
Marokko von Guelmim im Süden nach Tanger im Norden, ab Woche 5
9.-13.1.26 Guelmim - Grand Canyon - Window of Life
Guelmim ist eigentlich keine Reise Wert, aber Ausgangspunkt für unsere Tour ins Landesinnere. Erst wollten wir noch weiter in den Süden, zu den berühmten Surferstränden, aber wir waren jetzt ausgiebig an der Küste und haben Lust auf Sandpisten und Einsamkeit.
Von Guelmim fahren wir also zum Grand Canyon Marokkos. Eine wunderbare Gegend mit tief eingeschnittenen Tälern und roten Bergen. Kaum Verkehr, deshalb übernachten wir direkt an der Strasse, mit grandioser Aussicht auf karges Gestein und stahlblauem Himmel. Natürlich ist die Nacht ruhig, am Morgen kommt ein Hirte mit seiner Ziegenherde vorbei - wir fragen uns jedes mal von was die Tiere leben - übrigens hier auch die Menschen. Er fragt nach Zigaretten, was wir immer dabei haben, und überlassen ihm ein paar Genussstengel. Die gute Strasse führt uns weiter in die Schlucht des "Fenster des Lebens", wir bestaunen als einzige Touristen diese grandiose Kulisse. Ab und an versuchen Bautrupps die Geröllmassen, die in den letzten Tagen heruntergestürzt sind, wegzuräumen, aber die Abgänge sind schon beeindruckend. Sie winken uns aber durch, meinen es sei kein Problem, und wirklich, alles ist tiptop aufgeräumt.
Das Fenster ist eine spektakuläre, natürliche Felsformation im Antiatlas. Allerdings nicht so berühmt wie sein Pendant "Arches" in den USA. Hier ist genau keiner. Wir machen ein paar Fotos, aber mir ist irgendwie nicht so richtig wohl in der tiefen Schlucht. Es sind so grosse Gesteinsmassen heruntergekommen und wer weiss, ob das nicht noch weitergeht.
Wir wenden also und verlassen den eindrücklichen Ort, um auf einer anderen spektakulären Serpentinenstrasse weiter zu fahren. Heute ist wohl offizielles Sprintertreffen. Wir sind gerade ausgestiegen um ein paar Fotos zu machen, als ein weisser aus Hamburg neben uns anhält. Wir plaudern ein wenig und tauschen Tipps, als der blaue Sprinter mit Daniela und Manfred aus SG neben uns anhält. Plaudern, Tipps tauschen auch hier. Ein paar Serpentinen weiter unten, treffen wir Diri und Sandra aus dem Aargau mit ihrem quitschgrünen, mit den beiden hatten wir über die sozialen Medien schon ein paar mal Kontakt. Sie waren zur gleichen Zeit in der Türkei, aber irgendwie haben wir uns dennoch immer verpasst. Alles nette Travelbuddies, mit denen man gut und gerne auch ein Abend am Lagerfeuer hätte verbringen wollen. Leider sind alle in die andere Richtung unterwegs...
Auf unserer Weiterfahrt kommen in ein paar Berbersiedlungen, überall wird die Strasse geflickt, Schutt und Holz weggeräumt, hier hat es wohl in den letzten regenreichen Tagen richtig viel Wasser und Material zusammengespült, einige Häuser sehen beschädigt aus - schwierige Zeiten für die Menschen hier im Tal. Aber sie grüssen alle freundlich und winken, egal ob Kinder oder Erwachsene.
Von Reisefreunden haben wir eine Empfehlung für eine Tour durch die Wüste erhalten. Es ist eine Rundroute von ungefähr 70km, zwischen hohen Dünen und Steinwüste. Wahnsinnig schön, einsam, grossartiger Sonnenuntergang inklusive. Wir übernachten, und fahren gegen Mittag am nächsten Tag weiter. Ab und zu Tiefsand, dann wieder Geröllfelder, Dünen und Felsformationen - wir fühlen uns Zuhause. In vielen Ländern hat uns genau diese Landschaft den Ärmel reingezogen. Sei es im südlichen Afrika, in Saudi oder in Jordanien - man fühlt sich irgendwo inmitten der Evolution. Megaschön!
