
8.4. Loooooos geht's
Ziemlich genau einen Monat haben wir nun in der Schweiz verbracht. To Do Liste abgearbeitet, Freunde getroffen, To Do Liste abgearbeitet, Freunde getroffen, To Do Liste abgearbeitet und Freunde getroffen. Genau so. Für einen Monat.
Und es war toll, grossartig, unterhaltsam, lecker, lustig, gemütlich, inspirierend und einfach schön all unsere Lieblingsmenschen, Travelbuddies und Freunde zu treffen. Leider haben wir vergessen abzuklären, wer alles nicht auf unseren Fotos erscheinen möchte. Also ist stellvertretend für all die tollen Menschen und Momente unser Lieblingskater Moritz Modell für unseren Abschied - und er verkörpert genau unser Gefühl nach all den schönen Abenden!
Herzlichen Dank euch allen. Wir werden euch schwer vermissen! Freuen uns über Face Time Anrufe, SMS, WhatsApp, Telefonate, Mails und alles Ähnliche. Ihr Lieben, wir sehen uns. Irgendwann - Irgendwo!

8. - 12. 4. Udligenswil - Venedig
Bei unseren Reisefreunden in Udligenswil werden wir einmal mehr total verwöhnt, aber dann heisst es endgültig Ciao Svizzera. Wir machen uns auf den Weg in den kleinen aber feinen 8 km langen Gotthardstau, aber der kann uns die Laune auch nicht vermiesen. Ich durfte bei Ruth noch ganz viel Wäsche waschen, und so reicht dieser Stau gerade mal um alles zusammenzulegen und wegzuräumen. Passt.
Wir übernachten nach einem Stadtbummel in Bellinzona direkt im Zentrum und fahren am Morgen für eine Nacht weiter an den Lago di Iseo. Kurz nach Bellinzona gibt es auf der Autobahn einen kleinen Schlag und unser Dachfenster öffnet sich ein paar Zentimeter. Echt nicht wahr, oder? Wir haben die neuen Dächer ja in Marokko bei heftigem Wind getestet, und hatten kein einziges Mal ein Problem. Jetzt wurden sie noch zusätzlich abgedichtet, und wir vermuten, dass diese Dichtung zuviel Platz einnimmt, solange sie noch neu ist. Offenbar kann der kleine Bolzen der das Dach arretiert nicht komplett greifen. Aber nachdem uns das letzte Dachfenster in Rumänien um die Ohren geflogen ist, ist das gar kein gutes Gefühl...
Etwas unentspannt erreichen wir also das wirklich bezaubernde Zuhause von Romeo und Julia - Verona. Ein Stellplatz ist hier im Zentrum für 10€ zu haben, wirklich grossartige zehn Minuten zu Fuss von der Altstadt entfernt. Die mittelalterliche Stadt am Fluss Etsch, gefällt uns einfach immer wieder. So entspannt und ruhig, viele schöne Geschäfte sind noch in den alten Gassen zu finden, während sie in anderen Städten bereits in die grossen Malls umgezogen sind. Viele Menschen bummeln Eis schleckend über die sonnigen Plätze, Einheimische wie internationale Touristen halten sich in etwa die Waage, Ferienstimmung total.
Auf übervollen Autobahnen, kurven wir zwischen langen Sattelschleppern, übermüdeten Reisenden und natelfixierten Einheimischen in Richtung Venedig, als unser Dach erneut aufspringt. So ein Mist! Alles was wir momentan tun können, ist es zu schliessen. Es gibt nicht wie beim alten Dach einen Griff oder Ähnliches was wir fixieren könnten. Das beste wird wohl sein, wenn wir bis Japan nie über 60 km/h fahren😆...
Next Destination - Venedig. Hier haben wir einen unglaublich tollen Campingplatz reserviert, allerdings sind wir nun einen Tag eher angekommen als gedacht. Wir bleiben also eine Nacht auf dem guten Stellplatz direkt vor der Tür Venedigs und machen uns mal mit den neuen Regeln der Lagunenstadt vertraut. Eintritt ab April 10€ pro Person und Tag. Montag und Dienstag sind kostenlos, die anderen Tage frei ab 16.00 Uhr. Man muss sich also registrieren und bekommt einen QR Code aufs Handy (was machen wohl Menschen ohne🤔?), der von Kontrollpersonal kontrolliert werden kann. Touristen die in der Nähe übernachten und somit die Kurtaxe bezahlen, müssen sich ebenfalls registrieren, allerdings dann kostenlos. Bei Fehlverhalten drohen Bussen bis 300€. Aha. Somit wissen wir Bescheid.
Wir fahren am Abend mit dem Schiff rüber zum Anleger im Zentrum und lassen uns treiben, wie hunderttausend andere auch🥳. Da ist ganz schön was los. Die berühmten Gassen im Zentrum sind etwa so überfüllt wie die Autobahn um Mailand, aber sobald man sich nur ein kleines bisschen in Nebengassen begibt, wird es ruhig und beschaulich. Auch eine einmalige Stadt und so geschichtsträchtig. Wir setzten uns auf eine sonnige Terrasse und schauen dem Treiben zu. Uns fällt auf, dass Kellner in diesen Tagen fast ausschliesslich aus Bangladesh stammen und Besitzer von Geschäften, Restaurants und Souvenirshops immer häufiger aus Temu-Land. Ist schon verrückt. Ich glaube, Europa wird gerade von eben diesem Land klammheimlich übernommen, und alle blicken auf die Ukraine, Kuba und den Iran. Henu, wir werden es hier und heute auch nicht ändern, und schlürfen einfach mal unseren Aperol-Spritz.
