
China
Einwohnerzahl
1.4 Milliarden (!!!)
Hauptstadt
Peking, 22 Mio.
Grössenvergleich
232 x grösser als die Schweiz
Visum
30 Tage visumfrei für Schweizer
Verlängerung für weitere 30 Tage 18 CHF
Währung
Renminbi. Die Haupteinheit heisst Yuan
Grenzübertritt Kosten
2000 CHF für zwei Monate, mit Fahrzeugausweis
Fahrausweis und KFZ Schild, und natürlich Guide an den
Grenzen von Kirgistan und nach Laos
Carnet de Passage nötig
Nein
Dieselpreis
90 / 105 Rappen, ändert ziemlich rasch
Regierungsform
Die Kommunistische Partei Chinas kontrolliert Staat, Justiz, Medien und Militär. Xi Jinping ist Staatspräsident, Generalsekretär und Vorsitzender der Militärkommission. Er ist der mächtigste Mann seit Mao, und hat 2018 die Begrenzung auf zwei Amtszeiten für das Präsidentenamt aufgehoben. Er kann also unbegrenzt regieren.
Religion
China ist offiziell ein atheistischer Staat. Es gibt aber 5 anerkannte Religionen im Land. Buddhismus, die grösste Organisation, Taoismus, Islam, Protestantismus und Katholizismus.
Sprachen
Amtssprache Hochchinesisch, oft bezeichnet als Mandarin. Daneben gibt es über 100 Sprachen und Dialekte, dazu die Sprachen der ethnischen Minderheiten wie Tibetisch, Mongolisch, Uigurisch etc.
Haupteinnahmequellen
Die Fertigungsindustrie ist nicht nur der grösste Sektor des Landes, sondern der Welt. Sie konzentriert sich stark auf Produkte wie Stahl, Kohle, Aluminium und Maschinenbau. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass der Trend zu Elektronik, Elektronikfahrzeugen und erneuerbaren Energien immer wichtiger wird. Natürlich sind auch der Energiesektor, das Bauwesen, die Online-Portale und die Landwirtschaft immens gross.

Interessantes & Skurriles
Die Wirtschaft ist seit der Wirtschaftsreform 1978 durchschnittlich jedes Jahr um 9% gewachsen.
Die Eisenbahnschienen des chinesischen Zugverkehrs würden in ihrer Länge zweimal um die Erde gehen.
China unterhält ein staatliches Wetteränderungsamt, das bei wichtigen Großveranstaltungen für schönes Wetter sorgt.
Der Yangtze (Changjiang) ist mit 6380 km der längste Fluss Chinas und nach Nil und Amazonas der drittlängste Fluss der Welt
Ob klirrende Kälte im Himalaya oder der tropische Regenwald Mengla im Süden des Landes: In China gibt es insgesamt 18 verschiedene Klimazonen.
Der Himalaya ist die höchste und längste Gebirgskette Chinas. Höchster Gipfel ist mit 8.848 m der Mount Everest. Weitere Hochgebirge mit Gipfeln über 5.000 Metern sind die Kunlun-, Pamir-, Tian-Shan und Bayankala-Gebirge.
China war bis zum 17. Jahrhundert die vorherrschende Seemacht in Asien. Während der Ming-Dynastie von 1368 bis 1644 galt die "Große Flotte" von Admiral Zheng He sogar als die mächtigste Seestreitmacht der Welt.
Die Chinesische Mauer erstreckt sich von der Bohai-Bucht im Osten bis zur Taklamakan-Wüste im Westen und ist das grösste Bauwerk der Welt. Je nachdem, welche Teile dazu gerechnet werden, soll die Mauer nach neuesten Forschungen über 21.000 Kilometer lang sein. Die Kern-Strecke beträgt rund 2.500 Kilometer. Mit dem Bau der Mauer wurde vor rund 2.000 Jahren begonnen.
Zum Welterbe in China gehören (Stand 2019) 55 UNESCO-Welterbestätten, darunter 37 Stätten des Weltkulturerbes, 14 Stätten des Weltnaturerbes und 4 gemischte Kultur- und Naturerbestätten
Die Länge aller Grenzen des Landes beträgt 22.457 km
Mindestens 30 Millionen Menschen in China leben in Höhlenhäusern, die yaodongs genannt werden; weil sie im Winter warm und im Sommer kühl sind, finden manche Leute Höhlen attraktiver als Betonhauser in der Stadt.
In China gibt es eine Heizungsgrenze, die ungefähr paralell zum Yangtze-Fluss verläuft: Nördlich davon wird per staatlicher Fernwärme geheizt, südlich nicht.
Chongqing (30 Millionen), Shanghai (24,5 Millionen); Peking (23 Millionen); Chengdu (14,5 Millionen), Guangzhou (12,7 Millionen)
Im alten China wurde ein Arzt nur bezahlt, wenn seine Patienten gesund wurden beziehungsweise blieben. Andernfalls hatte er nicht ausreichend Vorsorge getroffen.
Seit 2002 ist China weltweit der größte Biermarkt mit einem jährlichem Wachstum zwischen 5 und 10 Prozent. Der Wachstum ist auf die steigende Bevölkerung und die Verbesserung des Lebensstandards zurückzuführen.
China verbraucht jährlich 45 Milliarden Essstäbchen
Die erste Erwähnung von Toilettenpapier war im 6. Jahrhundert in China. Der Gelehrte Yan Zhitui schrieb im Jahr 589, dass er niemals Papier mit Zitaten und Kommentaren von Weisen für die Toilette verwenden würde.
Erst seit ein paar Monaten können Touristen aus der Schweiz für 30 Tage visumfrei in China einreisen. Will man länger im Land bleiben, hat man die Möglichkeit unterwegs auf die entsprechende Behörde zu gehen und nochmal 30 Tage zu beantragen, die offenbar in der Regel innert drei Tagen gewährt wird.
Wenn man mit dem eigenen Fahrzeug reisen möchte, musste man sich bis vor kurzem von einen lokalen Guide begleiten lassen. Auch dies ist geändert worden und auch hier zu unseren Gunsten. Wir brauchen zwar noch eine Agentur, die uns alles vorbereitet und uns bei den Grenzformalitäten behilflich ist, danach dürfen wir aber alleine und in unserem Tempo reisen.
Liv, von ChinaRoadtrip ist unsere Ansprechperson bei der Agentur, und hat von uns schon alle Papiere bekommen. Wir brauchen nämlich einen chinesischen Führerschein, einen chinesischen Fahrzeugausweis und ein chinesisches KFZ Schild.
Wir haben uns für "Kashgar" die Grenze in Kirgistan entschieden, einfach weil sie für uns am besten auf der Route liegt. Liv hat uns bereits einen Routenvorschlag zugeschickt, mit den jeweiligen Highlights der Region. Die Strecke ist ungefähr 6000 km lang, und führt durch die Taklamakan-Wüste über die östliche Grenze des Tibets, vorbei bis nach Laos. Nach Möglichkeit möchten wir dafür zwei Monate Zeit haben. So weit der Plan.

Taklamakan-Wüste

Bilder können leider nicht in der besten Auflösung hochgeladen werden. Ihr seht also nicht unscharf, es liegt an den Pixel 🙄
8./9. 9. 2026 Border Run Kirgistan - China
Schon seit ein paar Tagen versorgen Liv und Edward, die zwei von China Roadtrip, uns mit Informationen. Alle Karten auf denen Taiwan oder Tibet anders eigezeichnet ist als chinesisches Hoheitsgebiet (also alle), sollen wir wegschmeissen. Dies sei ein Grund, nicht über die Grenze gelassen zu werden. Sie haben einen super guten Ablauf für das Grenzprozedere erstellt, wir sollen uns alle um 8.00 Uhr gemeinsam am Morgen an der Kirgisischen Grenze treffen und die Ausreise gemeinsam machen, damit wir dann auch als Gruppe in Richtung China fahren. Aber nein, einer schreibt bereits am Nachmittag auf dem Chat, dass er die Kirgisische Grenze bereits gemacht hat, und da auf uns wartet. Dann hat die Agentur für uns Parkplätze bei einem grossen Hotel in Kashgar reserviert, und einige buchen ein Zimmer. Gerade für Motorradfahrer ist die Möglichkeit natürlich super. Wenn da der kleine Satz beim Hotelbeschrieb nicht wäre: Alle Zimmer sind Raucherzimmer ...ein Aufschrei geht durch den Chat, aber Edward sagt, dass sei in den meisten chinesischen Hotels der Fall. Es ist wirklich unglaublich. Obwohl wir nur etwa 10 Fahrzeuge sind, ist es offenbar nicht möglich, einfach zu machen was die Agentur sagt, und bestimmt kommen einige dann auch noch zu spät zur Grenze. Gruppenreisen sind schon was feines. Aber irgendwie auch nicht🤪.
In der Nacht wird auf allen Seiten heftig umgeparkt. Wir stehen ja bereits auf über 3600 Metern, es hat zu schneien begonnen, und unter diversen Fahrzeugen verwandelt sich der Boden in dicken Matsch. Wir stehen aber gut und können bleiben wo wir sind, haben uns schon am Abend auf eine Ecke mit Kies gestellt. Wir wagen sogar die Heizung einzuschalten, die hat in letzter Zeit immer wieder Fehlermeldungen produziert. Aber sie schnurrt die ganze Nacht wie ein zufriedenes Kätzchen und hält unsere Kabine stabil auf 18 Grad. Als unser Wecker am Morgen um 6 Uhr klingelt erwachen wir im Winterwunderland. Eine fantastische Aussicht auf die umliegenden 7000er des Thai Shan Gebirges, frisch verschneit mit Morgensonne. Hammer. Aber schwelgen ist nicht. Die drei Motorradfahrer, die auch noch zur Gruppe gehören, sind mittlerweile tiefgefroren bei uns eingetroffen, sie haben in Yurten weiter unten im Tal übernachtet, und jetzt bereits eine Stunde Fahrt im Frost hinter sich.
Wir fahren die paar Kilometer zum Kirgisischen Grenzposten, und das Gute an einem Grenzübergang am A*** der Welt; der ist natürlich nicht stark frequentiert. Nur ein paar Laster stehen bereits am Tor welches um 8 Uhr öffnet, aber wie immer dürfen wir LKW's überholen. Unser Tross steht also mit einem Chinesen und einem Koreaner vor dem Gate und die zwei kriegen sich fast nicht mehr ein. Sie machen Filme, Selfies und noch mehr Filme, sind total begeistert und überhaupt. Lustig die beiden. Wir sind also auf frostigen 3800m ein bunt gemischter Haufen, von Schweden über Australier, von Brasilianern über Schweizer, Deutsche, Holländer und Franzosen. Alle ein bisschen aufgeregt für das Grenzprozedere, aber alle mit viel Vorfreude auf China.
Pünktlich um 8 Uhr werden die ersten Fahrzeuge in den Hof eingelassen. Wir müssen noch 5 Euro in kirgisischen Som bezahlen, das Fahrzeug wird kurz gecheckt, der Pass muss abgestempelt werden, das Einfuhrpapier des Autos muss wieder abgegeben werden, alles easy. Dauert natürlich bei so vielen Fahrzeugen einen Moment, aber wir haben's ja gut, im Gegensatz zu den Motorradfahrern waren wir nicht bereits eine Stunde bei Frost unterwegs. Nach einer guten halben Stunde gehts weiter, wir fahren eine wunderbare komplett leere Strasse durch verschneite Berge, zu einem ersten Posten Chinas und treffen da auch die beiden Fahrzeuge, die die Grenze bereits gestern gemacht haben.
