
Kasachstan
Einwohnerzahl 21 Mio.
Hauptstadt Astana, 1.3 Mio.
Grössenvergleich CH 60 x grösser als die Schweiz
Kasachstan ist das 9. grösste
Land der Erde
Visum 30 Tage visumfrei
Währung Kasachischer Tenge
Grenzübertritt Kosten Keine
Carnet de Passage. Nein
Dieselpreis 0.54 Rp.
Regierungsform Kasachstan ist eine präsidiale Republik mit einer sehr starken Stellung des Staatsoberhauptes. Präsident Qassym-Schomart Toqajew ist im Amt seit März 2019.
Religion Rund 70 % der Bevölkerung sind Muslime, während etwa 26 % Christen, hauptsächlich russisch-orthodoxe Christen, sind. Das Land ist durch ein friedliches Zusammenleben verschiedener Konfessionen geprägt.
Sprachen Kasachisch ist Staatssprache. Für die interethnische Kommunikation ist die offizielle Sprache Russisch. Im Land werden aber über 100 Sprachen gesprochen.
Haupteinnahmequellen Kasachstans Wirtschaft ist stark rohstofforientiert und wird maßgeblich durch den Export von Energie- und Bodenschätzen bestimmt. Die Haupteinnahmequellen sind Gas, Öl, Mineralien und Metalle. Zudem ist das Land ein bedeutender Produzent von Uran.
Interessantes & Skurrilles
Das Land erstreckt sich über zwei Kontinente (ein kleiner Teil westlich des Ural-Flusses liegt in Europa) und grenzt an Russland, China, Kirgistan, Usbekistan und Turkmenistan sowie das Kaspische Meer.
Durch Kasachstan verlief die Seidenstraße, ein altes Netzwerk von Handelsrouten, die Ost und West verbanden. Die strategische Lage des Landes in Zentralasien machte es zu einem wichtigen Knotenpunkt entlang der Seidenstraße und erleichterte jahrhundertelang den Handel und den kulturellen Austausch zwischen den Zivilisationen.
Die Landschaft ist vielfälltig. Sie reicht von endloser Steppe und Halbwüsten bis zu den Hochgebirgen des Thian Shan im Südosten.
Der Thian Shan ist mit 7010 M.ü.M. der höchste Berg Kasachstans.
Es wird angenommen, dass Pferde erstmals auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan domestiziert wurden.
Genetische Studien deuten darauf hin, dass die wilde Apfelart Malus sieversii, die im Süden Kasachstans beheimatet ist, der Vorfahre aller modernen Äpfel ist. Der Name der Stadt „Almaty“ bedeutet übersetzt „Vater der Äpfel“.
Im Südwesten Kasachstans liegt Baikonur, der erste und größte Weltraumbahnhof der Welt. Von hier aus startete 1961 Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum.
Der Balchaschsee ist einer der größten Seen Asiens und hat eine einzigartige Besonderheit: Der westliche Teil besteht aus Süßwasser, während der östliche Teil Salzwasser enthält.
Die Grenze zwischen Kasachstan und Russland ist die längste Landgrenze zwischen zwei Ländern der Welt und erstreckt sich über etwa 7.644 Kilometer


27.6. Boarder Run Russland - Kasachstan
Nicht so früh wie gewohnt an Grenztagen, erst gegen 6.45 Uhr, fahren wir im Zentrum von Astrachan los. Es ist Samstag morgen und dennoch sind zu dieser Zeit schon viele Autos unterwegs. Seltsam. Wir sehen einen Moment später warum. Alle fahren zu den Tankstellen und stellen sich in langen Schlangen an, um ihre Autos und Kanister zu betanken. Einige Tankstellen sind geschlossen, weil sie nichts mehr zu verkaufen haben, andere sind belagert von Kaufwilligen. Für uns heisst das, weiter erstmal ohne.
Über die Schnellstrasse verlassen wir die Stadt und fahren durch das grüne Wolgadelta. Viele grosse Pferde- und Kuhherden kreuzen unseren Weg und wir finden tatsächlich noch einen Brunnen. Etwas chlorig aber durchaus gut genug, füllen wir damit noch unseren Wassertank.
Kurz vor der russischen Grenze beginnt der LKW Stau, ist aber wirklich nicht lang. Durch eine Barriere müssen alle PKW's und LKW's. Ein ganz schönes Nadelöhr. Wir warten ca. 1 1/2 Stunden, bis wir auf das Gelände fahren dürfen, parken und steigen aus dem Auto. Bei einem Schalter werden unsere Pässe kontrolliert und wir werden gebeten erst mal zu warten. Die Personen aus der Region werden direkt weitergelassen. Tinu muss zur Kontrolle des Fahrzeugs, allerdings ist die ziemlich oberflächlich.
Ein junger Typ in anderer Uniform und steifem Hut kommt an und entschuldigt sich erst mal für sein schlechtes Englisch - welches eigentlich ganz gut ist. Er hat hier eindeutig mehr zu sagen, fragt nach unseren iphones und macht von der Info Seite jeweils ein Foto. Er bittet uns zu warten und kommt nach wenigen Minuten mit unseren Pässen zurück. Wir bedanken uns und aus die Maus. Das wars für uns in Russland. Die Grenze hat knapp zwei Stunden gedauert, wovon der grösste Teil aus warten bestanden hat. Alle waren sehr korrekt, freundlich und nett.
