31.5.22 - 3.6.22 Hamburg

 

Nach gut zweieinhalb Stunden erreichen wir nach Bremerhaven Hamburg. Wir wohnen im Ibis an der Reeperbahn mitten in St.Pauli. Vorteil wenn das "übliche" zu Hause das Womo ist: Quasi jedes Hotelzimmer ist grösser - also auch das vom Ibis😂. Somit haben wir mehr als genug Platz um unser Zeug auszubreiten. 

 

Mittlerweile kennen wir Hamburg schon recht gut. Über den Rathausplatz an die Alster, von der  Speicherstadt zur Elb Philharmonie, vom Fischmarkt in Richtung Portugiesen Viertel, trinken da ein gutes Glas Wein oder essen ein feines Znacht. Erst ist es noch regnerisch aber wie es so ist am Meer und im Norden sowieso, wechselt das Wetter innert Minuten.

 

Ab und zu müssen wir dann doch noch anderes machen als uns dem Nichtstun hinzugeben.

Wir kämpfen mit technischen Problemen: Unsere Telefone funktionieren nach dem Wechsel der SIM Karten immer noch nicht, beim Mac haben wir ein Thema mit den Fotos, bei der Kreditkarte mit dem Limit und ...ja genau, dann ist da ja auch noch unser Schiff! 

 

Nach neusten Meldungen von Seabridge wird es nun die "Morning Celesta"- die Bess ist also raus. Ein reiner Fahrzeugfrachter, im Moment von Charleston unterwegs nach Bremerhaven. Gemäss App sollte sie am 8.Juni eintreffen, aber gemäss Seabridge erst am 15. nach Südafrika auslaufen. Was macht sie wohl sieben Tage in Bremerhaven? Wir hoffen, dass vielleicht auch mal eine Meldung kommt, bei der ein unerwartet früher Termin durchgegeben wird. Und sonst vertörlen wir uns dann halt in Südafrika. Leider wird das dann schon auf unser Visum laufen...

 

Aber apropos Afrika. Am Mittwoch treffen wir uns mit Heidi und Werni am Alex. Wir kennen die zwei nicht persönlich, nur von ihrem Blog. https://wenn-nicht-jetzt.com

Die beiden sind vor dreieinhalb Jahren, mit dem gleichen Auto wie unser Indy, von der Schweiz aus in Richtung Südafrika losgefahren, und mittlerweile komplett begeistert und in Love mit dem schwarzen Kontinent. Wieder zurück in Hamburg, wo sie einiges am Auto machen lassen wollen oder müssen kreuzen sich unsere Wege, was wir dank der sozialen Medien herausfinden. Sobald ihr Auto wieder fit ist, also eigentlich geht es vor allem um die Heizung die unterwegs nicht fit gemacht werden konnte, wollen die beiden nach Uruguay verschiffen. Die Strasse aller Strasse lockt sie: Die Panamericana!

 

Leicht vorzustellen, dass wir mit den beiden sympathischen Weltenbummlern ziemlich viel zu bereden hatten. Tips von Süd nach Nord und von Ost nach West, Fragen und Antworten flitzen zwischen uns hin und her. Der Abend geht sehr schnell vorbei und die zwei waren genau die Richtigen um jetzt in totaler Vorfreude los reisen zu wollen. Schön, dass jemand so viel Positives zu berichten wusste, und nicht wie andere Reisende, vor allem von den korrupten Beamten, den mühsamen Grenzen und den gefährlichen Städten erzählt hat. 

 

Ihr Lieben, es war toll, dass wir uns so überraschend noch in Hamburg gesehen haben. Wir wünschen euch eine grossartige Zeit auf der unvergesslichen Panam und allzeit "save travels". Never know, vielleicht sehen wir uns genau so zufällig einmal wieder? Würde uns freuen.

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4.6.22 - 6.6.22 Dubai

 

Gegen Mitternacht startet unser Flieger von Hamburg in Richtung Dubai. Für mich das erste mal  in einem A380 von Emirates. Dieser Flieger übt immer grosse Magie auf uns aus. Wenn wir zu Hause sind, rennen wir auf die Terrasse wenn wir ihn im Anflug sehen, und an unserer "Stammfeuerstelle" wo er abends direkt drüber fliegt, ist schon viel magisches angedacht, besprochen und entschieden worden. Mir allerdings, macht er vor allem bei der Landung unheimliche Ohrenschmerzen. Das hatte ich noch nie. Übelst.

