca. 20 Kilometer vor der Stadt vor Anker. So gegen 6.00 Uhr morgens kommt Bewegung in das Ganze. Rasch aus den Federn kurz was anziehen, und schon sind wir auf der Brücke. Wir nehmen die beiden Lotsen an Bord (für einmal auch eine junge Frau) und tuckern gemütlich in Richtung Hafenmündung. Währen die anderen Schlafmützen sich noch in die warmen Decken kuscheln, erleben wir eine etwa 60 minütige, eindrückliche Fahrt flussaufwärts.  Die dunklen Wolken hängen tief und es ist bereits jetzt feucht-warm. Wird also bestimmt ein heisser Tag. Vorbei an einer riesigen Bucht mit breitem Strand und modernen Hochhäusern, später grosse Favelas mit sehr einfachen Hütten, Zuckerfabriken, Weizendepots, grossen Eisenbahnverteilzentren, Mühlen für Mehl, grossen Hafenhallen und immer wieder kreuzen Auto- und Personenfähren vor unserem Schiff. Ein Frachter in Übergrösse der MSC (Schweizer Reederei) wird vor uns her bugsiert und muss ganz zum Ende des Hafens an einen Anleger. Vor unseren Augen wird das Monstrum gedreht, damit er für die Rampe mit der richtigen Seite anlegen kann. Genial. Die kleinen Bugser drehen den wie nichts. Wir bekommen einen guten Anlegeplatz und rasch wird die Rampe runtergefahren. Zügig werden neue Autos abgeladen und Autos anderer Marken die in Brasilien produziert werden aufgeladen. Viele leere Container die wir mitgebracht haben, verlassen die Grande Francia über die grossen Ladekräne. Offenbar werden die später mit Zucker gefüllt und wieder nach Afrika transportiert, wo der Zucker dann mit kleineren Schiffen der Küste entlang verteilt wird. Wir erfahren, dass gegen 20.00 Uhr die Lotsen wieder an Bord kommen werden, und wir dann den Riesenhafen wieder verlassen können. Es wartet auf uns also wieder ein abwechslungsreiches Abendprogramm und wir geniessen die Fahrt zurück in die offene See. Wir werden schon alle ein wenig wehmütig, weil das unsere letzte Hafenausfahrt war. Es war einfach toll und niemals langweilig. Nun machen wir uns also auf, zu unserer letzten Destination per Frachter, Montevideo - Uruguay.

Einfahrt Santos

Einfahrt Santos

Lotse und Kapitän

Lotse und Kapitän

Bugser an der Arbeit

Bugser an der Arbeit

Jupi, frische Früchte

Jupi, frische Früchte

Fein!

Fein!

Es braucht viele Hände

Es braucht viele Hände

Endstation!

Endstation!

11.10.- …2015

 

 

27igster Tag auf See

 

 

Mal ufe, mal abe, mal links, mal rächts, mal hindere, mal füre, mal links, mal rächts…Genau wie in diesem Kinderlied eiern wir nun seit gut 24 Stunden vor den Küsten Brasiliens und Uruguay in der Gegend rum. Die 6 Meter hohen Wellen kommen mit Windstärke 8 von schräg hinten, der Wind von gerade Vorne. Wir haben fast alle Fracht abgeladen und sind deshalb viel leichter als zu Beginn der Reise. Deshalb hüpft die Grande F. nun von Wellental zu Wellenkamm und schaukelt vor sich hin. Die Nacht war wie in einem Geisterhaus. Schubladen gingen auf, Schlüsselbund viel zu Boden, Wasserflasche viel runter und irgendwann hab ich mal an die Kinderbettgitter gedacht. Müsste vielleicht auf See auch an die Betten montiert werden - ich kugelte ganz schön hin und her 😅.

Draussen ist es richtig garstig. Die Wolken hängen bis zur Reling runter und die Gischt spritzt von unten und vermischt sich mit dem Regen. Ganz schön feucht hier. Es sind jetzt nur noch 700 Kilometer bis nach Montevideo und wir haben ja noch einiges zu tun. Werden heute mal die Autos wieder in Schwung bringen und die Batterien wieder anschliessen, dann schon mal einiges wieder verstauen, noch letzte Koordinaten austauschen, Bücher für unsere E-Books tauschen, unseren Film brennen (Peter unser Held! hat mit Tinu einen genialen Qi-Kung Film gemacht, damit alle auch alleine weitermachen können). Später erfahren wir vom Zweiten, dass der Abstieg zu den Fahrzeugen bei diesem Wellengang nicht möglich ist, das verschieben wir also auf morgen.

 

Letzter Morgen😭

 

Bereits um 7.00 Uhr bemerken wir, dass sich draussen etwas tut. Der Pilot kommt an Bord. Die Wolken hängen tief und grau in grau sehen wir in der Ferne einige Licher von Montevideo. Husch ein letztes mal aus unserem kuschligen zu Hause auf Zeit, anziehen, packen und ab aufs Oberdeck. Tatsächlich sind wir bereits auf dem Rio de la Plata und bewegen uns in Richtung Hafen. Erste Sonnenstrahlen brechen durch die Wolkendecke und es ist trocken. In Uruguay ist heute Columbus Day, ein hoher Feiertag. Wir nehmen an, dass deshalb so wenige Autos und Menschen unterwegs sind. Immerhin wäre sonst ja Rushhour. Wir gehen ein letztes mal zum Frühstück und Wehmut gemischt mit Abenteuerlust macht sich unter den Reisenden breit. Wir werden sobald wir anlegen und der Zoll an Bord ist, auschecken und unser Gepäck wieder in die Fahrzeuge bringen. Batterien anschliessen, uns ein wenig einsortieren und dann alle miteinander zum Leuchtturm fahren. Dort soll es eine schöne Stelle und viel Platz zum Übernachten geben. Ab da werden sich dann unsere Wege trennen. Die einen gehen direkt in den Süden nach Valdez, die anderen treffen sich endlich mit den Freunden die sie schon lange erwarten und nochmal andere (zum Beispiel wir) gehen der Ostküste Uruguays entlang, in Richtung Norden. Wir sind nicht in Eile und wollen uns fürs Akklimatisieren auf diesem neuen Kontinent Zeit lassen.

 

 

 

 

 

 

 

Spy am Ziel

Spy am Ziel

Montevideo

Montevideo

Die Wolken reissen auf

Die Wolken reissen auf

Küstenstrasse durch Montevideo

Küstenstrasse durch Montevideo

Hafeneinfahrt

Hafeneinfahrt

Unser Anleger

Unser Anleger

Warten aufs OK vom Käptn

Warten aufs OK vom Käptn

Endlich in Uruguay

Endlich in Uruguay

Fazit der Seereise: Diese 215 Meter lange Grande Francia wurde zu unserem gemütlichen zu Hause, die bunt zusammengewürfelte Reisetruppe war ein Glücksfall, die Erlebnisse unvergesslich, die Küche zu gut und die Crew sehr sympathisch. Es war eine grossartige Erfahrung und wir sind froh uns für diese, doch ziemlich lange Seereise entschieden zu haben. Danke, allen die dabei waren! Wir freuen uns schon, euch irgendwo, irgendwann wieder zu sehen. Tragt euch Sorge und immer eine Handbreit Luft unter dem Differenzial, oder so  😀!

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