Durch das verdreckte Niemandsland fahren wir ein paar Kilometer zur Grenze Kasachstans. Der LKW Stau beginnt schon etwa 6 km vor der Grenze. Puh, die werden wohl lange brauchen bis sie an der Reihe sind. Wir überholen alle Laster und reihen uns ganz vorne ein. Nur etwa 10 Autos sind vor uns und trotzdem dauert es ziemlich lange. LKW's werden abgefertigt und ab und zu ein paar Autos. Aber bei allen Lastern wird die Ladung geprüft, das dauert halt seine Zeit.
Passagiere wie ich, müssen in ein separates Gebäude, während die Fahrer bei den Fahrzeugen bleiben und die Pass- und Fahrzeugkontrolle vor dem Gebäude über sich ergehen lassen müssen.
Ich werd also zuerst von einem netten Soldaten im Vierfruchtpijama in eine Halle gebracht, wo ich merke, dass dies die Departure Hall ist. Aber ich will doch einreisen. Es geht ein bisschen hin und her, bis ich ihm erklären kann, dass ich von Russland komme, und nach Kasachstan will. Er bringt mich auf die andere Seite des Gebäudes wo etwa 40 Personen meist Männer bereits ziemlich aufgebracht diskutieren.
Ich frage meinen Nachbar, ob hier der richtige Ort für die Einreise sei, aber er kann kein Englisch. Nimmt kurzerhand sein Telefon zur Hand und übersetzt für mich, dass ich hier richtig sei und jeweils die Person an der Reihe ist, von welcher die Autonummer aufgerufen wird. Oha, ich zeige ihm also mein Laufzettel mit dem Kürzel von unserem KFZ Schild. Er lernt mir die Zahlen 326 auf Kasachisch, aber ich weiss jetzt schon, dass ich das nicht verstehen werden. Das Mikrofon der Dame am Schalter scheppert dermassen, dass ich nicht meinen eigenen Namen verstehen würde.
Der nette Nachbar weist ein paar andere an, auf mich achtzugeben, damit ich weiss wann ich an der Reihe bin. Alle nicken und lächeln mir zu, sehr nett. Es dauert ewig. Die Männer werden ungeduldig, weil nur ein Schalter geöffnet ist. Sie drängeln nach vorne, worauf die Frau am Schalter laut wird, weil die Meute ihr immer die Fotos der Einreisenden crashed. Man muss ja etwa einen Meter vom Schalter wegstehen, bevor von ihr das Foto für das Visum geschossen werden kann. Wenn dann im Hintergrund immer die Anstehenden erscheinen wird sie sauer - und natürlich gehts dann auch nicht schneller. Ein Soldat kommt rein und ruft, dass ab sofort eine richtige Schlange gebildet werden muss, und es jetzt der Reihe nach und nicht mehr der Autonummer nach, läuft. Es wird also wieder kräftig gedrängelt und neu gemischt, aber bereits nach etwa einer Viertelstunde kommt er wieder, und macht seine Ansage rückgängig, es läuft erneut über die Autonummer. Also es ist ein Hin und Her, es ist warm und stickig und die Laune der Menschen wird nicht besser.
Jedenfalls höre ich auf einmal, als mich die Mücken schon fast gefressen hatten, "Swiss Plate"! Hat sie "Swiss Plate" gesagt? Ich drängle mich also etwas durch die grossen Männer vor, und der nette Vierfruchtpijama Soldat, zeigt auf einen zweiten Schalter. Ein Typ der etwas Englisch kann, setzt sich hin und gibt meine Daten ein. Fünf Minuten, zack fertig. Phu, das waren etwa 1 1/2 Stunden anstehen für fünf Minuten Abfertigung.
Ich verlasse das Gebäude, und mach mich auf die Suche nach Tinu oder dem Indy. Ich seh unser Auto schon von weitem irgendwo zwischen den Lastern, und Tinu ruft mich aus einem kleinen Kabäuschen. Er hat die Kontrollen kurz und knackig hinter sich gebracht, ist bereits im Besitz einer SIM Karte, und die Autoversicherung hat er auch schon abgeschlossen. Im Moment wechselt er gerade Euro in Tenge, der lokalen Währung. In Kasachstan sollten ja auch unsere Kreditkarten wieder funktionieren, auch Starlink und GPS etc. werden nicht mehr gesperrt sein.
Somit ist alles erledigt. Vier Stunden Total für beide Grenzen, finden wir ganz schön sportlich. Eigentlich war es vor allem Warten. Aber alle Beamten waren korrekt und nett, für uns immer die Hauptsache.
So verlassen wir auf einer nigelnagelneuen Strasse den Grenzposten und entern Kasachstan. Direkt an einem kleinen Flusslauf mit vielen Pferden suchen wir uns einen schönen Platz für die Nacht. Für heute reichts. Später legt die Sonne noch einen fantastischen Untergang hin -tja, ich glaub hier gefällts uns richtig gut.
Nach einer weiteren Nacht in der Steppe fahren wir nach Atyrau. Eine Hafenstadt mitten im Gebiet der Ölförderung. Überall in der Ebene sehen wir die Pumpen, die unermüdlich das schwarze Gold in die Leitungen befördern. Die Stadt mit ihren 350 000 Einwohnern liegt direkt am Ural, der im gleichnamigen Gebirge in Russland entspringt. Eigentlich trennt der Fluss die Stadt in einen asiatischen und einen europäischen Teil, uns kommt sie aber ziemlich fremd vor und nicht sehr europäisch. Im Gegensatz zu europäischen Städten gibt es hier kein altes Stadtzentrum mit Fussgängerzonen oder Geschäften, die Stadt scheint am Reissbrett entstanden zu sein, ohne wirkliches Zentrum und die Läden sind alle in Malls untergekommen. Allerdings hat es entlang des Flusses eine sehr schöne Promenade an der sich Abends alle treffen, flanieren und plaudern.