 

Wir landen morgens um 05.45 Uhr bei 32 Grad wie der Pilot meldet. Daunenjacke ade. Wir fahren mit einem Uber in unser Hotel und sind total positiv überrascht. Ein tolles Hotel mit vielen coolen Gadgets und tollem Design. Das Rove City Center in Deira. Hier haben wir uns für vier Tage einquartiert. 

 

Wir besuchen den Burj Khalifa, die Dubai Mall, den grossen Springbrunnen und das Wasserspiel, den Souk Madinat mit dem alten Wahrzeichen der Stadt, dem Burj al Arab, den Gold Souk und bummeln durch die alten Viertel der Stadt. Immer hinein in die Kühle der Aircon und hinaus in die Hitze der Stadt. 42 Grad. Überhaupt ist Dubai eine verrückte Welt. Auf der einen Seite Dior und Versace für Kids(!), Uhren für 100 000 U$, Rolls Royce und Ferraris in pink und hellblau, auf der anderen Seite arbeiten Handwerker 72 Stunden pro Woche für 350 U$!! In Dubai bekommt ein einheimischer Vater, sobald der erste Sohn zur Welt kommt, 1.2 Mio U$  vom Staat für den Hausbau. Wer studiert hat eine Garantie auf eine Stelle in einem Amt und wird in seinem Leben nie eine Drecksarbeit machen müssen. Dafür werden in Dubai Pakistanis, Nepalesen und Inder angestellt. Aufenthaltsvisum ist immer gekoppelt an einen Arbeitsvertrag. Harte Sitten.

A380
Hotel Rove
Lobby
Skyline

Am Abend nach ein paar feinen arabischen Spezialitäten, sind wir im Hotel, ich schreibe ein paar Zeilen und Tinu füllt die Formulare für die Immigration für Mauritius aus. Auf einmal stutz er, und meint; wann genau haben wir eigentlich den Flug nach Port Louis? "Dienstag 02.30 in der Nacht" beantworte ich seine Frage. Mir gefallen seine Falten auf der Stirn überhaupt nicht. Die hab ich 19hundert irgendwas schon mal gesehen, und damals haben wir prompt den Flug von Goa nach Genf verpasst. Er schaut sich nochmal die Tickets an und meint, nein, das ist Montag Abend. Dienstag zwar 02.30 Uhr aber das ist ja morgens. Total verwirrt, versuchen wir die Hotelnächte und den Abflug in Einklang zu bringen, was uns nicht gelingt. Fakt; wir haben das Hotel eine Nacht zu lange gebucht, aber egal wir sind ja bis Mitternacht im Hotel. Auf alle Fälle kommen wir nun mit unserem Programm ins Straucheln. Wir wollen auf jeden Fall noch den neuen Top Gun im Kino sehen. Das bietet sich hier an. Erstens ist es Draussen wahnsinnig heiss, und hier in Dubai hat es die grösste Kinoleinwand mit spezieller Tontechnik in Afrika. 

 

Also Tickets reservieren, dann morgens durch den Gewürz Souk schlendern und zu den alten Dhaus im Dubai Creek. Die grossen Handelsschiffe, die immer noch aus Holz gezimmert werden, bringen Waren von Indien und dem Iran. Wir trinken nochmal einen dieser wunderbaren Säfte aus Limone und frischer Minze und verziehen uns ins Kino. Gut einen Schal dabei zu haben, es ist bestimmt nicht mehr als 18 Grad. Aber es lohn sich. Tinu und ich sind mit sechs anderen Personen in dem riiiieesigen Kino, und der Film macht Spass wie von 30 Jahren. Tom Cruise sieht in Uniform immer noch gut aus, die Musik ist immer noch laut und die Flugaufnahmen Spitzenklasse. Also alles so wie es sein muss 😉. 

