top of page
Bildschirmfoto 2024-06-14 um 17.20.25.png

Griechenland

Einwohnerzahl: 10.5 Mio.

Griechenland ist etwas mehr als dreimal so gross wie die Schweiz

15.6. Grenztag Griechenland  

 

Vom Restaurant Livia haben wir es nicht weit auf die kleine Fähre, die uns für 14€ auf die andere Seite des ca. 100 Meter breiten Flüsschens bringt. Sie erspart uns aber einen grossen Umweg. Mit einer Radfahrerin, zwei Fussgängerinnen und einem Indy ist die Barke voll und wir legen ab. Keine fünf Minuten gewartet - perfekt. Ein letztes mal cruisen wir durch das fruchtbare Albanien mit Orangen-, Oliven- und Zitronenbäumen und schon sind wir am Grenzgebäude von Albanien. Wir fahren zum Häuschen mit dem Schalter, strecken unsere Pässe raus, der nette Mensch hinter Glas fragt noch nach unseren Papieren vom Auto und dann sind wir auch schon wieder entlassen.

 

Nach etwa drei Kilometern kommen wir an die Grenze Griechenlands. Aussteigen und mit den Pässen und den Autopapieren zum Schalter gehen, zack, fünf Minuten später einreisen. Es kann so schön sein!

 

Wir fahren direkt in Sagiada an die Küste runter zum Meer. Griechenland wie man es erhofft zu finden. Türkis Meer, warmes Wasser, ein toller Platz direkt gegenüber von Korfu. Schiffe und Fähren kommen und gehen - bestimmt wird das unser Platz für mindestens zwei Nächte.

IMG_3021.jpeg
IMG_3036.jpeg
IMG_3009.jpeg

17.6. Sagiada - Igoumenitsa - Korfu

 

Von unserem Platz am Meer ausserhalb Sagiadas sehen wir immer in die Meerenge zwischen uns und Korfu. Sehen wie viele Fähren den Wasserweg nehmen und ab und an sogar ein grosses Kreuzfahrtschiff. Ausnahmslos alle Kreuzfahrtschiffe laufen die Stadt Korfu an und nach unseren Recherchen ist das eine wirklich hübsche kleine Altstadt. Wir beschliessen nach Igoumenitsa zu fahren, dort das Auto stehen zu lassen und einen Tagesausflug nach Korfu zu unternehmen. Parkplatz und Terminal sind schnell gefunden, und bereits um 9.30 Uhr sitzen wir auf der Fähre nach Korfu. Wir geniessen den Fahrtwind, einmal mehr ist es über 30°. Die Fähre ist schlecht besetzt und wir haben viel Platz. Ich halte unermüdlich Ausschau nach Delphinen und bin sicher, dass sie direkt vor unserer Nase tanzen, aber sie lassen sich nicht blicken...

 

Nach fast zwei Stunden legen wir im Hafen von Korfu an. Zum Glück sagt uns einer der Schiffsagenten im Hafen, dass die Fähre retour allenfalls von einem anderen Pier aus zurückgeht und bucht uns auf die 17.00 Uhr Fähre. Die Altstadt ist wirklich nur ein paar Fussminuten weg. Unterwegs kauft sich Tinu in einem Fachgeschäft für Wassersport eine neue Taucherbrille und dann sind wir bereits in den schmalen schönen Gassen der Altstadt. Sie ist autofrei, total sauber, gepflegt mit schönen Blumenkübeln und belebten Plätzen, tollen Geschäften und das Beste: Egal in welchem Laden - alle Verkäufer sind total nett. Und zwar nicht nur wenn man das Geschäft betritt, sondern auch beim Verlassen, wenn schon klar ist, dass man nichts kauft. Wirklich super sympathisch und das bei all den Schiffspassagieren, die zu tausenden das Örtchen fluten. 

 

Wir essen, natürlich Tzaziki und feine Souvlakis (die tollen Spiesschen die auf dem Holzfeuer gegrillt werden), dazu Kartoffeln und feines Pitabrot. Unerwartet tolles Essen, was wir in einem solchen Touristenmekka nicht erwartet hätten. Korfu gefällt uns richtig gut, wir sind froh, dass wir den Ausflug gemacht haben. Auch auf dem Rückweg zeigen sich keine Delphine, aber eine Schifffahrt ist eh immer super. Irgendwie Schulreiseatmosphäre :-) 

 

Unser Indy hat währenddessen den ganzen Tag in der prallen Sonne gestanden, und als wir wieder zurückkommen, zeigt unser Temperaturmesser im Innern 49° an. Oh Mann! Und bei einer Aussentemperatur von 35° kann man auch nicht wirklich lüften...Also kommt unsere Klimaanlage zum Zug und muss alles geben. Wir fahren durch die Stadt, in die nächstgelegene Bucht und stellen uns da zu anderen Wohnmobilisten, die uns bestätigen, dass sie schon einige Tage hier stehen und die Polizei nie etwas beanstandet hat. Cool. Parken unter Bäumen, Badesachen fassen und rein ins Meer. Mega! Bei einem Bauern, der auf der Ladefläche seines Pick-ups Gemüse verkauft, erstehen wir danach noch Früchte und Tomaten und kochen uns ein feines Znacht. 