Wir stehen geparkt in der ersten Reihe, und es fühlt sich an wie im Iran. Eine® nach dem anderen gibt sich bei uns die Klinke in die Hand, fragt von wo wie seien, wo wir hin unterwegs seien und heissen uns in ihrem Land herzlich willkommen und fragen nach einem gemeinsamen Foto. Nette interessierte Gesprächspartner, selber mit multikulti Hintergrund, leben sie teilweise im Ausland und sind nur zu Besuch, viele gut situierte die bei den Öl- und Chemieunternehmen arbeiten, Familien, junge Menschen, mal mit Kopftuch, mal ganz ungezwungen - alle wahnsinnig nett und nicht aufdringlich.
Einer, dessen Tochter nächste Woche in die Schweiz in die Ferien fliegt, will uns unbedingt seine Handynummer geben, falls wir Hilfe brauchen sollten oder mal einen Übersetzer brauchen. Unfassbar wie nett! Wir sind schon wieder begeistert von diesem Land, und gerade mal drei Tage hier. Später kommt ein junges Paar mit dem wir geplaudert haben zurück, und bringt uns Schokolade. Was soll man dazu sagen? Und endlich treffen wir wieder mal andere Overlander. Eine fünfköpfige Familie mit ihrem riesigen Bus aus Australien auf dem Weg nach Europa. So cool!
Am nächsten Morgen müssen wir mal Wäsche waschen und Wasser tanken. Das mit der Wäsche ist hier super, es gibt richtig gute Waschsalons, mit den besten Maschinen ever. Das ist also kein Problem, das mit dem Trinkwasser allerdings schon. Es gibt keine Brünnen, denn die Häuser sind am zentralen Wassernetz angeschlossen. Es gibt aber kleine Automaten an Hausfassaden (wie Briefkästen), wo man für ca. 2 Rappen pro Liter Flaschen abfüllen kann. Scheint also eine reine Fleissarbeit zu sein, aber das kriegen wir hin. Als wir den nächsten Automaten erreichen sehen wir das Problem. Es braucht Münzen. Und wie für 50 Liter! Haben wir natürlich nicht. Zwei Männer kommen dazu, und erklären wie das funktioniert. Es gibt eine kasachische App, die eigentlich jeder hat. Mit der könnte man den QR Code scannen und das gezapfte Wasser würde der Kreditkarte belastet. Nur funktioniert das nicht mit ausländischen Karten, also nur Münzen. Er hilft uns aus um zu zeigen wie es damit läuft, und meint, wir sollen doch in der nahen Tankstelle etwas kleines kaufen gehen und dann das Retourgeld in Münzen verlangen. Wir kaufen also eine weitere Tafel Schokolade, denn davon kann man nie genug haben, allerdings an der Kasse meint das Mädel dann, dass sie keine Münzen habe, nur Noten. Wir verlassen also den Tankstellenshop ohne Münzen, dafür mit Schokolade 🤪, das ist ja auch was! Aber in Sachen Wasser wird das nichts.
Auch in der Wäscherei würden wir diese App brauchen, aber die Girls da, buchen unsere Wäsche auf ihre App und wir können ihnen das Geld in Bar geben. Leider haben auch die keine Münzen, nichtmal normales Rückgeld, obwohl die Wäscherei in einer Parfümerie ist. Hier scheint also jeder mit Kreditkarte zu bezahlen. Auf dem Weg zurück zum Auto sprechen uns ein paar Halbstarke an, leider können sie kein Englisch und wir kein Kasachisch. Aber sie sind nett, wir richten uns im Auto ein um wegzufahren, als die Jungs wiederkommen und uns ebenfalls eine Tafel Schokolade schenken. Soviel Schokolade haben wir nichtmal in der Schweiz dabei🤣.
Am Abend gehen wir in ein lokales Restaurant essen. Mal die für uns total unbekannte Küche Kasachstans testen. Das Restaurant welches wir uns ausgewählt haben, ist wohl eher für Touristen oder Expats, es sieht aus wie ein schönes Museum und es gibt viel lokales Handwerk zu bestaunen. Die Karte ist zu unseren Gunsten, denn von allen Gerichten gibt es Bilder. Dies ist bei Schafsköpfen oder gefüllte Mägen nicht gerade verkaufsfördernd, zumindest nicht bei uns, aber hei wir wollen sowieso Samsa, die köstlich gefüllten Krapfen, die es auf einem Teller gefüllt mit Kartoffeln, Kürbis, Käse und Fleisch gibt. Dazu gegrilltes Gemüse - wir freuen uns . Später kommt ein Mädel und meint, Samsa sei aus, was für eine Enttäuschung. Somit bestellen wir den mit Fleisch gefüllten Teigfladen , der auch probiert sein will, und der auch gut geschmeckt hat.