7.6.22 - Mauritius 

 

Nachdem wir mit einer Stunde Verspätung in Dubai gestartet sind, verläuft unser Flug planmässig und ruhig. Wir landen am Morgen um halb zehn, es geht entspannt zur Immigration und später zum PCR Test. Die Mauritier sind nett und freundlich, sprechen Französisch und Englisch und untereinander Kreolisch. Créole ist eine ehemalige Sprache der Sklaven und hat ihren Ursprung im Haitianischen. Keine Chance etwas zu verstehen. Eher nur ab und zu Brocken, dann wenn die Einheimischen übergangslos englische oder französische Ausdrücke untermischen. 

 

Wir fragen einige Personen nach dem lokalen Bus nach Port Louis, der Hauptstadt. Vier Antworten fünf Meinungen - wir sind in Afrika 😂. Wir haben uns ausserhalb für drei Nächte ein Zimmer reserviert, um die 170000 Einwohner zählende Hauptstadt zu erkunden. Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen wir mit einem lokalen "Überlandschüttler" die Hauptstadt. Wir nehmen uns ein Taxi zur Villa Alizze in Tambeau. Das kleine Guesthouse mit 11 Zimmern ist sehr sympathisch und Pamela die Gastgeberin erklärt uns bei einem Vanilletee die paar Dinge die man wissen muss. Wir haben ein schönes Zimmer direkt am kleinen Pool und fühlen uns gleich zu Hause. Nach 24 Stunden ohne Schlaf sind wir ein wenig durchgekaut, und lauschen erst mal ein bisschen an unseren Kopfkissen. Bis auf Hundegebell ist es in diesem Viertel sehr ruhig. 

 

Da es in dieser Gegend keine Restaurants oder Läden gibt, werden wir von Hondo, dem Koch mit einem schönen Hauptgang mit Fisch auf Salat verwöhnt. Lecker. Wir schlafen tief und gut, bis auf ein paar Hundegebellintermezzi ist alles ruhig. 

 

Und der Tag hat sooo gut angefangen....Nach einem grossen Frühstück bummeln wir zur Strasse und winken einem der Sammeltaxis die es auf der Insel zu Hauf gibt. Man streckt seinen Arm, das nächste hält an, man sagt wohin man will, und los gehts. Es sind normale Autos, manche wie Minibusse andere wie PKWs. Jede Strecke kostet 30 Rupien, was ca. 60 Rappen ist. In der Hauptstadt am Busbahnhof, ist die Endhaltestelle wo alle aussteigen. 

 

Wir erkundigen die Altstadt, die Waterfront mit ihren lokalen Geschäften und dem hiesigen Kunsthandwerk, aber es hat nur sehr wenige Touristen. Es bräuchte unbedingt ein paar Kreuzfahrtschiffe, mit Touristen die mit Freude Souvenirs kaufen, denn wir haben den Eindruck, dass einige von den Händlern schon lange keine guten Geschäfte mehr gemacht haben. Aber wir können auch nicht jedes T-Shirt und jeden Sarong kaufen, nur weil sie aus super Qualität, mega günstig oder einfach wunderschön sind. Denn obwohl unser Indy sich immer noch in Bremerhaven rumtummelt, irgendwann werden all unsere Einkäufe wieder dort untergebracht sein müssen.

 

Wir besuchen den Zentralen Markt und haben direkt Lust einzukaufen. Richtig schönes Gemüse, nicht sehr exotisch zwar, aber schöne Rüebli, Kartoffeln, Zwiebeln, Okras, Gurken und Chilis, einige Früchte wie Orangen, Trauben und Äpfel und vor allem wahnsinnig schöne Granatäpfel, locken um selber zu kochen oder Müsli zu machen. Es gefällt uns! Wir bummeln durch einen alten Park, und sehen viele Hinterlassenschaften von Vögeln auf dem Boden. Wir beschliessen da auf keinen Fall auf einer Bank auszuruhen, denn auch die sind weiss vom Vogelkot. Wir hören sie schreien in den grossen Bäumen und schauen uns nach Papageien oder sonstigen grossen Vögeln um. Aber NO! Es sind Flughunde. Sooo cool. Die sind richtig gross und hängen in ganzen Familien in den Bäumen, spreizen ihre Flügel (sagt man bei Flughunden Flügel?) in der Sonne. Das haben wir ja noch gar nie gesehen. Super.