Noch einmal übernachten wir mitten im Nirgendwo, diesmal am ausgetrockneten Draa. Wir stehen am richtig breiten Flussbett, sehen unten am Ufer ein Berberzelt. Eine Dromedarmutter säugt ihr Frischgeschlüpftes. Hat nicht mal Hundegrösse und muss sich nach dem Säugen immer wieder ausruhen und hinlegen. Später kommt ein zweites Dromi dazu, that's it an Abendunterhaltung. Ach ja, der Sonnenuntergang - Mega!
11.1.- 19.1. Wüste - Berge und sogar Schnee
Man hat in Marokko so viel Auswahl an grandiosen Regionen, wir verlassen also fürs Erste die Wüste und machen uns auf den Weg in Richtung Aid Ben Haddou. Diese Bergstrecke sind wir noch nie gefahren und somit machen wir einen Abstecher zur alten Lehmstadt. Wir übernachten immer wieder unterwegs, irgendwo im Nirgendwo, einige Strecken müssen umfahren werden, weil Strassen-oder Brückenteile bei den grossen Regenfällen weggeschwemmt oder beschädigt wurden. Bautrupps versuchen aber so rasch wie möglich, die Strassen wieder befahrbar zu bekommen, und machen das offenbar nicht zum ersten mal. Grosses Gerät ist rasch vor Ort, Umfahrungen schnell erstellt.
Erneut werden im ganzen Land heftige Regen- und in höheren Lagen auch grosse Schneefälle gemeldet. Sturm am Atlantik und in den Bergen sehr starker Wind. Das Wetter wird uns alle also noch eine Weile beschäftigen.
Als wir nach ein paar Tagen in Aid Ben Haddou ankommen, scheint gerade noch die Sonne. Wir können den Hügel der alten Lehmstadt erklimmen, und die grossartige Aussicht geniessen. In dem Ort sind zum ersten mal seit Tagen doch einige Touristen in Bussen unterwegs.
Das alte Aid Ben Haddou liegt auf 1300 M.ü.M. und ist heute nicht mehr bewohnt. Es liegt am Fusse des Hohen Atlas im Südosten Marokkos und liegt an der alten Karawanenstrasse zwischen Timbuktu und Marrakech. Man geht davon aus, dass in den besten Zeiten über 1000 Menschen dort gelebt haben. Der komplette Ortskern ist seit 1987 UNESCO Weltkulturerbe. Das alte Dorf stammt irgendwo aus dem 12. bis 16. Jahrhundert. Die Häuser sind fast komplett aus Stampflehm oder luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet und werden nun nach und nach restauriert. Natürlich fehlt auch hier menschliches Know-how für diese alte Baukunst und vor allem fehlt das Geld. Wir haben aber die Gebäude viel beschädigter in Erinnerung als wir sie nun vorfinden, das ist erfreulich. Übrigens war und ist Aid Ben Haddou immer wieder Kulisse für grosse Filme. Lawrence von Arabien (1962), Gladiator mit Russel Crowe (2000), Game of Thrones, Prince of Persia und sogar James Bond (1987) wurden in der beeindruckenden, exotischen Lehmarchitektur gedreht.
In der Zwischenzeit wurden aber viele Neubauten errichtet, eine Fussgängerbrücke führt vom neuen Teil in die Lehmstadt, es hat unzählige Restaurants und Geschäfte. Leider trübt sich das Wetter arg ein, erst setzt Schneeregen und später richtig schöner Schneefall ein. Wir werden auf unserem Hügel gegenüber der Oasenstadt ganz schön von den starken Böen durchgeschüttelt, und irgendwann verschwindet die ganze Umgebung in den tanzenden Flocken. Palmen - schneebedeckt. Verrückte Welt.