Hier müssen wir etwa eine Stunde auf unsere beiden Guides Liang und Edward warten. Wir waren wohl schneller als gedacht. Jedenfalls treffen die beiden mit der Teilnehmerliste ein, und wir können Fahrzeug um Fahrzeug zu den Grenzbeamten. Als erster fährt Timo, der Schweizer mit seinem Bike durch, no Problem. Dann Vicki und Christian, kein Problem. Als die beiden Englischen Biker durchfahren wollen, heisst es auf einmal die seien nicht auf der Liste. Das muss also erst mit der Agentur geklärt werden, und somit müssen die zurück zum Start. Wir rücken vor - und sind nicht auf der Liste. Da gibt es erst mal auf allen Seiten lange Gesichter. Edward rennt zu seinem Van und kommt mit noch einer Liste angerannt. Er bespricht das ominöse Blatt Papier mit dem Grenzer und wir können weiterfahren. Dann die Biker und der ganze Rest der Gruppe. Offenbar wurde das pragmatisch gelöst, oder vielleicht gab es auch eine zweite Seite mit Teilnehmern. Jedenfalls sind wir nach etwa einer halben Stunde durch, und stehen vor dem Ersten chinesischen Strassenschild auf der Passhöhe. Huch, das wird wohl in Zukunft ganz schön schwierig. Zum Glück sind die Strassennummern für uns lesbar, ansonsten ist nicht viel zu erkennen😳 aber das Müsterli schaut schon mal toll aus.
Weiter geht es im Konvoi durch bergiges chinesisches Niemandsland auf über 100km zur eigentlichen Grenze. Wir kommen an, werden von einem Beamten in Reih und Glied aufgestellt und angewiesen, uns mit unseren gepackten Taschen bei den jeweiligen Fahrzeugen aufzuhalten. Die Fahrzeugkontrolle steht an. Tatsächlich hat uns Liv, von der Agentur empfohlen, pro Person eine Reisetasche zu packen, mit Klamotten oder so, weil Grenzer einfach erwarten, dass man Gepäck hat. Auch im Camper. Also packen wir alle pflichtbewusst eine "pseudo" Tasche, die aber dann wirklich ihren Zweck erfüllt und uns Diskussionen erspart. Dann gehen zwei Beamte von Auto zu Auto und inspizieren die diversen Schränke und Schubladen. Er ist sehr höflich, zieht sogar die Schuhe aus, bevor er in unseren Indy steigt, und lässt mich alle Schränke öffnen. Er wühlt aber nicht, guckt nur, nicht mal den Kühlschrank muss ich öffnen. Auch im Kofferraum muss Tinu nichts ausräumen, die ganzen Kisten bleiben zu. Nur dann wird seine Kollegin doch noch fündig. Wir haben im Handschuhfach ein kleines Moleskin, also eines dieser Notizbücher, für Wichtiges, was man kurz notieren will während der Fahrt. Und genau auf den ersten zwei Seiten ist dick und fett eine Weltkarte schraffiert. Zum Glück ist sie ohne Länderangaben und ja sowieso nicht politisch motiviert, und so lassen sie uns vom Hacken.
Wir werden von einem Beamten in die Schalterhalle begleitet, wo erst mal unser Gepäck gescannt wird. Dann gehts zum Passbeamten, Fingerabdrücke und Porträt wird rasch gemacht, und schon haben wir unseren 30-Tage visumfreien Stempel! Welcome to China, sagt er freundlich und mit einem Lächeln. Sind alle echt nett! Die Fahrer holen in der Zwischenzeit die Fahrzeuge und müssen durch das Röntgengerät. Das nimmt etwas Zeit in Anspruch und vor allem das Auswerten der Bilder braucht seine Zeit. Dann kommt eine Beamtin, und bringt von jedem Auto ein Ausdruck mit eingekringelten Stellen mit, die sie kontrollieren will. Bei uns ist das der Zusatzkanister und die vorrätige Gasflasche. Sie ist rasch zufrieden und zieht zum nächsten Fahrzeug. Offenbar gibt es irgendwelche Probleme mit dem kleinen Hund der Brasilianer. Sie haben zwar alle Papiere, aber es scheint doch einige Abklärungen zu brauchen. Wir warten also noch eine Weile, und um mittlerweile 17.15 kommen wir von der Grenze los.
Wir haben auf den letzten 100 km bereits viel Höhe verloren, die Motorradfahrer sind wieder aufgetaut und nach und nach fallen die Hüllen. Unser nächster Checkpoint ist in 60 km, Liang und Edward fahren wieder voraus und wir alle im Konvoi hinterher. Bei der ersten Strassen-Mautstelle kommen wir schon etwas ins Schleudern, es geht ja ums bezahlen mit Alipay oder WeChat. Die beiden Apps regeln hier den Alltag der Menschen, Papiergeld wird offenbar kaum mehr benutzt. Wir haben vorgängig alles eingerichtet, aber natürlich noch nicht testen können. Aber Liang ist beim Tickethäuschen und hilft allen beim Bezahlvorgang. Super. Es funktioniert und gibt uns Hoffnung fürs nächste mal. Es ist nämlich etwas trickreich. Man kann zwar in den Einstellungen jeweils die Sprache umstellen, allerdings ist trotzdem nur etwa die Hälfte übersetzt. Man könnte meinen, das müsste in Zeiten von KI einfacher zu lösen sein.
Wir erreichen den nächsten Checkpoint und müssen nicht mal aussteigen. Edward hüpft mit seiner Liste in ein Gebäude und stösst kurze Zeit darauf wieder zu uns. Anhand der Liste werden schon mal die KFZ Schilder erstellt, die wir am Folgetag erhalten sollen. Durch das wuselige Kashgar, mit gut einer halben Million Einwohnern, fahren wir bis direkt zum Hotel in der Altstadt. Das Hotel ist riesig, und hat genug freie Parkplätze. Wir werden also mit unseren Fahrzeugen zusmmengepuzzelt, und am Ende finden sogar die fetten Laster einen guten Platz. Einige beziehen Zimmer, andere richten sich in den Campern ein. Wir sind alle platt, es ist mittlerweile 21 Uhr, alle sind hungrig und wollen unter die Dusche. Ein anstrengender Tag geht zu Ende, aber perfekt organisiert von China Roadtrip, Liang und Edward, mit ausschliesslich netten und höflichen Beamten. Mega! Wir gehen noch auf einen Happen in die Altstadt und nehmen schon mal einen ersten Eindruck mit. Die Altstadt sieht super aus. Morgen will die entdeckt werden.
Am Morgen klingelt schon früh wieder der Wecker, das chinesische Frühstücksbuffet ruft. Das ganze Essen ist ein bisschen überwältigend und wir halten es ziemlich kurz. Heute ist Inspektion der Fahrzeuge und wenn alles gut läuft, sollten wir unseren chinesischen Dokumente erhalten. Mehr oder weniger im Konvoi fahren wir also zum "MFK", werden dort wieder akribisch nebeneinander aufgereiht und angewiesen, Feuerlöscher und Pannendreieck vor den Autos aufzustellen und die Kühlerhauben zu öffnen. Die Chassisnummern werden mit den Fahrzeugpapieren abgeglichen, dann gibts noch eine Ermahnung des Polizisten. Fahren nur bei Grün, immer angegurtet sein, kein Alkohol oder Drogen am Steuer, 110 bei Unfall und 120 für die Ambulanz. Zack. Liang übersetzt und verteilt unsere heiss ersehnten Papiere. Jeder kriegt ein KFZ Schild, einen übersetzten Fahrzeugausweis und einen übersetzten Fahrausweis, zudem eine Land- und Strassenkarte die der Grösse des Landes Rechnung trägt. Man kann sie kaum auf eine handelbare Grösse falten - sie ist riesig - und wir haben einen freien Nachmittag zur Verfügung. Cool. Jetzt ist es offiziell. Wir dürfen in China herumreisen!
Zurück beim Hotel dürfen wir wieder parken obwohl wir nicht mehr da wohnen, echt ein Segen bei der Lage... und endlich gehts in die Altstadt. Wow, die ist wirklich fantastisch. Eine Mischung aus Orient und Asien, ist dies schliesslich die Hauptstadt des autonomen Gebiets der Uiguren. Wir entdecken viele Einflüsse aus Usbekistan, natürlich aus dem Nachbarland Kirgistan und Tadschikistan, viele Einflüsse aus allen Himmelsrichtungen der Seidenstrasse haben die Menschen, die Küche und die Gebäude unterschiedlich geprägt. Gefällt uns super. Und da die Stadt auf 1200 M. liegt, ist die Temperatur bei angenehmen 25 Grad. Wir lassen uns also treiben, atmen die verschiedenen neue Gerüche ein, schauen bei Handwerkern zu, beobachten die vielen chinesischen Touristen und staunen nicht schlecht über deren Selfiekultur. Sie fotografieren sich aus jedem erdenklichen Winkel, posieren hier und da, stürzen sich in Mietkostüme und lassen sich schminken für die perfekte Erinnerung. Ein bisschen seltsam ist das ja manchmal schon, aber im Umkehrschluss ist das für uns auch ein Freibrief fürs Fotografieren. Die Scheu der Menschen, die es vor ein paar Jahren noch gegeben hat, ist vollkommen verschwunden, Fotos mit dem Handy sind in jedermanns Alltag angekommen.
Gestern waren wir ja noch kurz was in der Altstadt essen. Erst waren wir entsetzt über die Tellergrösse der Portionen, wir haben beide einfach einen Hauptgang bestellt und gereicht hätte es für eine mittlere chinesische Familie. Und dann waren wir, nicht gerade entsetzt, aber doch sehr erstaunt über die Gewürze. Ich konnte meinen Tofu kaum essen, er war so salzig und für meinen Geschmack total verwürzt. Nicht zu scharf oder so, einfach viel zuviel Gewürz. Bereits nach einigen Bissen spüre ich meine Lippen nicht mehr und die Zunge beginnt zu Kribbeln. Klarer Fall von zuviel Glutamat. He nu, es kann ja (fast) nur besser werden. Wir sind also gespannt auf den heutigen Abend, Liang lädt uns im Namen von China Roadtrip in eines der besten Restaurants von Kashgar ein.
Sie organisiert Taxis für alle und wir landen in einem Märchen aus 1001 Nacht, und Liang meint, das sei ihr Lieblingsrestaurant in Kashgar und das Essen sei sehr authentisch. Nebst unserer Gruppe, sitzen ausschliesslich Einheimische an den Tischen. Musik wird gespielt, eine Tänzerin bewegt sich anmutig dazu und wir bekommen immer mehr grosse Platten, Teller und Spiesse aufgetischt. Auf den Tischen ist schon lange kein Platz mehr, wir bedienen uns alle, und es ist toll, soviel unterschiedliche Speisen zu kosten. Einiges ist wirklich gut, wie der Fisch mit getrockneten Chillies und diverse Salate, anderes wie die aufgespiessten Tauben oder das Lamm, welches vielleicht vor ein paar Jahren ein Lamm gewesen ist, eher nicht. Wir sind alle noch nicht so ganz mit den Speisen vertraut, aber das wird sich geben. Jedenfalls war es ein rundum toller Abend, eine gute Gruppe und nette Bekanntschaften, vielleicht auch für länger. Einige werden auf jeden Fall auch bei der Grenze nach Laos und Thailand dabei sein. Safe Travels ihr Lieben, wir sehen uns - irgendwo - irgendwann!