14.4. Wir ziehen um
Am Morgen fahren wir 17 km vom gut gelegenen Stellplatz zu unserem reservierten Camping Fusina. Der ist zwar nur mit einem kleinen Vaporetto mit der Innenstadt verbunden, im Gegenzug liegt er direkt an der Schiffsrinne zum Hafen. Heisst: alle Frachter, Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Autotransporter müssen genau bei uns vorbei. Wir haben den Platz 2023 entdeckt, als wir mit der MSC von Südafrika kommend in Venedig in den Hafen eingelaufen sind. Da haben wir all die geparkten Wohnmobile entdeckt, und für uns war klar: Hier will unser Indy auch mal stehen. Und es lohnt sich wirklich. Es herrscht meist reges Treiben zwischen kleinen Motorbooten, sogar Seglern und Frachtern, immer wieder hohlen Pilotenboote grosse Kreuzfahrtschiffe und Autofähren in den Hafen. Sobald richtig fette Schiffe in die Nähe kommen, wird es auf unserem Platz dunkler und die Motoren dröhnen. Man kann sie also nicht verpassen! Mega.




In der Stadt muss unser Schrittzähler nochmal einiges Leisten, aber am späteren Nachmittag müssen wir retour zum Boot, weil der Sommerfahrplan und somit spätere Schiffe erst ab Juni in Kraft treten. Frachter die am Morgen eingelaufen sind, fahren jetzt gelöscht, wieder von den starken Bugsern geleitet, raus in die offene See. Irgendwann setzt starker Regen ein, und der soll auch am nächsten Tag bleiben.
Aber wir haben eh noch einiges zu tun. Wir müssen in Sachen Reiseflexibilität bezüglich Route und Programm nochmal in uns gehen. Unser Plan war ursprünglich über Istanbul direkt ans schwarze Meer zu fahren, und über die kürzeste Strecke in Georgien einzureisen. In Tiflis (Hauptstadt Georgiens) wollten wir dann das Russlandvisum beantragen, was in der Regel etwa 10 Tage in Anspruch nimmt, und in dieser (Warte-)Zeit die uns unbekannte Umgebung erkunden.
Aber zweitens kommt es anders...Seit kurzem wird das 10 Tages-Transit-Visum für Russland in Tiflis nicht mehr ausgestellt - Who knows why? Man kann nur noch ein 3 Tages-Visum bekommen, was uns für die 800 km lange Strecke zu riskant erscheint. Die Grenze kann lange dauern, eine Panne, lange Staus, eine Grippe oder ein Feiertag an der Kasachischen Grenze - man kann nie wissen. Wir könnten auch unsere Pässe zurück in die Schweiz schicken, und über die Russische Botschaft das Visum beantragen, aber Pässe durch die Gegend schicken, wo nichtmal unsere Postkarten jeweils zum Ziel finden, das wollen wir nicht. Es gibt noch die Möglichkeit eines Online-Visums, was offenbar ganz einfach zu bekommen wäre, allerdings wird das von den Kasachen an der Grenze nicht akzeptiert, wenn man über Land einreist. Ginge also nur wenn wir fliegen würden.
Tinu hat nach längerer Recherche im Internet und in der Reisecomunity mit Martin, einem Schweizer Travelbuddie gesprochen, der in Antalya gute Erfahrung gemacht hat. Dort soll man mit relativ wenig bürokratischen Aufwand innert zehn Tagen, ein 10 Tages-Visum für Russland bekommen. ANTALYA - echt jetzt. Viel weiter weg könnte dieses Office nicht sein. Wir fragen bei der sehr netten Tanja, die diese Agentur leitet nach, ob sie auch im Norden, zum Beispiel Trabzon eine Filiale habe. Ja, haben sie, aber die stellen leider auch nur das Drei-Tages-Visum aus. Echt blöd. He nu, an Antalya führt wohl kein Weg vorbei - aber diese Strecke hat für uns auch einen riesigen, nicht zu unterschätzenden Vorteil. KAPPADOKIEN wir kommen wieder! Habe Tinu schon im Vorfeld gefühlt jeden zweiten Tag gelöchert, ob wir nicht über Kappadokien nach Georgien fahren könnten, und er meinte immer, der Umweg sei viel zu weit. Denkste. Also werden wohl noch ein oder zwei Ballonfotos zu unserer Sammlung hinzukommen🤣!
Somit organisieren wir die Route nach Antalya. Wir hatten bereits die Fähre Venedig (IT) - Igoumenitsa (GR) gebucht, Tinu hat nun die Buchung dahingehend geändert, dass wir erst in Patras aussteigen müssen. Dann fahren wir etwa 210 km nach Piräus (Athen) und nehmen die Fähre nach Chios (eine griechische Insel). Auf der Insel werden wir am Folgetag die Fähre von Chios nach Çešme (Türkischer Hafenort) nehmen und dort die Grenzformalität für die Einreise in die Türkei erledigen. Nach Antalya sind es dann noch etwas über 500 km, für die wir zwei Tage Zeit haben.