Als wir am nächsten Morgen in Richtung Norden weiterfahren wollen, gibt uns eine mobile Polizeistreife schlechten Bescheid. Die Strasse gegen Marrakech ist gesperrt. Auf dem Pass Tizi'n Tichka, der auf 2600 M.ü.M. liegt, ist kein Durchkommen, nachdem in der Nacht mehr als zwei Meter Schnee gefallen sind. Zudem wird für die nächste Nacht nochmal Schnee erwartet, aber die Optimisten meinen, dass der Pass eventuell am Folgetag dann offen sei.
Wir fahren also die paar Kilometer zurück nach Aid Ben Haddou, und quartieren uns dort auf dem Parkplatz des zentral gelegenen Hotels ein. Camper dürfen gegen kleines Geld die Duschen in einem der Hotelzimmer benutzen, Wasser tanken und parken. Passt. Als wir zum Duschen das Hotelzimmer betreten, sind wir einmal mehr froh um unser eigenes, gut geheiztes Häuschen. Wir hätten so richtig null Bock auf unterkühlte, feuchte und düstere Unterkünfte. Auch die Restaurants sind in diesen Tagen nicht gerade attraktiv. Da in Marokko mehrheitlich hohe Temperaturen herrschen, sind Restaurants oft ganz oder zumindest halboffen. Bei 0° nicht sehr verlockend. Wir entschliessen uns den kulinarischen Feldzug auf eine wärmere Region zu verlegen, kaufen bei einem sympathischen Gemüsehändler ein paar Dinge ein und kochen selber.
Mittlerweile hat sich sogar noch eine kleine, deutsche Sprintergruppe auf dem Parkplatz eingefunden. Wir plaudern also noch etwas und verziehen uns dann ins Innere unseres geschützten Heims. Gute Heizung, feines Essen und guter Wein - also ich würde sagen es könnte schlimmer sein.
Später bekommen wir von Daniela und Manfred aus St.Gallen, die wir vor kurzem unterwegs kennengelernt haben, eine Nachricht. Sie haben von Tinu einen Post auf FB gesehen, und sind nur ein paar hundert Meter von uns entfernt auf einem Camping Platz. Wir verabreden uns mit den beiden für den nächsten morgen, ihr Ziel ist ebenfalls Marrakech.
19.1. Aid Ben Haddou - Ouarzazat - Zagora
Am nächsten morgen herrscht eitel Sonnenschein und blauer Himmel. Die beiden fahren auf den Hotelparkplatz, wir plaudern ein bisschen und machen uns auf den Weg. Wir verabreden uns für später auf dem Parkplatz der Koutoubia im Zentrum von Marrakech und wollen am Abend gemeinsam essen gehen. Cool, wieder mal schweizerdeutsche Gesellschaft! Leider haben unsere Pläne eine kurze Haltbarkeitsdauer. Denn bereits beim Abzweig zum Tizin Techkt Pass, nur ein paar Kilometer weiter ist Schluss. Stopptafel und eine gelbe mit arabischer Schrift mitten auf der Strasse. Da muss man nicht wirklich arabisch können um das zu verstehen. Mist.
Wir beraten mit den beiden wie weiter. Die zwei entscheiden sich den Umweg über Taroudant zu machen, denn sie wollen nordwärts. Heisst aber anstelle von 180km total 400km über Taroudant zu fahren - und hei: wir sind nicht in Eile und haben genug von Schnee und Dauerfrost. Wir konsultieren also unsere diversen Wetter Apps (Technik sei Dank) und entscheiden uns für die Wüste. In Zagora, ca. 180km Richtung Sahara melden sie Sonne satt und am Tag lauschige 20°. Ihr zwei Lieben, leider müssen wir somit der Sonne den Vorrang geben. Wir wünschen euch eine gute Weiterreise, viel Freude in Marrakech und lasst euch bloss keinen Teppich aufschwatzen😁. Genau das lieben wir an unserer Art zu Reisen. Abfahren am Morgen mit einem Plan, bereits nach kürzester Zeit einen neuen Plan schmieden weil der alte bereits wieder obsolet ist. So geht das unterwegs.