1.Juli Von Atyrau richtung Aqtöbe
Im Südwesten des Landes ist die Grenze zu Usbekistan seit längerem geschlossen. Es werden beidseitig neue Grenzgebäude erstellt, die Strasse durchs Niemandsland wird komplett erneuert, daher gibt es nur Zeitfenster für grosse LKW's. Für alle Kleineren und Privatfahrzeuge ist die Grenze seit Monaten geschlossen. Für uns heisst das im Klartext zusätzliche 1300 km über Aqtöbe, ganz im Norden des Landes. He nu, wir starten also mit extrem viel Wind und verlassen Atyrau.
Flach, flach oder flach geht es durch die Steppe, tolle Wolkenformationen wechseln sich mit Pferdeherden oder Kamelen ab, und immer wieder sehen wir ultralange Güterzüge die wohl Bodenschätze aus den Minen wegtransportierten.
Die Region gefällt uns super. Aber Tinu muss ganz schön bei der Sache sein. Überraschenderweise hat es viel Verkehr, vor allem schwere LKW's. Wenn wir so einen kreuzen, heute bei über 60 km/h Wind, bläst es uns jeweils fast von der Asphaltstrasse, ganz schön gruselig. Aber es ist der ultimative Härtetest für unsere neuen Dachfenster. Und sie haben bisher gehalten!
Wir halten für die Nacht einfach irgendwo in der Pampa bei einem der wunderschönen Friedhof.



Die Mazars, wie die Grabbauten der kasachischen Nomadenstämme genannt werden, zeigen die tiefe Verbundenheit der lokalen Bevölkerung zu ihren Vorfahren. Die Gräber gehen auf den Glauben zurück, dass die Seele des Verstorbenen in der Steppe ein dauerhaftes, festes "Heim" für das Jenseits braucht. Je wohlhabender oder angesehener die Familie, desto monumentaler das Mausoleum.
Oft sind es die einzigen Bauwerke im Umkreis von vielen Kilometern. In der Regel sind sie aus kunstvoll behauenem Kalkstein oder aus Lehmziegeln. Sie werden auch heute noch als Friedhöfe benutzt.
2.7. Unterwegs in der Steppe
Nach einer ruhigen Nacht und einem Kaffee irgendwo im Nirgendwo, gehts für uns weiter nordwärts. In 270 km soll ein neuer Rastplatz errichtet worden sein, wo man eine heisse Dusche nehmen kann. Diese Rastplätze sind hier für die Fernfahrer eingerichtet, haben aber meist nur eine Toilette und einen grossen Parkplatz. Dieser kann offensichtlich mehr, wir bezahlen im Restaurant und bekommen eine saubere, superheisse Dusche, somit fällt die Wassersuche erstmal weg. Hier in der Steppe ist es echt ziemlich schwierig Wasser zu finden, Örtchen hat es fast keine, und wenn, dann finden wir keine Brunnen.
Unterwegs weiter nach Aktöbe, sehen wir bestimmt über tausend Pferde. Die kleinen "Halbwilden" haben zwar einen Besitzer, leben aber das ganze Jahr frei in der Steppe. Nur zum Tierarzt Check und zum Decken, werden sie zweimal im Jahr in den Stall geholt. Momentan hat es fast bei jeder Stute ein Fohlen, die Herden bestehen immer etwa aus 20 - 30 Tieren, sie sind wunderschön anzusehen. Mönchsgeier kreisen ab und zu über uns, sie haben die beachtliche Spannweite von drei Metern. Ein einziges mal sehen wir sogar das Wappentier der Kasachen - ein Steppenadler. Riesengross sitzt er auf einer Strassenlampe und ist leider viel zu schnell vorüber.
In Aktöbe angekommen brauchen wir erst mal Wasser um ein paar Tage in der Stadt zu stehen. Wir bekommen einen Brunnen angezeigt auf unserer Karte, aber in diesem Viertel wird gerade viel an den Strassen gebaut, Umleitungen, Einbahnstrassen etc. Tinu stellt unseren Indy am Strassenrand ab, und will kurz zu Fuss schauen gehen, ob wir überhaupt zum Brunnen hinfahren können. Da fährt ein Einheimischer aus seiner Hauseinfahrt und steigt aus. Fragt von wo wir seien und stellt sich vor, Tinu fragt ihn, ob man zum Brunnen trotz Fahrverbot hinfahren dürfe. Er meint ja das könne man, aber der Druck und die Qualität seien nicht so gut. Wir dürfen aber die knapp 30 Meter zurückfahren und in seinem Hof über einen Gartenschlauch Wasser tanken. Sein Sohn kommt auch noch um die Ecke und hilft mit Schlauch umhängen und verlängern, so nett die beiden. Der Vater war nämlich auf dem Sprung und hilft uns jetzt bei sich im Garten mit dem Wasser. Da kommt seine Frau auch noch aus dem Haus, schaut dem Ganzen ein paar Minuten zu, und bringt danach eine Geschenktüte für uns. Eine ganze Flasche Wodka, Salami und andere Trockenwürste sind dabei. Wahnsinn, wir sind doch schon happy mit genug Wasser! Wir plaudern noch kurz, dann muss Daddy aber weg, braust an uns vorbei und winkt zum Abschied. Mega.
Eigentlich hat es eine grosse Mall, wo man gut übernachten kann. Aber gleich bei der Mall in der Nähe ist die fantastisch schöne Nicholaus Kathedrale mit ihren goldenen Türmen, daneben ein kleiner öffentlicher Parkplatz mit grossen Bäumen. Das ziehen wir natürlich dem wuseligen Parkplatz eines Einkaufszentrums vor. Da der Geistliche gerade beim Tor ist, fragen wir anstandshalber ob wir für ein paar Tage da parken dürfen. Aber klar doch. Wir schlafen ruhig, lauschen dem Glockenspiel und am nächsten Tag schenkt uns der Geistliche sogar noch eine Tasse mit dem Bild "seiner" Kirche.