Am Freitag wollen wir spätestens in der Agentur sein, die hat nämlich immer nur von Dienstag bis Freitag geöffnet. Auch dort sollte die Bürokratie nicht mehr als 10 Tage in Anspruch nehmen, eventuell dauert es wegen des 1.Mais etwas länger, aber das wäre ja ok. Wir hätten also in dieser Region, die uns im letzten Jahr sehr gut gefallen hat, nochmal viel Zeit und die Stecknadeln auf unserer Organic Map Karte sind ja noch vorhanden. Wir wissen also schon, wo schöne Strände und nette Örtchen zu finden sind. Nordwärts gehts dann auf unserer alten Route, vom letzten Jahr, als wir von Kappadokien ans Meer gefahren sind. Also gleiche Strasse in anderer Richtung. So haben wir uns das ausklamüsert und hoffen, dass dies für eine Weile die letzte Stolperfalle gewesen ist...

14.4. Schaffe, schaffe...
Wir verbringen also einen ganzen Tag im Office, und sind am Abend mächtig stolz über all das Geschaffte. Jetzt können wir erstmal wieder die Zügel schleifen lassen, denn morgen gehts für uns auf die Fähre.
Früh sehen wir die Fähre der Anek-Lines bereits neben uns einlaufen, und nur ein paar Stunden später reihen wir uns in die Schlangen der Wartenden. Online Ticket muss in Papierticket umgetauscht werden, das ist schon alles. Die angekommenen Fahrzeuge sind schon fast alle abgeladen, ziemlich bald beginnt das Boarding. Seltsamerweise muss ich als Passagierin das Auto verlassen und separat durch eine Kontrolle - fast wie im Iran😆. Nur macht es hier null Sinn, denn Autos und Fahrer werden nicht kontrolliert, und wollte man jemanden oder etwas mitschmuggeln hätte man das wohl im Auto versteckt. Aber wir machen uns schon lange keine Gedanken mehr über Sinn und Unsinn ausländischer (und manchmal auch inländischer) Regeln und befolgen einfach deren Weisungen.
Rasch sind wir somit an Bord, wo sich bereits in der Mehrheit deutsch sprechende Touristen, eingefunden haben. Das Schiff hat eher was von einem Kreuzfahrtschiff denn von einer Fähre, zumindest verglichen mit dem letzten von Tanger nach Genua. Die Kabine ist tiptop, die Restaurants und Bars sind gut bestückt, im à la Carte Restaurants sind drei griechische Kellner alter 5* Hotel-Schule am Werk und machen ihre Sache richtig gut - und die Küche könnte in einem sehr guten Restaurant an Land locker mithalten. Sehr gute Produkte, wunderbar verarbeitet und präsentiert und superlecker! Hier könnte man noch ein paar Tage bleiben. Hie und da gibt es nette Plaudereien mit diversen anderen Schweizern und auch in Person von Vroni und Henä aus dem Seeland verbringen wir unterhaltsame Stunden. So vergeht die Zeit auf dem Schiff rasch, und bereits nach 30 Stunden packen wir zusammen und fahren kurz nach elf Uhr abends wieder von Bord. Mit Vroni und Henä fahren wir zu einem nahen Parkplatz um zu übernachten - direkt am Meer und stossen mit einem Glas Wein auf unsere Ankunft in Griechenland an. Lieben Dank ihr zwei, machts gut, schöne Reise und vielleicht sehen wir uns mal wieder - in Ins oder Anderswo.
Am Morgen gibt es noch einen kurzen Plausch mit Kaffee, einen Einkauf ganz in der Nähe dann geht es auch schon los. Vom Hauptort des Peloponnes Piräus, fahren wir über gute Autobahn weiter der Küste entlang, durch viele stattliche Olivenhaine, blühenden Ginster und Mimosen, immer im Blick das blau des Meeres und die Zitronenbäume die momentan voller Früchte sind. Eine wirklich schöne Gegend. Wir sind allerdings nur auf der Durchreise immer in Richtung Athen. Für die Nacht finden wir einen tollen Platz direkt am Meer, der kleine Ort rüstet sich saisonbedingt für den Ansturm der Sommerurlauber. Terrassen werden aufgehübscht, neues Mobiliar ausgepackt, Geschäfte grundgereinigt und die Eisdielen machen sich startklar - ein gutes Zeichen!
Auch am Samstag bleiben wir an einem schönen Strand hängen, sind aber bereits in der Nähe von Athen. Morgen Sonntag Abend geht ab Patras, dem Hafen Athens, unsere nächste Barke. Diesmal auf die schöne Insel Chios. Wir sind gespannt.