Wir verabschieden uns also und fahren in Richtung Osten. Haben jetzt auch total Lust auf eine neue wunderschöne Bergfahrt, in Richtung der orientalischen Stadt Ouarzazat, über Pässe und später durch das grösste Anbaugebiet der marokkanischen Datteln. Ouarzazat gefällt uns total gut - hat mit der Stadt die wir kennen, nicht mehr viel gemeinsam. Neuerdings führt eine vierspurige, palmengesäumte Avenue durch die sauber aufgeräumte Stadt, grosse schön bepflanzte Kreisel sortieren den nicht allzu starken Verkehr. Wir parken auf einem der zahllosen Parkplätzen und schauen uns kurz den Markt an. Wir verschwinden aber ziemlich rasch wieder. Es ist ein bisschen deprimierend, wie viel, auch zum Teil sehr schöne Ware, angepriesen wird, für die vielleicht zehn Touristen die wir in dem Ort sehen. Aber auch wir können nicht alles kaufen, vielleicht müssten wir mal mit einem Anhänger beginnen🤔?
Über breite Trockenflüsse fahren wir ostwärts und übernachten etwas ausserhalb des Ortes. Auch die nächste Nacht ist zapfig, kleine Wasserpfützen im Flussbett gefrieren, wir befinden uns immer noch auf etwa 1100 M.ü.M.
Am Morgen fällt uns der Abschied nicht schwer, wir haben die Temperaturen von Zagora im Sinn.
22.1. - 28.1. Zagora - Erg Chegaga
Nachdem wir uns in der guten Markthalle von Zagora mit diversen Lebensmitteln eingedeckt haben, machen wir uns auf den Weg in den abgelegenen Teil der Wüste im Erg Chegaga. Die grösste Sandwüste Marokkos liegt etwa 50km westlich von M'Hamid, einem letzten kleinen Nest auf dem Weg zur algerischen Grenze. Dieser Teil Marokkos gilt bei Sandliebhabern als wild und ursprünglich und es gibt im Gegensatz zum Erg Chebbi bei Merzouga, deutlich weniger Camps und Lodges die einfach zu erreichen sind.
Wir passieren die kleinen Gassen M'Hamids und fahren über holprigem Pfad in Richtung der ersten Dünen. Bereits nach wenigen Kilometern ist die Landschaft wunderschön, der Sand puderig. Dank der Regentage der vergangenen Wochen, sind die Sandspuren ziemlich fest und gut zu fahren. Ab und zu hören wir die Motoren von ATV's (All Terrain Vehicles - oder Buggies), die über die Dünen brettern, und wie wir später erfahren für ein Rallye am nächsten Wochenende trainieren.
Wir übernachten mal hier und mal da, wechseln immer ein wenig den Standort, weil es einfach überall so schön ist, fahren wieder ein paar Sandpisten oder Flussbette und suchen uns einen neuen Platz. An einem Tag ist heftiger Sandsturm vorausgesagt, und als es am Morgen tatsächlich den Sand mit hoher Geschwindigkeit quer auf uns zubläst, machen wir uns vom Acker und fahren zu einem nahen Camp. Man kann bei solchen Verhältnissen nicht mal ein Fenster öffnen, und somit wird es unerträglich heiss im Auto. Raus kann man schon gar nicht, ausser man möchte wie ein paniertes Schnitzel wieder reinkommen. Wir erhoffen uns irgend einen Windschutz und finden den in Form einer holländischen WoMo Gruppe mit weissen Riesenmobilen. Sie parken gerade Tür an Tür ein als wir eintreffen und wir stellen uns einfach quer davor. Vielen Dank ihr Grossen!
Im Windschutz der grossen Mobile kann man sogar ein paar mal das Auto verlassen, aber eigentlich wird es erst gegen Abend besser. Henu, wir sind gut untergebracht und sitzen einfach den Sandsturm aus. Am nächsten Morgen ist eh alles vorbei und wir können wieder in Richtung der wunderschönen Sanddünen fahren. Wir verlängern und verlängern, bis uns das Wasser ausgeht und uns der Kühlschrank leer entgegen gähnt.