Auf diesem Parkplatz geht es für uns ein bisschen iranisch zu und her. Immer wieder kommt jemand zum Plaudern, alle nett und interessiert und so gastfreundlich. Jemand bringt uns sogar heisse Crêpes, andere möchten ihr Englisch wieder mal testen, jemand freut sich sogar, dass wir französisch sprechen, weil er seinen Master in Nizza gemacht hat, ganze Familien kommen vorbei - einfach klasse! Eine kleine Maus, etwa fünf jährig, hat am Nachmittag auf dem Familienspaziergang offenbar unseren Indy gesehen und war hin und weg. Sie schaue am liebsten, Sendungen übers Reisen und fremde Länder, erklärt ihre Mutter, und sie wolle mal genau so einen Bus wie wir ihn haben. Die kleine wollte unbedingt nochmal vorbeikommen, wenn wir Zuhause sind. Sie wollte uns nämlich eine Münze als Glückstaler schenken. Tinu bekommt also von ihr eine 100 Tenge Münze (Wert etwa 17 Rappen) und sie wünschen uns eine grossartige Reise. Gehts besser?!
Am Morgen fahren wir zu einem grossen Samstagsmarkt etwa 8 km weiter weg in einem älteren Teil der Stadt. Der ist richtig super. Nur Einheimische, keine Souvenirs und nix anderes als alles was der normale Aktöber so braucht. Vom Handwerksshop, über Trockenfrüchte und Nüsse, Gemüse und Früchte, allerlei Milchprodukte, Blumen, Kleider, Haushaltwaren, Brillen, Stoffe und gaaaaz viele Melonen. Offenbar ist irgendwo gerade Saison, denn an jeder Ecke gibt es Kiloweise Melonen aller Art. Die Fleischerhalle riechen wir schon von weitem. Kasachstan ist das Land mit dem höchsten Fleischverbrauch der Welt pro Kopf. Ist ja klar, hier wächst ja auch nix ausser Pferden🥴. Aber die Halle schenken wir uns, was wir normalerweise nicht machen würden, aber es ist einfach noch zu früh am Morgen.
Am Nachmittag besuchen wir das moderne Museum für Geschichte und Heimatkunde der Region. Schwerpunkte sind die Geschichte Kasachstans, berühmte Persönlichkeiten, Erfindungen Kasachstans, Gewinnung von Bodenschätzen, Kunsthandwerk und Jurtenbau, Instrumente und wenn es irgendwo Texte in Englisch gehabt hätte, hätten wir sogar etwas davon verstanden 🤣. Aber interessant war es trotzdem und dazu noch kühl...
4.7. Durch die grosse Steppe - und eine riesige, endlose Baustelle
Nachdem wir unsere Reiseapotheke in einer nahen Apotheke mit allem möglichen was es bei uns nur gegen Rezept gibt, für 23 Franken aufgerüstet haben, fahren wir einmal quer durch die Stadt füllen randvoll mit Wasser und Diesel, für die nächsten 1300 km bis Türkistan. Die ersten 150 km nur Baustelle - wir wurden von Einheimischen schon vorgewarnt. Die Strasse ist offenbar seit Jahren in einem hundsmiserablen Zustand und wird auf der ganzen Strecke neu gemacht. Die letzten 200 km vor Aktöbe fehlen noch und genau die, geniessen wir heute. Eine irre Buckelpiste, zwar aus Asphalt, aber mit riesigen Löchern und Spurrillen, wir fahren also alle im Tatzelwurm Schlangenlinien, denn überholen ist nicht. In ein, zwei Jahren wird die Strasse phänomenal sein, denn die Strassenbautruppen sind mit Hochdruck dabei, sie auf vier Spuren auszubauen.
Und gerade als wir uns für ein paar Meter glatten Asphalt in den Sitzen entspannen, knallt es. Und wie! Wir denken erst, es sei von einer Plastikflasche, aber nein, wir fangen heute den ersten Steinschlag mit Folgen ein - nach 130 000 km unterwegs. Ich würde sagen, ein guter Schnitt. Der Schaden ist nicht gross, muss aber sicher repariert werden. In Tashkent oder so, werden wir also mal bei "Carglass" vorbeischauen.
Auch in den nächsten Tagen werden wir von der Baustelle begleitet. Sie ist endlos, nicht bloss 200 km lang wie prophezeit, die Strasse oft richtig schlecht, viele Laster sind hier unterwegs, weil die südliche Grenze geschlossen ist, also alles in allem nicht nur Freude. Die Übernachtungsplätze sind aber immer grandios, wir suchen uns nach Möglichkeit kleine Gewässer, weil da die unterschiedlichsten Tiere zum Trinken kommen. Viele Pferdeherden, mit sehr aufmerksamen Leithengsten, kommen nach und nach heran und plantschen in den Pfützen wie Kinder. Wir kommen trotzdem immer ein bisschen voran, und nach ein paar Tagen erreichen wir Aral.