In aller Hergottsfrühe kommen wir im Dunkeln im kleinen Hafen von Chios an. Auch diese Überfahrt war ruhig im Sinne von Wellen, allerdings nicht im Sinne von mindestens 100 Jugendlichen auf Klassenfahrt. Die waren natürlich aufgedreht und in der hellhörigen Kabine hätte man locker an allen Gesprächen auf dem Korridor und in der Nachbarkabine teilnehmen können - hätte man denn die Sprache verstanden. Jedenfalls schlummern wir in unserer Schrumpfkabine, die uns an unsere Arbeitskabine in Alaska erinnert hat, dennoch seelig und werden um 4 Uhr von Mitarbeitern geweckt. Rasch sind wir runter von der nur halbvollen Fähre, und da es eine Inlandstrecke war, gibt es weder Einreise- noch andere Formalitäten.
Wir fahren einmal quer über die bergige Insel, immer mit Aussicht auf schöne Buchten, felsige Berge und ganz kleine Dörfer mit Olivenhainen und blühenden Büschen. Wir finden nach 30 km DIE Bucht der Insel. Bereits bei der steilen Abfahrt bedauern wir, dass unsere nächste Fähre nach Çesme in der Türkei, bereits am nächsten Abend geht. Aber wir staunen und geniessen, dass es tatsächlich auch in Griechenland noch wahnsinnig schöne und dennoch menschenleere Buchten gibt. Hierhin werden wir nochmal wiederkommen - Insha'Allah.
Zur Erinnerung:

Am nächsten Abend um 18 Uhr geht die nächste Fähre, die eher an eine Bodenseefähre erinnert, direkt in den Hafen von Çesme in der Türkei. Kurze 40 Minuten später erreichen wir den herzigen Touris Ort, der auch bei den Einheimischen hoch im Kurs ist. Die Einreise dauert kurze 30 Minuten, dann sind Pässe und die Papiere vom Indy kontrolliert und wir im Land. Rasch ist ein Parkplatz gefunden, und da demnächst die Läden schliessen, machen wir uns direkt auf in die Fussgängerzone. Rasch ist eine SIM Karte gekauft (denn in der Türkei ist unser Starlink verboten), und auch Geld ist bei der Post schnell gewechselt. Wir bummeln also gemütlich durch die Gassen, und freuen uns. Schön wieder in diesem tollen Land zu sein!
22.-23.4. Auf nach Antalya
Da wir am Freitag bereits einen Termin mit unserer Agentin Tanja in Antalya haben, gilt es für uns in den nächsten beiden Tagen die 570 km zurückzulegen. Die Autobahn ist sehr gut, allerdings bläst unglaublich starker Wind, was uns ein bisschen die tolle Fahrt vermiest. Wir fürchten immer noch, dass uns wieder ein Dachfenster davonfliegt, aber alles bleibt gut. Die Grossstadt Izmir können wir gut umfahren und bleiben später für eine Nacht in Pamukkale bei den Mineralterrassen. Ein entspanntes Örtchen, jetzt in der Nebensaison natürlich ruhig und nur wenige Busse oder Camper sind auszumachen. Wir verbringen eine ruhige Nacht, und werden am Morgen früh vom Fauchen der Heissluftballone geweckt. Nur eine Handvoll davon ist aufgestiegen, kein Vergleich zu Göreme in Kapadokkien. Aber wir haben trotzdem Freude den bunten Ballons zuzusehen, schade nur dass das Wetter nicht allzu gut ist.
Auch an diesem Tag will uns der Wind durch die Türkei schieben. Vor allem auf den Pässen der Überlandstrasse, was beim höchsten Punkt um 1500 M.ü.M. ist, bekommen wir viele seitliche Böen ab. Aber alles ok. Die Dächer sind noch dran!
Schon von weitem ist die Stadt mit 3 Millionen Einwohnern zu sehen. Die grüne und blühende Landschaft weicht Beton, Ziegeln und riesigen Hochhäusern, die Strassen werden voller und voller. Später erfahren wir, dass heute "Kindertag" ist. Ein wichtiger Feiertag in der Türkei. Entsprechend, fahren viele Familien zum Picknick oder in Vergnügungsparks, ans Meer oder zu Verwandten. Kurz, alle sind unterwegs, aber dank guter Strassenplanung führt uns unsere Autobahn fast direkt zum Stellplatz im Zentrum der Stadt. Beim letzten mal haben wir nur auf einem normalen Parkplatz übernachtet, da wir diesmal ein paar Nächte mehr bleiben, wollen wir Duschen, waschen etc. Auf dem Stellplatz richten wir uns ein und die netten Deutsch/Türkischen Nachbarn sagen uns, dass um 17 Uhr die Kunstflugstaffel der Türkei ihren Auftritt hat und wir das Spektakel direkt vom Strand aus, also etwa 300 Meter von uns weg, beobachten könnten.
Wir machen uns also auf den Weg, zur Promenade. Unglaublich viele Menschen haben sich bereits eingefunden, viele sind noch auf dem Weg zum Strand. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, alle knabbern die üblichen Sonnenblumenkerne, Kinder spielen am Strand und aus den Lautsprechern plärrt laute Musik oder ein Speaker macht die Menge auf irgendwas aufmerksam. Wir haben keine Ahnung, aber werden wohl merken, sobald die Sache losgeht.