Da Daniela und Manfred an der Küste kein Wetterglück haben, sind wir mit den beiden in Zagora verabredet. Sie suchen besseres Wetter und wir neue Vorräte. Das passt also. Auf dem Weg zurück machen wir Halt in einigen der schönen Töpfereien dieser Region, lassen uns die Produktion erklären und würden sehr gerne einiges kaufen. Allerdings wiegen die grossartigen Planzentöpfe leer bereits etwa 20 Kilo, und die wunderschönen Mosaiktische sind sowieso kein Thema. Zu gross, zu sperrig, aber sehr schön. Schade.
Unterwegs begegnen uns lange Konvois mit LKW's aus allen möglichen europäischen Ländern, teils mit Werkstatt, teils mit Motorrädern oder ATV's beladen. Es ist Ralleywoche im Erg Chegaga. Alles mögliche wird also in die Wüste für das Ereignis des Jahres verfrachtet . Eine ganze Woche lang messen sich die Tollkühnen auf Zwei- und Vierrädern und brettern durch den Sand und um und über die Dünen.
Auf den Campingplätzen in Zagora scheint auf den ersten Blick nicht viel los zu sein, aber als wir nach einem Platz fragen, bekommen wir eine Absage weil bereits am nächsten Tag wieder eine grosse Gruppe erwartet wird. So läuft das, wenn die Strassen asphaltiert werden und quasi jeder diese Orte erreichen kann. Wir ziehen also einen Platz weiter und bekommen unter Palmen und wieder mit Katzen eine schöne Ecke für zwei Fahrzeuge.
27.1.-30.1. Zagora - Merzouga
Mit Daniela und Manfred verbringen wir einen gemütlichen Tag auf dem Campingplatz mit quasi "Nichtstun" ausser Katzen bespassen, Katzen aus den Autos schmeissen, Katzen knuddeln und gemütlich sitzend an der Sonne plaudern. Wir haben gehört, dass man sich auf dem Campingplatz gutes Essen zum WoMo bestellen kann, was wir dann auch tun. Tajine in verschiedenen Variationen, vorab einen lauwarmen Auberginen-Salat mit Fladenbrot und zum Dessert feine Orangen mit Zimt und irgendwas Frittiertes. Es hat uns richtig gut geschmeckt und das ganze war pro Person günstige 14 €.
Unsere Wege trennen sich am Morgen, wir haben viel mehr Zeit als die zwei, somit fahren wir in zwei Etappen in Richtung Merzouga und die beiden bereits Richtung Norden wo der Regen und die Kälte wartet. Aber sie haben demnächst ihre Fähre, und wie immer in diesen Tagen entnimmt man den sozialen Medien so viele Informationen, leider ganz viele nicht fundiert, dass die beiden beschliessen zum Fährbüro nach Tanger zu fahren und abzuklären, ob und wann die Fähren tatsächlich fahren. Seit Tagen lesen wir, dass wegen der Stürme die Fährverbindungen nach Algeciras, Genua und Ceuta eingestellt wurden. Wie sich herausstellt, sind ausser ein paar Ausnahmen die meisten Fähren tatsächlich gefahren. Schade, dass sich Menschen berufen fühlen, zu allem einen Kommentar abzugeben, egal ob sie auch nur die leiseste Ahnung haben oder nicht. Das macht es nicht gerade leicht, Informationen auf Richtigkeit zu filtern.
Wir übernachten unterwegs irgendwo einer kleinen Nebenpiste folgend, in die Bergen. Weit und breit nur grandiose Aussicht und in der Ferne ein kleiner Ort. Es dauert nicht mal fünf Minuten, kommt ein Junge zu Fuss daher, und quatscht uns an. Das ist wirklich ein marokkanisches Phänomen. Und sei die Gegend auch noch so leer, so einsam und ruhig, ehe man sich versieht, steht einer neben dem Auto und man hat nicht die leiseste Ahnung wo der nun herkam. Erinnert uns immer ein bisschen an Pilze. Man sieht sie lange nicht, und dann "zack" gucken sie aus der Erde - wie Marokkaner halt.