10.9. Kashgar - Aksu - Kuqa
Nachdem wir uns am Morgen noch mit frischen Lebensmitteln eingedeckt haben, verabschieden wir uns von den anderen, die noch beim Hotel sind. Der Verkehr in der Stadt ist dicht, es wird willkürlich zwischen den Spuren hin und her gehüpft, aber sonst ist die Fahrweise in Ordnung. Elektroscooter fahren auf einer separaten Spur. Eigentlich ist unser Tank noch recht gut gefüllt, aber wir wollen mal schauen, ob wir im Stande sind, an Diesel zu kommen. In China gibt es der Einfachheit halber schon mal nur eine Sorte Diesel, die Frage nach Euro 5 entfällt also. Wir halten bei einer Chinapetrol und finden die Säule, wie überall bei Diesel mit der gelben Markierung. Preis ist mit 97 Rappen angeschrieben, wir sind uns erst nicht sicher ob man selber tankt, oder ob ein Angestellter kommt, und ob man wie in Kirgistan, vorrangig im Geschäft die Kreditkarte hinterlegen muss oder nicht. Da kommt aber schon ein netter Mann, fragt ob Diesel das Richtige sei (die meisten Nicht-Elektrofahrzeuge fahren hier mit Gas), und startet den Vorgang. Tinu zahlt später im Laden mit Alipay und bekommt von den Angestellten, die ganz aus dem Häuschen sind, sogar noch zwei Flaschen Wasser mit auf den Weg - läuft ja ganz einfach😅.
Wenn man mit dem Verkehr mitfliesst, wird man immer wieder von starken Blitzlichtern geblendet. Erst dachten wir, unser Vordermann oder wir wären zu schnell, aber jedes Auto wird mit einer Kamera erfasst, und weil die zu jeder Tages- und Nachtzeit gutes Licht für scharfe Bilder brauchen, sind diese irritierenden Blitzlichter allgegenwärtig. Damit wird zusätzlich die Verkehrsdichte gemessen, und die Rot- und Grünphase angepasst. Sobald der Verkehr dichter wird, werden alternative Routen auf den Navis vorgeschlagen, um so möglichen Staus vorzubeugen. Smart! Übrigens werden auf dem Navi auch die Rastplätze und die Distanz automatisch angezeigt.
Auf der brandneuen Maut-Autobahn G 3012 fahren wir entlang des fantastischen Thien-Shan Gebirges. Bald schon wird die Region grüner, viele Baumwollfelder, Apfelplantagen, Nussbäume und andere Felder mit Nutzpflanzen werden nur von unserem breiten Highway unterbrochen. Wo keine Felder sind, wurden tausende von Pappeln gepflanzt. Es gilt zu verhindern, dass der Sand der Taklamakan Wüste sich die Strasse holt, und zudem soll durch die hohen Bäume, die Autobahn etwas vom Wind geschützt werden. Offenbar gilt diese Ecke Chinas als eine der windigsten, und es soll Tage geben, an denen die Autofahrer mit elektronischen Warntafeln aufgefordert werden, die Strasse nächstmöglich zu verlassen und anzuhalten.
Für uns folgen nun über 6000 km unbekanntes China bis an die laotische Grenze. Die nächsten mindestens 1500 km führen durch Wüste oder Steppe, nur unterbrochen von ein paar doch sehr grossen Städten. Wir haben sowieso den Eindruck, dasd der kleinste Ort auf unserer Monsterkarte schnell mal 2 oder 3 Millionen Einwohner hat. Wir fahren etwa 350km, treffen ab und zu unterwegs wieder auf welche von der Grenzgruppe, und übernachten auf einem der regelmässig gebauten LKW Rastplätze. Dort gibt es in der Regel einige kleine Verpflegungs-, oder Waschmöglichkeiten oder sogar Duschen. Wir inspizieren die Raststädte und natürlich ist auch hier alles ein Abenteuer. Das Essen - nicht immer gluschtig, Getränke - oft fancy, die Menschen - immer neugierig und nett - und die Duschen gross und sauber. Wir werden das noch öfter nutzen. Nachts ist es nämlich ruhig, wir schlafen gut und ungestört, sind gut bewacht von der Polizei - hätten aber auch sonst keine Bedenken. Das Land wirkt auf uns sehr sicher. Überwachung hat (für uns) auch sehr viele Vorteile, denn diese Ecke Chinas gilt als eine der best überwachten auf der ganzen Welt. Lückenlose Gesichtsüberwachung, flächendeckende GPS Störung, DNA Analysen auf Anordnung etc. Wir werden hier nicht weiter auf den Konflikt mit der Minderheit der Uiguren eingehen, die in diesem Gebiet angesiedelt sind. Aber Interessierte sollten mal den Konflikt im Netz nachlesen. Schon erschreckend.
11.9. Kuqa
Wir fahren immer weiter entlang der Taklamakan Wüste. Die ist übrigens nicht so wie wir sie uns vorgestellt haben. Keine schönen Dünen oder Sandformen, einfach flaches Land, viele alte und neue Strommasten, kleine Büsche und auch nicht schöner Sand sondern eher Kies, trockene Flussbette und immer in der Ferne das zweigeleisige Eisenbahntrassée. Überhaupt fahren hier viele lange Personenzüge die aussehen wie der Orientexpress. Bestimmt kreuzen uns auf der Route zehn oder so.
Wir erreichen Kuqa Mitte nachmittag und trotz der Grösse von 700 000 Einwohnern, gibt es hier weder viel Verkehr noch Stau. Der Highway führt uns bis ins Stadtzentrum, einmal kurz rechts abbiegen und wir sind auf unserem angepeilten Parkplatz. Wenn das bloss in Zürich so wäre...Der Parkplatz ist ein echtes Erlebnis. Voller Wohnmobile oder zumindest Fahrzeuge in denen übernachtet werden kann, einige sind eingerichtet als ob sie schon seit Tagen oder Wochen hier wären, mit Wäscheleine, Aussenzelt oder Umkleidezelten, haben Hund und Katz dabei und offenbar ist das kein Problem. Bei der Einfahrt hat sich per WeChat eine Schranke geöffnet, der Platz ist also wohl kostenpflichtig. Was das preislich heisst, kann ich nicht sagen, denn alle folgenden Seiten die sich auf meiner App öffnen sind in Chinesisch. Wir werden sehen.
Die Stadt Kuqa ist bekannt wegen ihrer Uigurischen Architektur und im 2023 wurde offenbar etliches renoviert. Die Häuschen sind bunt, überall gibt es Essen und die Touristen laufen wirklich fast ausnahmslos mit Brot unter dem Arm durch die Gegend. Das Naan von Kuqa ist berühmt. Es hat einen Druchmesser von etwa 50 cm, ist ziemlich dünn und wird extra lange gebacken. So hat es dann eher die Knusprigkeit von Crackern, und ist viele Wochen haltbar, weil es niemals schimmelt. Bestimmt zu Karavanenzeiten ein Segen, konnte es einfach mitgenommen werden ohne zu verderben.
Wir besuchen die Residenz der ehemaligen Herrscher des antiken Königreichs Kuqa. Der Komplex vereint traditionelle islamische Architektur der Region mit Einflüssen der chinesischen Architektur der Qing-Zeit. Nach Zerstörungen im 20. Jahrhundert wurde er 2004 originalgetreu rekonstruiert.
Hunger führt uns von Essstand zu Strassenküche, und irgendwie werden wir nicht so richtig warm mit den Gerüchen die uns von den diversen Grills und Pfannen entgegenwehen. Irgendwo macht einer Dumplings, die chinesische Version von Samsa, Momo und Co. Allerdings sieht die Füllung auch nicht gerade appetitlich aus, aber an einem kleinen Tisch schlürft eine Einheimische die Suppe zu ihren breiten Nudeln. Die sehen echt gut aus, und wer guten Teig für Dumpings machen kann, der hat wohl auch Nudeln drauf. Wir deuten fragend auf die Schale der Dame, und zeigen 2 x. Sie nickt und deutet auf zwei freie Stühle. Getränke gibts beim Nachbarn und Tinu holt zwei Falschen vom hiesigen wirklich feinen Bier. Die Nudeln schmecken tatsächlich gut, sind nicht so zu Tode gewürzt wie anderswo - das Beste seit wir in China sind. Und was mir wirklich schmeckt vom Chinesischen Essen - ist das Bier😜.
12. und 13.9. Bis Turpan
Mittlerweile haben wir bereits 1500 km in China zurückgelegt. Fahren ist hier gemäss Tinu entspannt, wir sind aber bis jetzt auch fast ausschliesslich auf Highways unterwegs und immer noch auf chinesischem Aussenposten, im äussersten Zipfel des gigantischen Landes. Wird das im Zentrum und um die grossen Städte vielleicht anders?Allerdings wird schon auch öfter einfach eingeschert und chronisch auf der Überholspur gefahren, so dass man sich nie sicher sein kann, ob die gewählte Spur auch die richtige ist. Der Fahrer muss schon auf der Hut sein. Die ersten beiden Tage waren am entspanntesten. Die riesigen Laster haben die mautfreie, immer parallel verlaufende alte Strasse genutzt, deshalb war die Schnellstrasse eigentlich leer. Allerdings gibt es in dieser sehr gut überwachten Region, etwa alle halbe Stunden grosse Polizeisperren, manchmal haben wir Glück und können nur die Papiere zum Fenster rausgeben und werden zum tausendsten mal abgelichtet, aber oft müssen wir auch in ein Gebäude gehen und uns neu registrieren. Von wo wir kommen, wohin wir gehen, Hotelname und so weiter. Immer nett aber halt immer zeitaufwändig. Jedesmal braucht es locker 20 Minuten, obwohl es fast nie andere Reisende hat.
Mal führt uns unsere neue vierspurige Strasse zwischen trockenen Tälern und kargen Bergen hindurch, aber manchmal sind wir auch erstaunt, wieviele Hektaren Land die Menschen der Wüste hier abgetrotzt haben. Sie pflanzen Chillies, unglaublich viel Baumwolle die bereits die weissen Büschelchen trägt, viel Mais und überall sind grosse Menschenmengen dabei, Kartoffeln und Zwiebeln von Hand zu ernten und in grosse Säcke abzufüllen.
Ganz selten sehen wir ein paar von den wunderschönen grossen Kamelen die in dieser Region leben und tatsächlich die beiden Höcker und ein zottliges Fell haben. Seidenstrasse pur! Im Normalfall begegnen wir eher Ziegen oder Rinder, die auf grossen LKW's zu ihrem neuen Feriendomizil gefahren werden 😢...oder so.
Jedenfalls kommt Mautstelle um Checkpoint und wir fahren und fahren durch die endlose Weite der Taklamakan. Bei jeder Tankstelle hat es neuerdings grosse Tiefkühltruhen mit Glacé die selbst in Verpackung verlockend aussehen, die Temperaturen steigen ja täglich. Ich nehm mir also einmal mehr die Mühe mit Google Lens jede einzelne Glacé einzuscannen, zu übersetzen und zu beurteilen. Es hat unglaublich viel toll aussehendes Joghurteis - yummie - was für mich ja nicht in Frage kommt. Nebst einem mit Edamame(!?) Geschmack 😳, hat es auch ein grün-gelbes was meine Aufmerksamkeit einfängt. Melone mit Melone und Zucker, Zucker und Zucker. Ich finde, selbst das klingt bei 35° äusserst attraktiv, Tinu entscheidet sich fälschlicherweise für ein Iced-Coffee, aber man kann nicht immer gewinnen. Ich hab folglich schon mein chinesisches Bier und meine Glacé der nächsten zwei Monate gefunden. Sie schmeckt echt lecker. Und mit genug Bier und Glacé kommt man doch schon über die Runden. Irgendwann haben wir dann aber genug Strasse für heute, parken einfach auf einem Rastplatz und bleiben über Nacht. Ruhig und sicher.