Die Stadt im Südwesten Kasachstans existiert bereits seit 1870, als die Eisenbahnstrecke von Orenburg im jetzigen Russland, und Taschkent der Hauptstadt Usbekistans, gebaut wurde. Im gleichen Jahr gründeten Kaufleute die ersten Fischfabriken. Die Blütezeit Arals reichte bis in die 1970er Jahre, und endete mit dem rasch sinkenden Wasserspiegel des Aralsees. Bewässerungen der äusserst durstigen Baumwollpflanzen in immer grösser werdenden Baumwollanbaugebieten, führten dazu, dass immer weniger Flusswasser den See erreichte. Bereits 1960 begann der See daher drastisch zu schrumpfen und entfernte sich immer mehr von Fischerdörfern und Häfen. Viele Schiffe liefen auf Grund, der See versalzte zunehmend. Von ehemals 60 000 Berufsfischern lebten 1980 noch gerade 700 von den Einkünften des Fischfangs. Um die Konservenfabriken von Aral zu retten, wurde Fisch vom Pazifik und der Ostsee importiert, und anschliessend wieder zurücktransportiert, was einer Strecke von etwa 20 000 km entspricht. 1997 wurde die letzte Fabrik trotzdem geschlossen.
Übrigens war der Aralsee früher mit dem Kaspischen Meer verbunden und vor vielen tausend Jahren sogar mit dem Schwarzen Meer. Jetzt ist noch eine zweigeteilte Pfütze übrig, die Region wird durch die fehlende Kühlung des Wassers immer heisser, der See trocknet noch schneller aus. Die Felder in der Nähe des Aralsees sind zudem verseucht durch Agent Orange, welches für die Entlaubung der geernteten Landwirtschaftsflächen versprüht wurde, dies und unsicher gelagerte chemische und biologische Kampfstoffe (!), führen bei der Bevölkerung zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen. Durch die hohe Arbeitslosigkeit in der Region, wandern viele junge Menschen in grössere Orte oder sogar andere Länder ab, um die Zukunft der Gegend ist es also nicht gerade gut bestellt.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings: Zur Rettung des nördlichen Aralsees (Kleiner Aralsee) wurde ein durch die Weltbank finanzierter 12 km langer Damm errichtet, der den Syrdarja Fluss aufstaut. Daher konnte sich in dieser Ecke des Sees der Wasserstand stabilisieren und die Wasserfläche um 30% wachsen. Die Fische können sich wieder vermehren da der Salzgehalt gesunken ist, die Fischerei wird langsam wiederbelebt. Allerdings ist diese klitzekleine Ecke zwar ein Erfolg, allerdings eher in der gösse eines Tropfens auf einem heissen Stein.
Für uns ist Aral der Ort um Diesel zu tanken, Lebensmittel aufzufüllen und das gut gemachte kleine Museum im alten Hafen zu besichtigen. Es gibt Einblick in die goldenen Zeiten des Fischfangs, und die Geschichte des Aralsees. Man kann viele Exponate aus vergangenen Zeiten bestaunen, und in gut erhaltenen Fischerbooten das Leben der Fischer hautnah miterleben.
Vom Deck des Trawlers aus, hat man einen guten Blick auf das deprimierende Gebiet der alten Fischfabriken und der rostigen Hafenkräne. Wie Giraffen Skelette in der Wüste stehen sie da und altern ohne Aufgabe vor sich hin.
Ein bisschen südlich von Aral ist der Lake Kamyslybas. Einst ebenfalls ein Teil des Aralsees, heute ein eigenständiger, immer wasserführender See mit Salzwasser, welches je nach Wetter in seiner Salzkonzentration stark variieren kann. Die Küstenlinie, fast unverbaute 116 km lang, mit einer maximalen Tiefe von 10 Metern, ist er heute bei 40 Grad unser erklärtes und hoffentlich kühles Ziel. Es ist verdammt heiss, der Wind der zum Glück immer weht, fühlt sich an wie direkt aus dem Föhn, es ist staubig und wie im Glutofen. Wir finden an dem langen einsamen Strand ein fantastisches Plätzchen, Kamele und Pferde grasen oder ruhen irgendwo in der Nähe.
Hier bleiben wir ein paar Tage. Denn wir haben ein Date. Am 14.Juli, in Baikonur.
3.7. Ab ins All
Baikonur liegt etwa 200 km südlich des Aralsees. Weltbekannt ist die Stadt für das 38 km nördlich befindliche Kosmodrom Baikonur, von dem aus seit 1957 sowjetische bzw. russische Weltraum- Missionen starten. Seit 1994 wird die Stadt von Russland gepachtet und steht unter russischer Verwaltung. 1955 begann die Sowjetunion nahe der kleinen Siedlung Tjuratam mit dem Bau eines Testgeländes für ihre ersten Interkontinentalraketen.
Tjuratam lag für den Zweck recht verkehrsgünstig am Ufer des Flusses Syrdarja und an der Eisenbahnstrecke nach Moskau. Den Namen Baikonur erhielt es zur Irreführung der Westmächte, der Ort an sich unterlag strengster Geheimhaltung, andererseits wollte die sowjetische Regierung sich ihrer Erfolge rühmen und nach Juri Gagarins Raumflug 1961 in den öffentlichen Bekanntgaben auch einen Ort des Raketenstartes nennen. So wurde Baikonur, das etwa 320 km vom Gelände entfernt liegt, als Standort des sowjetischen Weltraumbahnhofs genannt.