 

Um in die Villa Alizze zu gelangen, schnappen wir uns wiederum ein Sammeltaxi, laden da und dort noch andere Passagiere ein, oder lassen andere aussteigen. Der nette Fahrer lässt uns zu Hause am Strassenrand aussteigen und wir spazieren die etwa 500 Meter zu unserer Unterkunft. Direkt angekommen, merke ich, dass ich mein Natel nicht mehr habe. HILFE! Mein ganzes Leben ist auf dem Teil organisiert. Denn in der Hülle habe ich auch meine ganzen physischen Kreditkarten, und natürlich sämtliche online Zugänge zu Banken, Post etc. So ein Schei...aber auch. Wir gehen zurück zum Ausstiegspunkt, denn die Fahrer kehren nach einer etwa 10 Minütigen Schlaufe, wieder über diese Strasse zurück in die Hauptstadt. Ich bin eigentlich ganz positiv, dass wir ihn erkennen werden obwohl Tinu meint es sei ein weisses Auto gewesen, der Fahrer habe ein rotes Hemd und keine Maske  getragen, ich hingegen denke es war ein blaues Auto, der Fahrer hatte ein blaues Hemd an und eine chirurgische Maske auf. Wir wären also an einem Tatort lausige Zeugen!! Wir stehen auf jeden Fall eine Stunde an der Strasse, doch leider können wir den Fahrer nicht ausmachen, obwohl die Autos hier langsam fahren. Vielleicht war er halt schon vorbeigefahren...Im Guesthouse werden wir gefragt ob wir Glück hatten - leider nein.

 

Aber wir wollen morgen zum Taxistand in der Stadt zurückkehren und schauen ob wir diesen Taxifahrer, der morgen wohl ein grünes Hemd tragen wird und wahrscheinlich auch ein gelbes Auto fährt, ausmachen können. Oliver der nette Gastgeber von der Villa meint, es könne gut sein dass wir Glück haben. Hier werde wenig geklaut. Und schliesslich habe ich im Zug nach Hamburg auch ein iPhone gefunden und ins Fundbüro gebracht. Vielleicht reicht also das Karma. Zur Sicherheit sperre ich also schon mal sämtliche Kreditkarten temporär und hoffe nun auf das Beste. Aber ansonsten war der Tag toll!

 

Geendet hat er mit frischen Langusten aus lokalen Gewässern und ein paar gepressten Trauben aus Südafrika. Also, alles gut.

8.6.2022 Mauritius 

 

Heute wollen wir nebst den nächsten 99 Telefonaten um Kreditkarten zu sperren, eine neue SIM Karte zu bekommen, Codes zu bestellen und so weiter, vor allem etwas von Mauritius sehen. Wir fahren also mit dem Bus nach Port Louis, wo wir am Taxistand noch ein bisschen verweilen, vielleicht haben wir ja Glück und sehen den Taxifahrer von gestern. Wobei, eigentlich wissen wir nur sicher, dass das Auto Schiebetüren hatte und nicht die herkömmlichen und dass er innen hellbraun war. Nicht gerade üppig😜. Über den Rest wie Farbe des Fahrzeugs und Marke etc. haben wir ja keine Ahnung. Also blieben wir eine Weile da, verlieren aber nach einer halben Stunde die Geduld, und denken uns, wenn es hätte sein sollen, wäre er schon längst aufgetaucht. 

 

Wir nehmen also den nächsten Bus nach Pampelmousse Gardens. Der Garten beherbergt eine große Vielfalt an tropischen Pflanzen, von denen viele einheimisch sind. Der Botanische Garten erstreckt sich über eine Fläche von 37 Hektar und ist der älteste Botanische Garten der südlichen Hemisphäre. Heute findet man hier mehr als 600 verschiedene Pflanzenarten, darunter 85 verschiedene Palmenarten, die aus verschiedenen Teilen der Welt hierhergebracht worden sind. Direkt zu Beginn des Parks gibt es ein Gehege für Riesenschildkröten und Rehe. Richtig cool ist der Teich mit den Amazonas-Riesenseerosen. Diese stammen, wie es der  Name schon sagt,  aus dem Amazonas-Gebiet und wurden dort von einem Deutschen Botaniker entdeckt, der diese  Königin Victoria von England gewidmet hat.