18.6. Igoumenitsa - kurz vor Meteora

 

Über eine einwandfreie Strasse fahren wir durch die grünen Berge Griechenlands, Föhren und Olivenbäume und immer wieder viel blühender Ginster. Eine tolle Landschaft die noch dazu gewinnt, als uns nach und nach immer mehr Oldtimer begegnen. Viele über 50 jährig auf einer Rallye von Peking nach Paris. Das ist ja mal ne verrückte Route mit diesen alten Kisten. Immerhin haben sie Werkstattfahrzeuge und Mechaniker dabei. 

 

Wir kommen gut vorwärts und wollen heute nicht mehr bis zum Campingplatz in Kalambaka. Die Idee ist an einem schönen Platz am Fluss zu übernachten, dann am Morgen früh zu fahren und auf einen der Klosterberge zu wandern - in einer der spektakulärsten Landschaften Griechenlands. 

IMG_3111.jpeg
IMG_3110.jpeg
IMG_3106.jpeg

19.6. Meteora - Kalambaka

 

Wikipedia:

Der Name Meteora leitet sich ab vom griechischen Wort „meteoros“, was so viel bedeutet wie „hoch schwebend“. Mönche errichteten vor Jahrtausenden auf den bizarren Sandsteinfelsen diese majestätischen Klöster, um Gott nahe zu sein. Von den 14 Klöstern aus dem 14. Jahrhundert sind einige bereits verfallen, andere immer noch von Mönchen bewohnt und die restlichen dem Publikum zugänglich. Schon der erste Anblick lässt einen ehrfürchtig staunen. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert waren die Meteora Klöster praktisch unzugänglich. Mensch und Waren wurden mit Seilwinden und in Netzen zu den Klöstern hinaufgezogen. Die Region ist natürlich UNESCO-Kulturerbe.

Wir schlafen gut an unserem Fluss und starten bereits um sieben in den Tag. Es ist noch richtig kühl, rasch ist alles zusammengeräumt und bereits eine halbe Stunde später sind wir im Zentrum von Kalambaka. Läck mir, und dann wird's richtig anstrengend. Aber richtig. Es geht über Tritte, hohe oder ganz hohe Tritte, hohe Felsen oder starke Steigungen immer obsi. Je höher wir steigen desto beeindruckender die Aussicht. Die steilen Felsen vor dem stahlblauen Himmel und zuoberst thronen einst schwer erreichbare Klöster. Ab und an ein kreisender Adler aber keine andere Menschenseele, kein Wunder. Irgendwo auf halber Strecke will ich schon den Geist aufgeben, aber dann pack ich's doch, und komme irgendwie oben an. Wir sind noch ein wenig früh, das Kloster Trinity öffnet erst um 9.30. Wir machen ein kleines Picknick, wie sich das für eine Bergbesteigung :-) gehört. Und dann sind die Tore auch schon geöffnet. Mädels dürfen nur in langen Röcken und langärmligen Shirts rein, ich hab beides nicht. Ich hab es aber vorher gewusst und bin deshalb nicht enttäuscht. Ich gehe auch nicht gerne in Kirchen, also warum in Klöster? Übrigens war das Kloster Trinity Schauplatz des James Bond 007 "In tödlicher Mission".

 

Natürlich folgt nach dem Aufstieg unweigerlich der Abstieg. Die hohen Stufen sind immer noch da, aber einige Opfer die die Wanderung auch unter die Füsse genommen haben und uns begegnen, sehen nicht viel besser aus. Stöhnen und ächzen überall. Irgendwann sind wir wieder beim Indy und unser Schritte App vom iphone vermeldet 10'000 Schritte und 132 Stockwerke!!!

 

Wir fahren zum Camping Vrachos, denn wild stehen darf man in Kalambaka nicht. Und ehrlich, der Pool ist ein tolles Argument. Schöner Platz mit allem und sogar mehr als man braucht. 