Und genau von eben diesem Weltraumbahnhof soll am 14. Juli, also in ein paar Tagen, die nächste bemannte Raumfähre MS-29 mit drei Kosmonauten, zwei Russen und einem Amerikaner von der NASA, starten. Bei diesem seltenen Ereignis würden wir natürlich gerne dabei sein, allerdings sind diese Daten offenbar nicht sehr verlässlich. In diesem Jahr gibt es nur zwei bemannte Starts, aber wegen Wetter, Dies und Das werden die Starts oft in letzter Minute abgesagt oder die Startzeit geändert. An "unserem" wunderbaren See mit den vielen Kamelen und Pferden, sind wir noch 150 km von Baikonur entfernt.
Wir werden also bis am 13. versuchen die Hitze zu überstehen, und uns dann Richtung Süden auf den Weg zum Startgelände machen. Allerdings soll alles sehr gut gesichert sein. Wer wirklich beim Start auf dem Gelände sein will, muss das mindestens 60 Tage vorher beantragen, mit Formularen und allem PiPaPo. Das haben wir natürlich nicht gemacht, aber es soll Plätze im Umkreis von etwa 30 bis 40 km geben, von wo man durchaus einen guten Blick auf die Rakete haben soll. Wir werden versuchen das herauszufinden, und wer weiss, vielleicht sehen wir die Männer und Frauen die auf den Mond fliegen.
14.7. Baikonur
Baikonur erinnert an ein kleines Westernstädtchen irgendwo im Nirgendwo. Mitten in der Steppe ein paar Geschäfte, Hitze ohne Ende, Staubteufel die durch die Strassen flitzen und ein paar Seelen unterwegs in den staubigen Gassen. Wir versuchen das Museum zu erreichen, aber ein sehr netter junger, russischer Soldat an einem Gate, weist uns darauf hin, dass das Museum in der Sperrzone liegt und man einen Permit braucht um in diese eingelassen zu werden. Schade, aber er war immerhin sehr nett. Vielleicht auch nicht die beste aller Entscheidungen, das Museum nicht ausserhalb zu erreichten?
Vor dem offiziellen Bahnhof zum Raketenstartgelände wurde allerdings eine für alle Touristen zugängliche Ecke errichtet, wo man ein paar Infos zur Geschichte der Raumfahrt und Ausstellungsstücke bewundern kann. Danach fahren wir zu einem Punkt in der Pampa, der leicht erhöht liegt, von wo aus man sogar etwas vom Raketenstart erhaschen können soll, auch wenn man nicht zum erlauchten Kreis der Permitbesitzer zählt.
Am Ende finden sich da etwa 10 Fahrzeuge von Overlandern ein und ein paar Motorradfahrer, einige kennen wir schon, andere nicht, aber es ist toll wieder mal gleichgesinnte Vögel zu treffen, alle mit unterschiedlichen Plänen. Ein bisschen wie "Abenteuer Allrad" in echt und ohne Sumpf😅.
Als es langsam Zeit wird, bummeln wir gemeinsam auf die kleine Anhöhe in der Nähe, damit uns an diesem geschichtsträchtigen Tag auch ja nichts entgeht. Die Kameras sind alle schussbereit, als wir pünktlich um 19.47 alle in die falsche Richtung schauen, bis Anke endlich ruft: da ist sie! Dann sehen wir sie alle! Sie glüht gen Himmel wie eine 1. August Rakete, ist eine ganze Weile zu sehen - und das wars. Der Wind war so stark, dass wir nicht das kleinste Donnern, Krachen oder sonstigen Lärm gehört haben, aber hey: Es war einmalig, grossartig und vor allem lustig. Wir waren dabei: bei einem der seltenen bemannten Raketenstarts Russlands - und werden uns alle auf ewig daran erinnern.
15.7. Immer weiter durch die Hitze der Steppe
Nach weiteren 330 km machen wir mit Anke und Atila halt für die Nacht. Wir wollten eigentlich an einen See, der auf Google Maps noch zu finden ist, in echt hat der sich allerdings in Dunst aufgelöst. Nicht die kleinste Pfütze ist noch vorhanden. Also fahren wir weiter und verabreden uns mit den beiden am Mausoleum, wir haben alle genug von Hitze, Steppe und nie endenwollenden Kilometern mit LKW's und Kühen.
Aber vielleicht sollte es so sein. Denn das Okshi-Ata-Mausoleum ist ein heiliger Schrein und in der Abendstimmung echt traumhaft. Das historische Baudenkmal ist aus dem 9. Jahrhundert und gelehrten aus der Region gewidmet.
16.7. Turkistan
Die Stadt im Süden des Landes hat 230 000 Einwohner, macht aber einen eher verschlafenen, gemütlichen Eindruck - was auch an den 46 Grad liegen mag. Nicht viel Verkehr, riesige Parkplätze, keine Hektik. Wir hüpfen vom klimatisierten Auto, direkt in den klimatisierten Supermarkt und bummeln darin überdurchschnittlich lange durch die Regale. Aber es ist so wunderbar kühl. Man wünscht sich, ein Joghurt zu sein.
Schon von weitem sehen wir das grosse Mausoleum, das Flying Theatre und die neue "Karavan Saray". Wir parken unter ein paar mittelgrossen Bäumen, die doch ein wenig Schatten spenden und stellen uns erst mal unters Wasser. Was für eine Wohltat, obwohl das in den Tanks auch etwa 38 Grad hat. Im Zentrum bummeln wir durch die Karavan Saray, die leider nur aus den üblichen Geschäfte wie Waikiki und Co. besteht, aber fast schon wie in den Emiraten mit schönen Wasserwegen gebaut ist.