Jedenfalls wäre der Platz toll, würde er uns nicht ein Ohr abkauen, aber irgendwann hat auch er genug und verlässt uns - Gott sei Dank. Dann ist dieses Fleckchen Erde wahnsinnig schön. Bei grossartigem Abendrot können wir wieder mal draussen Essen, und auf der fernen Überlandstrasse die WoMos zählen. Es sind viele...
Die Strasse in Richtung Merzouga ist nicht ganz so gut wie die anderen, aber die Aussicht ist grandios. Grosse Kamelherden suchen an Gräsern und Kräutern was sie finden können begleitet von Hirten auf Mofas, wir kommen an kleinen und grösseren Orten vorbei und nehmen Kurs auf die riesigen Sanddünen von Merzouga. Den roten Sand sehen wir schon von Weitem. Sie sind wahnsinnig schön, und einen Vorteil hat der ewige Regen in diesem Winter, es gibt wieder mal Wasser im Lac Date Srij, der seit vielen Jahren meist trocken da liegt. Bei unserer Ankunft spiegelt sich die grosse Wasserfläche schon aus der Ferne, und viele Flamingos suchen im Wasser nach Essbarem. Toll! Wir suchen uns einen schönen Platz und richten uns ein. Sonnenuntergang, Flamingos und Gänse - wirklich super!
Wir fahren das kurze Stück Richtung Merzouga, das als Tor zur berühmten Erg Chebbi Wüste bekannt ist, einem Gebiet mit grossen goldenen Sanddünen, die bis zu 350 Meter hoch werden können. Es ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wüstentouren und Expeditionen um das Erlebnis der Sahara zu suchen, traditionelle Kameltouren zu erleben oder in luxuriösen oder einfachen Camps unter dem Sternenhimmel zu übernachten.
Durch die neue Asphaltstrasse, die bis kurz vor die Dünen führt, ist es heute sehr einfach auch für grosse Busse, dieses Gebiet zu erreichen. Grössere Gruppen mieten also Quads und düsen durch die Dünen oder erleben die Wüste auf andere Weise. Merzouga ist zu einem stattlichen Örtchen mit guter Versorgung und sogar Bankomat angewachsen, bietet einige kleine Lebensmittelläden und Restaurants oder Tourisshops mit Souvenirs an.
Wir kaufen also noch ein bisschen Gemüse, Früchte und frisches Fladenbrot, wechseln Geld, da auch hier fast alles bar bezahlt werden muss, bevor wir zu den Dünen aufbrechen. Es ist nur eine kurze Fahrt, bevor wir den ersten tiefen Sand erreichen. Weg von den Camps, den Campingplätzen und den Dromedarparkplätzen finden wir einen tollen Platz mit schöner Aussicht auf die grossen Dünen, ganz ungestört. Hier bleiben wir zwei Nächte, kraxeln auf die Dünen, bekommen Besuch von Hirten mit ihren Dromedaren und staunen über den aufgehenden Vollmond und den gleichzeitigen Sonnenuntergang.
2.2.26 Merzouga - Himmeltreppe
Unser heutiges Etappenziel ist die Kunst des Deutschen Hansjörg Voth, der 1980 aus Stampflehm eine monumentale Skulptur errichtete, um die Erde mit den Sternen zu verbinden. 52 Stufen führen in der Wüste über 16 Meter hoch in den Himmel. Aber als wir von der Asphaltstraße in die schlechte Piste abbiegen, die uns nach 6 Kilometern zum Objekt führen sollte, sehen wir nicht mal den Himmel, denn der Sandsturm ist so stark, dass man ausserhalb des Autos kaum atmen kann. Die kaum sichtbare Fahrspur wird immer tiefsandiger und führt uns nun noch durch einige Flussbette mit tiefem Flussand. Wir entscheiden uns umzudrehen. Eine Stunde anstrengendes Fahren durch Feschfesch-Felder (Feinstsand) und über grosse Steinbrocken, bringt irgendwie nichts, wenn wir dann nicht mal das Objekt der Begierde sehen. Wir suchen also einen Platz zum Wenden und machen uns auf Richtung Berge, in der Hoffnung dass weniger Sand die Luft trübt.