Weiter gehts heute ein bisschen früher, Tagesziel Turpan liegt 320 km weg. Wiederum Checkpoints und als die endlich weniger werden, stolpern wir in die vielleicht grösste Baustelle Chinas. Über geschätzt 50 km werden durch die zwar unglaublich attraktiven Berge, neue Autobahnspuren verlegt. Allerdings sind sie bei Status "Felsen abtragen" und der Sicherheit wegen, darf nur 40 gefahren werden. Echt jetzt? Es dauert eeeeewig, bis wir durch die Baustelle sind, und just als wir wieder beschleunigen dürfen kommt der nächste Checkpoint. Nicht zu fassen. Wir haben mittlerweile von 1200 Metern tausend verloren und das Thermometer steigt von Minute zu Minute. Wir sind kurz unter 40° als wir Turpan, die heisseste Stadt Chinas erreichen. Eigentlich gibt es hier ein schönes Minarett, was wir uns aber nur kurz anschauen, denn im gleichen Stil haben wir die Königsklasse im Irak gesehen (boah das klingt ziemlich ätzend - ist aber halt so).
Jedenfalls stellen wir uns direkt vors Hotel Wyndham ganz in der Nähe des Nachtmarkts, mitten in den Reben. Wir kochen selber, haben noch wunderschöne Pilze und gehen später satt auf den Foodmarkt. Und das ist gut so. Es sieht zwar alles interessant aus, aber diese Bezeichnung ist im Zusammenhang mit Essen ja immer etwas zweideutig. Hier auch. Aber wir bekommen viel erklärt, einige können etwas Englisch und als es endlich abkühlt, kommen auch mehr Einheimische aus ihren klimatisierten Wohnungen.
14.9. Grape Valley
Nach einer ruhigen kühlen Nacht, machen wir uns auf den Weg in einen nahen Supermarkt. Wir könnten wieder mal richtig Vorräte auffüllen und vor allem kiebitzen, was es hier so alles gibt. Wir parken vor einer alten Mall, da soll irgendwo ein Supermarkt drin sein...Supermarkt ist die Untertreibung des Jahres. Ein Einkaufs-El Dorado, Globus Delikatesa in krass. Wir sind richtig geflasht. Wann hatten wir das letzte mal so ein Warenangebot? Vielleicht noch gar nie? Können uns jedenfalls nicht erinnern. Die Auswahl ist gigantisch, alles ist makellos sauber, Früchte und Gemüse fehlerfrei, separat eingeschweißt, ohne jegliche Dellen oder faule Stellen. Bestimmt wird Mitarbeiter des Monats, wer mit einem Detektor eine Schimmelspore oder ein Stückchen Erde zwischen dem Gemüse aufspürt. Wir verbummeln uns total, schon die Getränke sind einfach der Hammer. Wunderschöne Etiketten, fancy Farben, aber auch das Eierregal ist eine Herausforderung. Entenei, Wachtelei, Hühnerei, Gänseei, tausendjährige Eier, in Tee eingelegte Eier, fermentierte Eier und so weiter. Wir geben auf. Keine Eier für heute. In der Fischabteilung muss man noch Netz oder Angel dabeihaben, die Dinger Schwimmern noch alle oder paddeln durch die grossen Becken (wie die Schildkröten)...
Die Fleischabteilung sucht seinesgleichen. In Kirgistan haben wir fast grundsätzlich auf Fleisch verzichtet. Es sah einfach nie so aus, dass wir nicht hätten widerstehen können. Aber hier ist die Metzgerei sauber wie ein Operationssaal, alle Mitarbeiter wissen Bescheid und alle kichern immer wenn sie uns erspähen. Wissen wahrscheinlich schon, dass die Kommunikation wieder ein Tanz wird. Bei der Fertigtheke kann man einfach alles kosten. Die Mädels bestehen darauf, dass wir Gyozas versuchen, wir kaufen einen grossen Sack voll - sie schmecken köstlich. Sie geben uns Kartoffel-Gemüse-Bällchen, Dumplings - alles schmeckt ausgezeichnet und ist vor vielleicht einer Stunde frisch gemacht worden. Super. In diesen Laden würde ich zu Hause auch gehen, wenn der in Niederglatt wäre. Auch in Zürich😜.
Wir kaufen also: 20 Gyozas, 1 Schweinefilet, zwei grosse Hühnerbrüste, 2 Flaschen Wein aus Chile, 4 Dosen lokales Bier, 1 kg Quark, offenen Reis, Paprikas, Eisberg, Blumenkohl, Karotten, grünen Salat, 2 grosse Mangos, 7 Nektarinen, einen Bund Bananen, Haferflocken, Udon Nudeln, Koriander, Zahnpaste, 2 Eistee - und das Ganze für 40 Franken. Unfassbar günstig, obwohl das bestimmt einer der besten Supermärkte Chinas war.
Wir befinden uns ja immer noch in der Oase Turpan, im heissesten Teil Chinas, zwischen Taklamakan und kurz vor Beginn der Wüste Gobi. Das Tal gilt als das absolute Zentrum des Trauben- und Rosinenanbaus in China. Über 50 Sorten soll es geben, in allen möglichen Formen und mit dem höchsten Süssegrad überhaupt. Die Trauben werden frisch gegessen, zu lokalem Wein vergoren oder in traditionellen, durchlüfteten Ziegelhäusern (Chunche) zu Rosinen getrocknet. Sogar die Traubenkerne werden gesammelt und für Tee genutzt. Etwa die Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche des Tals wird für andere Früchte genutzt, die das Tal im Sommer in einen riesigen Obstgarten verwandeln.
Wir haben gelesen, dass man unter den bewachsenen Laubengängen tief ins Tal wandern kann und machen uns nach dem Mittag auf den Weg. Es soll der vielen Pflanzen wegen zwischen fünf und zehn Grad kühler sein als in der Stadt selber. Aber als wir auf dem grossen Parkplatz ankommen, sieht es ein bisschen aus wie in einem Vergnügungspark. Offene Busse bringen Touristen von Verkaufszentrum zu Verkaufszentrum, dort lässt man uns aussteigen, nur um nach ein paar Kurven und Plätzen wieder vom Bus aufgefangen zu werden. Nein, laufen tut hier keiner. Dafür kramt jeder Trauben, und hatte vorgestern jeder Naan unter dem Arm, so sind heute die Taschen mit Rosinen jeglicher Form gefüllt. Der "Park" ist leider etwas in die Jahre gekommen und ungepflegt. Wir lesen später, dass er bereits 40 jährig ist, und genauso sieht er aus. Aber egal, wir hatten einen netten Ausflug, alle möglichen Trauben gekostet, und unser Müsli wird in Zukunft noch feiner.
Am Nachmittag parken wir auf einem offiziellen "Campingplatz". Eigentlich ein grosser Parkplatz mit vielen schattigen Bäumen, alle Plätze mit Strom, ansonsten keine Versorgung. Wir können endlich unser Zeug was wir für die Grenze hervorgekramt hatten versorgen, und vor allem auch alles wieder herauskramen, was wir versteckt hatten😉. Und das tolle an dem Platz: alle fahren Stromer oder gasbetriebene Autos oder Camper. Es ist also total leise...
15./17.9. Turpan - Hami - Dunhuang
Für uns folgen 820 km nach Dunhuang auf allerfeinster vierspuriger, teils achtspuriger Autobahn, mit ganz wenig Verkehr. 120 km/h dürfen gefahren werden, wir kommen also gut voran, obwohl wir bis auf 1800 Meter Höhe hochfahren und die Höhe auch wieder verlieren. Unterwegs hat es noch ein paar Checkpoints, allerdings verlassen wir irgendwann das autonome Uigurengebiet und nach einer Überprüfung auf einem Polizeiposten werden wir in die nächste Provinz, Gansu entlassen. Checkpoints werden weniger, Mautstellen mehr.
Für die total 820 km bezahlen wir etwa 60 Franken. Wir machen zwei Tage draus und übernachten wiederum auf einer Autobahnraststätte um nicht noch mehr Kilometer als nötig fahren zu müssen. Kommen ja erst am Abend an und fahren am Morgen gleich weiter, kochen uns was feines und bekommen immer wieder mal Besuch von LKW Fahrern. Manchmal klingen die in ihrem Chinesisch ganz schön barsch, dabei wollen sie uns zum Essen einladen, oder bringen uns wunderbaren Eistee. Nett.
Später irgendwann erreichen wir Dunhuang. 200 000 Einwohner hat die Stadt im Kern, wenig Verkehr und zack, haben wir schon einen tollen Parkplatz mitten im Zentrum. Irgendwie haben wir bei Parkplätzen immer das Problem, dass wir zwar am Eingang vom QR Code mit unserer App scannen können, die Schranke sich dann aber dennoch nicht hebt. Irgendjemand erbarmt sich dann jeweils, und öffnet für uns die Schranke. So auch hier, wie wir den Platz wieder verlassen werden wir sehen, wenn's soweit ist...
In der Stadt ist gegen Abend schon viel los. Wir erkunden ein paar Geschäfte, bummeln zum Nachtmarkt und zum angegliederten Foodmarket. Meine Güte, hier gibt es so viel zu sehen. Wir wissen gar nicht, wo wir was zuerst übersetzen, kosten oder auch nur begutachten sollen. Der Markt macht einen sauberen Eindruck, und so wählen wir was hier und da, kosten von dem und das. Mut wird nicht immer belohnt, aber in diesem Fall schon. Ich hatte ja heute meinen Reinfall schon. Edamame Glacé. No Thanks!
Aber hier auf dem Markt essen wir sehr gut und bummeln später durch die vielen Stände mit lokalem Kunsthandwerk, Kitsch und Lebensmitteln. Hier wird der Aprikose gehuldigt, sie ist die Frucht der Region! Es gibt eigens Geschäfte, in denen nur Produkte aus Aprikose angeboten werden, und die werden regelrecht gestürmt. Die Stadt ist ab einbrechender Dunkelheit sehr schön beleuchtet, irgendwie wirkt sie dann noch chinesischer. Die roten Lampions, die goldenen Pagoden und die steinernen Löwen - wir sind in Han-China angekommen.
Wir fahren für den nächsten Nachmittag zum Mingsha Mountain. Tinu wollte schon ewig lange mal zu diesem ehemaligen Kloster in der Wüste. Manchmal sind die Lieferfristen halt etwas länger, aber er hätte wohl auch nicht gedacht, mit dem eigenen Auto hierhin zu fahren. 13'000 km! Bereits einige Kilometer vor dem Visitor Center beginnen die Essstände und grossen Parkplätze. Wir fürchten uns schon vor den Menschenmassen, aber immerhin sind die meisten Parkplätze noch leer. Wir werten das als gutes Zeichen.
Die Schranke beim nächsten Parkplatz zum Eingang öffnet sich, wir fragen einen Guard ob wir bei den Bussen parken dürfen und auch übernachten - er nickt. Mit unseren Onlinetickets stehen wir in die kurze Schlange vor dem Schalter, und anhand des Passes, der hier überall mitgeführt werden muss, findet das Mädel unsere Buchung. Schon dürfen wir los.