Und wie wir es merken. Der Jet kommt mit atemberaubender Geschwindigkeit auf die Zuschauermenge geschossen, und als er kurz über dem Strand abdreht ist die Lautstärke unbeschreiblich! Alle schauen sich geschockt an, um kurz danach in Gelächter auszubrechen. Mann wie uns die Trommelfelle schlackern. Ich glaube, die hatten kurz einen Salto rückwärts gemacht. Der Jet kommt immer wieder angeflogen, macht Kunstfiguren, feuert Leuchtfeuer ab, führt farbige Rauchfahnen hinter sich her, eine tolle Show. Und der Pilot gibt alles. Etwa 25 Minuten lang geniesst er die Leichtigkeit des Seins und des Tun dürfens, was im Alltag nicht geht. Am Ende winkt er mit den Flügeln und macht sich von Dannen. Die Menschen sind restlos begeistert und irgendwann beginnt sich auch das grösste Chaos an irgendwo hingestellten Autos mangels Parkplätzen, aufzulösen.



24.4. Antalya - Visumstag
Von unserem gut gelegenen Stellplatz haben wir einen direkten Bus zur Agentur die uns mit dem Russland Visum hilft. Tanja, die Mitarbeiterin ist eine etwas unterkühlte Russin, aber erfreulicherweise mega kompetent, was in dem Fall für uns fast wichtiger ist. Wir haben alle Formulare, Fotos, Pässe, Fahrzeugausweise etc. dabei, allerdings ist die Versicherung für unseren Indy in Russland nicht gültig. Sie gibt uns einen Kontakt, den sie zwar nicht kennt, allerdings immer mit ihm diesbezüglich zusammenarbeitet. Tinu schickt also ein SMS an die Versicherung, und keine 10 Minuten später haben wir den Versicherungsausweis schon elektronisch zur Hand. Tanja füllt unterdessen alles mögliche aus, macht Kopien von sämtlichen Unterlagen und am Ende wechseln für die beiden Visum etwa 280 CHF die Hand, zusätzlich 70 CHF kostet die Autoversicherung. Wir hoffen also auf ein 10 Tages Visum, aber Tanja meint, dies sollte kein Problem sein. Mittlerweile ist sie auch etwas aufgetaut, und verspricht sich ungefähr am 13. Mai
zu melden. Bis dahin sollte sie die Pässe von der Botschaft wieder zurückbekommen haben.
Wir machen uns also guter Dinge auf zur Post, müssen noch unser Mautsystem aufladen. In der Türkei bekommt man etwas ähnliches wie die Vignette an die Frontscheibe, und per eingebautem Chip wird an den Mautstellen der Autobahn, vom Guthaben der entsprechende Betrag abgezogen. Aufladen kann man diesen Chip in den Poststellen, und nach einigen Verständigungsschwierigkeiten funktioniert das auch. Geld abheben leider nicht, denn die PTT ist der günstigste Anbieter in Sachen Kommission, und aber leider funktionieren die Automaten nicht immer. So nehmen wir das Geld aus einem x beliebigen ATM und haben für diesen Tag eigentlich schon erfüllt.
Jetzt haben wir also bis fast Mitte Mai Zeit, das Strandleben zwischen Antalya und Side zu geniessen. Nach einem weiteren Tag in der Stadt zieht es uns raus auf Land. Noch vom letzten Jahr, kennen wir einen schönen Platz am Strand, nur etwa 20 km von Side entfernt. Wir erwischen zwar nicht den richtigen Abzweig, allerdings finden wir nach einigen Mühen durch Zuckerrohrfelder und Treibhäuser, den Strand dann doch. Es ist immer noch erlaubt dort zu stehen, zudem hat es auf dem wirklich langen Strandabschnitt selten mehr als vier oder fünf verteilte Wohnmobile. Auch zum Schwimmen ist der Strand super, es hat keine hohen Wellen, das Wasser ist klar und Motorboote oder Ähnliches sind hier sowieso nicht unterwegs. Gut dass der Kühlschrank und die Wassertanks voll sind - so können wir einige Tage bleiben.
Nach fünf Tagen fahren wir mal zu einem Brunnen um Wasser zu tanken, Vorräte haben wir genug. Aber dann wird es doch Zeit für einen Tapetenwechsel und wir nehmen Kurs auf Side. Kurz bei einem MMM Migros vorbei, alles auffüllen, dann kurven wir zum Istanbul Camping mitten in Side. Da waren wir letztes Jahr schon, der ist klein und super gelegen, nur Platz für etwa fünf Womos. Glücklicherweise hat es eine Ecke für uns frei und wir richten uns unter den vielen blühenden Olivenbäumen ein. Wie Schnee rieseln die Blüten bei jedem Windstoss auf uns runter und es riecht fantastisch. Auch in der Umgebung blühen sämtliche Orangenbäume und verströmen vor allem am Abend ihren betörenden Duft.
Es ist schön wieder in Side zu sein. Sehr touristisch, viele Bars und Restaurants, Tatooshops, natürlich viele Geschäfte oft mit dem Sortiment von Temu, manchmal aber auch mit schönen Dingen aus der Türkei. Am Meer kann man einer ewiglangen Strandpromenade folgen - Es fühlt sich an wie Ferien vom Reisen, aber ab und zu mögen wir das ja. Wir bleiben ein paar Tage.