 

Ihre Blätter können bis drei Meter Durchmesser haben und schwimmen auf der Wasseroberfläche. Man sagt, sie könnten das Gewicht von Babys tragen, was wir nicht ausprobiert haben. Die Blüte der Riesenseerosen öffnet sich nur an zwei aufeinanderfolgenden Tagen: Am ersten Tag ist die Blüte weiß und die Blume weiblich und lockt mit einem süßen Sekret Insekten an. Während die Insekten in der Blüte sitzen und sich am süßen Nektar erfreuen, schließt sich die Blüte. Autsch. Am nächsten Tag hat sich die Farbe der Blüte von weiß zu violett verändert, sie ist nun männlich und durch die Insekten bestäubt, öffnet sich wieder und das Insekt wird entlassen und kann zu einer neuen, weißen Blüte fliegen. Die violette, jetzt männliche Blume verwelkt, und wird ähnlich einer Mohnblume zu einem Blütenstamm mit ungefähr 500 neuen Samen. Was für eine verrückt-schöne Naturgewalt. Und sie sind zum niederknien grossartig. Die neuen Blätter wachsen mit Stacheln auf der Aussenseite, damit sie nicht von Fischen angefressen werden, pro Tag ca. 30 cm!! Ich bin begeistert!!

 

Ganz in der Nähe der Gärten gibt es das l'Aventure du Sucre, das Zuckermuseum. Hier kann man alles über den Zuckerrohranbau und die Herstellung erfahren. Aus einer Pflanze Zuckerrohr (= ca 20 Liter gepresster Zuckerrohrsaft) können bis zu 2 kg Zucker gewonnen werden. Wer ein geschältes Stück kaut, schmeckt den Beweis sofort. Unglaublich, wie süß so ein Stück vermeidliches Holz sein kann! Nach dem Zusammenschluss einiger kleiner Zuckerrohrproduzenten, gibt es jetzt nur noch deren drei auf der Insel. Sie betreiben neben dem Zuckerbusiness auch eine Destillerie für Rum (New Groove). Es gibt Zuckerdegustationen, wobei die Degustation des Rums eigentlich fast spannender ist...und weniger klebrig.

 

Zurück mit einem Express Bus in Port Louis, wollen wir nochmal beim Taxistand vorbei schauen. Wir stehen etwa 5 Minuten da, da kommt ein schwarzes Fahrzeug, der Fahrer öffnet die Schiebetür, innen ist es hellbraun und ich erkenne ihn sofort. Das ist unser Mann von gestern. Ich stelle mich vor, und erkläre ihm die Situation. Er ist geknickt, entschuldigt sich, dass er leider nichts gefunden hat. Ich glaube ihm sofort. Er ist eine ehrliche Haut und ich will ihn keinesfalls anschuldigen oder bloßstellen.

 

Wir fahren also mit ihm zurück zu unserem Guesthouse und wissen somit Bescheid. Alle Karten sperren, neue SIM Karte schicken lassen, online Banking sperren, das volle Programm. Da unsere Telefone mit der neuen Sunrise SIM Karte seit Deutschland eh nicht funktionieren, telefoniere ich mit Skype. Mehr oder weniger gut, manchmal, nachdem ich die ganze Story erzählt habe, verliere ich den Empfang und beginne von vorne. Diese Callcenter sind ja schon eine üble Sache. Man wird mit Russland, Pakistan oder Gott weiss wo verbunden. Aber Herr Schmitt von der Amexco hat dann doch den Vogel abgeschossen. Auf meine Frage, ob er mir die Ersatzkarte auch nach Südafrika senden kann, meinte er, das sei nicht teil seiner Schulung gewesen, er würde sie lieber nach Niederglatt schicken. Ich kann nicht mehr! ... und brauche noch einen Rum!