Aus dem Netz: Der Mondsichelsee ist wie ein geheimnisvoller Traum. Er liegt am Rande der Kumtag-Wüste im Westen Chinas und wird seit Tausenden Jahren weder von Sand begraben noch verdunstet er durch die Hitze. Er ist benannt nach seiner Form und umgegeben von den Mingsha-Bergen, die auch singende Dünen genannt werden. An hellen Tagen »singen« die Dünen, sie klingen mal wie Donner, mal wie Geigen oder Holzblasinstrumente. Die Dünen, die je nach Feuchtigkeit ihre Höhe permanent ändern, bestehen aus Sandkörnern in fünf verschiedenen Farben: Rot, Golden, Grün, Schwarz und Weiß.Es gibt verschiedene Sagen um die Entstehung des Sees. Einige erzählen, er sei von Gott geschaffen und bringe Gesundheit, Heilung und ein langes Leben.
Am Fuße der Dünen finden sich die Ruinen eines Tempels zu Ehren des Frühlingsgottes. Schon zur Zeit der Tang-Dynastie (618–907 n. Chr.) gab es am Ufer des Sees buddhistische Tempel und Pagoden.
Derzeit ist der See von Norden nach Süden 100 Meter lang und 25 Meter breit, an seiner tiefsten Stelle misst er fünf Meter. Allerdings ist der Wasserspiegel niedriger als noch vor zwanzig Jahren.
Eine der Hauptattraktionen direkt am Eingang ist eine Kameltour für rund 40 Minuten. Alle anderen Aktivitäten wie SUV / Buggy fahren gibt es natürlich auch. Bestimmt über tausend Kamele sind unterwegs mit Touristen und machen eine Runde in den grossen Dünen. Es ist schon ein Zirkus, aber ich glaube es könnte schlimmer sein. Jedenfalls können wir uns an den wunderschönen und gepflegten Kamelen nicht sattsehen, und die vielen Besucher in gemieteten Kostümen, geschminkt und frisiert vollenden das Bild aus tausend und einer Nacht.
Und dann sehen wir sie! Die Pagode am See. Wunderschön, friedlich und ruhig liegt sie am See, und hier hat es bereits viel weniger Touristen. Die meisten kraxeln die Dünen hoch. Es ist also recht still und wirklich mystisch. Auch wir erklimmen später die Düne, was wirklich immer ein Krampf ist, aber die pfiffigen Chinesen haben an Stahlseilen sowas sie Hängeleitern montiert. Man rutscht also nicht dauern ab, und so bleibt Mensch irgendwann Sieger. Es ist grossartig. Wir können uns gut vorstellen, wie es vor vielen Jahren hier war. Einsam und verlassen in der Wüste, nur ab und zu besucht von den grossen Karawanen auf der Seidenstrasse.
Am Abend findet in den Dünen direkt über dem See eine Drohnenshow statt. Später bummeln wir zurück zum Indy und sind total happy. Es war ein toller Tag an einem wirklich fantastischen Ort.
18.9. Auf nach Jiayuguan
370 km weiter zwischen Taklamakan und Gobi, geht es zwar auf guter Autobahn weiter, die ist aber sehr stark von Lastern befahren - ganz ungewohnt. Diese Laster sind in China gigantisch. Auch Container und die andere Fracht sind ein vielfaches grösser als bei uns. Sie fahren aber ziemlich gesittet, und halten sich in der Regel auf der rechten Spur.
Wir sind hier in der windigen Ecke Chinas, und dieser wird von tausenden Windrädern für die Stromerzeugung genutzt. Zudem kommen wir immer wieder an AKW's vorbei, und Solarparks ziehen sich über viele Kilometer zwischen den Bergen und des Highways. Millionen von Strommasten verteilen den Strom dann in alle Himmelsrichtungen. Und dann sehen wir noch den wohl grössten Stau in der Geschichte unserer Reisen. Zum Glück nicht bei uns, sondern auf der parallel verlaufenden alten Hauptstrasse. Bestimmt 50 oder 60 km lang reihen sich Lastwagen an Lastwagen, manchmal rollen sie ganz langsam, aber meistens stehen sie. Wir fahren also immer direkt neben dem Stau, können aber nicht ausmachen weshalb es soweit gekommen ist. Keine Baustelle, kein Unfall nur ein Albtraum für all die Chauffeure.
Wir erreichen die Stadt mit 300 000 Einwohnern und hier befindet sich unser nächstes Ziel: Das westliche Ende der Grossen Mauer! Krass wir sind tatsächlich bei
"The Great Wall"
Der Bau der Chinesischen Mauer begann bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. und diente als Grenzbefestigung des Chinesischen Kaiserreiches vor räuberischen Völkern. Außerdem wollte sich China mit der Mauer von der restlichen Welt abgrenzen und seine einzigartige Kultur erhalten. Mit circa 21 000 Kilometern Länge, gilt sie als größtes Bauwerk der Welt. Man sagt, sie sei sogar aus dem Weltall sichbar. Dazu gehören allerdings auch natürliche Grenzen, wie Berge und Flüsse.
Ursprünglich diente die Mauer zu Verteidigungszwecken. Daher finden sich an bestimmten Abschnitten Wachtürme, die zur Überwachung dienten, sowie als Waffenlager genutzt wurden. Heutzutage wird die Chinesische Mauer jährlich von tausenden Touristen besucht, die ihre Spuren hinterließen. Um dem schlechten Zustand Herr zu werden, gehört die historische Grenzbefestigung seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Durch die enorme Länge und teilweise Abgeschiedenheit ist es nicht möglich alle Teile der Mauer zu besuchen. Bestimmte Teile der Mauer wurden speziell für den Tourismus restauriert und geöffnet. Die Ming-Mauer und Jiayuguan gilt als das offizielle westliche Ende der gut erhaltenen Großen Mauer aus der Ming-Dynastie. Das imposante Fort liegt in der Wüste Gobi und war ein entscheidender Kontrollpunkt an der Seidenstraße
Zeitig am Morgen besorgen wir uns Tickets für die Mauer und den Jiayugan-Pass. Der letzte Wachturm und ein grosses Fort nur einige Kilometer entfernt. Nur eine kleine italienische Reisegruppe und ein paar Chinesen sind mit uns auf der Mauer und erklimmen Stufe um Stufe vom steilen Anstieg. Em Ende sagt mein Schrittzähler 48 Stockwerke, also ganz schöne viele schweisstreibende unterschiedlich hohe Treppenstufen. Die Aussicht ist auf die umliegenden Berge ist aber die Belohnung, und ganz zuoberst hängt sogar ein komplett ungesicherter Arbeiter auf einer Mauerzinne und repariert mit einem Stroh-Lehmgemisch eine der Ecken. Das würde die SUVA bei uns aber gar nicht gerne sehen - und schwindelfrei muss man auch noch sein!
Über einen gut befestigten Weg verlieren wir die Höhe wieder und machen uns auf den Weg zum Pass. Nur etwa 10 km durch Vororte erreichen wir den gigantischen Parkplatz. Hier scheint viel mehr los zu sein als bei der Mauer. Viele grosse Busse und sogar Wohnmobile sind vor Ort. Sogar eine Seabridge Gruppe mit einer geführten WoMo Tour ist mit etlichen Fahrzeugen hier. Auch hier bringt einem ein Shuttlebus durch einen fantastischen Blumenpark zum Bauwerk. Wirklich super. Das alte Fort aus dem Jahr 1372 ist gut in Schuss und man gut einige Zeit hier verbringen.
20.9. Rainbow Mountains Geo Park
Auch heute fahren wir wieder über 270 km, wie jeden Tag weit über unserer normalen Reisegeschwindigkeit. Aber es ist tatsächlich nötig, damit wir mit den Kilometern durch das riesige Land klar kommen. Wir wollen Ende Monat in Chengdu sein. In der 20 Mio. Einwohner zählenden Stadt werden wir die bereits früher erwähnte Golden Week verbringen, und haben uns bereits ein Hotel mit Aussenparkplatz gebucht. Heisst für uns noch weitere 1500 km bis Chengdu und am 29. wollen wir bei der Zuchtstation der grossen Pandas sein. Es folgen noch etliche Bergstrecken und schlechte Strassenabschnitte, wo wir nicht täglich so viele Kilometer schaffen werden. Dafür wird's ab Chengdu gemütlicher.
Also heute steht für uns nach der Ankunft in Zhangye der Besuch im Rainbow Mountain Geo Park an. Auch hier dürfen wir nicht mit dem eigenen Fahrzeug einfahren, aber zum gebuchten Ticket gibt es unbegrenzte HoppOn HoppOff Busse. Eine wahnsinnig schöne bunte Welt aus Fels und und Gesteinsschichten tut sich für uns auf, und auch hier hat es nur ganz wenige Besucher. Gefällt uns sehr!
21.22.9. Unterwegs bis zum Bingling Stausee
Wir fahren unfassbare 570 km in den nächsten eineinhalb Tagen, viel zu viel eigentlich für uns (vor allem aber für meinen Rücken). Aber die Landschaft ist eindrücklich und abwechslungsreich! Riesige Maisfelder werden entweder gerade abgeerntet, oder die Maiskolben liegen bereits zum Trocknen ausgelegt auf gigantischen grossen Tüchern. Die Landschaft ändert sich, obwohl wir fast immer irgendwo zwischen 1900 und 2700 Metern über Meer sind, laufend.
Wir fahren irgendwie immer noch und immer wieder entlang der chinesischen Mauer. Hier ist sie jedoch nicht sehr gut erhalten. Sie ist im Gegensatz zu anderswo in China komplett aus Lehm und Stroh gebaut und nicht aus Stein, weshalb wohl anfälliger für klimatische Bedingungen. Wir sehen sie zwar immer wieder, aber sie ist oft unterbrochen oder in schlechtem Zustand. Teile fehlen da wo sie durch Flüsse geht, Wachtürme sind beschädigt aber nichtsdestotrotz erinnert es uns immer wieder daran, dass es sich um die grosse chinesische Mauer handelt.
Wir kommen durch grosse, unerwartet moderne Tunnel im Gebirge, im gesamten etwa
25 km lang, dann wird die Landschaft auf einmal sehr grün. Viele Menschen sind dabei, Gemüse zu ernten, die jetzt im Herbst reif sind. Es gibt hunderte oder tausende Menschen, die Kartoffeln einsammeln, Zwiebeln, Chilis, Mais auslegen zum Trocknen und Feigen, Birnen und Äpfel pflücken. Vieles ist Handarbeit und die Bauern arbeiten kniend oder hockend. Ab und zu sehen wir Flüsse die doch ein wenig Wasser führen. Aber niemals sind die riesigen Bachbetten wirklich voll. Es muss also vor allem im Frühling, wenn der Schnee schmilzt, hier ganz schön viel Wasser geben, was auch die grossen Landwirtschaftsflächen erklärt. Riesige Windparks drehen ihre Räder, es weht hier stetig heftiger Wind, für Strom wird also auch gesorgt. Auch auf der Autobahn sind immer wieder Windrad-Kitts unterwegs. Jeweils drei Laster mit je einem Flügel, einer mit dem Motor und zwei mit dem Fuss. Platz ist in dieser Region ohne Einschränkung vorhanden, Windparks können also vergrössert werden nach belieben.
Wir werden natürlich selten von hinten geschoben, in der Regel weht der Wind eher von vorne. Wir übernachten wiederum auf einem Rastplatz, der wie gewohnt ziemlich ruhig ist und fahren am Morgen direkt weiter zum Bingling See. Bei diesem See handelt es sich um einen Stausee. Man kann Bootstouren zu Höhlen und einem grossen Buddha unternehmen. Wir besichtigen zudem ein wunderbares Kloster, welches noch aktiv von Mönchen bewohnt wird. Ein erster Eindruck vom Tibet, welchem wir uns mit jedem Kilometer ein bisschen mehr nähern.