So kommen wir an diesem Tag gute 200km vorwärts und landen bei Tinehir, im Atlas auf einem richtig schönen Campingplatz- wo wir schon beim letzten mal waren. Hier ist der Einstieg zu den berühmten Dades- und Todrha Schluchten. Wir entsanden mal uns und unser Auto und dann gehts weiter in die tollen Schluchten.
3.2.26. Todrha und Dades Schluchten
Wir sind ja die beiden Schluchten vor langer Zeit schon mal gefahren. Aber wow, die beeindrucken uns erneut. Es hat ein paar wirklich enge Stellen, ansonsten sind die sehr gut zu fahren. Die Aussicht ist grandios, die kleinen und grösseren Berber-Ortschaften auf der Strecke sind super gepflegt, wir kaufen in kleinen Läden Lebensmittel ein und sind überrascht wie aufgeräumt alles ist, Kinder und sogar Erwachsene winken, wirklich toll. Wir sind an der höchsten Stelle sogar im Schnee auf über 2600 M.ü.M., der Wind weht so stark, dass wir immer wieder von Böen getroffen werden, und dauernd rieseln kleinere oder bis faustgrosse Steine von den hohen Felswänden herunter. Das ist ein bisschen "gfürchig", denn wo kleine Steine fliegen können ja auch grössere folgen. Aber alles geht gut.
Wir haben Winterkleider und Schuhe dabei, die wir in den Bergen wo es immer kalt ist verschenken wollen, aber einfach am Strassenrand anhalten, und jemandem die Sachen in die Hand drücken, das machen wir nicht. Das hat so was von Allmosen und Gönnertum, wir finden das blöd. Wir machen das also so, dass wir die Dinge eintauschen für Sachen die die Menschen sowieso haben. Also wenn jemand zum Beispiel viele Hühner hat, dann zum Beispiel gegen ein paar Eier oder Bergkräuter oder so.
Auf jeden Fall halten wir in einem der kleinen Dörfer an, weil ein ganz kleiner Laden sein Kunsthandwerk schon weiter weg auf Tafeln anpreist. So landen wir bei Yussuf, einem fast zahnlosen Berber, etwa 40 jährig, mit einem ganz kleinen Raum voller Teppiche und einem Webrahmen auf dem ein neues Stück bereits in Arbeit ist. Er wohnt auch da und betreibt sein kleines Business. Er ist sehr nett, überhaupt nicht aufdringlich, erklärt uns, dass seine Frau die Teppiche macht aber heute mit den Kindern unterwegs ist und deshalb nicht im Laden. Er zeigt uns vieles und wir fragen ihn ob er Bergschuhe brauchen kann. Natürlich kann er. Also wechseln meine fast neuen aber leider zu kleinen Bergschuhe den Besitzer, und werden in Zukunft an den Füssen seiner Tochter durch den Schnee stapfen. Wir erfreuen uns über den eingetauschten Teppich mit etwas Aufpreis 🙄 obwohl wir eigentlich keinen wollten, aber hei, der wird sich in der grauen Schweiz schon richtig gut in Szene setzen. Alle sind also glücklich und wir fahren weiter. Diese Fahrt ist einfach grandios. Marokko gefällt uns in dieser Ecke richtig gut. Wir fahren noch die "Murmelbahn" der Dadesschlucht und stellen uns auf einen sehr schönen Campingplatz wo wir direkt von Ibrahim mit Tee und Gebäck empfangen werden.
Am nächsten Morgen verlassen wir langsam die engen Täler und erreichen nach ein paar Dörfern und Märkten den schönen Stausee vor Ouarzazate.































































































