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Was für eine verrückte Geschichte! Nachdem wir uns in der Villa Alizze vom wunderbaren Gastgeber Oliver verabschiedet haben, nehmen wir uns ein Taxi in die Hauptstadt. Dort wechseln wir auf einen "Express Bus" in den Süden nach Mahébourg. Bereits am Busbahnhof Mahébourg sehen wir das Türkise Meer. Schön. Ab und zu schüttet es, mal ist der Regen nur ganz fein wie Sprühnebel. Wir wechseln nochmal den Bus, der uns nach Blue Bay bringt. Ein kurzer Spaziergang bring uns in unser zu hause für die nächsten gut zwei Wochen. Es heisst Explora Prestige, hat vielleicht 12 Zimmer und einen schönen Innenhof mit kleinem Pool. Als wir ankommen, ist der Gastgeber Hans, schon ganz aufgeregt. Er sagt die Gesundheitspolizei hätte uns am Morgen gesucht und sei direkt im Guesthouse vorbeigekommen?!? Er wisse, dass es nicht um Covid gehe, aber es habe damit zu tun aus welchem Land wir eingereist seien. Dubai, Thailand? Wir wissen es nicht, aber die werden wohl nochmal vorbei kommen. 

 

Dann habe die Polizei von Port Louis angerufen. Jemand hätte mein Telefon mit vielen Kreditkarten auf dem Posten abgegeben. Aber sie könnten mich nicht finden. Sie habens auf dem Telefon von Tinu versucht, was ja dank Sunrise immer noch nicht funktioniert. Sie hätten schon ganz viele Anrufe gemacht, bei der Flughafenpolizei, bei Einreisebehörden etc. und seien jetzt bei ihm gelandet in der Hoffnung mich zu finden. Zuerst hat Hans, der Gastgeber wohl gesagt, dass ich nicht hier wohne, weil die Buchung auf Tinu gelautet hat. Dann habe er aber beim Polizisten nachgefragt wegen Kontaktperson (die man bei der Einreise ebenfalls angeben muss) und das war natürlich Tinu. So haben sie die Verbindung gefunden. Verrückt, dass sich dieser Polizist soviel Mühe gemacht hat. 

 

Ich rufe ihn also in Port Louis an, und er ist ganz begeistert mich endlich am Draht zu haben. Er meinte, als er das Telefon mit den vielen Karten gesehen habe, hätte er alles daran gesetzt, mich zu finden. Sonst wäre doch sicher mein Urlaub komplett ruiniert gewesen. Sooo nett! Jetzt hab ich mit ihm vereinbart, dass wir am Dienstag, wenn er wieder arbeitet, wieder den Bus nehmen und nochmal in die Stadt fahren. So richtig glauben, werde ich es erst wenn ich es in den Händen halte. Aber die Chancen stehen schon mal super! Ich liebe sie, diese Mauritier!

10.6. - Mauritius

 

Wir sind nun also im Süden der Insel, es ist eher frisch, die Einheimischen jammern, dass es im Winter immer so kalt ist und sie deswegen verschnupft sind. Ha, es handelt sich immerhin um lauschige 24 Grad. Aber der Wind ist stark und zum Baden ist es tatsächlich ein bisschen zu frisch. Die Wellen am Riff sind sicher drei oder vier Meter hoch und die kleinen Boote müssen aufpassen beim Queren des Riffs. Das Guesthouse ist heimelig und die Mitarbeiter sind sehr nett. Alles ist klein und familiär. Wir machen lange Spaziergänge, haben immer wieder Glück, dass wir es vor dem nächsten grossen Regen ans Trockene schaffen, am Abend sitzen wir auf der Veranda, schreiben, surfen im Internet, versuchen unsere Reisepläne auf die Reihe zu bekommen, da unser Frachter, noch weit und breit nicht in Sicht ist. Er ist ja noch nicht mal gestartet, und unser Indy steht immer noch am Hafen. Wir werden also mindestens 17 Tage an der winterlichen Küste Südafrikas überbrücken müssen. Tinu versucht unseren Flug zu verschieben, damit wir die Tage in Mauritius verbringen könnten. Es ist ein Scherz. Den Flug Mauritius - Johannesburg - Port Elizabeth zu verschieben, würde pro Person mehr als 4000.- kosten. Der Flug ab Hamburg über Dubai war nicht mal die Hälfte ...