Ich versuche mich hier zum ersten Mal mit der Diktierfunktion für die Berichte was aber ganz schön kompliziert ist. Wer denkt schon immer daran Satzzeichen und Lehrerschläge zu diktieren. Leider habe ich grosse Probleme mit meinem Handgelenk nachdem ich in Kirgistan bereits eine Sehnenscheidenentzündung eingefangen habe, bin ich an der chinesischen Grenze direkt auf das Handgelenk gestürzt, und seitdem habe ich grosse Schmerzen und muss es ruhig stellen. Also Berichte werden in nächster Zeit ein bisschen kürzer. Ich werde das mal in Chengdu, röntgen oder ultraschallen lassen müssen. Aber bekanntlich haben wir ja vor allem tolle Fotos von Tinu und die sind natürlich trotzdem da.
23.9. Lanxi
Heute fahren wir nur kurze 53 km immer entlang des schönen Bingling Sees bis in die nächste Stadt Lanxi. Eine 2 Millionen Stadt und trotzdem ist die Einfahrt ruhig und gesittet. Das schöne hier in China ist, dass die Highways oft bis ins Stadtzentrum führen und man nur für die letzten paar Meter durch Quartiere oder kleine Strassen muss. Wir sind nach Langxi gefahren, weil es im Zentrum ein bedeutendes Altstadtviertel gibt, welches von der Hui Minderheit deren Ursprünge bis in die Tang Dynastie zurückreichen, bewohnt wird. In der Regel müssen kleine Häuser in alten Viertel von asiatischen Grossstädten ja weichen, obwohl man das vielleicht später bereut.
Hier hat man von Anfang an Sorge getragen und diese 13 Gassen sogar im 2025 komplett restauriert. Das Viertel hat acht historische Moscheen, die über 13 Gassen verbunden sind. Alles ist komplett Fussgängerzone. Das Viertel ist bekannt für seine kunstvollen Ziegelreliefs, die Holzkunst an den Häusern und die traditionellen Innenhöfe. Authentische lokale Spezialitäten wie Yakjoghurt und Yakfleisch, und hausgemachte Nudeln gibt es hier in allen Restaurants. Zudem galt die Stadt seit jeher als Porzellanhochbug auf der Seidenstrasse.
24.-25.9. Tibetische Tempel Labrang und Langmusi
Heute geht es für uns nur kurze 50 km weiter immer etwa auf der Höhe von 3000 Metern Höhe, in Richtung Labrang . Wir haben uns entschieden für einmal ein Hotel zu nehmen und wohnen in einem kleinen tibetischen wunderschönen Haus ganz aus Holz, mit Sauerstoffkit und Heizung im Zimmer, direkt im Zentrum vom alten Ortskern. Das Auto lassen wir auf dem riesigen, leeren Parkplatz beim nahen Kloster. Das Kloster und die ganze Tempelanlage sind unfassbar schön. Wir sind die einzigen westlichen Touristen. Die Mehrheit sind einheimische Pilger.
Die überwiegende Mehrheit der Pilger hält die linke Hand mit Perlen und die rechte Hand dreht die Gebetsmühlen, dazu murmeln Sie fortwährend leise Gebete. Es gibt hier den längsten Kora-Korridor der Welt mit mehr als 1.700 Gebetsmühlen, die das gesamte Kloster umgeben, sich über 3,5 Kilometer erstrecken und es etwa zwei Stunden dauert, um alle Gebetsmühlen zu drehen. Einige Pilger werfen sich entlang des Gebetskorridors nieder. Stehen auf. Werfen sich nieder. Hartgesottene beginnen mit dem Niederwerfen bereits viele Kilometer vor dem Kloster!! Unglaublich.
Über der ganzen Tempelanlage wabbert würziger Rauch aus weissen grossen Öfen.
Im Kloster Labrang (und in anderen tibetisch-buddhistischen Klöstern) werden Räucheröfen, auf Tibetisch Sangkhang genannt.
Sie dienen einem der wichtigsten täglichen Rituale im tibetischen Buddhismus: dem Sang-Ritual (Räucherreinigung). Es handelt sich nicht um gewöhnliches Holzfeuer. In den Öfen werden getrocknete Wacholderzweige (Sang), Kräuter, Gerstenmehl (Tsampa), Butter und oft spezielle Räuchermischungen verbrannt. Dies erzeugt einen dichten, sehr aromatischen, weißen Rauch. Der Rauch soll geistige Unreinheiten, negative Energien und Hindernisse vertreiben – sowohl für die Mönche als auch für Pilger.
Wir haben Glück, denn eigentlich wurde Regen vorausgesagt aber es ist trocken nur frisch. So haben wir genug Musse für das fantastische Kloster. Das Labrang-Kloster wurde 1709 erbaut, mit einer Grundfläche von 823.000 Quadratmetern, 6 Sutra-Hallen, 84 buddhistischen Tempeln, 31 tibetischen Gebäuden, 30 buddhistischen Palästen, mehr als 500 Gebetsmühlen-Räumen, über 10.000 Mönchshäusern welche in seiner Blütezeit mehr als 4.000 Mönchen bewohnten.
Nach 180 km weiter durch das grüne Hochland, erreichen wir Langmusi. Der Ort steht genau auf der Grenze der Provinzen Gansu und Sichuan, in China. Deshalb benötigen ausländische Reisende für den Besuch keine offizielle Einreiseerlaubnis mit Guide. Dennoch erlebt man hier die authentische, tief verwurzelte tibetische Kultur, Pilger in traditioneller Kleidung und unberührte Natur. Die Umgebung ist geprägt von dichten Nadelwäldern, schroffen Felsformationen und weiten Graslandschaften, auf denen Yak-Herden grasen. Die beiden Klöster liegen auf 3325 Metern Höhe. Ein kleiner Fluss, teilt das Dorf und trennt die zwei grossen Klöster aus dem 15. Jahrhundert.
Vor 1949 waren diese Klöster nicht nur Orte des Gebets, sondern eigenständige politische Mächte. Insbesondere das Kirti-Kloster übte eine gemeinsame religiöse und politische Herrschaft über ein riesiges Gebiet aus, das weit in die heutigen Kreise Zoigê, Ngawa und Markham hineinreichte. Es stand historisch oft in einer mächtigen Konkurrenz zum noch größeren Labrang-Kloster im Norden.
Wir als Touristen, die wir nur auf die Optik und Mystik schauen, sind total begeistert. Fast ohne andere Besucher dürfen wir durch den fantastischen Ort wandeln, sehen hier und da Mönche, selten andere Touristen, können bei Renovationen zusehen, bestaunen den guten Zustand der Tempel, hören ab und an ein Tibetisches Horn - einfach grandios. Gefällt uns noch viel besser als Labrang.
Auch das Örtchen ist nett. Die Einheimischen lachen uns an und Grüssen, auch Bauleute oder Ladenbesitzer winken. Nein, westliche Touristen sehen die hier wohl selten.
Nur die Mönche sind uns irgendwie etwas suspekt. Mit Natels und anderem weltlichem Gut umgeben sie sich, fahren dicke Autos, grüssen nicht, lachen meist nicht - und eigentlich sagt man ja, dass sie kein eigenes Geld haben dürfen...
Internet: Obwohl buddhistische Mönche laut ihren Ordensregeln (Vinaya) eigentlich kein persönliches Eigentum anhäufen oder für Geld arbeiten dürfen, fließen die Einnahmen an die Klostergemeinschaften, um die Versorgung, Bauten und Verwaltung zu finanzieren. Die größte Einkommensquelle der Klöster im heutigen Mahayana-Buddhismus sind Rituale. Gläubige Tibeter spenden Geld oder Sachgüter als Gegenleistung für: Haussegnungen, Gebete für Kranke oder geschäftliche Eröffnungen.
Todes- und Gedenkrituale, für die traditionell festgelegte „Dankesgaben“ erwartet werden.
Eintrittsgelder für berühmte Tempel und Klöster (wie den Jokhang-Tempel oder den Potala-Palast in Lhasa). Verkauf von religiösen Artikeln wie Räucherstäbchen, Gebetsfahnen, Amuletten, Kerzen und gesegneten Gegenständen direkt an den Tempelanlagen.
Exil-Klöster (z. B. in Indien) sowie einige Klöster in Tibet erhalten finanzielle Unterstützung durch internationale Organisationen und westliche Unterstützer über feste Patenschaftsprogramme
Oft unterstützen Familienmitglieder „ihre“ Mönche im Kloster finanziell oder materiell (z. B. mit moderner Technik oder Kleidung).
180 km fantastisches, tibetisches Hochland, mit tausenden vielleicht zehntausenden Tieren - es ist wunderschön. Wenn nur die Autofahrer nicht wären. Erst seit wir in diese Region gekommen sind, fahren gefühlt alle mit 40 km/h. Die Dreiräder werden offenbar von Menschen gefahren, die kürzlich noch auf Pferden gesessen sind (und dort besser geblieben wären), und normale PW Fahrer sind fast zu 100% beidhändig am Natel am SMS schreiben. Entsprechend fahren sie in der Mitte der Spur, fahren Zickzack und veranlassen die grossen LKW's dazu, ihre dröhnenden Hupen zu betätigen - das fehlt uns!
Immer wieder wird irgendwo in Sichtweite eines der gigantischen Bauprojekte der chinesischen Strassen oder Bahnstrecken sichtbar. Irre wie die bauen. Einerseits natürlich Entlastung für die verkehrsgeplagten kleinen Dörfchen, andererseits verändert das eine Landschaft schon gewaltig. Ein vierspuriger Highway wird durchs Hochland gebaut, zudem ein Bahntrassé für die Hochgeschwindigkeitsbahn von Chengdu nach Lhasa (1980 km - Eröffnung geplant in 2030), dazu die entsprechenden Tunnel. Bei der Bahn sollen 75% der Strecke durch Tunnel führen, damit die Höhenkrankheit bei den Passagieren minimiert werden kann. Übrigens werden immer direkt zu den Abschnitten der Strasse oder Bahn der zu bauenden Strecke, Zementfabriken errichtet und natürlich die Wohncontainerdörfer für die Arbeiter. Es ist also alles ein bisschen erschreckend.
Wir Cruisen also weiter durch das wunderbare offene Hochplateau des chinesischen Tibets, welches uns mit seinen Yaks und den Adlern in den letzten Tagen so vereinnahmt hat. Es geht immer noch auf 3600 Meter weiter, was uns erstaunt, denn wir haben das Gefühl an Höhe zu verlieren. das geschieht offensichtlich sehr langsam, obwohl es immer wieder in den Ohren klickt, nimmt die Bewaldung an den Bergflanken zu.
Das offene Plateau ändert sich immer mehr zu tiefen Schluchten, und unsere Strasse führt durch schroffe hohe Felsen, in der Ferne sehen wir sogar die schneebedeckten Gipfel des Himalayas. Es erinnert uns stark an die Fahrt ins Tessin. Schöne Häuser, hier auch aus stabilem Mauerwerk gebaut, sehr schöne Gärten, nur sehr viel weniger Verkehr.
Irgendwo unterwegs übernachten wir, was wie immer sehr unkompliziert ist. Die Raststätten sind in der Nacht ruhig oft auch nicht stark befahren. Wir schlafen immer gut.
28.9. Auf zu den Pandas
Heute folgt für uns eines der vielen Highlights auf unserer China Reise. Eigentlich wollten wir in Chengdu zu den Riesenpandas, aber diese Aufzuchtstation soll wohl extrem gut besucht sein und viel mehr einem Zoo gleichen, als als einem Freigehege.