20.6. Meteora - eine neue Liebe

 

Nachdem wir den Tag auf dem Camping verbummelt haben, fahren wir Mitte Nachmittag auf die Rundroute die die Klöster verbindet. Wir wollen zum Sonnenuntergang beim Sunsetfelsen sein, von wo aus man ins Tal der Felsgiganten mit ihren Klöstern sieht. Noch einmal sind wir fasziniert von der Baukunst in luftiger höhe, aber die Felsen an sich würden für die Faszination schon ausreichen. Wir stellen fest wie sehr uns steinige Landschaften immer wieder aufs Neue berühren. Blutkoppe in Namibia, "the Burr trail", Bryce, Alabama Hills oder the Wave in den USA, oder Ischigualasto in Argentinien, wir lieben sie alle. Je karger desto besser!   

 

Wir machen Halt im Kloster Varlaam. Über eine neu gebaute Brücke und einige neue Treppenstufen gelangt man ins Innere des Klosters. Es liegt auf 373 Meter über dem Talboden über felsigem Abgrund. Leider ist es sehr gut frequentiert, da Reisebusse ganz in der Nähe ihre Passagiere ausladen können. Dennoch findet man im Innern einige ruhige Ecken, und darf sich ganz ungeniert umsehen. Im Gegensatz zu anderen Klöstern wird dieses nicht mehr von Nonnen oder Mönchen bewohnt und ist ganz und gar für das Publikum geöffnet. Spektakuläre Aussicht, wunderbare Fresken und viele Reliquien und Schätze aus dem 14. und den folgenden Jahrhunderten.    

 

Nach unserem Cirquit rund um die Klöster ist es noch zu früh für die Sonnenuntergansaufnahmen. Wir suchen uns also vorab schon mal einen Übernachtungsplatz  - und finden einen. Eine kleine ebene Fläche mit einer Aussicht wie aus dem Flugzeug. Mega. Hierhin wollen wir später am Abend zum schlafen zurück. 

 

Der Sonnenuntergang zwischen den hohen Felsen lockt viele Menschen an. Erstaunlicherweise sind alle sehr ruhig und andächtig. Kein lautes Geschnatter oder Gekicher, alle sind berührt von der mystischen Stimmung und der wunderschönen Aussicht. Viele Fotos werden gemacht, einige auch von uns, obwohl dies wieder mal ein Blick ist, der sich nicht einfangen lässt. Wir haben ihn uns auf die Netzhaut gebrannt und nehmen ihn in unseren Herzen mit...für mich das Highlight auf unserer bisherigen Reise. 

21.6. Meteora - Ägäisches Meer

 

Freitag Morgen - Markttag in Kalambaka, zudem brauchen wir dringend einen ATM. Wir haben gefühlt 0 Euro in der Kasse und auf dem Markt kann man bestimmt nicht mit Kreditkarte bezahlen. Wie überall in Griechenland hat es auch in Kalambaka grosse gratis Parkplätze, wir schnappen uns einen davon, holen Kohle und bummeln zum Markt. Unsere Vorräte sind total aufgebraucht, wir können also aus dem Vollen schöpfen. Wir lieben es! Und was für ein schöner Markt.

 

Die Ware ist sehr viel schöner als in Albanien, die Auswahl um Einiges grösser und wir staunen ob den für uns günstigen Preisen. Wir wissen, dass für die Einheimischen das Leben massiv teuerer geworden ist, aber uns erscheinen zum Beispiel Lebensmittel oder Restaurants vergleichsweise günstig. Wir kaufen also Baumnüsse, Oliven, Tomaten, Paprikas, Orangen, Nektarinen, Bananen, Kartoffeln, Aprikosen, Zitronen und alles ist irgendwo um 14€. 

Wohlverstanden: etwa 300 gr. Oliven, die auf dem Markt mittlerweile in Zürich fast mit Gold aufgewogen werden, haben wir nachdem wir alle querbeet degustiert hatten, 2€ bezahlt und für die etwa 500 gr. Baumnüsse von der sehr netten Bäuerin 5€. Das schöne Gemüse und die Früchte werden wieder ein paar Tage reichen, und es macht total Spass damit zu kochen. Gerade Tomaten und Paprikas sind unvergleichlich.

21.6. Ankunft am Ägäischen Meer 

 