Ferien bis am 14.Mai
Viele Tage verbummeln wir mit Spaziergängen, kochen, Dinge am Indy richten (wir entkalken das Filtersystem und oh Wunder es sabbert nicht mehr durch alle Öffnungen👏 und läuft wieder perfekt), waschen Wäsche, viele Steine bekommen ein farbliches Make-Over, an der Webseite wird einiges vorbereitet, wir lesen vieles über unsere zukünftigen Reiseziele, über die Grenzen und deren Vorschriften, chatten mit Freunden und Travelbuddies, lernen am Strand immer wieder mal neue Wohnmobilisten kennen und haben Gelegenheit zu Plaudern und so weiter. Im Brauhaus, dem deutschen Restaurant in Side, gibt es sogar mal ein superfeines Schnitzel mit Spätzle - es geht uns also gut. Eigentlich hatten wir immer noch die Hoffnung, dass sich die russische Eiskönigin etwas früher meldet, denn warum sollten zwei Stempel in zwei Schweizer Pässen, drei Wochen in Anspruch nehmen?
Aber hey, sie sind sogar noch einen Tag später bereit, und eeendlich können wir also am 14. Mai unsere roten Büchlein abholen. Zehn-Tages Visum - perfekt...und da wir direkt mit unserem Indy quer durch die Stadt zur Agentur gefahren sind, können wir auch sofort weiter. In und um Antalya herrscht immer viel Verkehr, viele Laster und Gewusel, dieser wird erst nach Side gegen das Landesinnere weniger. Unterwegs wird der Himmel immer düsterer, Blitze zucken gleichzeitig in alle Richtungen, ab und zu linst die Sonne durch die Wolkendecke. Das Farbenspiel über den grünen Wiesen mit den Blühenden Wildblumen ist toll. Und dann kommt es wie aus Kübeln. Wir erreichen den Beysehir See nach etwa 180 km, die Schleusen sind auch hier geöffnet. Hat auch den deutlichen Vorteil, dass nicht viele Einheimische am Ufer unterwegs sind um zu picknicken und natürlich haben so auch die Mücken Pause.


15.5. Beysehir - Kappadokien
Eigentlich wollten wir die 330 km bis Kappadokien auf zwei Tage aufteilen, denn normalerweise fahren wir nicht so weit. Aber Karin & Toni, zwei nette Aargauer die mit ihrem Bremach am Strand waren, und natürlich die Ballone, rufen. Am späteren Nachmittag treffen wir uns also mit den beiden an einem schönen Platz mit Sicht auf das Love Valley und falls die Ballone starten, natürlich auch auf die. Die Anfahrt zum Platz gibt kurz Anlass zu einer Beziehungskrise, ich bin dagegen, Tinu dafür. Aber da ich im Team Timbila für die Sorgen zuständig bin und meinen Job ernst nehme, sehe ich uns schon mit einem verzogenen Fahrwerk in der nächsten Mercedes-Werkstatt. Aber Toni und Tinu meinen, dass diese steile, komplett ausgefahrene Dreckpiste kein Problem sei , was es dann auch nicht ist. Am Ende 🙄. Ist man immer schlauer. Bis zum nächsten mal.
Wir verbringen mit den beiden einen gemütlichen Apéro mit wahnsinns Aussicht, aber man merkt, dass wir auf fast 1200 M.ü.M. sind. Es wird zapfig und treibt uns schlussendlich in unsere warmen Häuschen. Wir verabreden uns also für 6 Uhr zum Ballonspektakel...
... und hätten es beinahe verpasst. Aber um 4.51 werde ich aus den tiefen meines Schlafes von einem Brummen geweckt. Nach einem Blick auf die Uhr kann ich das Geräusch erst gar nicht einordnen, aber dann - viele Generatoren die Ballonhüllen aufblasen. Ich wecke also den halbkranken Tinu, der gerade einmal eine Minute nicht hustet sondern schläft, aber sorry, die Ballone rufen. Er ist schnell auf den Beinen und öffnet das Rollo des grossen Fensters. Aber hallo! Da sind mindestens dreissig Ballons die bereits aufgeblasen werden, viele kommen gerade auf Transportern angefahren und einige sind sogar schon abfahrbereit. Es ist noch ziemlich dunkel, überall erhellen grosse Flammen die bunten Ballonhüllen. Wir sind schon wieder total begeistert, und es kommen nochmal zwei drei Fotos zum Album "Ballone Kappadokien" dazu. Mindestens.
18.5. Tschüsss Kappadokien - wir kommen hoffentlich wieder mal!
Nachdem zwei Morgen nacheinander die Ballons nicht aufgestiegen sind, weil der Wind zu stark war, machen wir uns wieder auf den Weg - wenn auch etwas ungern. Wir haben die Tage mit Karin & Toni genossen, haben in Göreme nochmal gemeinsam fein asiatisch gegessen, aber die Uhr tickt und unser Visum für die Einreise in Russland beginnt am 22. Juni zu laufen. Und schliesslich wollen wir auch noch ein bisschen Georgien entdecken, obwohl das für uns natürlich eher ein Transitland ist. Falls es uns wider erwarten total begeistert, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt immer mal einen langen Georgien Aufenthalt planen können.