In Dujiangyan gibt es von der grossen Aufzuchtstation in Chengdu eine kleinere Anlage, die vielmehr einem Freigehege gleicht. Sie liegt für uns perfekt auf dem Weg, ohne dass wir Chengdu, die 20 Millionen Stadt, zweimal komplett durchqueren müssen.
Das Panda Valley, Dujiangyan Field Research Center for Giant Pandas, ist eine naturnahe Forschungs- und Auswilderungsstation für Große Pandas, bestehend aus 140 Hektar Wald in einem schmalen, von Bächen durchzogenen Tal. Im Gegensatz zur großen, eher zoologischen Aufzuchtbasis in Chengdu liegt der Fokus hier auf der Auswilderungsforschung. Pandas werden schrittweise auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet - oberstes Ziel ist es, sie in Freiheit zu entlassen. Übrigens lebt der grosse Panda in China seit 8 Millionen Jahren (!). Übrig geblieben sind noch 1800 Tiere, welche es um jeden Preis zu schützen gilt.
Das Valley beherbergt eine kleine, überschaubare Anzahl an Großen Pandas (ca. 10 bis 40 Tiere je nach Trainings- und Aufenthaltsstatus) sowie frei lebende bzw. in naturnahen Gehegen lebende Rote Pandas. Es ist deutlich ruhiger, kleiner und weniger überlaufen als das berühmte Panda-Zentrum direkt in Chengdu.
Genau richtig für uns. Wir wissen zwar, dass man das Panda Valley am Morgen früh besuchen sollte, wenn die Pandas noch aktiv sind und nicht bereits wieder dösen. Für uns ist es diesmal leider nicht möglich die zeitlich passend zu machen. Wir hoffen aber, dass wir dennoch ein paar aufgeweckte Tiere finden werden, auch wenn wir das Valley erst gegen Mittag erreichen.
Wir verlieren also in den nächsten 2 Stunden, ungefähr 2000 Höhenmeter. Nach den schroffen Schluchten, wird es auf einmal tropisch und wir fahren an den ersten Reisfeldern und grossen Flüssen vorbei. Es wird tropisch feucht und neblig.
Wir erreichen das Valley als es bereits regnet, und als wir das Auto verlassen, fühlt es sich an wie in Singapur. Drückend, neblig feucht und trotzdem warm.
Dann beginnt der Spass. Nachdem wir in einer Garküche ein paar hausgemachte Dumplings gegessen haben, machen wir uns auf den Weg zu den Pandas. Gut, ausgeschildert, saubere und fast leere Wege führen uns durch den Wald zu den ersten Tieren. Und sie sind sooooooo wahnsinnig süss!
Sie sind überhaupt nicht faul. Zwei Halbstarke spielen miteinander und sehen aus wie plüschige Sumoringer, während ein dritter sich freut über den vielen frischen Bambus. Bei uns hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass man mit genug Grünzeug rank und schlank wird oder bleibt, dieser Panda belegt definitiv das Gegenteil. Sie sind so knuffig, kugelrund und was uns besonders freut, sie haben wahnsinnig viel Platz.
Überall hat es Mitarbeiter des Parks, die auch Kinder auffordern, still zu sein. Es ist also überhaupt nicht laut und die Tiere fühlen sich von den Menschen nicht gestört.
Die roten Pandas leben komplett wild im oberen Teil des Waldgebiets. Man kann ab und zu einen sehen, einige schlafen, aber auch sie sind ungestört. Wir sehen viele Tiere und sind total begeistert. Wie gut, dass wir die Tickets von Chengdu annulliert haben und hierher gegangen sind. Es ist viel weniger Auflauf - zumindest heute. Ein toller Ort, Tiere die wie in freier Wildbahn Leben, denn seien wir ehrlich; ein Panda macht auch sonst keine grossen Sprünge. Er frisst, er schläft und trollt sich mit seinen Artgenossen durch die Gegend.
Noch voller Freude über die süssen Pandas, die wir gesehen haben, verlassen wir das Valley Richtung Chengdu. Wir erreichen die 20 Millionen Stadt, die auf 700 m über Meer liegt und sind überrascht, wie viel Landwirtschaft fast bis ins Zentrum reicht. Viele grosse Reisfelder sind entlang der Strasse, während direkt dahinter die hohen Wolkenkratzer der Wohnviertel fast in den Himmel reichen.
Wir fahren in den Süden der Stadt zur Boe International Klinik, weil Liv von der Agentur, mir da einen Termin organisiert hat, damit mein Handgelenk geröntgt werden kann. Ich bin am Grenztag, als wir von Kirgistan nach China eingereist sind gestürzt, und hab mir irgendwie die Hand verletzt. Jetzt werden die Schmerzen immer stärker und ich glaube, es ist besser dem auf den Grund zu gehen.
Wir haben Glück, es gibt viele Parkplätze rund um das riesige Klinik Areal und so übernachten wir einmal mehr total ruhig mitten in einer riesigen Stadt.
Am nächsten Morgen versuchen wir uns in der gigantischen Klinik zurechtzufinden. Wir suchen einen Empfang, wo man uns weiterhelfen kann. All die Mädels die unser erspähen, würden am liebsten die Flucht ergreifen. Sie wissen, jetzt wird es schwierig. Einige schicken uns einfach weiter, Hauptsache sie werden uns los, andere kichern und wissen sich irgendwie zu helfen.
Eines der Mädels nimmt dann den Telefonhörer in die Hand und ruft einen jungen Arzt, der Englisch spricht. Wir zeigen ihm unseren Termin, er meint, wir sollen kurz Platz nehmen. Links und rechts kommen und gehen Menschen an uns vorbei, einige mit Gips andere mit seltsamen Gestellen. Wir sind froh, dass wir nur wegen einem kleinen Handgelenkproblem hier sind.
Einen kurzen Moment später kommt eine Schwester und holt uns ab. Sie spricht super gut Englisch, weiss total Bescheid, sagt jawoll, sie habe den Termin mit Liv abgemacht und sie könne sich genau an meinen Namen erinnern. Sie bringt uns hinauf in irgendeines der oberen Stockwerke, da ist es ruhig und edel. dann wird es ganz ruhig. Eine total edle Klinik, alles mit Ledersofas, kein Mensch, nur ein Empfang mit zwei Frauen, eine Riesengalerie mit Fotos der Ärzte die da arbeiten und sie bittet uns Platz zu nehmen. 30 Sekunden später steht ein junger Arzt vor uns und bittet uns, mitzukommen. Er untersucht meine Hand ganz genau und glaubt auf jeden Fall, dass nichts gebrochen ist. Sicherheitshalber sagt er, dass wir ein Röntgenbild brauchen und dass mich die nette Schwester von vorhin in das Röntgenzentrum bringen wird.
Genau so wird es gemacht und 10 Minuten später ist das Röntgen auch schon erledigt. Wir bummeln gemeinsam zurück in den privaten Teil des Spitals, wo der Arzt mich bereits erwartet. Er schaut sich das Röntgenbild an und gibt Entwarnung nichts gebrochen. Es handelt sich um Weichteilverletzungen und eine überdehnt Sehne. Aber es sei nichts kaputt und werde von selber heilen, wenn ich das Handgelenk total ruhig stelle. Soweit so gut ich bestreite also mein Dasein neuerdings mit Links und dies ausgerechnet in einem Land, wo man mit Stäbchen ist.
Weiter geht es für uns. Jetzt ist die Zeit an Indy. Liv hat uns ebenfalls einen Termin für einen Ölwechsel organisiert. Wir sind seit April bereits 15,000 km gefahren. Waren vorher in Marokko und der arabischen Halbinsel und haben bestimmt nicht immer den besten Diesel getankt. Wir erreichen die Werkstatt die ebenfalls irgendwo mitten in Chengdu liegt und werden direkt von sechs Mechanikern in Empfang genommen.
Er sieht es aus, als wäre die Einfahrt nicht hoch genug, weil viele Stromkabel den Weg versperren. Das kann aber mit einem Besen, der die Kabel hochhebt, rasch gelöst werden. Wir fahren also hinein, einer kümmert sich um den defekten Blinker, zwei machen Ölwechsel und wechseln Luft- und Abgasfilter. Einer checkt die Stossdämpfer, die auf den letzten Kilometern auch einiges abbekommen haben. Aber alles ist in Ordnung, es dauert etwa 1 Stunde dann ist alles erledigt. Für etwa 250 Franken wurden alle Arbeiten gemacht und wir fahren zu unserem Hotel, welches glücklicherweise in der Nähe liegt.
Bereits Vorgänge haben wir im Hotel abgeklärt, ob es einen überirdischen Parkplatz gibt auf dem unser Camper sicher stehen kann. In der Regel sind in dieser grossen Stadt nur Parkhäuser. Mir wurde das zugesagt und da wir jetzt einen Tag früher anreisen sind wir gespannt, ob die so flexibel sind. Ich schreib also eine kurze Anfrage auf den Chat, dass wir schon einen Tag früher anreisen und ob der Parkplatz verfügbar wär. 2 Minuten später kommt die Antwort, das werde mit dem Concierge abgeklärt. 2 Minuten später habe ich die Zusage. Wir sind ja gespannt, ob das klappt. Wir bekommen zwei Fotos, eine von der Kreuzung wo wir abbiegen müssen und eine von der Schranke die wir wählen müssen. O. k. klingt schon mal super. Amap bringt uns zielsicher zur Adresse und wir werden bereits vom Concierge erwartet. Die Schranke öffnet sich und wir haben einen Platz für unseren Indy 5 m neben dem Haupteingang. Das ist ja mal ein guter Parkplatz.
Liv meldet sich bezüglich unseres durchgeschmorten Boosters. Der wurde ja in Taschkent schon mal geflickt aber dieser Elektriker hat gesagt, wir bräuchten später einen neuen . Liv Kontaktpersonen können im Moment keinen solchen Booster finden. Sie nennt uns aber Adresse einer Werkstatt, die sich den Booster mal anschauen will und sich dann auf die Suche macht um einen zu bestellen. Wir vereinbaren also einen Termin für den nächsten Morgen und haben für heute frei. Allerdings hat sich bei uns so viel Schmutzwäsche angestaut, dass wir die gut ausgestattete Gäste Wäscherei im Hotel komplett für uns belegen.
Später erkundigen wir unser wuseliges Viertel. Es fühlt sich irgendwie an wie mitten in Hongkong wahnsinnig viele kleine und grosse Restaurants. Überall brodelt es aus Töpfen der kleinen Strassenküchen. Viele Menschen sind unterwegs. Es hat viel Verkehr und trotzdem ist es total ruhig. Die Elektromobile und die gasbetriebenen Autos machen keinen Lärm und die Motorräder sind sowieso alle elektrisch. Man hört hier nie eine Sirene weder von Feuerwehr noch Ambulanz. Es ist erstaunlich.
Nachdem wir dem riesigen Frühstücksbuffet einen Besuch abgestattet haben, machen wir uns auf den Weg zur Werkstatt. Auch da werden wir direkt in Empfang genommen. Offenbar ein Familienbetrieb. Alle interessieren sich wahnsinnig für unsere Reise aber auch für unser Problem, Sie schauen sich den Booster an und sagen, dass sie sowas altes leider nicht mehr bestellen können. Bei uns wird der noch jeden Tag verbaut aber der Elektriker meint er würde ihn öffnen und könne ihn vielleicht flicken gesagt getan innen sind wieder Teile verschont die keinen guten Kontakt gemacht haben.