Zwei Tage stehen wir an einem schönen Strand direkt unter dem Olymp, etwa 70 km vor Thessaloniki, kurz Saloniki. Es gibt mehr und mehr Badewillige und nach kurzer Konsultation des Kalenders, realisieren wir: die Sommerferien der Griechen haben begonnen und dauern bis zum 9. September! Zudem ist langes Wochenende, es ist orthodoxer Pfingstmontag. Es wird also immer voller, wir packen unsere sieben Sachen zusammen und brauchen eine halbe Stunde nur um aus dem Fahrzeugknuddelmuddel des Parkplatzes rauszukommen. Grosse Linien- und Strandbusse, viele PKW's und beidseitig geparkte Fahrzeuge jeder Grösse verstopfen die kleinen Zubringerstrassen zum Strand. Durch Saloniki kommen wir dank Sonntag ohne grössere Staus und bald schon nehmen wir wieder Kurs auf den nächsten Strand. Auf dem ersten Finger von Chalkidiki nur etwa 40 km von Saloniki weg, finden wir einen schattigen Platz für unseren Indy, direkt am glasklaren Meer. Allerdings nicht ganz alleine. Einige kleinere Hotels haben ihre Sonnenliegen aufgestellt, regelmässige Strandgänger mit ihren ganzen Ausrüstungen geniessen die heisse Zeit des Tages im oder am Wasser. Aber es ist entspannt und nicht gar so voll, wir stehen etwas ausserhalb der Hotelzone. Am Abend gehen die Einheimischen nach Hause, internationale Touristen hat es nur vereinzelt und WoMo's sind auch selten. Somit haben wir den Strand und den magischen Sonnenuntergang am Abend fast für uns alleine. 

 

Bis nach den Feiertagen bleiben wir hier und am Dienstag suchen wir mal eine Mercedes Werkstatt auf. Unsere Klimaanlage leckt in den Innenraum, Fussbäder bei 36° sind ja nichts Schlechtes - aber das muss sich wohl trotzdem ein Mechaniker ansehen...

 

Wir bekommen von der Mercedes Zentrale in Deutschland einen Termin in einer Werkstadt genau am anderen Ende von Saloniki. Heisst für uns einmal quer durch die grosse Stadt, aber wir sind froh überhaupt einen Termin so zeitnah bekommen zu haben. Es riecht im Auto nämlich schon wie in einem feuchten Keller. Für die 21 km brauchen wir genau zwei Stunden, Rushhour gibt es also auch in Griechenland, und kommen in einer sehr modernen grossen Werkstadt mit Ausstellungsraum von Mercedes Benz an. Nein, wir seien nicht gemeldet, und nein sie hätten heute leider keine Zeit - meint die sehr nette Dame am Empfang. Tinu zeigt ihr den Termin auf seinem Telefon, und sie kontaktiert den Werkstattchef. Dieser kommt nach kurzer Zeit raus zu unserem Auto, und meint, er könne es eventuell einschieben. Bestimmt sei ein Schlauch der Klimaanlage blockiert oder geknickt. An sich eine kleine Sache, allerdings muss ein grosser Teil der Frontabdeckung demontiert werden, was offenbar ziemlich Zeit braucht. 

 

Wir lassen unseren Indy also in der Werkstatt, rufen uns ein Taxi und machen uns auf den Weg nach Thessaloniki. Die zweitgrösste Hafenstadt Griechenlands mit ihren 350'000 Einwohnern, hat einen netten Stadtkern, einige hübsch Läden und eine sehr schöne Markthalle. Tinu und ich waren vor 39 (!) Jahren schon mal mit den Motorrad hier, und es hat sich doch einiges verändert. Uns gefällt natürlich auch der Hafen, wo momentan die "Crystal Symphony" mit ihren 1000 Passagieren angelegt hat, auf der wir vor ewigen Zeiten sogar mal gearbeitet haben.

 

Allerdings sind wir natürlich nicht wegen der Stadt hier, sondern weil in unmittelbarer Umgebung die Dreifinger Halbinseln Chalkidiki, mit ihrem türkisblauen Meer und den weissen  Sandstränden lockt. Nicos, der Werkstattchef meinte noch, unser Indy werde bestimmt vor Schliessung der Werkstatt um 16.30 fertig sein, aber wir bekommen bereits um etwa 14.00 Uhr eine Mail, das Auto sei abholbereit. Er erwartet uns mit einem breiten Grinsen. Ein Käfer mit einem breiten Hintern hat tatsächlich eine der Leitungen blockiert und so das System zum Erliegen gebracht. (Naja, sich selber hat er natürlich auch in Schwierigkeiten gebracht). Aber sie hätten alles entstopft und somit stehe unserer Reise in wärmere Gefilde nichts mehr im Wege. Vielen Dank ihr Helden! Nasse Füsse im Auto ist irgendwie nichts.

 

Also fahren wir wieder im Schneckentempo durch die ganze Stadt, besuchen noch einen Campingladen von zwei Brüdern die lange in Deutschland gearbeitet haben und der keine Wünsche offenlässt, tanken Gas, füllen Wasser und weiter gehts direkt zurück an unseren Platz am Strand.

 

Ein guter Platz. Allerdings ist heute Kindergeburtstag und es ist nicht ganz so ruhig. Aber wir sind froh, die Stadt verlassen, und den Indy repariert wieder zurückbekommen zu haben.