Für uns gehts nach Gas und Wasser tanken in Nevshehir, weiter auf der Schnellstrasse in Richtung Norden. Die Landschaft ist dank ausgiebiger Niederschläge grün und saftig, und da wir uns meist über 1200 M.ü.M. bewegen, blühen immer noch Hahnenfuss und sämtliche Fruchtbäume. Es wird einsamer, die Dörfer kleiner und sie liegen weiter auseinander. Immer wieder sind grosse Felder und Ebenen überflutet und Stauseen bis über den Rand gefüllt.
Wir übernachten im Zentrum von Sivas. Einer Stadt mit etwa 300 000 Einwohnern, für die Türkei also eher klein. Diese Stadt auf 1200 M.ü.M., die auf der touristischen Karte nirgends zu finden ist, gefällt uns richtig gut. Kein Vergleich mit dem freizügigen Antalya, oder dem gut besuchten Kappadokien ist Sivas einfach eine traditionelle, türkische Stadt. Mann und Frau geht auf den Markt, bummelt in den Gassen, und die Männer treffen sich auf eine Plauderei zu Çai, dem türkischen Schwarztee. Die Kleidung ist bei Männern und Frauen traditionell, man nimmt sich Zeit auf einen Schwatz beim Gemüsehändler oder Metzger. Auf dem Markt können wir uns nicht in Englisch unterhalten, aber irgendwie geht es immer. Wirklich fantastische, üppig gefüllte Marktstände mit der allerbesten Ware, sehr sauber, sehr gepflegt und alles was das Land saisonal hergibt. Wir fragen an den diversen Marktständen, ob wir Fotos machen dürfen, was nie ein Problem ist. Natürlich wollen die einen oder anderen auch Selfies mit uns und ihrem Stand, mit einem jungen, sehr netten Typ mit Null Englisch, haben wir ein lustiges Gespräch und er schenkt uns sogar noch ein paar Rüebli zum Abschied.
Am Morgen ist es in Sivas ruhig. Heute ist (fast) Nationalfeiertag. Es ist der Tag, an dem man der Befreiung durch Mustafa Atatürk im Jahr 1919 gedenkt. Im ganzen Land finden offizielle Gedenkfeiern, Sportveranstaltungen, Paraden und Konzerte statt. Allerdings sind einige Geschäfte und Läden geöffnet, denn einen Tag sein Geschäft zu schliessen muss man sich auch leisten können.
Wir cruisen über manchmal gute und manchmal schlechte Strassen durch die Weite Ostanatoliens, bis wir uns wieder zwischen hohen, schneebedeckten Bergen auf über 2000 M.ü.M. hinaufschrauben. Oft ist die Strasse vierspurig, was das Überholen der wenigen aber sehr schweren Lastwagen erheblich erleichtert. Ab und zu sehen wir Verkaufsstände von Bienenhonig, ansonsten ist hier nur Natur, ab und zu ein Hirte mit einer Kuhherde und noch mehr grün - und wieder ein Schneefeld.
Irgendwo unterwegs, nach bereits mehr als 1000 km weg von Antalya, übernachten wir, es heisst es gäbe sogar Bären und Wölfe in dieser Region. Man weiss es nicht, wir werden am Morgen die Spuren um unser Auto lesen und allenfalls berichten...Nachtrag: Immerhin einen Igel haben wir gesehen🥳.
19.5. Macka / Sumela Klöster
Eigentlich waren wir uns nicht sicher, ob wir die hängenden Klöster von Sumela besuchen wollen. Wir hatten gelesen, dass wegen Renovation nur etwa 20% der Anlage besucht werden kann, das Ganze dann aber doch etwa 50 Euro pro Person kostet (übrigens muss vieles renoviert werden, weil Touristen mit Farbe Zeug auf die Wände gekritzelt oder sogar Teile herausgekratzt haben!!!). Sie sehen aber auf Bildern fantastisch aus. Also quartieren wir uns auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe ein, und lernen da Christiane & Marcus aus Deutschland kennen, die mit ihrem alten Iveco ein paar Monate unterwegs sind. Später gesellt sich noch Andreas, ein deutscher Motorradfahrer mit Zelt dazu, und wir verbringen einmal mehr ein paar gesellige Stunden mit interessanten Menschen.
Immer wieder regnet es zwischendurch, in der Nacht soviel, dass wir am Morgen in einem Sumpf erwachen. Es matscht ganz schön um unser Auto, aber somit hat sich die Frage ob Klöster oder nicht, erledigt. Die Nebelschwaden hängen tief, das Wetter schwankt zwischen ab und zu Sonne, und ganz vielen dunklen Wolken. Wir entscheiden nach Trabzon zu fahren, der grossen Stadt am Schwarzen Meer. Christiane & Marcus machen einen Schlenker zu den Klöstern, als wir sie dann wieder in Trabzon treffen, meinen sie, sie seien auch nicht hineingegangen. Einfach zu schlechtes Wetter.