Die nächsten Tage entdecken wir Chengdu. Erst vor den Feiertagen, dann direkt in der Golden Week. Schon etwas verrückt. Viele Menschen, heisst in China wirklich viele Menschen. So von der Quantität Silvester nach Mitternacht am Bellevue in Zürich. Aber friedlich, freundlich und immer noch höflich und leise. Wir besuchen den People's Park mit seinen Teehäusern, Kaligrafen, Bonsaischulen und Kupplerbörsen, die Yulin Strasse mit ihren alten kleinen Häusern in Mitten des Finanzdistrikts, natürlich Taikoo Li, wo die ganz grossen Marken dieser Welt Zuhause sind, den grossen Tianfu Platz mit den berühmten Museen, und ein bisschen shoppen muss auch noch sein. Nach jeweils 15 km im Stadtgewühl sind wir platt und machen uns mit der superguten Metro auf dem Heimweg. Alle 2 Minuten kommt ein Zug an der supersauberen Haltestelle an, und nimmt uns die 25 Minuten mit bis vors Hotel. 3 Minuten später sind wir bereits im Zimmer.
Wir verbringen jeden Tag viele Stunden unterwegs in der interessanten Stadt. Den morgen beginnen wir jeweils mit asiatischen Nudeln oder Fried Rice am Buffet, dann erledigen wir Papierkram waschen immer noch Wäsche mittlerweile bestimmt schon sechs Maschinen oder erledigen irgendwas im Indy damit wir am Dienstag wieder bereit sind für die Weiterreise.
Die Stadt ist flächenmässig riesig. Um von A nach B und B nach C zu gelangen, kommen rasch 20, 30 oder 40 km zusammen, die wir in der richtig guten Metro zurücklegen. Züge die übrigens vollautomatisch und ohne Lokführer fahren, kommen mindestens alle 3 Minuten dies aber nur zur Randzeiten. Am Tag kommen Züge jede Minute, der Takt ist also hoch und nur so können die grossen Menschenmassen überhaupt bewegt werden. Es ist unheimlich sauber in der Metro. Im Gegensatz zu anderen Städten sind die Metrostationen komplett verglast. Man steht also nicht in einer Wolke von Eisenstaub und Rattengift, wenn der Zug einfährt. Es ist alles makellos sauber. Es isst und trinkt fast niemand etwas. Kaugummis kleben keine am Boden, jede Metrostation sieht aus, als wär sie erst vor drei Wochen eröffnet worden. Keine Obdachlosen, keine Drogen und in der Regel ist es auch kein Gedränge. Mir fällt gerade auf: Zusammengefasst könnte man auch sagen, die Metro in Chengdu ist das genaue Gegenteil von der Subway in New York...ja, das trifft es ziemlich gut.
Auch das Lösen der Ticket ist total einfach und sobald man die Security Checks hinter sich hat (die sind eigentlich wie am Flughafen) geht es rasch zu den Gleisen und man ist bereits wieder unterwegs. Es sind dann schnell mal 18 Haltestellen in die eine Richtung und dann noch zwölf in die andere und dann ist man schon wieder eine Stunde in der Metro. Aber es gibt keine andere Option. Uber ist bei diesem Verkehr keine Möglichkeit und die Metro funktioniert ja super. Und übrigens hat es an jeder Station saubere, grosse und kostenlose Toiletten. Und richtig sauber. Wenn ich da an die SBB Klos denke...🙄.
Wir besuchen verrückte Viertel, wo früher mal Fabrikhallen waren und heute Teehäuser, Cafés und Boutiquen betrieben werden, aber auch grossartige richtig saubere, schöne Parks, Kunstobjekte, edle Shopping Malls, alte Tempel, Ausstellungen, ein chinesisches Theater mit Hot-Pot Menü (welches uns schon fast ein bisschen zu authentisch ist - leider hilft es der Seegurke auch nicht mehr, dass wir sie nicht verspeisen), schlicht der Spezialität Sichuangs.
An unserem letzten Tag in Chengdu lassen wir uns noch mal durch die Innenstadt treiben. Wir besuchen die Installation von Time & Space, eine Ausstellung zu Illusion und Lichtkunst. Später bummeln wir zu der Anshun Brücke, die zwar historisch aussieht aber zerstört wurde und erst in 2003 wieder aufgebaut wurde. Heute beherbergt sie ein Michelin Sterne Restaurant und ist vor allem ein toller Foto Stop. Das Viertel in dem die schöne Brücke aus dem 13. Jahrhundert den Fluss Jin überquert, hat ein bisschen was von Kiez oder Kreis 4 und war wohl mal ein bekanntes Ausgehviertel. Heute sind die Bars leider komplett überteuert und alles wirkt ein bisschen versifft. Mit zunehmender Dunkelheit gewinnt das Viertel aber an Charme und man kann sich durchaus mal für ein Bier oder ein Glas Wein irgendwo hinsetzen.
Nachdem wir uns von allen Mitarbeitern verabschiedet haben, vom Zimmermädchen noch einen grossen Granatapfel bekommen haben, machen wir uns auf den Weg Chengdu zu verlassen. Wir fürchten uns ein bisschen von den gesehenen Megastaus wegen der Golden week. Aber es ist überhaupt kein Problem da die Maut an Festtagen erlassen wird, sind bei den Autobahnen die Barrieren oft geöffnet und man kann einfach durchfahren. Über eine achtspurige Autobahn, die zwar gut befahren aber weit entfernt von Stau ist, fahren wir nach Huanlongxi, ein wirklich schmuckes, restauriertes Örtchen direkt an einem Fluss, nur 50 km vom von der Stadt entfernt.
Wir bummeln durch den wirklich hübschen Ort, der zwar jetzt sehr touristisch ist, aber wir sind ja auch Touristen und lassen uns vom Zauber dieses historischen Dorfes mitnehmen. Als wir zu Fuss am Fluss angelangen sehen wir direkt gegenüber einige chinesische Camper stehen. Dort wollen wir auch hin. Es ist so schön gelegen. Also laufen wir zurück zum Indy und suchen uns den Weg zum gegenüberliegenden Flussufer. Nur ein Steinwurf entfernt über den Fluss ist es mit dem Auto 8 km durch Reich angepflanzte Felder, aber es lohnt sich. Ein total schöner Platz direkt am Fluss gegenüber, der am Abend beleuchteten Holzhäuser.
7.10. Leshan
Unser nächstes Ziel ist Leshan. Nicht weil die Stadt besonders schön oder berühmt wäre. Aber da ist die Behörde, wo wir hoffen unser Visum verlängert zu bekommen. Wir sind nämlich schon einen Monat in China. Auch Leshan ist eine Stadt mit 3 Millionen Einwohnern. Aber genau wie in den anderen Städten fährt man hier mit dem Highway direkt ins Zentrum und wir finden unser gebuchtes Hotel ganz einfach. Man braucht für die Visumsverlängerung eine Adresse, denn eigentlich ist offiziell „Wild“ stehen in China immer noch verboten. Es wird aber toleriert im Regelfall, aber für die Visumsverlängerung braucht das Amt eine Adresse.
Da die Verlängerung drei Werktage andauert und das Wochenende dazwischen liegt, brauchen wir also ein Hotel für fünf Nächte. Das haben wir vorneweg von Liv empfohlen bekommen. Ein wirklich gutes Hotel für
18 Fr. die Nacht. Es hat einen grossen Innenhof, wo wir mit unseren Fahrzeugen parken können und als wir ankommen, ist schon der grosse Laster der Australier vor Ort. Ein grosser Teil der Gruppe werden wir hier wieder treffen, denn bei allen läuft ja das Visum aus.
8.10. Visum
Heute ist der erste Tag nach der Golden Week. Das Mädel am Schalter der Einwanderungsbehörde macht einen wirklich ganz tiefen Seufzer, als sie unsere Gruppe auf sich zukommen sieht. Anstatt sachte ins neue Jahr zu starten, artet es für sie in richtige Arbeit aus. Es ist 9 Uhr als sie mit all den Dokumenten loslegt und uns von Fotoautomaten zu Kopiergeräten und anderen Schaltern scheucht. Aber kurz vor der Mittagspause um 13 Uhr, haben wir es alle geschafft. Am Samstag nach 13 Uhr können wir unsere verlängerten Visa wieder abholen kommen. Überrascht und happy, dass hier am Samstag auf den Ämtern gearbeitet wird, können wir einen Teil der Hotelbuchung wieder stornieren, und kommen somit auch wieder früher los. Es gibt nämlich noch soviel zu entdecken...
Wir schnappen uns direkt beim Amt ein Taxi und lassen uns zum Oriental Buddha Park bringen.
Der Oriental Buddha Park ist ein privater Kultur- und Skulpturenpark in Leshan. Er liegt nur etwa 1 Kilometer südlich des berühmten, UNESCO geschützten Leshan Giant Buddha. Ein über 500 bis 700 Meter langes Felshöhlen- und unterirdisches Tunnelsystem mit zahlreichen Buddha-Figuren, der grösste liegende Buddha der Welt, eine sitzende Buddhastatue die 33 Meter hoch ist und viele, viele Steinbuddhas irgendwo im Wald die es zu entdecken gibt. Eine Mischung aus chinesischer und südostasiatischer buddhistischer Kunst mit über 3.000 bis 10.000 Statuen aus Stein, Jade, Lehm und Bronze. Wir sind begeistert!
Fazit China Teil 1: 4 Wochen / 5000 km
Jetzt sind wir bereits einen Monat in China. Die Eindrücke sind so vielfältig und manchmal etwas überwältigend, so dass wir uns sehr freuen, noch einen weiteren Monat Visum erhalten zu haben. Uns überrascht die Sauberkeit im ganzen von uns besuchten Gebiet. Die Menschen sind offen und freundlich, auch wenn sie kein Englisch sprechen, dann behelfen Sie sich mit Apps zur Übersetzung.
Wir erhalten immer wieder kleine Geschenke und werden in China herzlich willkommen geheissen. Fühlen uns extrem sicher, dürfen überall stehen, erleben keine Polizeischikane und erhalten unkompliziert Hilfe, wenn wir sie brauchen. Die Landschaft ist fantastisch und vielfältig! Vom Uiguren Gebiet über die Taklamakan Wüste, durch grüne hohe Berge bis hin zu Bananen, Zuckerrohrplantagen und Citrusbäumen, ist das Land unheimlich vielfältig. Zudem haben wir unglaublich schöne, historische Städtchen besucht, die gehegt und gepflegt werden und Einblick in die Geschichte bieten. Fantastische Tempelanlagen, Yakherden und Ausläufer des Himalayas…Wahnsinn. Uns gefällt es hier sehr und wir freuen uns auf den zweiten Monat in diesem gigantischen Land.








































































































































































































































































































































































































