 

Am Abend lernen wir in unserem kleinen Garten Bea und Pit kennen. Die beiden aus dem Seeland, sind seit 9 (!) Jahren mit dem Velo unterwegs und haben in dieser Zeit über 100'000 km in ca. 60 Länder "erfahren". Im Moment sind sie mit Rucksack und ÖV unterwegs. Wir haben interessante Gespräche - es ist schön mit ähnlich Gesinnten. Bea findet sogar heraus, dass wir gemeinsame Freunde haben! Chrige und Kölbi, die wir in Mexiko kennengelernt haben, sind beste Freund von den beiden. Die Welt ist ein Dorf. Auf jeden Fall ist es schön mit den zwei Velofreaks Zeit zu verbringen, mal Essen zu gehen, oder zusammen ein Glas Wein zu trinken. 


 

Am Morgen bringen sie uns zum Airport, damit wir unser Mietauto übernehmen können und düsen weiter in Richtung Süden, wo sie ein paar Tage wandern wollen. Wir mieten uns also erst mal eine kleines Auto und erkunden die Insel. Sie ist wunderbar grün, riesige Zuckerrohrplantagen, reihen sich an Bananen und immer wieder sehen wir die grossen Mangobäume. Weil hier ebenfalls Winter ist, tragen die Mangobäume weder Blüten noch Früchte. Aber sie sind majestätisch gross und spenden Schatten für die kleinen Häuser der Einheimischen. 

 

Wir kurven also der Küste entlang in Richtung Osten, die Strassen sind mehrheitlich gut bis sehr gut - ein bisschen wie Cruisen an der Côte d'Azur. Mauritius erinnert uns immer wieder an Madagascar - üppig grün, die Menschen dunkel aber nicht negrid sondern eher tamilischer oder indischer Abstammung (2/3 der Mauritier), alle freundlich aber unaufdringlich und hilfsbereit, immer wieder mal schöne Kolonialhäuser, aber bestimmt weniger arm als auf der grossen Nachbarinsel. Als wir zum Guesthouse zurückkehren, sind wir beinahe die einzigen Gäste. Von den ca. 12 Zimmern oder so, sind nur noch drei besetzt. Ein junges Paar aus Los Angeles hat gerade mit ihrem kleinen Sohn eingecheckt. Natürlich kommen wir ins Gespräch und die beiden sind seit vielen Stunden unterwegs. Los Angeles ist ja gefühlt einmal ringsum. Sie haben aber in Zürich einen zweitägigen Stop over gemacht, um ein bisschen auszuruhen und noch etwas anderes zu sehen. Sie haben im Hotel Opéra beim Opernhaus übernachtet. Echt jetzt? Die Welt ist definitiv ein Dorf ...

 

14.6. Mauritius

 

Heute ist Telefontag. Ich hoffe, tatsächlich mein Mobile zurückzubekommen und bin eigentlich guten Mutes. Wir fahren los, mit der Adresse der Hauptpolizei Dienststelle in Port Louis in der Tasche, wo Mr. Allear offenbar arbeitet. Nach einer knappen Stunde fahrt, haben wir im Zentrum einen guten Parkplatz gefunden und bummeln los in Richtung Head Quarter. Dort empfängt uns ein netter Polizist und fragt nach unserem Anliegen. Er ruft Mr. Allear an, und meint der arbeite in der kleineren Polizeistelle am Immigration Square. Ein kurzer Spaziergang bringt uns dorthin, und wir fragen den Polizisten am Eingang nach Mr. Allear. Volltreffer - er ist es höchstpersönlich. 