Wir stehen mit unseren Autos direkt am Meer auf einem super zentralen Platz, und machen uns erst mal auf den Weg ins Stadtzentrum. Nur wenige unspektakuläre Gassen entfernt, erreichen wir die Innenstadt. Wir hören viele Kinder aus diversen Schulgebäuden und auf den Pausenplätzen geht ganz schön die Post ab. Ein netter Türke spricht Marcus und Christiane in gutem Hochdeutsch an, ob sie denn aus Deutschland seien - er hat uns wohl plaudern gehört. Der nette Typ, von dem wir nicht mal wissen wie er heisst, lädt uns also zum Tee ein, denn er ist Lehrer in der Grundschule gegenüber und hat ebenfalls eine kurze Pause. Er erzählt, dass er vor gut 20 Jahren für fünf Jahre in Deutschland türkische Kinder in Türkisch und Islamischer Kultur unterrichtet hat. Christiane, die ebenfalls Grundschullehrerin ist, hat viele Fragen über die Unterschiede der beiden Länder, und das wohl erstaunlichste ist wohl die Anzahl der Kinder pro Klasse. In Deutschland waren das mal fünf, oder drei, manchmal wurden von ein paar Klassen die türkischen Kinder für den Spezialunterricht auch zusammengenommen. Hier hat er zwischen 45 und 50 Schüler (!) in seiner Klasse und er unterrichtet als Grundschullehrer alle Fächer. Verrückt.
Er erzählt uns einige sehr interessante Fakten, aber seine Pause ist rasch vorbei. Es war kurz und knackig aber sehr sympathisch und so machen wir uns mit Çay gestärkt auf ins Gewühl! Trabzon gefällt uns. Hat eine nette Fussgängerzone im modernen Teil der Stadt und wuselige Gassen in der Altstadt beim alten Basar. Wir kaufen Datteln und Nüsse, natürlich nochmal Süsskram in einer Patisserie und verlängern unsere Daten bei Turk Telecom. Am Abend ist nämlich Eishockey WM - Die Party geht hoffentlich weiter!
22.5. Rize - Georgische Grenze
Die Küstenstrasse entlang des Schwarzen Meeres erinnert uns an Italien oder die Côte d'Azur. Das Meer hat eine tolle türkise Farbe wenn die Sonne scheint, die Strasse ist vierspurig und gut und an den sich auftürmenden Hängen, reihen sich Teepflanze an Teepflanze. Es ist Erntezeit, Pflückerinnen zupfen die grünen Blätter in den sehr steilen Plantagen. Grosse Mengen an gepflückten Blättern werden in Tücher eingewickelt, diese "Pakete" werden über den Steilhang hinabgerollt und auf Pick-Ups oder grosse Laster verladen. Alle paar Kilometer qualmt aus dem Schornstein einer Teefabrik, der Rauch fermentierten Blätter. In dieser Region wird seit langer Zeit vor allem Schwarztee angebaut, der in der Türkei ja immer und überall getrunken wird.
Wir haben gelesen, dass am Samstag der Grenzübergang nach Georgien mehr als üblicherweise besucht wird. Offenbar gehen Türken gerne in die Casinos und Bars nach Batumi um ihr Wochenende zu feiern. Heute ist nun Freitag, wir entscheiden uns, noch einmal vor der Grenze zu übernachten und dann am Morgen früh, wenn der arbeitsame Türke noch schläft, nach Georgien einzureisen. Bereits etwa 20 km vor der Grenze beginnen sich die Laster zu stauen. Entweder werden sie nicht mehr abgefertigt oder müssen Pausen einhalten - wir wissen es nicht. Jedenfalls fahren wir an den Trucks vorbei bis nach Sarp, dem letzten Ort vor der Grenze, etwa noch 10 km von dieser entfernt. Auch hier qualmt aus der staatlichen Teemanufaktur Çaykur, der Rauch aus dem Schornstein. Wir besuchen den wirklich schönen Teeladen der Fabrik, aber die Damen die sich am Tresen festhalten, haben weder Lust zu beraten, noch eine Verkostung anzubieten und schon gar nicht zu verkaufen. Letzteres entfällt sowieso, da sich unter der Cellophanverpackung vieler Tees Tierchen tummeln und krabbeln, und Haustiere werden bei uns im Auto nicht toleriert.
Wir verlassen also schleunigst das Geschäft und fahren zu einem nahen letzten, wunderbaren Platz in der Türkei am Meer. Später gesellen sich noch Tim und Jonas aus Deutschland zu uns, die türkische Sonne geht ein letztes mal für uns golden unter. Morgen gehts in ein neues, unbekanntes Land!
Türkei: 4 Wochen / 2200 km
Fazit Türkei: Auch diesmal hat uns die Türkei begeistert. Wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft, Wildstehen für Camper kein Thema, dies meist auf grossartigen Plätzen und zudem noch sicher, einfache Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser, nette Menschen die immer interessiert sind aber dennoch die nötige Distanz wahren, feines Essen, tolle Bazare und natürlich viel Spannendes, wenn man sich für Geschichte interessiert. Das Land ist riesig. Man könnte also problemlos mehrere Monate in der Türkei verbringen. Denn da ist ja noch Kappadokien!🥰Immer wieder ein Muss!























































































































































