Das absolute Highlight hier ist das Flying Theater. Die goldene Kugel ist architektonisch schon eine Freude, aber die wahren Werte liegen im Innern. Tinu und ich bekommen die Führung in Englisch, ein Mädel erzählt uns Wissenswertes über die Geschichte Kasachstans. Dann wird man vor einer riesigen Leinwand auf beweglichen Sitzen (ähnlich eines Sesselliftes) festgeschnallt und fliegt als Steppenadler durch die Geschichte Kasachstans. Die 8D Effekte sind faszinierend! Man spürt echten Wind, Feuchtigkeit wenn der Adler durch die Wolken stösst, riecht den würzigen Duft der Steppe, und zieht immer wieder die Beine hoch, wenn man das Gefühl hat, man streife einen Felsen oder einen Dünenkamm. Der Film dauert kurze 8 Minuten, hätte sehr gerne noch eine weitere halbe Stunde weitergehen können. Ein tolles Erlebnis.
Vom klimatisierten Theater, bummeln wir triefend zur nächsten kühlen Ecke, die Bar des Hotels Hampton Inn. Auf die Frage ob es ein Glas Wein gibt, meinen zwei junge Mädels strahlend ja, und sogar aus der Region. Kann das sein? Hier, in dem Glutofen wo wir nix als Steppengras gesehen haben? Wir gehen davon aus, dass die zwei sich irren und bestellen mal ein Glas. Sie meint, wir dürften zuerst auch kosten und verschwindet mit Flasche und offner in der Küche....dann passiert nichts mehr. Irgendwann kommen die beiden mit roten Bäckchen wieder zur Bar, der Öffner steckt noch im Korken und der Korken noch in der Flasche. Sie meinen, ob wir denn wüssten wie das funktioniert. Sie hätten gezogen und gezogen, aber der Korken bewege sich nicht. Tinu also: Serviceschulung erste Lektion - und Zack, die beiden wissen jetzt wies läuft und haben gestrahlt.
Und der Chardonnay ist tatsächlich von der Region Turkistan und der schmeckt tatsächlich richtig gut!
17.7. Weiter bis vor die Grenze
Nachdem wir auf einem der vielen grossen und sogar teils schattigen Parkplätzen übernachtet haben, geht es für uns noch kurz in den Supermarkt. Wir wollen schauen, ob die uns von dem Weingut gestern ein paar Flaschen verkaufen. Leider nein, aber sie haben sonst einige Weine der Region. Wir kaufen also wieder mal ein, denn irgendwann wird es bestimmt wieder kühler, dann werden wir auch wieder Freude an einem Glas Wein haben.
Bei der Kasse guckt das Mädel etwas irritiert auf ihre Uhr, und zeigt auf den Wein. Ups, ist es hier etwa wie in anderen muslimischen Ländern? Genau. Vor 12.00 Uhr wird kein Alkohol verkauft. Ob es daran liegt, dass heute Freitag ist, oder ob das jeden Tag so ist, können wir nicht sagen. Jedenfalls ziehen wir mit den alkoholfreien Bieren und dem Gemüse von Dannen.
Ein weiterer Glutofen-Tag erwartet uns. Schon morgens um zehn haben wir 38 Grad. Das kann ja was werden. Wir fahren also etwa 250 km bis kurz vor die Grenze, die Landschaft wandelt sich, ist auf einmal wieder hügelig, viele Weizenfelder sind abgeerntet, Mais und Kartoffeln wachsen und sogar Treibhäuser sind zu sehen, wenn auch leere.
In den Flüssen hat es in der Regel zumindest etwas Wasser, Pferde, Schafe und Kühe sehen gut genährt und gepflegt aus. Wir sind nun etwa 30 km vor der Grenze, und diskutieren mit anderen Reisenden, welcher Grenzübergang, wohl der beste wäre. Viele bitterböse Einträge auf Google, IOverlander und P4N, lassen uns etwas ratlos zurück. Das müssen wohl Beamte sein, mit Korruptionslevel afrikanischen Ausmasses, aber hey: nützt ja nix, da müssen wir durch. Und zwar morgen.
Fazit Kasachstan: 3 Wochen/ 2700 km
Was mal ganz sicher von Kasachstan für uns in Erinnerung bleibt: Das Land ist riesig und heiss und extrem sauber! Aber so richtig und richtig schön. Die Weiten der Steppe mit den tausenden Pferden ist eindrücklich, die Sonnenuntergänge sind spektakulär, genauso wie die Übernachtungsplätze, Baikonur war ein Highlight und die Menschen sind auf nette Weise aufgeschlossen und interessiert, aber nicht anhänglich. Die Versorgung ist einfach und die Infrastruktur meist gut, der Verkehr ist gesittet und nicht chaotisch. Es hat uns sehr gefallen, genau wie wir uns den Einstieg in die Seidenstrasse vorgestellt hatten. Besser wäre, das Land ausserhalb des Hochsommers zu besuchen, aber Juli/ August geht auch. Es ist dann einfach sauheiss!









































































































