 

Froh, nach den Anrufen bei der Botschaft, beim Immigration Office, bei der Gesundheitsbehörde und in unserem Guesthouse, mich endlich zu sehen. Sogar über Facebook hat er gehofft mich und meinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen. So viel Einsatz von einem Polizisten, der einen Touri sucht wegen einem Telefon. Ich bin beeindruckt! Ich muss kurz noch einen Abholschein unterschreiben, dann gehört das Telefon wieder mir. Komplett mit allen Kreditkarten und der ID. Viiiiielen herzlichen Dank! Nicht mal das Trinkgeld will er annehmen, dabei bin ich doch so froh, dass er keine Mühe gescheut hat, mich zu suchen. Wir geben ihm das Geld trotzdem, und überlassen es ihm, was er damit tut, oder wem er es möglicherweise gibt. Thanks a lot! Great Mauritian People. Der Eigentliche Dank gehört dem Finder, der das Telefon der Polizei übergeben hat. Unbekannterweise auch hier ein "thanks a lot"!

 

Wir bummeln noch etwas durch die Stadt und fahren später in Richtung Norden zu den berühmten Stränden von Grand Bay. Wir plantschen am öffentlichen Strand, das Wasser ist glasklar und vielleicht 24 Grad warm. 

 

Unterwegs sehen wir ein Schild "Vallée de Ylang Ylang". Das letzte mal, dass wir eine dieser Duftplantagen gesehen haben, war 1993 in Madagascar. Ylang Ylang, ist eine Blüte des gleichnamigen Baumes, der als Basis zu Parfum Herstellung dient. Duftet wunderbar einzigartig. Wir haben damals eine Blüte in unserem Reiseführer zwischen den Seiten gepresst, und auch viele Jahre später war der Duft noch zu riechen. 

 

Wir halten an einer ganz kleinen Distillerie, bei Josseline. Sie begrüsst uns und meint, wir dürften gerne ihren kleinen Garten und die Destillerie besichtigen kommen. Sie ist ein einfrau Unternehmen und sie sammelt in der entsprechenden Saison, Ylang Ylang, Eukalyptus, Verveine, Zimtblätter, Frangipani, Rosmarin und Bergamotte am Hügel hinter ihrem Haus (meine Bilder sind aus dem Internet, da im Moment Winter ist, und natürlich nichts blüht). Daraus gewinnt sie hochwertige Öle, macht daraus Seifen oder verkauft die Essenzen. Wahnsinnig einfach und doch so genial. Die Distille ist alt und rostig, erfüllt aber jederzeit ihren Zweck. Sie weiss viel über die Heilpflanzen zu erzählen, gibt uns immer wieder Blätter oder Blüten um daran zu riechen. Sie will nichts für die Führung, aber wir kaufen ihr ein paar Seifen und Öle ab - damit ist der Duft unseres Indys über weite Distanz gesichert. 

15./16.6 Mauritius

 

Wir geniessen die Tage in Mauritius und das Auto. So klein wie es ist, gibt uns die Freiheit etwas grössere Distanzen zu erkunden. Im Vallée de Ferney machen wir eine Wanderung von 10km über Stock und Stein und über Hügel und durch Bäche. Wie jeden Tag ist es ab und zu heiss und dann werden wir wieder von einem kurzen Tropenregen überrascht, kurz geduscht oder nur von feinem Sprühnebel erwischt. Aber warm bleibt es trotzdem, somit ist das kein Problem. Wir trocknen in Nullkommanichts. Die Landschaft auf Mauritius ist saftig grün, obwohl nur noch 2% des Primärwaldes übriggeblieben sind. Jetzt sind die Hügel vor allem von Palmen, den silberfarbigen Stämmen von Eukalyptus und Mangobäumen bewachsen. Viele grosse Nonis (indische Maulbeerfrucht) prägen ebenfalls das Waldbild, aber auch die sind natürlich vom Menschen gepflanzt oder durch Vögel oder Flughunde weiterverbreitet worden. Die Frucht des Nonibaumes hat hier übrigens fast die gleiche Bedeutung wie bei uns die Aloe Vera. Ihr Gel hat ebenfalls eine heilende und kühlende Wirkung - sagt man.

 

Das Geo-Reservat des Vallée de Ferney versucht dieser Entwicklung entgegen zu wirken, und pflanzt in Treibhäusern die ursprünglichen Bäume an, und setzt sie, wenn sie gross genug sind, wieder aus. Aber auch hier im Tal sind es vor allem Zuckerrohrplantagen und einige Felder von Zucchetti die den Bauern das Überleben sichern.